{"id":540085,"date":"2025-10-31T10:29:27","date_gmt":"2025-10-31T10:29:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/540085\/"},"modified":"2025-10-31T10:29:27","modified_gmt":"2025-10-31T10:29:27","slug":"afghanische-vertretung-in-bonn-ein-taliban-als-generalkonsul","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/540085\/","title":{"rendered":"Afghanische Vertretung in Bonn: Ein Taliban als Generalkonsul"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/afghanisches-generalkonsulat-bonn-102.jpg\" alt=\"Ein Schild mit der Aufschrift &quot;Generalkonsulat der Islamischen Republic Afghanistan - Bonn&quot;\" title=\"Ein Schild mit der Aufschrift &quot;Generalkonsulat der Islamischen Republic Afghanistan - Bonn&quot; | picture alliance \/ Bonn.digital\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 31.10.2025 06:00 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Seit knapp einem Monat kontrollieren die Taliban alle diplomatischen Vertretungen Afghanistans in Deutschland. Viele Exil-Afghanen sind entsetzt, manche aber suchen auch den Kontakt mit den Radikalislamisten.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/peter-hornung-105.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Peter Hornung, NDR\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/peter-hornung-103.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Er sei ein h\u00f6flicher Mensch, habe Humor und empfange gerne Besuch. So spricht jemand, der ihn kennt, \u00fcber den &#8222;Neuen&#8220; im Bonner Generalkonsulat Afghanistans. Unter den Radikalislamisten sei er eher ein Gem\u00e4\u00dfigter: Said Mustafa Hashimi, einer der beiden Konsularbeamten aus Kabul, die die Bundesregierung vor einigen Wochen akkreditiert hatte.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Hashimi ist kein einfacher Beamter, er ist faktisch nun Chef des Generalkonsulats &#8211; und damit der erste Taliban, der eine diplomatische Vertretung Afghanistans in Deutschland leitet.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Als &#8222;Herr Generalkonsul&#8220; wird er nun angesprochen, und als solcher gr\u00fc\u00dft er auch von der neuen Internetseite des Konsulats. Es sei ihm eine Ehre, betont er dort, &#8222;als Generalkonsul von Afghanistan in Bonn t\u00e4tig zu sein&#8220;. Hashimi kleidet sich traditionell mit der Shalwa, einer weiten Hose, dem Kameez, einem langen lockeren Oberteil, und dem typischen Turban der Taliban mit schwarz-wei\u00df gemustertem Schal.<\/p>\n<p>    Einige Afghanen suchen den Kontakt<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es gibt Exil-Afghanen, die entsetzt sind dar\u00fcber, dass nun ein Taliban in Bonn residiert. Es gibt aber auch andere, die den Kontakt zu ihm suchen. Denn auch wenn das Generalkonsulat wohl erst in einigen Tagen wieder \u00f6ffnen wird, kommen schon jetzt jeden Tag zahlreiche Besucher.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ein \u00fcber die Plattform TikTok verbreitetes Foto zeigt Hashimi in seinem Bonner B\u00fcro mit einer Gruppe Afghanen, die bewirtet wurden, wie man das bei Afghanen tut: mit Gr\u00fcntee, S\u00fc\u00dfigkeiten und N\u00fcssen. Nach ARD-Informationen kommen sie aus dem Raum K\u00f6ln\/Bonn. Es sind vor allem Paschtunen, also Angeh\u00f6rige derjenigen Volksgruppe Afghanistans, zu der auch die Taliban geh\u00f6ren.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Anfang Oktober hatten der bisherige Generalkonsul Hamid Nangialay Kabiri und seine 22 Mitarbeitenden <a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/nachrichten\/rheinland\/ruecktritt-personal-botschaft-afghanistan-bonn-100.html\" title=\"Mitarbeiter des afghanischen Konsulats k\u00fcndigen\" class=\"textlink--extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">das Geb\u00e4ude im Bonner Stadtteil \u00dcckesdorf verlassen.<\/a> Aus Protest gegen die Akkreditierung von zwei Taliban-Diplomaten durch die Bundesregierung, hie\u00df es zun\u00e4chst. Doch ARD-Recherchen zeigten: Das Ausw\u00e4rtige Amt hatte die sogenannte Protokollkarte des noch von der fr\u00fcheren Regierung Afghanistans entsandten Generalkonsuls nicht verl\u00e4ngert.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ihm blieb folglich gar nichts anderes \u00fcbrig, als zu gehen &#8211; die amtliche Karte des Ausw\u00e4rtigen Amtes ist seine Akkreditierung in Deutschland und seine Aufenthaltsberechtigung. \u00c4u\u00dfern wollte sich das Ausw\u00e4rtige Amt dazu nicht.<\/p>\n<p>    Normaler Betrieb?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Schon zwei Tage sp\u00e4ter \u00fcbernahm der Neue aus Kabul. Seitdem arbeite man mit Hochdruck daran, den normalen Betrieb wiederaufzunehmen, hei\u00dft es aus dem Konsulat.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Man wolle &#8222;exzellente Dienstleistungen&#8220; anbieten, steht auf der neuen Internetseite: &#8222;Unser Team arbeitet engagiert daran, afghanische Staatsangeh\u00f6rige zu unterst\u00fctzen und die bilaterale Zusammenarbeit in allen Bereichen zu f\u00f6rdern.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Tats\u00e4chlich war einiges zu tun: Die Heizung lief zun\u00e4chst nicht, es gab Probleme mit dem Wasser, und dann musste das Computernetzwerk wieder zum Laufen gebracht werden.<\/p>\n<p>    Angst unter Regimegegnern<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Regimegegner haben Angst, dass die Taliban bald <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/innenpolitik\/afghanistan-botschaft-taliban-102.html\" title=\"Afghanisches Generalkonsulat: Datenschatz f\u00fcr die Taliban\u00a0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zugang zu der zentralen Datenbank bekommen,<\/a> in der zehntausende Passantr\u00e4ge, Ehe- und Geburtsurkunden sowie andere sensible Daten von Afghaninnen und Afghanen in Deutschland und anderen L\u00e4ndern gespeichert sind.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das Generalkonsulat in Bonn diente bislang als Knotenpunkt f\u00fcr die IT-Systeme von afghanischen Botschaften und Konsulaten in Europa, Kanada und Australien. Viele Betroffene bef\u00fcrchten, dass diese Daten in den H\u00e4nden der Taliban ihnen oder ihren Familien in Afghanistan schaden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>    Alle Vertretungen von Taliban kontrolliert<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mit dem j\u00fcngsten Wechsel in Bonn werden nun alle Vertretungen Afghanistans in Deutschland von den Taliban kontrolliert. Ex-Generalkonsul Kabiri sei der &#8222;last man standing&#8220; gewesen, sagte ein hochrangiger afghanischer Diplomat und Taliban-Kritiker dem ARD-Studio Neu-Delhi.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der afghanische Generalkonsul in M\u00fcnchen dagegen kooperierte schon seit L\u00e4ngerem ganz offen mit Kabul. Er wird in einem vertraulichen Dokument bereits als &#8222;Generalkonsul des Islamischen Emirats Afghanistan&#8220; bezeichnet, wie die Taliban ihren Staat nennen. Und auch in der Botschaft Afghanistans in Berlin ist man den neuen Herren in Afghanistan bereits seit fast einem Jahr wohlgesonnen. Damals musste der bisherige Botschafter Yama Yari gehen, ein erkl\u00e4rter Taliban-Gegner.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Tats\u00e4chlich konnten die Radikalislamisten in Deutschland am Ende vor allem deshalb \u00fcberall Fu\u00df fassen, weil die deutsche Regierung ihnen dabei kr\u00e4ftig half.<\/p>\n<p>    Ein Problem f\u00fcr viele Afghaninnen und Afghanen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das Ausw\u00e4rtige Amt erkl\u00e4rte noch k\u00fcrzlich auf ARD-Anfrage, die Bundesregierung habe weiterhin ein Interesse daran, dass die afghanischen Missionen &#8222;von Personen geleitet werden, die bereits vor der Macht\u00fcbernahme durch die Taliban akkreditiert wurden&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Im Fr\u00fchjahr hatte das deutsche Au\u00dfenministerium die Versetzung eines Taliban-freundlichen Afghanen von M\u00fcnchen nach Bonn noch verhindert. Das geht aus einem vertraulichen Brief des Ausw\u00e4rtigen Amtes an die afghanische Botschaft vom M\u00e4rz dieses Jahres hervor, den das ARD-Studio Neu-Delhi einsehen konnte. Der Mann aus M\u00fcnchen sollte offenbar das von Taliban-Gegner Kabiri gef\u00fchrte Bonner Generalkonsulat schon damals auf Linie bringen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Was im Fr\u00fchjahr misslang, gl\u00fcckte den Radikalislamisten schlie\u00dflich vor vier Wochen. Das Ministerium in Kabul forderte die Abberufung von Generalkonsul Kabiri, und das Ausw\u00e4rtige Amt kam dem nach. Obwohl die Bundesregierung das Taliban-Regime auch weiterhin nicht anerkennt, sieht das Ausw\u00e4rtige Amt solche Abberufungen durch Kabul als &#8222;rechtlich bindend&#8220;, so die Antwort auf eine ARD-Anfrage.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dass es nun keine afghanische Mission in Deutschland mehr gibt, die von Taliban-Gegnern gef\u00fchrt wird, ist f\u00fcr viele Afghaninnen und Afghanen, die in Deutschland leben, ein Problem.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In ein Konsulat zu gehen, in dem ein Taliban sitzt, ist f\u00fcr die in der N\u00e4he von Frankfurt lebende Rechtsanw\u00e4ltin und Menschensrechtsaktivistin Masiha Fayez kaum vorstellbar. &#8222;Wie k\u00f6nnen wir mit diesem grausamen Regime reden? Oder dieser Person, die es vertritt?&#8220;, sagt sie fassungslos. &#8222;Wir sind durch sie traumatisiert. Und das traumatisiert uns von Neuem.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 31.10.2025 06:00 Uhr Seit knapp einem Monat kontrollieren die Taliban alle diplomatischen Vertretungen Afghanistans in Deutschland. 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