{"id":540782,"date":"2025-10-31T17:12:23","date_gmt":"2025-10-31T17:12:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/540782\/"},"modified":"2025-10-31T17:12:23","modified_gmt":"2025-10-31T17:12:23","slug":"palaestina-solidaritaet-berlin-from-the-river-to-the-sea-vor-dem-landgericht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/540782\/","title":{"rendered":"Pal\u00e4stina-Solidarit\u00e4t \u2013 Berlin: \u00bbFrom the River to the Sea \u2026\u00ab vor dem Landgericht"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img313431\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/313431.jpeg\" alt=\"Umstrittene Parole: Auch in abgewandelter Form halten manche sie f\u00fcr strafw\u00fcrdig.\"\/><\/p>\n<p>Umstrittene Parole: Auch in abgewandelter Form halten manche sie f\u00fcr strafw\u00fcrdig.<\/p>\n<p>Foto: imago\/IPON<\/p>\n<p>Am Freitag startete vor dem Landgericht Tiergarten in Berlin ein Verfahren mit besonderer Bedeutung in Bezug auf <a data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1194194.anti-repression-palestine-on-trial-bericht-zu-repression-gegen-aktivisten.html\" data-type=\"link\" href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1194194.anti-repression-palestine-on-trial-bericht-zu-repression-gegen-aktivisten.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">die Kriminalisierung der Pal\u00e4stina-Solidarit\u00e4t in Deutschland<\/a>. So wurde der Slogan \u00bbFrom the River to the Sea, Palestine will be free\u00ab (Vom Fluss Jordan bis zum Mittelmeer wird Pal\u00e4stina frei sein) zum ersten Mal vor dem Landgericht verhandelt.<\/p>\n<p>Hintergrund daf\u00fcr ist, dass dem Angeklagten R. neben dem Verwenden des Slogans auf einer Demonstration auch vorgeworfen wird, im Jahr 2024 mehrfach Bilder einer Organisation auf Instagram geteilt zu haben, die in Deutschland als verbotene Vereinigung eingestuft ist. Dabei handelt es sich um die der pal\u00e4stinensischen Partei Fatah nahestehenden Al-Aqsa-M\u00e4rtyrerbrigaden. Wegen der Einstufung als terroristische Organisation wird das Verfahren darum in zweiter Instanz verhandelt.<\/p>\n<p>Somit landet auch der Slogan \u00bbFrom the River to the Sea, Palestine will be free\u00ab vor dem Landgericht. Neben <a data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1184315.from-the-river-to-the-sea-berliner-gericht-verhaengt-geldstrafe-fuer-umstrittenen-losung.html\" data-type=\"link\" href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1184315.from-the-river-to-the-sea-berliner-gericht-verhaengt-geldstrafe-fuer-umstrittenen-losung.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Verurteilungen<\/a> hatte es vor dem Berliner Amtsgericht <a data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1192053.palaestina-parole-from-the-river-to-the-sea-freispruch-in-berlin.html\" data-type=\"link\" href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1192053.palaestina-parole-from-the-river-to-the-sea-freispruch-in-berlin.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">in den vergangenen Monaten<\/a> auch <a data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1192973.gaza-krieg-berlinerin-yasemin-a-freispruch-fuer-from-the-river-to-the-sea.html\" data-type=\"link\" href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1192973.gaza-krieg-berlinerin-yasemin-a-freispruch-fuer-from-the-river-to-the-sea.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">mehrere Freispr\u00fcche<\/a> in Bezug auf den Slogan gegeben. Kern der Auseinandersetzung ist stets, ob die Losung ein Kennzeichen der Hamas darstellt oder nicht.<\/p>\n<p>Das Bundesinnenministerium hatte die Hamas im November 2023 zu einer verbotenen Vereinigung und die Parole \u00bbFrom the River to the Sea\u00ab ohne den zweiten Teilsatz zum Symbol dieser erkl\u00e4rt. Ein vom Amtsgericht beauftragtes Gutachten des Berliner Landeskriminalamtes (LKA) kam im Mai 2025 zu dem Schluss, dass es keine eindeutigen Belege f\u00fcr die Verwendung der Parole durch die Hamas gibt. Stattdessen sei die Wortfolge sowohl in der Vergangenheit von verschiedenen Stimmen verwendet worden, wie es auch derzeit der Fall ist. Auch internationale Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch verweisen auf die mannigfaltige Verwendung des Slogans. Deutschland ist das einzige Land weltweit, das die Parole strafrechtlich verfolgt.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>&#13;<\/p>\n<p>\u00bbWir haben es hier mit einem scheinrechtsstaatlichen Verfahren zu tun, welches alleine dem Zweck dient, die absurde Berliner Praxis der Kriminalisierung bez\u00fcglich des Slogans \u203aFrom the River to the Sea, Palestine will be free\u2039 zu legitimieren.\u00ab<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\nAnw\u00e4lt*innen des Angeklagten R.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Staatsanwalt und die Richterin im Verfahren von\u2005R. hatten in einem anderen Verfahren im November 2024 bereits eine Person wegen Verwendens des Slogans verurteilt. F\u00fcr das Verfahren von\u2005R. hat die Vorsitzende Richterin Susann Wittley, die zugleich Vorsitzende der Staatsschutzkammer ist, ein zweites Gutachten in Auftrag gegeben, um den Slogan \u00bbFrom the River to the Sea, Palestine will be free\u00ab zu pr\u00fcfen. Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik sei laut Gericht beauftragt worden.<\/p>\n<p><a data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1193100.from-the-river-to-the-sea-anwaelte-gegen-palaestina-repression-in-berlin.html\" data-type=\"link\" href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1193100.from-the-river-to-the-sea-anwaelte-gegen-palaestina-repression-in-berlin.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Die verteidigenden Anw\u00e4lt*innen<\/a> von\u2005R. \u2013 Jessica Grimm, Alexander Gorski und Benjamin D\u00fcsberg \u2013 stellen zu Beginn des Verfahrens einen Befangenheitsantrag gegen das Gericht. Hintergrund ist, dass sie den Zweitgutachter Steinberg als \u00bbmehr als fragw\u00fcrdig\u00ab einsch\u00e4tzen und dass sie als Verteidigung zur Beauftragung des Gutachtens nicht angeh\u00f6rt worden seien. Die Befangenheit unterstellen sie dem Gericht zudem, da Staatsanwaltschaft und Richterin bereits eine Person wegen der Parole verurteilt hatten.<\/p>\n<p>\u00bbDie Vorsitzende ist befangen. Wir haben es hier mit einem scheinrechtsstaatlichen Verfahren zu tun, welches alleine dem Zweck dient, die absurde Berliner Praxis der Kriminalisierung bez\u00fcglich des Slogans \u203aFrom the River to the Sea, Palestine will be free\u2039 zu legitimieren\u00ab, sagen die drei Rechtsanw\u00e4lt*innen gegen\u00fcber \u00bbnd\u00ab.<\/p>\n<p>Gegen die Kriminalisierung der Parole ziehen die Verteidiger*innen zudem politische Argumente heran. Dabei beziehen sie sich zum einen auf den israelischen Professor f\u00fcr Holocaust-Geschichte an der Hebrew University in Jerusalem Amos Goldberg. \u00bbDie Bedeutung des Slogans ist offen und h\u00e4ngt vom konkreten und historischen Kontext ab, in dem er gesagt wird, und nat\u00fcrlich von der pers\u00f6nlichen Absicht derer, die ihn verwenden\u00ab, schreibt Goldberg in einem gemeinsamen Aufsatz mit dem Historiker Alon Confino. \u00bbSoweit wir wissen, ist es schwierig, einen Pal\u00e4stinenser oder einen Unterst\u00fctzer der pal\u00e4stinensischen Sache zu finden, der sich nicht mit dem Befreiungsslogan \u203aFrom the River to the Sea, Palestine will be free\u2039 identifiziert, da er allgemein gehalten ist und keine konkrete L\u00f6sung andeutet.\u00ab<\/p>\n<p>Wie R. den Slogan gemeint haben k\u00f6nnte, kann die \u00d6ffentlichkeit am Freitag nicht erfahren. Die Richterin untersagt ihm, sein vorbereitetes Statement zu verlesen. F\u00fcr das Verfahren hat sie bis Ende November zehn Prozesstage angesetzt. Zu \u00bbnd\u00ab sagt\u2005R., dass ihn die H\u00e4rte der staatlichen Repression belaste. \u00bbSeit einem Jahr bin ich deshalb nicht mehr demonstrieren gegangen.\u00ab<\/p>\n<p>Muckefuck: morgens, ungefiltert, links<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/313432.jpeg\" alt=\"\" title=\"\" width=\"170\"\/><\/p>\n<p>nd.Muckefuck ist unser Newsletter f\u00fcr Berlin am Morgen. Wir gehen wach durch die Stadt, sind vor Ort bei Entscheidungen zu Stadtpolitik \u2013 aber immer auch bei den Menschen, die diese betreffen. Muckefuck ist eine Kaffeel\u00e4nge Berlin \u2013 ungefiltert und links. Jetzt <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/muckefuck\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">anmelden<\/a> und immer wissen, worum gestritten werden muss.<\/p>\n<p>Die Verteidigung fordert eine Einstellung des Verfahrens. \u00bbWenn das ein anderer Kontext w\u00e4re, w\u00fcrden wir hier nicht sitzen\u00ab, sagt Alexander Gorski w\u00e4hrend des Verfahrens und spielt damit auf die politische Dimension der Anklage an. Sein Kollege Benjamin D\u00fcsberg verweist darauf, dass wegen des Slogans in Berlin pausenlos Menschen festgenommen w\u00fcrden, dass Hausdurchsuchungen stattfinden, Demonstrationen untersagt w\u00fcrden und meistens unmittelbarer Zwang durch Polizeibeamte gegen Demonstrierende angewendet werde. Die Anw\u00e4lt*innen verweisen zudem auf die \u00f6konomische Belastung der Justiz durch die strafrechtliche Verfolgung des Slogans.<\/p>\n<p>Sollte R. vom Berliner Landgericht verurteilt werden, weil er \u00bbFrom the River to the Sea, Palestine will be free\u00ab auf einer Demonstration skandiert hatte, gibt es rechtlich keine M\u00f6glichkeit der Berufung, sondern nur der Revision. Somit w\u00e4re der Bundesgerichtshof mit der Frage befasst, ob sich die Wortfolge eindeutig der Hamas zuordnen l\u00e4sst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Umstrittene Parole: Auch in abgewandelter Form halten manche sie f\u00fcr strafw\u00fcrdig. 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