{"id":541014,"date":"2025-10-31T19:22:14","date_gmt":"2025-10-31T19:22:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/541014\/"},"modified":"2025-10-31T19:22:14","modified_gmt":"2025-10-31T19:22:14","slug":"der-perfekte-thriller-kommt-aus-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/541014\/","title":{"rendered":"Der perfekte Thriller kommt aus Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Andreas Pfl\u00fcger war einer der besten deutschen Drehbuchautoren, bevor er keine Lust mehr auf die G\u00e4ngelung durch \u00f6ffentlich-rechtliche Redaktionen hatte. Jetzt ist er Suhrkamps Thriller-Gott und gilt als John le Carr\u00e9s Stellvertreter auf Erden.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Man kann sich das Schreiben eines Hochgeschwindigkeitsthrillers vielleicht vorstellen wie das Zusammensetzen eines hochpr\u00e4zisen Chronometers. Der sitzt, ein literarischer Feinmechaniker, in einem geradezu penibel aufger\u00e4umten Zimmer voller B\u00fccher  einsam an seinem Schreibtisch, sagen wir irgendwo  nicht weit weg vom Berliner Tiergarten, zieht seine schwarzumrandete Brille auf die Nase, fischt aus seinem vor Schr\u00e4ubchen und R\u00e4dchen \u00fcberquellenden Setzkasten allerlei heraus, das eigentlich jeder kennt. <\/p>\n<p>Er schmirgelt, setzt zusammen. Und grinst breiter als jedes Raubtier dazu in der Lage w\u00e4re, wenn er es wieder geschafft hat, die gro\u00dfen Komplikationen des Trivialen, die im Thriller lauern, nicht nur zu vermeiden wie der Killer die H\u00e4scher, sondern in schlanke, in Blut getauchte Eleganz zu verwandeln.<\/p>\n<p>So jedenfalls stellen wir uns Andreas Pfl\u00fcger vor, als er \u2013 unweit des Berliner Tiergartens \u2013 an \u201eK\u00e4lter\u201c schrieb. Andreas Pfl\u00fcger war einer der wichtigsten deutschen Drehbuchautoren, erfand den Weimar-\u201eTatort\u201c, schaffte es in das Werk des Sonntagabendkrimis so gef\u00e4hrliche Dinge einzubauen wie tiefsinnigen Humor. Nebenbei wurde er \u2013 ein Recherchemonster vor dem Herrn \u2013 Experte f\u00fcr die Geschichte des deutschen Geheimdienstes nach dem Krieg wurde. Und mehr oder weniger zwangsl\u00e4ufig zum deutschen Vertreter John le Carr\u00e9s auf Erden. Zum Thriller-Gott der Suhrkamp-Kultur. <\/p>\n<p>\u201eK\u00e4lter\u201c ist die Geschichte der Luzy Morgenroth und der Achtziger. Morgenroth, damit geht es los, ist seit acht Jahren auf Amrum. Da ist nichts los f\u00fcr die Kampfmaschine, die sie eigentlich ist. Eine dunkle G\u00f6ttin der Terror-Abwehr, des Personenschutzes. Ausgebildet vom Shin-Bet in Israel. Dann ist Luzys F\u00fcnfzigster. Ein Mann verschwindet von Bord einer F\u00e4hre. Ein Sturm zieht auf. Ein Trupp dunkler Gestalten landet auf der Insel. <\/p>\n<p>Dann fallen Sch\u00fcsse. Luzys Lieblingskollege stirbt. Und Luzy, wieder Kampfmaschine, steht dem gef\u00e4hrlichsten Terroristen der westlichen Welt gegen\u00fcber \u2013 war mal RAF, dann Stasi, dann KGB, dann hochdotierter Auftragsm\u00f6rder. Eine deutsche Karriere. \u201eWahre Macht \u00fcber Leben und Tod\u201c, hat er Luzy mal gesagt, \u201ewenn du dann und wann jemandem erlaubst, f\u00fcrs Erste weiterzuatmen.\u201c <\/p>\n<p>Virtuose Sprachwut<\/p>\n<p>Die Geschichte geht vor und zur\u00fcck. In Zeitlupe. In irrwitziger Beschleunigung schl\u00e4gt der Plot Haken. Nach Israel, nach Russland, nach Wien. Luzy ist Pfl\u00fcgers Zelig. Er packt sie auf der Jagd nach dem Schatten ihres Lebens in ein Pand\u00e4monium, das er aus akribisch ausgeforschter Historie und akribisch ausget\u00fcfteltem Fantasialand mit virtuoser Sprachwut  zusammengeschraubt hat. <\/p>\n<p>Und immer wieder h\u00f6rt man ihn sardonisch lachen, das kann er gut, wenn er sich wieder selbst eine Komplikationsfalle gestellt hat, aus der eigentlich kein Autor lebend herauskommen kann. Und er es doch wieder schafft. <\/p>\n<p class=\"c-inline-teaser-list__headline\">Lesen Sie auch<\/p>\n<ul class=\"c-inline-teaser-list__content\">\n<li class=\"c-inline-teaser-list__element\">\n<p>Weltplus ArtikelBestsellerleben<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Einmal zum Beispiel, da begleitet Luzy in Jerusalem einen zwielichtigen Deutschen unendlich viele Stockwerke hoch zur Suite des (erfundenen) deutschen Wirtschaftsministers mit zwielichtiger Nazi-Vergangenheit, den sie sch\u00fctzen soll. Es ist Schabbat. Aus dem Foyer gellt Gloria Gaynors \u201eI will survive\u201c. Man will sich schon wegschmei\u00dfen vor Fremdscham. Was Pfl\u00fcger dann aber veranstaltet, w\u00e4hrend der Aufzug nach oben f\u00e4hrt, ist ganz gro\u00dfe Kunst.<\/p>\n<p>\u201eK\u00e4lter\u201c ist eine Zeitgeschichtskillermaschine. Der perfekte literarische Chronometer. Zum Verfilmen leider viel zu teuer. Jedenfalls in Deutschland.<\/p>\n<p>Andreas Pfl\u00fcger: K\u00e4lter. Suhrkamp, 495 Seiten, 25 Euro<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Andreas Pfl\u00fcger war einer der besten deutschen Drehbuchautoren, bevor er keine Lust mehr auf die G\u00e4ngelung durch \u00f6ffentlich-rechtliche&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":541015,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[331,3924,332,3922,23609,12092,15727,132355,3364,29,30,13,411,132356,14,3923,15,3921,132354,12,90732],"class_list":{"0":"post-541014","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-deutschland","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-nachrichten-aus-deutschland","10":"tag-aktuelle-news","11":"tag-aktuelle-news-aus-deutschland","12":"tag-amrum","13":"tag-andreas","14":"tag-bnd-geo-d","15":"tag-carre","16":"tag-de","17":"tag-deutschland","18":"tag-germany","19":"tag-headlines","20":"tag-israel","21":"tag-john-le","22":"tag-nachrichten","23":"tag-nachrichten-aus-deutschland","24":"tag-news","25":"tag-news-aus-deutschland","26":"tag-pflueger","27":"tag-schlagzeilen","28":"tag-thriller-ks"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115470410916511281","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/541014","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=541014"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/541014\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/541015"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=541014"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=541014"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=541014"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}