{"id":542662,"date":"2025-11-01T11:15:14","date_gmt":"2025-11-01T11:15:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/542662\/"},"modified":"2025-11-01T11:15:14","modified_gmt":"2025-11-01T11:15:14","slug":"autoindustrie-im-wandel-regionale-analyse-zeigt-wo-die-meisten-jobs-noch-am-verbrennermotor-haengen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/542662\/","title":{"rendered":"Autoindustrie im Wandel: Regionale Analyse zeigt, wo die meisten Jobs noch am Verbrennermotor h\u00e4ngen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die deutsche Autoindustrie war lange ein Garant f\u00fcr gut bezahlte Arbeitspl\u00e4tze. Doch jetzt werden Stellen abgebaut, die Hersteller verlieren Marktanteile. Eine Analyse zeigt, welche Regionen besonders stark vom Ende des Fossilantriebs betroffen sind &#8211; und wo die Umstellung auf E-Mobilit\u00e4t gelingt. <\/strong><\/p>\n<p>Die Autoindustrie ist das Powerhouse der deutschen Wirtschaft. Laut dem Statistischen Bundesamt tr\u00e4gt allein die Herstellung von Kraftfahrzeugen mehr als 4,5 Prozent zur Bruttowertsch\u00f6pfung des Landes bei. Etwa 3,2 Millionen Besch\u00e4ftigte haben direkt oder indirekt mit der Autoindustrie zu tun, davon arbeiten allein 1,2 Millionen in der Produktion.<\/p>\n<p> F\u00fcr den Wirtschaftsstandort Deutschland wird die Dominanz der Branche jedoch zunehmend zum Problem. &#8222;Die deutsche Autoindustrie hat sich jahrelang eine goldene Nase verdient, dadurch aber auch eine gro\u00dfe Fallh\u00f6he aufgebaut&#8220;, sagt Hanno Kempermann, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Beratungsfirma IW Consult und Co-Autor einer Studie f\u00fcr das Bundeswirtschaftsministerium <a href=\"https:\/\/www.iwkoeln.de\/studien\/hanno-kempermann-johannes-ewald-christian-kestermann-benita-zink-thorsten-lang-wirtschaftliche-bedeutung-regionaler-automobilnetzwerke-in-deutschland-update-2025.html\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_blank\">zur wirtschaftlichen Bedeutung der Autoindustrie auf regionaler Ebene<\/a>.<\/p>\n<p>Der Befund ist ziemlich eindeutig: Die Nachfrage nach neuen Autos geht international zur\u00fcck &#8211; vor allem nach Modellen mit Verbrennermotor. Die deutschen Hersteller verlieren dadurch Marktanteile. Hinzu kommt, dass die Produktion zunehmend ins Ausland wandert. Wurden 2014 noch 5,6 Millionen Autos in Deutschland hergestellt, waren es 2024 weniger als 4,1 Millionen. Auch Zulieferbetriebe haben deshalb weniger zu tun. <\/p>\n<p>In den 2010er-Jahren feierte die Branche noch einen Absatzrekord nach dem anderen. Jetzt macht sich Katerstimmung breit. Jobs werden gestrichen. Bis 2030 k\u00f6nnten netto rund 90.000 weitere Stellen verloren gehen, sch\u00e4tzt IW Consult anhand von Unternehmensangaben. <\/p>\n<p>Ganze Regionen h\u00e4ngen am Tropf von VW, BMW und Audi <\/p>\n<p> Der Transformationsprozess trifft die deutschen Regionen jedoch sehr unterschiedlich, zeigt die Studie. Von 400 Landkreisen und kreisfreien St\u00e4dten in Deutschland stechen demnach vor allem 116 Regionen hervor, in denen ein \u00fcberdurchschnittlich hoher Anteil der Besch\u00e4ftigten in der Autoproduktion arbeitet. Die meisten davon liegen in Bayern oder Baden-W\u00fcrttemberg. Insgesamt sind dort etwa 858.800 Menschen t\u00e4tig, also fast 73 Prozent aller 1,2 Millionen Besch\u00e4ftigten in diesem Bereich. <\/p>\n<p>Die Branchencluster sind oft historisch gewachsen und stark von gro\u00dfen Herstellern abh\u00e4ngig: Rund um deren Werksstandorte haben sich hochspezialisierte Zulieferbetriebe angesiedelt und viele gut bezahlte Arbeitspl\u00e4tze in den eher l\u00e4ndlich gepr\u00e4gten Regionen geschaffen. Mehr als die H\u00e4lfte der Wertsch\u00f6pfung der gesamten deutschen Autoindustrie entsteht in diesen 116 Wirtschaftszentren.<\/p>\n<\/p>\n<p> Den h\u00f6chsten Besch\u00e4ftigungsanteil in der Autoindustrie haben die Studienautoren am Hauptstandort von Volkswagen in Wolfsburg, in der Audi-Heimat Ingolstadt und im Landkreis Dingolfing-Landau mit seinem BMW-Werk ausgemacht. In diesen drei Regionen sind mehr als 40 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Besch\u00e4ftigten in produktionsnahen Betrieben der Autoindustrie t\u00e4tig, sch\u00e4tzt die Studie. Wobei damit nicht nur die Herstellung von Fahrzeugen und Fahrzeugteilen gemeint ist, sondern auch Unternehmen aus angrenzenden Wirtschaftszweigen, etwa der Metallverarbeitung, dem Maschinenbau und der Elektroindustrie. Insgesamt gehen die Studienautoren von rund 47.000 Betrieben aus, die in die Herstellung eines Autos eingebunden sind.<\/p>\n<p>Viele dieser Firmen werden sich umorientieren oder g\u00e4nzlich neu erfinden m\u00fcssen, warnt IW Consult. Denn selbst wenn die EU dem Dr\u00e4ngen der Autoindustrie nachgibt und das sogenannte &#8222;Verbrenner-Aus&#8220; aufweicht, geht der Trend zum E-Auto. &#8222;Wenn Sie sich die technologische Entwicklung anschauen, dann ist es v\u00f6llig unumg\u00e4nglich, dass die \u00fcberwiegende Mehrheit bei den Neuzulassungen bis 2035 sowieso elektrisch sein wird&#8220;, sagt der Branchenexperte Kempermann im Gespr\u00e4ch mit ntv.de. &#8222;Es ist schlichtweg die effizienteste Art, sich fortzubewegen.&#8220; <\/p>\n<p>In 36 Regionen war der Verbrenner auch ein Jobmotor<\/p>\n<p>Das bedeutet aber auch: Bestimmte Jobs und Produktionsst\u00e4tten werden nach und nach verschwinden. Filtervorrichtungen zur Abgasreinigung etwa werden beim E-Auto nicht mehr gebraucht. \u00dcber die gesamte Produktionskette fallen Komponenten weg &#8211; und damit auch gut bezahlte Industriearbeitspl\u00e4tze. &#8222;Das wird ein begleiteter Strukturwandel werden m\u00fcssen, wie in anderen Branchen auch&#8220;, sagt Kempermann. &#8222;Aber ja: Der \u00dcbergang ist hart und schwer&#8220;, f\u00fcgt er hinzu.<\/p>\n<\/p>\n<p>Immerhin ist hierzulande noch immer jeder f\u00fcnfte Job in der Autoproduktion eng mit dem Verbrennermotor verkn\u00fcpft. &#8222;Das sind rund 235.000 Arbeitspl\u00e4tze, also wirklich nicht wenig&#8220;, wei\u00df der Experte. &#8222;Erschwerend kommt hinzu, dass sich diese Jobs in einigen Regionen clustern, das hei\u00dft, dort gibt es besonders viele Betroffene.&#8220; Insgesamt hat das Forscherteam 36 Landkreise identifiziert, in denen der fossile Antrieb ein gro\u00dfer Wirtschaftsfaktor ist (Tabelle oben). Vor allem in Salzgitter, dem Saarpfalz-Kreis, Bamberg und Kassel h\u00e4ngen viele Jobs am Verbrennermotor. Dort werden unter anderem in den Werken von VW und Bosch Komponenten f\u00fcr konventionelle Diesel- und Benzinmotoren, Getriebe und Abgasanlagen hergestellt.<\/p>\n<p>Unter den Bundesl\u00e4ndern steht demnach das Saarland vor den gr\u00f6\u00dften Herausforderungen (Tabelle unten). Hier h\u00e4ngen 18.834 Jobs an der Produktionskette von Diesel- und Benzinmotor, das entspricht 4,8 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Besch\u00e4ftigten. In Baden-W\u00fcrttemberg sind 55.418 Jobs mit fossilen Antriebstechnologien verkn\u00fcpft, in Bayern 46.913. <\/p>\n<\/p>\n<p> Dabei war die Abh\u00e4ngigkeit vom konventionellen Antriebsstrang bislang kein Nachteil &#8211; im Gegenteil: Die genannten Regionen haben lange vom Verkauf von klimasch\u00e4dlichen Motoren profitiert. Ihre Wirtschaftskraft und Produktivit\u00e4t ist auch heute noch beachtlich. Die Unternehmen und Werke, die hier im Bereich der konventionellen Antriebe t\u00e4tig sind, stehen f\u00fcr insgesamt 75 Milliarden Euro Bruttowertsch\u00f6pfung, das entspricht 1,9 Prozent des gesamtdeutschen Wertes. Auch viele Patente haben in den Branchenzentren ihren Ursprung &#8211; darunter auch Patente rund um den Elektroantrieb.<\/p>\n<p>E-Mobilit\u00e4t schafft neue Stellen <\/p>\n<p>Das wiederum ist ein gutes Zeichen. Wom\u00f6glich sind gerade die Regionen, in denen die meisten Arbeitspl\u00e4tze auf dem Spiel stehen, am besten auf den Wandel vorbereitet. Die traditionsreichen Konzerne, die dort ans\u00e4ssig sind, k\u00f6nnen am besten in Forschung und Entwicklung oder die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investieren &#8211; und tun das auch.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich spiegelt sich in den Besch\u00e4ftigtenzahlen bereits eine Neuausrichtung der Gro\u00dfkonzerne wider, stellt IW Consult fest. Am Standort des Automobilzulieferers ZF Friedrichshafen in Schweinfurt etwa arbeitet ein wachsender Teil der Belegschaft an Komponenten f\u00fcr Elektrofahrzeuge. Auch im Schwerpunkt-Landkreis Kassel tut sich was: Am VW-Standort in Baunatal arbeiten schon heute rund 400 Angestellte an den Elektroantrieben des Konzerns. K\u00fcnftig sollen hier die Komponenten f\u00fcr bis zu eine Millionen Fahrzeuge pro Jahr gefertigt werden. Branchenweit ist der Anteil der Besch\u00e4ftigten, die an der Elektrifizierung des Antriebsstrangs arbeiten, zwischen 2021 und 2025 von 5,4 auf 9,2 Prozent gewachsen.<\/p>\n<\/p>\n<p> Im th\u00fcringischen Ilm-Kreis sieht die Studie die Automobilbranche ebenfalls im Aufwind &#8211; vor allem dank schnell wachsender Startups und einem Fokus auf innovative Batterietechnologien und Digitalisierung. Im Industriegebiet Erfurter Kreuz bei Arnstadt werden seit 2021 Batteriezellen im Auftrag des chinesischen Unternehmens CATL gefertigt. In dem Werk sind rund 1700 Menschen besch\u00e4ftigt. Langfristig sollen dort bis zu 2000 Arbeitspl\u00e4tze entstehen. In Brandenburg wiederum hat das Tesla-Werk bei Gr\u00fcnheide dem Landkreis Oder-Spree das mit Abstand h\u00f6chste Besch\u00e4ftigungswachstum im Wirtschaftszweig der KFZ-Herstellung beschert. <\/p>\n<p>Die Beispiele machen deutlich: Im Transformationsprozess werden nicht nur Stellen abgebaut, sondern auch neue Jobs geschaffen. Bundesweit sind laut der IW Consult-Studie mittlerweile rund 182.000 Besch\u00e4ftigte in den &#8222;Chancenfeldern&#8220; der Automobilbranche t\u00e4tig. Das sind knapp 46 Prozent mehr als 2021. Die meisten dieser Jobs haben mit der Elektrifizierung des Antriebsstrangs zu tun. Doch auch die Stichworte Automatisierung und Vernetzung gewinnen an Bedeutung.<\/p>\n<p>Anpassen oder untergehen?<\/p>\n<p>In der regionalen Verteilung dieser &#8222;neuen&#8220; Jobs machen sich erneut die Branchen-Schwergewichte bemerkbar. Gut 68 Prozent der Stellen verteilen sich demnach auf Baden-W\u00fcrttemberg, Bayern und Niedersachsen. Allein in den Autohochburgen Stuttgart, Wolfsburg und Ingolstadt arbeiten rund 40.000 Besch\u00e4ftigte, also mehr als jede f\u00fcnfte Person, die diesen zukunftsweisenden Bereichen zugeordnet werden kann.<\/p>\n<p> Die gro\u00dfen Automobilstandorte bleiben wohl auch in Zukunft relevant. Viele kleinere Betriebe im Dunstkreis der Branchenriesen k\u00f6nnten jedoch auf der Strecke bleiben, wenn durch die Umstellung auf E-Mobilit\u00e4t Gro\u00dfauftr\u00e4ge wegbrechen. Im besten Fall finden die Firmen neue Kunden und Gesch\u00e4ftsfelder au\u00dferhalb der Autosparte. &#8222;Maritime und Verteidigungstechnologie, Medizintechnik, Luft und Raumfahrt, erneuerbare Energien: Das sind alles Branchen, in denen die Kompetenzen von Automobilherstellern gefragt sind&#8220;, sagt Kempermann. Auch f\u00fcr die die Besch\u00e4ftigten sieht der Experte in Zeiten des Fachkr\u00e4ftemangels gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.<\/p>\n<p>Klar ist aber auch: Der Anpassungsdruck nimmt zu. Durch das Festhalten an fossiler Technik habe die deutsche Autoindustrie bereits viel wertvolle Zeit verloren, bem\u00e4ngelt der IW-Berater. &#8222;Wir diskutieren nun schon seit \u00fcber zehn Jahren \u00fcber Elektromobilit\u00e4t. Die Technologiespr\u00fcnge sind gerade atemberaubend&#8220;, bemerkt Kempermann. F\u00fcr den Wirtschaftsstandort Deutschland steckt in dieser Beobachtung zugleich aber auch eine Warnung: &#8222;In den n\u00e4chsten zehn Jahren muss man attraktive E-Mobilit\u00e4t anbieten, sonst ist man einfach raus&#8220;, sagt der Experte. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die deutsche Autoindustrie war lange ein Garant f\u00fcr gut bezahlte Arbeitspl\u00e4tze. 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