{"id":543551,"date":"2025-11-01T19:38:18","date_gmt":"2025-11-01T19:38:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/543551\/"},"modified":"2025-11-01T19:38:18","modified_gmt":"2025-11-01T19:38:18","slug":"naher-osten-uns-laeuft-die-zeit-davon-wo-der-deutsche-aussenminister-deutlicher-wird-als-alle-anderen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/543551\/","title":{"rendered":"Naher Osten: \u201eUns l\u00e4uft die Zeit davon\u201c \u2013 Wo der deutsche Au\u00dfenminister deutlicher wird als alle anderen"},"content":{"rendered":"<p>Bei der wichtigsten Sicherheitskonferenz im Nahen Osten wird klar, wie br\u00fcchig der Waffenstillstand im Gaza-Krieg ist. Zwei Punkte in Donald Trumps Friedensplan sind besonders neuralgisch \u2013 und einer stellt die arabische Welt vor eine heikle Entscheidung.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Je abstrakter Politiker sprechen, desto brisanter die Lage. Dieses Gesetz gilt erst recht in Nahost. Und wenn man diesen Ma\u00dfstab anlegt, dann muss die Lage rund um den Waffenstillstand <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/gaza-streifen\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/gaza-streifen\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">im Gaza-Krieg<\/a> gerade sehr schwierig sein.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Israel wieder Angriffe fliegt und <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/article6905cdf3df9fa029228efe3c\/israel-drei-am-freitag-uebergebene-leichen-sind-keine-geiseln.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/article6905cdf3df9fa029228efe3c\/israel-drei-am-freitag-uebergebene-leichen-sind-keine-geiseln.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die Hamas nur schleppend die sterblichen \u00dcberreste get\u00f6teter Geiseln \u00fcbergibt,<\/a> sitzen auf der B\u00fchne des IISS Manama Dialogue 2025 in Bahrain, der wichtigsten Sicherheitskonferenz des Nahen Ostens, am Samstagmorgen die Au\u00dfenminister dreier Staaten, die eng in Entstehung und Umsetzung des Friedensplans von Donald Trump eingebunden sind: Aiman Safadi, dessen Heimatland Jordanien gemeinsam mit anderen arabischen L\u00e4ndern wichtige Impulse beigetragen hat; die Britin Yvette Cooper, deren Diplomaten im UN-Sicherheitsrat als Veto-Macht \u00fcber die von vielen geforderte Gaza-Resolution verhandeln k\u00f6nnen; und Johann Wadephul, der Deutschland vertritt, einen der wichtigsten humanit\u00e4ren Spender f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, der wohl auch beim Wiederaufbau gefragt sein wird.<\/p>\n<p>Der Jordanier und die Britin erkl\u00e4ren mit viel Zweckoptimismus, dass der Friedensplan ein gro\u00dfer Fortschritt sei und jetzt nur umgesetzt werden m\u00fcsse. Johann Wadephul wird deutlicher. \u201eAiman\u201c, sagt der deutsche Au\u00dfenminister, \u201ewir haben uns ja erst vor zwei Tagen getroffen, und was den Friedensplan angeht, sind wir einer Meinung. Aber eines muss ich hinzuf\u00fcgen: Wir m\u00fcssen die Umsetzung beschleunigen. Ich bef\u00fcrchte, dass uns die Zeit davonl\u00e4uft.\u201c <\/p>\n<p>Der Waffenstillstand sei gut, auch weil damit die humanit\u00e4re Hilfe f\u00fcr den K\u00fcstenstreifen hochgefahren werden k\u00f6nne. \u201eAber wir m\u00fcssen auch das Vakuum in Sachen Verwaltung und Sicherheit im Gaza-Streifen f\u00fcllen, und zwar so schnell wie m\u00f6glich. Sonst \u00fcbernimmt die Hamas wieder die Macht. Und das wiederum k\u00f6nnte f\u00fcr Israel ein Grund sein, wieder milit\u00e4risch vorzugehen.\u201c Wadephul appelliert an die Anwesenden: \u201eBitte, an Sie alle, lassen Sie uns anpacken!\u201c<\/p>\n<p>Kaum jemand hier am Golf dr\u00fcckt es \u00f6ffentlich so deutlich und so ehrlich aus wie Wadephul. Aber die Sorge, dass Trumps Plan eigentlich schon gescheitert ist, kann man mit H\u00e4nden greifen. <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article6903f5d3df9fa029228ee8b3\/gaza-streifen-ultimatum-abgelaufen-israel-fordert-von-hamas-sich-hinter-gelbe-linie-zurueckzuziehen.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article6903f5d3df9fa029228ee8b3\/gaza-streifen-ultimatum-abgelaufen-israel-fordert-von-hamas-sich-hinter-gelbe-linie-zurueckzuziehen.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Israel habe sich de facto nicht einmal auf die sogenannte gelbe Linie zur\u00fcckgezogen<\/a>, sagen arabische Diplomaten hier, sondern stehe noch ein paar Hundert Meter n\u00e4her an der K\u00fcste als vereinbart. <\/p>\n<p>Wom\u00f6glich wolle Israel gar nicht wirklich abziehen, sondern nur die Hamas in dem kleinen, Anfang Oktober ger\u00e4umten Abschnitt entlang des Strandes einkesseln \u2013 und den Rest de facto besetzen. Dem k\u00f6nnte man entgegnen, dass sich die Terrororganisation bisher nicht einmal bereit erkl\u00e4rt hat, ihre Waffen abzugeben. Doch auf solche Argumente erh\u00e4lt man von Vertretern arabischer Staaten nur ein ratloses Seufzen und ein Achselzucken. Will hei\u00dfen: Nein, nat\u00fcrlich gibt die Hamas nicht freiwillig nach.<\/p>\n<p>Zwei Punkte sind offenbar besonders neuralgisch: die Frage der Entwaffnung der Hamas und das Timing des israelischen R\u00fcckzugs. In Sachen Timing f\u00fchlen sich die Araber offenbar bereits betrogen. In den Verhandlungen, aus denen der Friedensplan hervorging, sei eigentlich ein fester Zeitplan f\u00fcr Israels weitgehenden Abzug aus Gaza festgeschrieben gewesen. <\/p>\n<p class=\"c-inline-teaser-list__headline\">Lesen Sie auch<\/p>\n<ul class=\"c-inline-teaser-list__content\">\n<li class=\"c-inline-teaser-list__element\">\n<p>Weltplus ArtikelVor Ort im Kriegsgebiet<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dass Trump im ver\u00f6ffentlichten Dokument gar keine zeitlichen Vorgaben machte, sei f\u00fcr viele arabische Beteiligte eine herbe \u00dcberraschung gewesen, so ist zu h\u00f6ren. Derzeit will niemand den Waffenstillstand gef\u00e4hrden, deshalb bleibt der \u00c4rger wom\u00f6glich hinter verschlossenen T\u00fcren. <\/p>\n<p>Aber es ist schon auff\u00e4llig, wie Jordaniens Au\u00dfenminister mehrfach wiederholt: \u201eWir brauchen einen klaren Zeitplan f\u00fcr den Abzug der Israelis.\u201c Dass Premier Benjamin Netanjahu sich noch nachtr\u00e4glich Fristen aufzwingen l\u00e4sst, darf bezweifelt werden.<\/p>\n<p>Wer will sich auf einen Nahkampf mit der Hamas einlassen?<\/p>\n<p>Das Problem der Entwaffnung ist vielleicht noch gef\u00e4hrlicher, denn hier geht es im Zweifel auch um die Frage, ob Araber gegen Araber k\u00e4mpfen oder Muslime gegen Muslime. Denn nicht nur, dass die Hamas keiner Entwaffnung zugestimmt hat \u2013 nicht einmal der Friedensplan erkl\u00e4rt, wem genau sie ihre Waffen abgeben soll. <\/p>\n<p>Eine Idee: die pal\u00e4stinensische Polizei in Gaza, die aus Beamten der Pal\u00e4stinensischen Autonomiebeh\u00f6rde gebildet werden soll. Doch die s\u00e4kulare Fatah, welche die derzeit nur im Westjordanland einflussreiche Beh\u00f6rde kontrolliert, schreckt vor der Entwaffnung zur\u00fcck, weil sie erneute K\u00e4mpfe mit der Hamas bef\u00fcrchtet. <\/p>\n<p>Alternative: die internationale Stabilisierungstruppe. Doch welche Armee der Welt will sich auf eine potenzielle Nahkampfsituation mit der Hamas einlassen? Arabische Staaten \u00e4u\u00dfern sich noch immer nicht klar zu einer Beteiligung an der Truppe, weil sie f\u00fcrchten, als Handlanger der Israelis zu erscheinen, wenn sie in K\u00e4mpfe mit der Hamas geraten. Darum scheinen weiter entfernte M\u00e4chte ins Spiel gebracht worden zu sein: Pakistan und Indonesien.<\/p>\n<p>Pakistan hat einen eher gemischten Ruf. In den Augen vieler westlicher Staaten hat der Geheimdienst w\u00e4hrend des Afghanistankrieges etwas zu enge Kontakte zu den Taliban gepflegt. Doch ihre Sicherheitszusammenarbeit mit Pakistan gaben die USA nie auf. Und f\u00fcr Saudi-Arabien und Bahrain gelten die Pakistaner als treue Verb\u00fcndete. <\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist in diesem Jahr nicht nur der Chef des pakistanischen Generalstabs nach Manama gereist, sondern auch ein Generaldirektor des Geheimdienstes ISI. Das k\u00f6nnte es erleichtern, hinter den Kulissen \u00fcber Gaza zu reden. Die Indonesier, die ebenfalls \u00fcber eine starke Armee verf\u00fcgen, sind nur mit zivilen Diplomaten vertreten \u2013 vielleicht, um allzu praktischen milit\u00e4rischen Fragen aus dem Weg zu gehen.<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/daniel-dylan-boehmer\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/daniel-dylan-boehmer\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><b>Daniel-Dylan B\u00f6hmer<\/b><\/a><b>, Senior Editor im Ressort Au\u00dfenpolitik, bereist die L\u00e4nder des Nahen Ostens seit Jahrzehnten. Er befasst sich vor allem mit regionalen und globalen Sicherheitsthemen und wird regelm\u00e4\u00dfig als Experte in nah\u00f6stlichen TV- und Radiosendern befragt. <\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bei der wichtigsten Sicherheitskonferenz im Nahen Osten wird klar, wie br\u00fcchig der Waffenstillstand im Gaza-Krieg ist. 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