{"id":543836,"date":"2025-11-01T22:24:18","date_gmt":"2025-11-01T22:24:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/543836\/"},"modified":"2025-11-01T22:24:18","modified_gmt":"2025-11-01T22:24:18","slug":"gruenen-co-chef-im-neuen-buero-in-brandenburg-wuenscht-sich-felix-banaszak-erst-einmal-uebersetzungsarbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/543836\/","title":{"rendered":"Gr\u00fcnen-Co-Chef: Im neuen B\u00fcro in Brandenburg w\u00fcnscht sich Felix Banaszak erst einmal \u201e\u00dcbersetzungsarbeit\u201c"},"content":{"rendered":"<p>In Brandenburg an der Havel hat ein AfD-Bundestagsabgeordneter sein Direktmandat gewonnen. Dort hat Felix Banaszak, Co-Chef der Gr\u00fcnen, ein neues B\u00fcro er\u00f6ffnet. Vor Ort zeigt sich, was er damit erreichen will \u2013 und dass andere Parteichefs wom\u00f6glich etwas daraus lernen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Wer ist das? Was will er hier? Nur wenige erkennen den Mann und freuen sich. Ungef\u00e4hr dieser Art sind die Blicke und Reaktionen, als Gr\u00fcnen-Co-Chef Felix Banaszak am Samstagmittag durch die Altstadt von Brandenburg an der Havel l\u00e4uft. Der Duisburger Bundestagsabgeordnete hat in der 75.000-Einwohner-Stadt <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/berlin\/article69061992a6bc3e9242fc9068\/gruene-eroeffnen-neues-regionalbuero-in-ostdeutschland.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/regionales\/berlin\/article69061992a6bc3e9242fc9068\/gruene-eroeffnen-neues-regionalbuero-in-ostdeutschland.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">nun sein neues, im Sommer angek\u00fcndigtes Abgeordneten-B\u00fcro er\u00f6ffnet:<\/a> ein historischer Schritt. <\/p>\n<p>Dass Abgeordnete politische blanke Wahlkreise im eigenen Bundesland mit einem B\u00fcro unterst\u00fctzen, ist bekannt; dass es \u00fcber L\u00e4nder und die ehemalige Mauergrenze hinweg passiert, ist neu und geh\u00f6rt zur Pr\u00e4senz-Offensive der Gr\u00fcnen im Osten, wo sie W\u00e4hler, Mandate und solche B\u00fcros verlieren. Aber auch die CDU spricht mittlerweile von \u201ewei\u00dfen Flecken\u201c im traditionell parteipolitisch ungebundenen Osten. <\/p>\n<p>Andere Parteichefs k\u00f6nnten also wom\u00f6glich etwas von Banaszak lernen, der sich einen Anker in einer anderen Lebenswelt als der des eigenen Wahlkreises schafft. Der Gr\u00fcnen-Politiker plant, w\u00e4hrend der Sitzungswochen des Bundestags abends im neuen B\u00fcro Veranstaltungen stattfinden zu lassen, Sprechstunden, B\u00fcrgerfeste. Von seiner Berliner Wohnung ist er mit dem Zug in einer Stunde hier. <\/p>\n<p>Nachdem die Gr\u00fcnen aus dem Landtag geflogen sind, fehlt ihnen die Pr\u00e4senz im Kreis, im B\u00fcro sa\u00df vorher nur ein Vertreter des Kreisverbands Brandenburg an der Havel. Der sei seit dem Ampel-Bruch um mehr als 20 Mitglieder auf jetzt 103 gewachsen, sagt Co-Kreisverbandssprecher Ronny Patz.<\/p>\n<p>Patz und andere meinen: In der Stadt stecke durchaus Potenzial f\u00fcr die Gr\u00fcnen. Es gebe einen aktiven Radfahrer- und andere Umweltvereine, h\u00f6rt man. Und die Kommunalwahlergebnisse f\u00fcr die Partei sind hier auch nicht viel schlechter als in Banaszaks Heimat Duisburg, jeweils circa neun Prozent. <\/p>\n<p>Die Linkspartei bringt eine B\u00fcro-Pflanze vorbei<\/p>\n<p>Die Orte \u00e4hneln sich: Es sind Stahlst\u00e4dte mit hunderten Jahren Industrietradition. Beide stehen vor gro\u00dfen Umbr\u00fcchen wegen der gr\u00fcnen Transformation: ZF produziert hier Getriebe, die Elektroautos nicht ben\u00f6tigen.<\/p>\n<p>\u201eDie Menschen hier wollen Sicherheit\u201c, sagt Patz \u2013 <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article68f77b5b4fa665dfcbddc3cf\/gruener-sucht-buergernaehe-muss-man-sich-leisten-koennen-sagt-ein-anwohner-ueber-die-gruenen.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article68f77b5b4fa665dfcbddc3cf\/gruener-sucht-buergernaehe-muss-man-sich-leisten-koennen-sagt-ein-anwohner-ueber-die-gruenen.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">und meint: Planungssicherheit<\/a>. Zur gr\u00fcnen Wende in der Industrie seien sie imstande und bereit, was sie behindere, sei das st\u00e4ndige \u201eH\u00fc und Hott\u201c der Politik bei den Rahmenbedingungen. <\/p>\n<p>Felix Banaszak hat jetzt mindestens bis zum Ende der Legislaturperiode Zeit, das alles selbst kennenzulernen. Seine neue B\u00fcroleiterin vor Ort, Charlotte Mujis, nennt als eines ihrer ersten Ziele: \u201eKontakte aufzubauen zur Stahlindustrie hier\u201c, das sei Banaszak \u201esehr wichtig\u201c. Und nat\u00fcrlich geht es auch um das St\u00e4rken der im Osten eher schwachen gr\u00fcnen Netzwerke. <\/p>\n<p>Kurz vor Banaszaks Begr\u00fc\u00dfungsrede sind vielleicht 50 Interessierte im engen Hinterhof des B\u00fcros zusammengekommen, zwischen Festzelten und einer alten W\u00e4schespinne, die sich nicht mehr zuklappen l\u00e4sst. Viele hier sind Gr\u00fcne, nicht jeder davon hat sich den Namen von Banaszak schon eingepr\u00e4gt, der seit einem Jahr mit Franziska Brantner an der Parteispitze steht. Die Linkspartei hat ihm gerade eine B\u00fcro-Pflanze zum Einzug \u00fcberreicht, Nieselregen setzt ein. <\/p>\n<p>Banaszak sagt, das neue B\u00fcro habe zwei Funktionen, eine f\u00fcr die B\u00fcrger, eine f\u00fcr ihn. \u201eZum einen\u201c sei es \u201eder Ort, an dem Brandenburgerinnen und Brandenburger auch den Kontakt zur Bundespolitik oder generell zu Politik finden und intensivieren k\u00f6nnen und auf der anderen Seite\u201c sei es f\u00fcr ihn auch ein, \u201eich sag\u2019 mal, Lernort\u201c. <\/p>\n<p>Als Begriff daf\u00fcr findet er sch\u00f6n, den habe jemand aus dem Kreisverband gepr\u00e4gt: \u201eMein Fenster in den Osten\u201c. In Richtung der Brandenburger Gr\u00fcnen sagt Banaszak dann scherzhaft: \u201eIhr m\u00fcsst jetzt sozusagen stellvertretend die \u00dcbersetzungsarbeit f\u00fcr mich mit organisieren\u201c. <\/p>\n<p>Zum Schluss der kurzen Rede wird der Parteichef ernst: Er hoffe, sagt Banszak, das sie dort \u201egemeinsam etwas aufbauen\u201c k\u00f6nnen \u201ef\u00fcr die Stadt, f\u00fcr die Region und vielleicht auch f\u00fcr eine demokratische Gesellschaft, die in einer Zeit von Spaltung, von Polarisierung auch wieder zueinander findet, die Gespr\u00e4chsr\u00e4ume wieder intensiviert, die vielleicht verloren gegangen sind\u201c.<\/p>\n<p>Der direkt gew\u00e4hlte Bundestagsabgeordnete f\u00fcr Brandenburg an der Havel kommt von der AfD; zuletzt machte er Schlagzeilen, weil er Kirchenvertreter f\u00fcr das angebliche Decken von Kriminalit\u00e4t durch Asylbewerber angriff. In der Stadt rief die AfD noch dieses Jahr zu \u201eMontagsdemos\u201c auf; Anfeindungen an Wahlkampfst\u00e4nden kennen die Gr\u00fcnen auch hier. <\/p>\n<p>Erhard Gottschalk, ein Ur-Gr\u00fcner, der in den fr\u00fchen 80er-Jahren bereits in der Friedensbewegung aktiv war und in Brandenburg die Strukturen des Neuen Forums mitgr\u00fcndete, sagt zur politischen Stimmung: \u201eDie Meckerei hat so zugenommen, das ist unangenehm.\u201c Gottschalk, Jahrgang 1947, glaubt: Es grassierten \u201eZukunftsvergessenheit\u201c und Egoismus, dazu kommen die \u201eHass\u201c-erf\u00fcllten Demonstranten in den vergangenen Jahren, wenn prominente Gr\u00fcne im Kreis auftraten.<\/p>\n<p>\u201eDas gab es vor zehn Jahren so nicht\u201c, sagt Gottschalk, und: \u201eIch wei\u00df nicht, was da in den K\u00f6pfen vorgeht. Mittlerweile erlebt man sogar, dass f\u00fcnf, sechs kleine Steppkes\u201c \u2013 also Kinder \u2013 \u201ean den Wahlkampfstand kommen und da richtig schimpfen: \u201aAfD m\u00fcsst ihr w\u00e4hlen!\u2018\u201c Die Partei war zur Bundestagswahl 2025 st\u00e4rkste Kraft in der Stadt. <\/p>\n<p>Niemand vor Ort glaubt, ein einziges B\u00fcro eines Bundestagsabgeordneten k\u00f6nne fundamental etwas daran \u00e4ndern. Aber: Mehr Gr\u00fcne k\u00f6nnten Banaszak in den kommenden Monaten folgen. Und vielleicht st\u00f6\u00dft der doppelte Perspektivwechsel etwas an, so die Hoffnung.  <\/p>\n<p>\u201eIch bin begeisterte Brandenburgerin und wei\u00df aber auch um die Probleme, die es hier in Brandenburg gibt\u201c, hatte Sylvana Specht, neben Patz Co-Sprecherin des Kreisverbands, Banaszak zur Begr\u00fc\u00dfung gesagt. \u201eWir freuen uns sehr, dass Felix mit seinem Duisburger Blick und Berliner Blick hierhergekommen ist und unsere Probleme hier aus dem flachen Land, aus Westbrandenburg auch gerne mitnimmt nach Berlin.\u201c <\/p>\n<p>Als Geschenk \u00fcberreichen Patz und sie Banaszak dann, auch das ist scherzhaft gemeint, ein Buch aus den fr\u00fchen 90er-Jahren. \u201e120 Antworten. Hinweise f\u00fcr den Alltag in den neuen Bundesl\u00e4ndern\u201c, herausgegeben vom \u201eBundesministerium f\u00fcr innerdeutsche Beziehungen\u201c; alle, auch Banaszak, lachen. Nun kann das \u201eExperiment\u201c des Duisburgers in Brandenburg beginnen, wie Banaszak selbst es nennt. <\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/jan-alexander-casper\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/jan-alexander-casper\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><b>Jan Alexander Casper<\/b><\/a><b> berichtet f\u00fcr WELT \u00fcber die Gr\u00fcnen und gesellschaftspolitische Themen.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In Brandenburg an der Havel hat ein AfD-Bundestagsabgeordneter sein Direktmandat gewonnen. 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