{"id":545507,"date":"2025-11-02T14:48:12","date_gmt":"2025-11-02T14:48:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/545507\/"},"modified":"2025-11-02T14:48:12","modified_gmt":"2025-11-02T14:48:12","slug":"jazztage-im-theaterhaus-wehe-wenn-sie-losgelassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/545507\/","title":{"rendered":"Jazztage im Theaterhaus: Wehe, wenn sie losgelassen"},"content":{"rendered":"<p>Wollen die einen auf eine falsche F\u00e4hrte locken, Ja-damals-Gef\u00fchle evozieren und uns mitnehmen in ein musikalisches Arkadien, dorthin, wo Milch und Honig flie\u00dfen? S\u00fc\u00dfes ohne Saures bei einem Festival des modernen Jazz!? Die Bandnamen des Doppelkonzerts legen es nahe: Slowfox 4 und Nostalgia Trio. Doch schnell wird klar: Hier zeigt sich der zeitgen\u00f6ssische Jazz von seiner kitschfreien Seite, weil hier Widerst\u00e4nden nicht ausgewichen wird, um Harmonie zu erzeugen. Beide Jazzformationen folgen Senecas Motto per aspera ad astra \u2013 durch das Raue, Unwegsame hin zum strahlenden Licht. So entsteht wahre Sch\u00f6nheit. <\/p>\n<p>Den Anfang macht das kammermusikalische Quartett Slowfox 4 des Kontrabassisten Sebastian Gramss, das sich nach einem Standardtanz benennt. Vielleicht sind sie fasziniert von der Spannung in der Weichheit der t\u00e4nzerischen Bewegungen. Jedenfalls vollzieht sich da eine Improvisationsmusik, in der ein Glutkern lodert, als k\u00f6nne es jeden Moment zu Eruptionen kommen. Das bewirkt eine Dynamik, die durch Rhythmuswechsel forciert wird. Slowfox 4 kommt sanft daher wie ein Windhauch und ist auf dem Sprung wie ein Raubtier auf der Jagd. Das Quartett aus K\u00f6ln \u00fcberzeugt mit ausbalanciertem Ensemble-Sound und bravour\u00f6sen Solos, insbesondere des Pianisten Philipp Zoubek und des Saxofonisten Hayden Chishom. Dieser in Neusseeland geborene SWR-Preistr\u00e4ger hat schon in der Band Root 70 des Posaunisten Nils Wogram ins Horn gesto\u00dfen. Der bestreitet nun mit neuer Formation, dem Nostalgia Trio, das zweite Konzert des Abends, f\u00fcr viele ein Top Act der 46. Stuttgarter Jazztage. Die Veranstalter der IG Jazz freuen sich \u00fcbrigens dar\u00fcber, dass ihre Konzerte allesamt ausverkauft sind. <\/p>\n<p>Mit seiner Hammond B3 \u2013 auch \u201eSchweineorgel\u201c genannt \u2013 breitet Arno Krijger einen weichen Klangteppich aus. Bitters\u00fc\u00dfe T\u00f6ne l\u00e4sst er durch den Raum schweben. Schlagzeuger Dejan Terzi\u0107 bringt mit raffiniert gesetzten Beats Schwung in die Bude. Bandleader Nils Wogram ist es da eine Freude einzusteigen. Mit warmem Posaunenklang lotet er improvisierend die Harmonien seiner Kompositionen aus. Es geht ihm um die Sch\u00f6nheit des Klangs und die Klarheit der Aussagen. Im aufmerksam mitgehenden Publikum verwechselt das niemand mit Gl\u00e4tte und Beliebigkeit. Traumhaftes Spielverst\u00e4ndnis zeichnet diese Besetzung aus. <\/p>\n<p>Beim Autofahren ist es ratsam, in den R\u00fcckspiegel zu schauen, und auch im zeitgen\u00f6ssischen Jazz empfiehlt sich der Blick zur\u00fcck. Das Nostalgia Trio ergr\u00fcndet die Vergangenheit, um die Zukunft des Jazz zu gestalten. Das tut der in der Schweiz lebende Wogram aus Norddeutschland beim Projekt The Walk auf seine Weise: mit der Posaune als sparsame Bassbegleitung, aber wehe, wenn sie losgelassen! Dann spr\u00fcht der 52-j\u00e4hrige Wogram als Solist vor Spiellust und zeigt seine ganze Virtuosit\u00e4t. Der gro\u00dfe, vor zwanzig Jahren gestorbene Jazzposaunist Albert Mangelsdorff w\u00e4re begeistert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wollen die einen auf eine falsche F\u00e4hrte locken, Ja-damals-Gef\u00fchle evozieren und uns mitnehmen in ein musikalisches Arkadien, dorthin,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":545508,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[1634,3364,29,30,132957,80,132959,132958,1441,16070],"class_list":{"0":"post-545507","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-baden-wuerttemberg","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-ig-jazztage","13":"tag-kultur","14":"tag-nostalgia-trio","15":"tag-slowfox-4","16":"tag-stuttgart","17":"tag-theaterhaus-stuttgart"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115480658292116238","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/545507","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=545507"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/545507\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/545508"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=545507"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=545507"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=545507"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}