{"id":545515,"date":"2025-11-02T14:53:12","date_gmt":"2025-11-02T14:53:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/545515\/"},"modified":"2025-11-02T14:53:12","modified_gmt":"2025-11-02T14:53:12","slug":"nachruf-auf-hannes-linssen-der-bei-fortuna-koeln-ein-vereinsidol-war-sport","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/545515\/","title":{"rendered":"Nachruf auf Hannes Lin\u00dfen, der bei Fortuna K\u00f6ln ein Vereinsidol war &#8211; Sport"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Einer der Br\u00e4uche beim einzigartigen Traditionsklub und einst scheinbar ewigen Zweitligisten Fortuna K\u00f6ln bestand darin, dass auf den Pressekonferenzen im Restaurant \u201eBacchus\u201c der Pr\u00e4sident selbst die Speisekarte austeilte und die W\u00fcnsche der Journalisten f\u00fcr das Mittagessen entgegennahm. Anschlie\u00dfend kommentierte Jean L\u00f6ring die Entscheidungen. W\u00e4hlte jemand Salat, \u00e4u\u00dferte er Unverst\u00e4ndnis, und als mal ein Journalist die Wachtelbrust anmeldete, stellte L\u00f6ring dessen M\u00e4nnlichkeit infrage. Doch nie gab es am Mittagstisch ein gr\u00f6\u00dferes Politikum als in dem Moment, in dem ein Reporter die Linsensuppe orderte.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Dem popul\u00e4ren Fortuna-Trainer Hannes Lin\u00dfen hatte der alleinherrschende Pr\u00e4sident tags zuvor die K\u00fcndigung ausgesprochen. Und das war keine Trainerentlassung der konventionellen Art, sie setzte zwei gravierende Schlussstriche auf einmal: unter einen langj\u00e4hrigen Zeitabschnitt in der Geschichte des heutigen Regionalligisten Fortuna. Und unter eine Beziehung, die es im hiesigen Profigesch\u00e4ft wohl kein zweites Mal gegeben hat. Gemeinsam pr\u00e4gten die beiden M\u00e4nner einen skurrilen Schauplatz des deutschen Fu\u00dfballs, der k\u00f6lsche Autokrat L\u00f6ring und der niederrheinische Zuwanderer Lin\u00dfen, der ein liebensw\u00fcrdiger, zivilisierter und geradliniger Mann war und gerade dadurch manchmal etwas exzentrisch erschien. Wozu aber auch seine verwegen wehende Nicht-Frisur beitrug.<\/p>\n<p>Als es mal schlecht lief, stellte Trainer Lin\u00dfen das Reden mit den Profis ein<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Johannes Lin\u00dfen, der 1949 in Wachtendonk geboren wurde und nun 76-j\u00e4hrig in K\u00f6ln verstorben ist, hatte bis 1984 zehn Jahre f\u00fcr Fortuna in der zweiten Liga gespielt. Sp\u00e4ter stellte ihn L\u00f6ring dreimal als Cheftrainer ein. Zweimal trat Lin\u00dfen von seinem Amt zur\u00fcck, nachdem Fortuna unter bisweilen tragikomischen Umst\u00e4nden den Aufstieg verpasst hatte, das dritte Engagement endete mit der Entlassung. Dar\u00fcber war Lin\u00dfen ver\u00e4rgert, er nahm Abstand von L\u00f6ring. Bis zu dessen Tod im Jahr 2005 gab es kaum noch Kontakt zwischen den beiden, obwohl sie so lange durch den SC Fortuna und unz\u00e4hlige Anekdoten verbunden waren. Zwar waren die beiden sehr unterschiedliche Originale, aber sie waren auch zwei Menschen mit starkem Charakter, das brachte sie zusammen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/980f54da-261d-428c-861c-8c778078cd9a.jpeg\"   alt=\"Eine Beziehung, die es im deutschen Profigesch\u00e4ft wohl kein zweites Mal gegeben hat: Pr\u00e4sident Jean L\u00f6ring (rechts) und Trainer Hannes Lin\u00dfen bei Fortuna K\u00f6ln.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Eine Beziehung, die es im deutschen Profigesch\u00e4ft wohl kein zweites Mal gegeben hat: Pr\u00e4sident Jean L\u00f6ring (rechts) und Trainer Hannes Lin\u00dfen bei Fortuna K\u00f6ln. (Foto: Imago)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die Beziehung begann mit einem Erlebnis, das typisch war f\u00fcr die Eigenheiten des Klubs, dem sich Lin\u00dfen \u2013 vom Bundesligisten MSV Duisburg kommend \u2013 angeschlossen hatte. Im Trainingslager in \u00d6sterreich standen Pr\u00e4mienverhandlungen mit dem Pr\u00e4sidenten an. Es hie\u00df, dass Jean L\u00f6ring krank sei, die Verhandlung aber hinter sich bringen wollte. So standen Kapit\u00e4n Wolfgang Fahrian, der Neuling Lin\u00dfen und zwei weitere Mitglieder des Mannschaftsrates im Kreis um das Bett des Chefs, der auf den Wunsch nach einer Punktpr\u00e4mie von 400 Mark mit einem schweren Hustenanfall reagierte. \u201eWas ihr f\u00fcr Forderungen stellt. Ich bin krank! Ihr wollt mich ruinieren!\u201c, stie\u00df er nach Lin\u00dfens Erinnerung hervor. Schlie\u00dflich akzeptierten die Profis die H\u00e4lfte, doch Lin\u00dfen hatte Gewissensbisse, einen kranken Mann belastet zu haben. Bis ihn sein erfahrener irischer Teamkollege Noel Campbell belehrte: \u201eDer hat gar nichts, der will nur nicht bezahlen!\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Ging es ums Geld, das er in den Verein steckte, war L\u00f6ring trickreich. Unter anderem handelte er mit Spielern das Gehalt beim Fu\u00dfballtennis in seinem Privatschloss in der Eifel aus. Dabei nutzte er den Heimvorteil, indem er die Kandidaten auf der schlechteren Seite spielen lie\u00df und die Regeln diktierte. Lin\u00dfen erlebte auch, wie L\u00f6ring die Sieg- und Auflaufpr\u00e4mien strich, denn \u201ees war Weltwirtschaftskrise, zumindest in der K\u00f6lner S\u00fcdstadt\u201c, wie er mit typischer Ironie formulierte. Statt Pr\u00e4mien sollte das Team an den Zuschauereinnahmen partizipieren. \u201eAber wir haben doch gar keine Zuschauer\u201c, protestierte Lin\u00dfen. \u201eEben\u201c, sagte L\u00f6ring.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Als Trainer erreichte Lin\u00dfen 1986 die Relegationsrunde mit Borussia Dortmund, in der J\u00fcrgen \u201eKobra\u201c Wegmann den BVB in letzter Minute rettete. Lin\u00dfens Arbeit wurde, wie aktuelle digitale Trauerbekundungen bezeugen, von seinen Spielern gesch\u00e4tzt, wenn auch nicht immer. Als es mal schlecht lief, stellte der Trainer das Reden mit den Profis ein \u2013 er sagte tagelang kein Wort zu ihnen. Erst am Spieltag sprach er wieder: \u201eSonst w\u00e4ren sie wohl mit 15 Mann auf den Platz gegangen\u201c, sagte er.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Au\u00dfer durch seine Fortuna-Zeit schrieb Lin\u00dfen dadurch Fu\u00dfballgeschichte, dass er laut Recherchen des Historikers Udo Muras im Januar 1971 beim MSV die erste gelbe Karte seit Einf\u00fchrung der Symbolschilder erhielt. Ein Justizirrtum\u00a0\u2013 gemeckert hatte ein anderer Spieler.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Auch beim 1. FC K\u00f6ln hat Lin\u00dfen mehrere Jobs ausge\u00fcbt. Als Co-Trainer von Erich Rutem\u00f6ller und Interimschefcoach sowie Jahre sp\u00e4ter als Sportdirektor, wo er 2002 wegen Differenzen \u00fcber den Kurs zur\u00fccktrat. Kurzerhand erkl\u00e4rte er danach, das Fu\u00dfballgesch\u00e4ft verlassen zu wollen \u2013 und zur Verbl\u00fcffung f\u00fcr alle, die ihn nicht kannten, blieb er auch dabei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Einer der Br\u00e4uche beim einzigartigen Traditionsklub und einst scheinbar ewigen Zweitligisten Fortuna K\u00f6ln bestand darin, dass auf den&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":545516,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1828],"tags":[299,29,347,30,1420,148,1209,265,149],"class_list":{"0":"post-545515","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-koeln","8":"tag-bundesliga","9":"tag-deutschland","10":"tag-fussball","11":"tag-germany","12":"tag-koeln","13":"tag-leserdiskussion","14":"tag-nordrhein-westfalen","15":"tag-sport","16":"tag-sueddeutsche-zeitung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115480678586741936","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/545515","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=545515"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/545515\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/545516"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=545515"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=545515"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=545515"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}