{"id":545612,"date":"2025-11-02T15:47:14","date_gmt":"2025-11-02T15:47:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/545612\/"},"modified":"2025-11-02T15:47:14","modified_gmt":"2025-11-02T15:47:14","slug":"warum-deutschlands-autoindustrie-stellen-streicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/545612\/","title":{"rendered":"Warum Deutschlands Autoindustrie Stellen streicht"},"content":{"rendered":"<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Ein Besch\u00e4ftigter von Volkswagen hat eine rote Trillerpfeife im Mund und eine rote Baseball-Cappy auf dem Kopf und steht vor dem Volkswagen-Schriftzug\" alt=\"Ein Besch\u00e4ftigter von Volkswagen hat eine rote Trillerpfeife im Mund und eine rote Baseball-Cappy auf dem Kopf und steht vor dem Volkswagen-Schriftzug\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/vw-stellenabbau-personal-100-1920x1080.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Die deutsche Autobranche schrumpft. \u00dcberall werden Stellen abgebaut. Allein bei VW sollen bis 2030 35.000 Arbeitspl\u00e4tze wegfallen. (picture alliance \/ dpa \/ Hendrik Schmidt)<\/p>\n<p>Die Autoindustrie z\u00e4hlt mit rund 716.000 Besch\u00e4ftigten im August 2025 zu den wichtigsten Branchen in Deutschland. Zu ihr geh\u00f6ren Gro\u00dfkonzerne von BMW bis Volkswagen sowie zahlreiche spezialisierte Zulieferbetriebe. Um Kosten zu sparen, werden seit einigen Jahren in vielen Betrieben Besch\u00e4ftigte entlassen. <\/p>\n<p>Volkswagen will bis 2030 35.000 Stellen abbauen, der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler schlie\u00dft im kommenden Jahr sein Werk im ostwestf\u00e4lischen Steinhagen und die Automobilsparte von Bosch will bis 2030 rund 13.000 Stellen streichen. <\/p>\n<p>Zum Teil sind die Unternehmen selbst in die Krise hineingeschlittert. Hinzu kommen \u00e4u\u00dfere Umst\u00e4nde, wie die US-Zollpolitik oder Chinas wirtschaftlicher Aufstieg. <\/p>\n<p>Die deutsche Autoindustrie hat jahrzehntelang erfolgreich Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren produziert. Doch langfristig wird sie sich davon verabschieden und stattdessen die Elektrotechnologie vorantreiben m\u00fcssen. <\/p>\n<p>Die gegenw\u00e4rtige Transformation der Autoindustrie sei die gr\u00f6\u00dfte Ver\u00e4nderung, die die Branche je erlebt habe, sagt Stefan Bratzel, Gr\u00fcnder und Direktor des Center of Automotive Management. Bislang laufe die deutsche Automobilindustrie der Entwicklung hinterher, sei es auf den Feldern der Digitalisierung oder der Batteriezellen. <\/p>\n<p>Zu zaghaft hat sich die deutsche Autobranche der E-Mobilit\u00e4t angen\u00e4hert, zu lange an den Verbrennern festgehalten, weil sie damit schlichtweg mehr Geld verdienen kann. Bislang hat sich die E-Mobilit\u00e4t in Deutschland, trotz zuletzt steigender Verkaufszahlen, nicht durchgesetzt. <\/p>\n<p>Fast 30 Millionen Benziner fahren auf Deutschlands Stra\u00dfen. Hinzukommen rund 13,8 Millionen Dieselfahrzeuge und rund 3,5 Millionen Hybridautos. E-Autos kommen nur auf einen Anteil von 1,6 Millionen. Es mangelt an Kaufanreizen, an g\u00fcnstigen E-Kleinwagen von deutschen Herstellern und an einer fl\u00e4chendeckenden Ladeinfrastruktur. <\/p>\n<p>Es ist wahrscheinlich, dass in der deutschen Autoindustrie k\u00fcnftig noch mehr Jobs gestrichen werden, insbesondere bei den Zulieferern, weil die Produktion von Elektrofahrzeugen weniger komplex ist und deutlich weniger Bauteile ben\u00f6tigt. Wichtige Komponenten, wie Chips und Batterien, werden im Ausland gefertigt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die deutsche Automobilindustrie die E-Mobilit\u00e4t verschlafen oder sich bewusst dagegen entschieden hat auf die neue Technologie zu setzen, haben sich chinesische Autobauer auf die Herstellung von E-Autos fokussiert. <\/p>\n<p>China f\u00f6rdert die Autoindustrie im eigenen Land mit hohen Subventionen. Niedrige L\u00f6hne, niedrige Energiekosten und niedrige Anschaffungskosten tun ihr \u00dcbriges. Zunehmend kaufen Chinesen E-Autos, insbesondere aus heimischer Produktion. <\/p>\n<p>Der chinesische E-Auto-Hersteller BYD hat in den Jahren 2023 und 2024 deutlich mehr Autos in China verkauft als Volkswagen und l\u00e4ngst den deutschen Konzern als Marktf\u00fchrer abgel\u00f6st. Auch andere deutsche Hersteller wie Mercedes verlieren Marktanteile in China. <\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist die Produktion in Deutschland extrem abh\u00e4ngig von China, da wichtige Rohstoffe und Bauteile aus China stammen. Das seltene Metall Gallium wird f\u00fcr Stromsparchips ben\u00f6tigt und zu mehr als 80 Prozent in China hergestellt. <\/p>\n<p>Zwar sind europ\u00e4ische Firmen Weltmarktf\u00fchrer f\u00fcr Halbleiter, aber weiterverarbeitet wird ein bedeutender Anteil von Autochips in chinesischen Fabriken. Im Herbst 2025 ersch\u00fctterte ein Exportstopp von Chips des niederl\u00e4ndischen Herstellers Nexperia, der seine Chips in China testet und verpackt, die europ\u00e4ischen Autobauer. Denn ohne diesen Chip drohten Produktionsausf\u00e4lle. Vorausgegangen war ein Zoll- und Handelsstreit zwischen den USA und China. Der Fall zeigt, wie empfindlich die Automobilbranche ist. <\/p>\n<p>Neben China, Deutschland und Europa z\u00e4hlen die USA zu den gr\u00f6\u00dften Absatzm\u00e4rkten f\u00fcr die deutschen Automobilhersteller. Der wichtigste Exportmarkt sind die USA. Daher machen die von US-Pr\u00e4sident Trump eingef\u00fchrten Z\u00f6lle den deutschen Autoherstellern zu schaffen. <\/p>\n<p>Im April 2025 stiegen die Z\u00f6lle f\u00fcr Kraftfahrzeuge zun\u00e4chst von 2,5 Prozent auf 27,5 Prozent. Seit August gilt ein Zollsatz von 15 Prozent f\u00fcr Fahrzeuge und Fahrzeugteile aus Europa. Audi haben die Z\u00f6lle in den ersten drei Quartalen 850 Millionen Euro gekostet. Bei Mercedes ging der Absatz in den USA um 17 Prozent zur\u00fcck. <\/p>\n<p>                Die Automobilindustrie hat die politische Spitze in Deutschland davon \u00fcberzeugen k\u00f6nnen, das f\u00fcr 2035 geplante <a title=\"Link auf: Verbrenner-Aus\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/climate.ec.europa.eu\/eu-action\/transport\/road-transport-reducing-co2-emissions-vehicles\/co2-emission-performance-standards-cars-and-vans_en\" class=\"click-tracking-paragraph\" data-tracking=\"{&quot;name&quot;:&quot;Link in Beitrag&quot;,&quot;chapter1&quot;:&quot;https:\/\/climate.ec.europa.eu\/eu-action\/transport\/road-transport-reducing-co2-emissions-vehicles\/co2-emission-performance-standards-cars-and-vans_en&quot;,&quot;chapter2&quot;:&quot;Verbrenner-Aus&quot;,&quot;chapter3&quot;:&quot;VW, Schaeffler, Bosch - Warum Deutschlands Autoindustrie Stellen streicht&quot;,&quot;level2&quot;:1}\" rel=\"noopener\">Verbrenner-Aus<\/a> erneut zur Diskussion zu stellen. 2021 hatten die EU-Mitgliedsstaaten beschlossen, dass neu zugelassene Fahrzeuge ab 2035 kein CO2 mehr aussto\u00dfen d\u00fcrfen. Das soll dazu beitragen, die EU bis 2050 klimaneutral zu machen. <\/p>\n<p>Bundeskanzler Friedrich Merz sprach sich f\u00fcr eine Aufweichung der EU-Regelung aus, ohne konkret zu werden, wie eine neue Regelung aussehen k\u00f6nnte. Auch die Ministerpr\u00e4sidenten der L\u00e4nder forderten eine Neuregelung, weil das Verbot der Verbrennertechnologie die Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Automobilstandortes Deutschland gef\u00e4hrde. Die Gewerkschaft IG Metall forderte ebenfalls flexiblere Regulierungen, um bis zu 200.000 Arbeitspl\u00e4tze in Europa zu sichern. <\/p>\n<p>Politikwissenschaftler Andreas Knie h\u00e4lt eine Aufweichung des Verbots jedoch f\u00fcr \u201egenau das falsche Signal\u201c. Zielmarkt sei vor allem China. Die deutschen Hersteller w\u00fcrden weiter kr\u00e4ftig Marktanteile verlieren, weil sie die falschen Autos bauten \u2013 was zu einem weiteren Verlust von Arbeitspl\u00e4tzen f\u00fchren werde. Es sei ein k\u00fcnstlich aufgebautes Narrativ, dass Klimaschutz und Wirtschaft nicht vereinbar seien, meint die Wirtschaftswissenschaftlerin Claudia Kemfert. Das Gegenteil ist ihrer Ansicht nach der Fall: Die Verl\u00e4ngerung fossiler Gesch\u00e4ftsmodelle koste Jobs.<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Balkendiagramm zur Anzahl der Besch\u00e4ftigten in der Automobilindustrie in Deutschland in den Jahren 2005 bis 2024. \" alt=\"Balkendiagramm zur Anzahl der Besch\u00e4ftigten in der Automobilindustrie in Deutschland in den Jahren 2005 bis 2024. \" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/beschaeftigte-automobilindustrie-2024-100-768xauto.png\" \/><\/p>\n<p>                  Anzahl der Besch\u00e4ftigten in der Automobilindustrie in Deutschland in den Jahren 2005 bis 2024 (x)<\/p>\n<p>Kristina Reymann-Schneider<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die deutsche Autobranche schrumpft. \u00dcberall werden Stellen abgebaut. Allein bei VW sollen bis 2030 35.000 Arbeitspl\u00e4tze wegfallen. 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