{"id":546054,"date":"2025-11-02T19:55:12","date_gmt":"2025-11-02T19:55:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/546054\/"},"modified":"2025-11-02T19:55:12","modified_gmt":"2025-11-02T19:55:12","slug":"linke-in-europa-european-forum-to-do-liste-fuer-ein-anderes-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/546054\/","title":{"rendered":"Linke in Europa \u2013 European Forum: To-do-Liste f\u00fcr ein anderes Europa"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img313479\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/313479.jpeg\" alt=\"Zugeschaltet aus London: der britische Linkspolitiker Jeremy Corbyn\"\/><\/p>\n<p>Zugeschaltet aus London: der britische Linkspolitiker Jeremy Corbyn<\/p>\n<p>Foto: Sattler<\/p>\n<p>Es ist ein j\u00e4hrlicher Pflichttermin all jener, die f\u00fcr ein besseres Europa und eine andere EU eintreten: das European Forum of Left, Green and Progressive forces. Geboren 2017 in Marseille \u2013 das Weltsozialforum von Porto Alegre stand Pate \u2013, erlebte es am Wochenende in Wien seine inzwischen neunte Auflage. Abgesandte von linken, gr\u00fcnen und sozialdemokratischen Parteien, von Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen und der Zivilgesellschaft diskutierten \u00fcber ein anderes Europa und den Weg dorthin. \u00bbF\u00fcr Frieden, soziale und Klimagerechtigkeit\u00ab war das Treffen \u00fcberschrieben.<\/p>\n<p>Die Dichte an politischer Prominenz in Wien war hoch \u2013 sie reichte vom britischen Linkspolitiker Jeremy Corbyn \u00fcber den Vorstandsvorsitzenden der deutschen Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) Heinz Bierbaum und die stellvertretende Pariser B\u00fcrgermeisterin H\u00e9l\u00e8ne Bidard bis zum Chef der griechischen Syriza Sokr\u00e1tis F\u00e1mellos und Walter Baier, Pr\u00e4sident der Partei der Europ\u00e4ischen Linken (EL). Die \u00bbDachorganisation\u00ab von knapp 50 linken und links-gr\u00fcnen Mitglieds-, Beobachter- und Partnerparteien ist Hauptr\u00e4gerin des European Forum. \u00bbDas Treffen ist eine einzigartige Gelegenheit, \u00fcber die Grenzen von Parteien und Organisationen hinweg gemeinsam \u00fcber Alternativen f\u00fcr Europa zu beraten und Aktionen zu vereinbaren\u00ab, bekr\u00e4ftigte Baier im Gespr\u00e4ch mit \u00bbnd\u00ab. \u00bbWir wollen die Sparpolitik bek\u00e4mpfen, der Militarisierung widerstehen und f\u00fcr soziale, wirtschaftliche und \u00f6kologische Gerechtigkeit k\u00e4mpfen.\u00ab<\/p>\n<p>Wie n\u00f6tig das ist, hatte Cornelia Hildebrandt vom linken europ\u00e4ischen Thinktank Transform!Europe gleich zu Beginn des Forums umrissen. Jedes f\u00fcnfte Kind in Europa wachse in Armut auf, berichtete die Wissenschaftlerin. Und w\u00e4hrend die obersten zehn Prozent der Europ\u00e4er zwei Drittel des Gesamtverm\u00f6gens bes\u00e4\u00dfen, h\u00e4tte die untere H\u00e4lfte nur 1,2 Prozent daran. Trotzdem seien nur 14 Prozent des EU-Haushalts f\u00fcr soziale Ma\u00dfnahmen wie Armutsbek\u00e4mpfung, Bildung und Besch\u00e4ftigung vorgesehen. \u00bbAll dies geschieht vor dem Hintergrund des Krieges in Europa und der Versch\u00e4rfung der Klimakrise, die jedes Jahr Milliarden kostet\u00ab, so Hildebrandt.<\/p>\n<p>Auch der \u00d6sterreicher Baier machte in seinem Redebeitrag die Dramatik der Situation klar. Er zitierte den fr\u00fcheren sozialdemokratischen Bundeskanzler \u00d6sterreichs Bruno Kreisky: \u00bbEin paar Milliarden Schulden beunruhigen mich weniger als Zehntausende Arbeitslose.\u00ab Heute allerdings gebe es Hunderttausende Arbeitslose in \u00d6sterreich und 13 Millionen in ganz Europa, betonte Baier. Und die europ\u00e4ische Industrie stecke in der Krise. Eine Einsch\u00e4tzung, die von RLS-Vorstand Bierbaum sogar noch zugespitzt wurde: Die \u00d6konomie in der EU sei bedroht, von den USA, von Kriegen und Aufr\u00fcstung, von der Klimakrise, so der Wirtschaftsprofessor.<\/p>\n<p>Kampf gegen rechtsau\u00dfen<\/p>\n<p>Eng verkn\u00fcpft, das tauchte in den Diskussionsbeitr\u00e4gen immer wieder auf, ist die soziale und Klimagerechtigkeit mit dem Kampf gegen rechtsau\u00dfen. \u00bbDieser Kampf wird im Bereich der Sozial- und Wirtschaftspolitik gewonnen oder verloren\u00ab, betonte EL-Pr\u00e4sident Baier. Die wachsende Unsicherheit bis weit in die soziale und politische Mitte hinein bereite den Boden f\u00fcr rechtspopulistische und rechtsextreme Kr\u00e4fte und Parteien. Bereits heute ist die radikale Rechte in einem Drittel der EU-L\u00e4nder an der Regierung beteiligt, nach den Wahlen in Tschechien stellt sie nun in f\u00fcnf Staaten die Regierungschef*in. Das \u00bbgrauenhafte Erstarken der Rechtsextremen\u00ab (Corbyn) sei wesentlich dem R\u00fcckbau der Sozialpolitik geschuldet. Und Marcus Strohmeier, internationaler Sekret\u00e4r des \u00d6sterreichischen Gewerkschaftsbunds (\u00d6GB), nahm im Gespr\u00e4ch mit \u00bbnd\u00ab direkt Bezug <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1195059.neue-parlamentswahl-niederlande-frustration-in-dauerschleife.html?sstr=Wahlen|Niederlande\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">auf die j\u00fcngste Wahl in der Niederlande<\/a>: Dass die linksliberale D66-Partei siegte und Geert Wilders rechtspopulistische PVV auf Platz zwei verweisen konnte, sei der Fokussierung der D66 auf soziale Fragen und insbesondere Wohnungsnot und hohe Mieten zu verdanken.<\/p>\n<p>Bezahlbares Wohnen f\u00fcr alle war nahezu folgerichtig ein zentrales Thema des Wiener Forums. Jeder zehnte Haushalt gebe mehr als 40 Prozent seines Einkommens f\u00fcr Wohnkosten aus, hatte Hildebrandt auf dem Forum konstatiert. Die EL hat das sogenannte Housing zu einem Schwerpunkt ihrer politischen Arbeit und von Aktionen gemacht, in Wien widmete sich gleich eine ganze Plenarsitzung dem Thema. Aktivist*innen berichteten von j\u00fcngsten Steigerungen bei Wohnkosten von 15 Prozent in Portugal oder 12 Prozent in Kroatien. Insgesamt seien diese Kosten in Europa seit 2010 um 60 Prozent gestiegen.<\/p>\n<p>Erfahrungen aus dem \u00bbroten Wien\u00ab<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich waren in diesem Zusammenhang die Erfahrungen \u00d6sterreichs und der Stadt Wien gefragt, wo die Gew\u00e4hrleistung bezahlbaren Wohnens besser funktioniert als in anderen Staaten und Gro\u00dfst\u00e4dten. Gegen\u00fcber \u00bbnd\u00ab sagte \u00d6GB-Funktion\u00e4r Strohmeier, das <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1188197.wohnungslosigkeit-housing-first-zuerst-ein-dach-ueber-dem-kopf.html?sstr=Wohnen|Wien\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bbrote Wien\u00ab sei noch immer lebendig, was sich gerade beim Thema Miete zeige<\/a>. \u00bbGerade mit unserem Genossenschaftsmodell wenden wir uns an die Arbeitnehmer*innen und versuchen gemeinsam mit der Gemeinde Wien, die Preise im Griff zu behalten.\u00ab Denn auch dort seien die Mieten in den vergangenen Jahren um 30 bis 40 Prozent gestiegen. Inzwischen g\u00e4ben sich Vertreter*innen anderer St\u00e4dte quasi die Klinke in die Hand, um das \u00bbWiener Modell\u00ab zu studieren.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt spielten positive Beispiele auch in den anderen Runden \u2013 die sich unter anderem mit dem Kampf gegen Austerit\u00e4tspolitik und Militarisierung, mit Feminismus, Nahost, der Rolle von Gewerkschaften, Feminismus und dem Erhalt der Demokratie besch\u00e4ftigten \u2013 eine Rolle. So berichtete eine zyprische Gewerkschafterin \u00fcber die Zusammenarbeit \u00fcber die Teilungslinie der Insel hinweg; ein franz\u00f6sischer Aktivist \u00fcber eine lokale Initiative gegen giftige D\u00e4mpfe aus einer Fabrik. Die Klimaaktivistin Phili Kaufmann stellte das Projekt \u00bbWir Fahren Gemeinsam\u00ab vor, mit dem gerade f\u00fcr Besch\u00e4ftigte im Verkehrssektor, insbesondere Busfahrer*innen, bessere Arbeitsbedingungen erk\u00e4mpft werden sollen. Gegen\u00fcber \u00bbnd\u00ab berichtete sie: \u00bbDas ist eine Kampagne, die zwei extrem wichtige Fragen unserer Zeit zusammenbringt \u2013 n\u00e4mlich die soziale Frage der Arbeiter*innenklasse und die Klimaproblematik. Das Zusammengehen mit den Besch\u00e4ftigten sei \u00abder einzige Weg, um sowohl auf der sozialen Schiene wie bei der Umweltpolitik voranzukommen\u00bb.<\/p>\n<p>Der rote Faden: Frieden<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich zog sich die Friedensfrage wie ein roter Faden durch alle Plenarsitzungen und Workshops. Dazu geh\u00f6rten auch Debatten \u00fcber den russischen Krieg in der Ukraine, bei denen sich die Teilnehmer*innen \u2013 trotz unterschiedlicher Ansichten, wie weit die Unterst\u00fctzung der Ukraine gehen sollte \u2013 einig waren, dass dieser schnell und auf diplomatische Weise beendet werden muss. Nahezu einhellig wurde Israels Vorgehen in Gaza verurteilt und die Solidarit\u00e4t mit der pal\u00e4stinensischen Bev\u00f6lkerung bekundet. \u00abWir lehnen die Logik von Bl\u00f6cken, Aufr\u00fcstung und Militarisierung ab\u00bb, hei\u00dft es in der Schlusserkl\u00e4rung des Treffens. \u00abWir bekr\u00e4ftigen unser Engagement f\u00fcr die Verhandlungsl\u00f6sung von Konflikten.\u00bb Weitere Punkte sind die Forderung nach Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums, einer gerechten, demokratischen und sozial fortschrittlichen Energiewende und der Schutz demokratischer Rechte, insbesondere der Frauenrechte.<\/p>\n<p>Damit steht das in Wien beschlossene Abschlussdokument in der Tradition der vorangegangenen Foren von Marseille bis Budapest 2024. Ein Schmankerl hatte allerdings die Junge Linke \u00d6sterreich dem diesj\u00e4hrigen Forum hinzugef\u00fcgt: Am ehrw\u00fcrdigen Sitz des linken europ\u00e4ischen Thinktanks Transform!Europe hatten die Jungkommunisten eine Halloween-Party organisiert und die Teilnehmer*innen des European Forum eingeladen. Wer den ausgeschriebenen ersten Preis f\u00fcr das gruseligste Kost\u00fcm gewonnen hat, war jedoch nicht aufzukl\u00e4ren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zugeschaltet aus London: der britische Linkspolitiker Jeremy Corbyn Foto: Sattler Es ist ein j\u00e4hrlicher Pflichttermin all jener, die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":546055,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,156,16756,13,24458,14,6000,15,1433,12],"class_list":{"0":"post-546054","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europaeische-union","13":"tag-europe","14":"tag-european-union","15":"tag-frankreich","16":"tag-friedensbewegung","17":"tag-headlines","18":"tag-linke-bewegung","19":"tag-nachrichten","20":"tag-nahost","21":"tag-news","22":"tag-oesterreich","23":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115481865976683608","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/546054","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=546054"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/546054\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/546055"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=546054"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=546054"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=546054"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}