{"id":547028,"date":"2025-11-03T05:57:17","date_gmt":"2025-11-03T05:57:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/547028\/"},"modified":"2025-11-03T05:57:17","modified_gmt":"2025-11-03T05:57:17","slug":"1000-km-reichweite-ukrainische-drohnen-treffen-russlands-oelindustrie-ins-herz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/547028\/","title":{"rendered":"1000 km Reichweite: Ukrainische Drohnen treffen Russlands \u00d6lindustrie ins Herz"},"content":{"rendered":"<p>An einem geheimen Ort in der l\u00e4ndlichen Ukraine werden im Schutz der Dunkelheit und nahezu lautlos Kolonnen von Angriffsdrohnen zusammengestellt. Tief in Russland sollen sie angreifen.<\/p>\n<p>Im Visier haben sie Ziele von strategischer Bedeutung: <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2025\/11\/01\/russland-ukrainischer-geheimdienst-olpipeline-moskau\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>\u00d6lraffinerien, Treibstoffdepots<\/strong><\/a> und milit\u00e4rische Logistikknotenpunkte. Seit dem Sommer wurde die ukrainische Langstrecken-Drohnenkampagne drastisch ausgeweitet, die Energieinfrastruktur in ganz Russland unter Beschuss genommen und Moskaus Luftverteidigung in Bedr\u00e4ngnis gebracht.<\/p>\n<p>Die daf\u00fcr verwendeten Drohnen werden aus Teilen gebaut, die in einem verstreuten Netzwerk von Werkst\u00e4tten hergestellt werden. Sie fliegen deutlich weiter als je zuvor.<\/p>\n<p>Offiziere in Schutzwesten bewegen sich mit Pr\u00e4zision; Scheinwerfer leuchten rot, um nicht gesehen zu werden. Die Motoren stottern wie alte Motorr\u00e4der, und die Abgase treiben in der mondlosen Nacht.<\/p>\n<p>Minuten sp\u00e4ter hebt eine Drohne nach der anderen von einer behelfsm\u00e4\u00dfigen Landebahn ab. Sie fliegen Richtung Osten.<\/p>\n<p>Wegen der Angriffe<a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2025\/09\/26\/drohnen-russland-benzin-tanken-export\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> <strong>wird in Russland das Benzin knapp<\/strong><\/a>. In einigen Regionen musste es sogar rationiert werden. Es ist ein Zeichen daf\u00fcr, dass die russische Infrastruktur immer verwundbarer wird.<\/p>\n<p><strong>Mit Langstreckendrohnen gegen russisches \u00d6l<\/strong><\/p>\n<p>Westliche Analysten sehen schwerwiegende Folgen f\u00fcr die russische Energieinfrastruktur. L\u00e4hmend seien die Angriffe allerdings nicht. <\/p>\n<p>Mehrmals haben ukrainische Drohnen <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2025\/08\/27\/ruckschlag-fur-russland-ukraine-legt-17-der-russischen-olraffineriekapazitat-lahm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>16 gro\u00dfe russische Raffinerien angegriffen<\/strong><\/a>. Sie machen etwa 38 % der nominalen Raffineriekapazit\u00e4t des Landes aus, so ein aktueller Bericht von Carnegie Endowment, einer US-Denkfabrik.<\/p>\n<p>Die meisten Anlagen seien innerhalb weniger Wochen wieder in Betrieb genommen worden. Au\u00dferdem sei die russische Raffinerieproduktion durch ungenutzte Kapazit\u00e4ten und bestehende Kraftstoff\u00fcbersch\u00fcsse abgefedert worden.<\/p>\n<p>Die Vereinigten Staaten und Europa<a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2025\/10\/28\/us-sanktionen-russland-oelkonzern-rosneft\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> <strong>versch\u00e4rfen ihre Sanktionen<\/strong><\/a> gegen die russische \u00d6lindustrie, w\u00e4hrend Kyjiws Antrag auf US-Langstreckenraketen vom Typ Tomahawk ins Stocken geraten ist.<\/p>\n<p>Pr\u00e4sident Wolodymyr Selenskyj erkl\u00e4rt, dass die verbesserte F\u00e4higkeit der Ukraine zu Langstreckenangriffen <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2025\/09\/14\/ukraine-greift-in-kirischi-eine-der-wichtigsten-russischen-olraffinerien-an-drohnen-attack\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>echten Schaden anrichtet<\/strong><\/a> und den Kreml zwingt, Treibstoff zu importieren. Gleichzeitig m\u00fcsse Russland Exporte drosseln.<\/p>\n<p>&#8222;Wir glauben, dass sie bis zu 20 % ihrer Benzinvorr\u00e4te verloren haben \u2013 direkt als Folge unserer Angriffe&#8220;, sagte er bei einem Briefing in Kyjiw.<\/p>\n<p>An der geheimen Abschussbasis beobachtet der Kommandeur, der die Operation beaufsichtigt und gem\u00e4\u00df den ukrainischen Milit\u00e4rvorschriften nur mit seinem Rufnamen Fidel bezeichnet wird, durch eine Nachtsichtbrille, wie Drohnen in den sternen\u00fcbers\u00e4ten Himmel aufsteigen.<\/p>\n<p>&#8222;Die Drohnen entwickeln sich weiter&#8220;, sagt Fidel. &#8222;Anstatt 500 Kilometer zu fliegen, fliegen sie jetzt 1.000 Kilometer. Drei Faktoren sind f\u00fcr einen erfolgreichen Einsatz entscheidend: die Drohnen, die Menschen und die Planung. Wir wollen das beste Ergebnis liefern. F\u00fcr uns ist das eine heilige Mission.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Schn\u00f6rkellose Bewaffnung<\/strong><\/p>\n<p>Ein Gro\u00dfteil der ukrainischen Flotte wird im Inland hergestellt. Die Liutyi, das Arbeitspferd der n\u00e4chtlichen Angriffe, ist ein h\u00fcfthohes Fahrzeug mit einem wurstf\u00f6rmigen K\u00f6rper, einem Propeller am Heck und einem charakteristischen dreieckigen Heck.<\/p>\n<p>Es sieht weder elegant noch einsch\u00fcchternd aus. Die einfache Montage bedeutet, dass es versteckt gehalten und st\u00e4ndig optimiert werden kann. So kann die Drohne durch den streng \u00fcberwachten Luftraum der Frontlinie huschen.<\/p>\n<p>Die Liutyi, deren Name auf Ukrainisch &#8222;heftig&#8220; bedeutet, ist ein Symbol f\u00fcr den Nationalstolz der Ukraine und ziert seit kurzem eine Briefmarke des Landes.<\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2025\/10\/24\/sea-baby-drohne-schwarzes-meer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Reichweite dieser Drohnen<\/strong><\/a> hat sich bei einigen Modellen im letzten Jahr verdoppelt. Mittlerweile k\u00f6nnen deswegen routinem\u00e4\u00dfig Ziele in einem Radius von 1.000 Kilometern um die Grenze angegriffen werden. Die geografische Lage des Konflikts hat sich verschoben.<\/p>\n<p>Vor einem Jahr besch\u00e4digten die Angriffe Raffinerien in einem viel kleineren Umkreis, haupts\u00e4chlich in den westlichen russischen Grenzregionen. Auch die Kosten sind gesunken. Langstreckendrohnen werden jetzt in der Ukraine f\u00fcr nur 55.000 Dollar (47.000 Euro) hergestellt. So k\u00f6nnen die teuren Luftabwehrsysteme weiter getestet werden.<\/p>\n<p><strong>Eine Verschiebung der Konfliktgeografie<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Was wir beobachten, ist, dass die Ukraine den Krieg immer besser innerhalb Russlands f\u00fchrt&#8220;, sagt Adriano Bosoni, Leiter der Analyseabteilung von RANE, einem globalen Risikoanalyseunternehmen.<\/p>\n<p>&#8222;Die meiste Zeit des Krieges ging Russland davon aus, dass sein eigenes Gebiet sicher sei. Das ist jetzt nicht mehr der Fall.&#8220;<\/p>\n<p>Die Strategie sei eine logistische Zerm\u00fcrbung, argumentierte er. Die Ukraine zwinge Russland dazu, Nachschub umzuleiten und die Luftabwehr auf ein gr\u00f6\u00dferes Gebiet auszudehnen. Damit versuche Kyjiw, Moskaus F\u00e4higkeit zur Durchf\u00fchrung gro\u00df angelegter Operationen zu schw\u00e4chen.<\/p>\n<p>Nach Angaben der in Paris ans\u00e4ssigen Internationalen Energieagentur haben wiederholte Drohnenangriffe die Raffineriekapazit\u00e4t Russlands um etwa 500.000 Barrel t\u00e4glich verringert.<\/p>\n<p>Deswegen ist Treibstoff in Russland zunehmend knapp. Die Ausfuhr von Diesel und D\u00fcsentreibstoff wurde gedrosselt, obwohl die weltweite \u00d6lproduktion insgesamt konstant und die Preise stabil geblieben sind.<\/p>\n<p>Kyjiws Schlagkraft erm\u00f6glicht den unabh\u00e4ngigen Start von Drohnen, ohne dass die f\u00fcr importierte Langstreckenwaffen erforderliche westliche Genehmigung eingeholt werden muss.<\/p>\n<p>Nachdem die Ukraine monatelang russische Raffinerien mit Drohnen angriff, reagierten auch die Verb\u00fcndeten <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/my-europe\/2025\/10\/23\/eu-und-die-usa-verhangen-neue-sanktionen-gegen-russland\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>mit h\u00e4rteren Sanktionen<\/strong><\/a> gegen Russland. <\/p>\n<p>Vor Ort ist jeder Einsatz ein Kompromiss.<\/p>\n<p>Weniger als 30 % der Drohnen erreichen \u00fcberhaupt das Zielgebiet. Deswegen sei eine sorgf\u00e4ltige Planung unerl\u00e4sslich, sagte Fidel, der \u00fcber die menschlichen Kosten nachdachte.<\/p>\n<p>&#8222;Der Krieg ist unserer Generation zugefallen, damit wir f\u00fcr unsere Kinder k\u00e4mpfen k\u00f6nnen und sie in einem freien demokratischen Land leben k\u00f6nnen&#8220;, erkl\u00e4rte er.<\/p>\n<p>&#8222;Wir sammeln gerade Erfahrungen, die jedes Land der Welt nutzen wird, und wir zahlen den Preis mit unserem Leben und dem unserer Freunde.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"An einem geheimen Ort in der l\u00e4ndlichen Ukraine werden im Schutz der Dunkelheit und nahezu lautlos Kolonnen von&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":547029,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[331,332,10068,13,14,15,1713,307,12,317,1712,686],"class_list":{"0":"post-547028","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-drohnen","11":"tag-headlines","12":"tag-nachrichten","13":"tag-news","14":"tag-russischer-ueberfall-auf-die-ukraine","15":"tag-russland","16":"tag-schlagzeilen","17":"tag-ukraine","18":"tag-ukraine-krieg","19":"tag-verteidigungspolitik"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115484232504997438","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/547028","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=547028"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/547028\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/547029"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=547028"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=547028"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=547028"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}