{"id":547503,"date":"2025-11-03T10:48:15","date_gmt":"2025-11-03T10:48:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/547503\/"},"modified":"2025-11-03T10:48:15","modified_gmt":"2025-11-03T10:48:15","slug":"wenn-das-kind-monatelang-im-krankenhaus-leidet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/547503\/","title":{"rendered":"Wenn das Kind monatelang im Krankenhaus leidet"},"content":{"rendered":"<p>W\u00e4re es nach anderen \u00c4rzten in einer anderen Klinik gegangen, dann w\u00e4re ihr Baby heute nicht auf der Welt. In der Schwangerschaft stellten die \u00c4rzte bei Ann-Kathrin K\u00fcck in einem norddeutschen <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Krankenhaus\" title=\"Krankenhaus\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Krankenhaus<\/a> fest, dass ihr Kind einen schweren Herzfehler haben wird. Sie nahmen im Mutterleib einen Eingriff vor \u2013 der schief ging. Die \u00c4rzte dort erkl\u00e4rten das Kind f\u00fcr tot. K\u00fcck z\u00f6gerte jedoch, die Abtreibungspille zu nehmen, auch weil die \u00c4rzte in einer Klinik in Schleswig-Holstein meinten, es seien noch Herzt\u00f6ne da. Allerdings rechneten sie dem Kind keine allzu gro\u00dfen Chancen aus.<\/p>\n<p>Ann-Kathrin K\u00fcck wollte ihr Baby aber nicht aufgeben. Sie suchte selbst nach Experten, stie\u00df zuerst auf einen Professor in Mannheim. Der wiederum schickte sie <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.stuttgarter-aerzte-helfen-familie-in-kiew-ausgebombt-in-stuttgart-geheilt.a6973add-17a5-45fe-88e1-37e231875364.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">nach Stuttgart ans Olgahospital<\/a> zum Zentrum f\u00fcr angeborene Herzfehler. Gunter Kerst, der dortige \u00e4rztliche Direktor, habe sich sofort bereit erkl\u00e4rt, die Operation zu \u00fcbernehmen. Was sie ihm immer hochanrechnen w\u00fcrde, dass er nach der Operation bis nachts bei Fiete geblieben w\u00e4re. \u201eDas vergesse ich nie\u201c, sagt die Mutter.<\/p>\n<p>   Extra aus Norddeutschland ins Olg\u00e4le <\/p>\n<p>K\u00fccks Gef\u00fchl hat sie nicht getrogen. Heute, f\u00fcnf Monate sp\u00e4ter sitzt sie an einem Donnerstagvormittag auf der Intensivstation f\u00fcr Kinder, gibt ihrem Fiete sein Fl\u00e4schchen und er trinkt flei\u00dfig. Ein paar Kilo habe er schon wieder zugenommen in den letzten Wochen, sagt die Mutter. \u201eUnd es geht ihm viel besser.\u201c<\/p>\n<p>In seinem kurzen Leben hat Fiete schon einige Operationen \u00fcber sich ergehen lassen m\u00fcssen. \u201eAber er hat nun deutlich bessere Lebenschancen\u201c, sagt sie. Ihren Weg dorthin beschreibt die Mutter als \u201etraumatisch\u201c \u2013 auch weil sie nicht sofort die passende Hilfe gefunden hatten.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Familie bedeutet es einen gro\u00dfen Aufwand, dass die behandelten \u00c4rzte von Fiete am anderen Ende der Republik sind. Auch K\u00fccks Ehemann und die f\u00fcnfj\u00e4hrige Tochter sind immer mit in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stuttgart<\/a> dabei \u2013 Fiete durfte nur zwischendurch f\u00fcr ein paar Wochen nach Hause. \u201eDazwischen waren wir in einer Klinik bei uns, aber das h\u00e4tten wir uns sparen k\u00f6nnen\u201c, sagt K\u00fcck. Sie sei mit \u201eHerr Kerst super happy\u201c.<\/p>\n<p>Auch das Umfeld stimmt f\u00fcr sie. Im Blauen Haus des F\u00f6rdervereins f\u00fcr Krebskranke Kinder Stuttgart wohnt die Familie w\u00e4hrend der Krankenhausaufenthalte ihres Kleinsten. Sie und ihr Mann wechseln sich damit ab, wer bei Fiete am Bettchen sitzt, der andere ist oben in der vor\u00fcbergehenden Bleibe bei der Tochter.<\/p>\n<p>Noch vor einigen Jahren mussten Kinder allein im Krankenhaus bleiben, Eltern durften zu den Besuchszeiten da sein. Viele Krankenh\u00e4user sind inzwischen moderner geworden und beziehen die ganze Familie in den Genesungsprozess in der Klinik mit ein. Das Olgahospital hat daf\u00fcr das Zertifikat \u201efamilienfreundliches Krankenhaus\u201c bekommen \u2013 weil die Eltern nun permanent bei ihren Kindern \u00fcbernachten d\u00fcrfen. \u201eSogar auf unserer Kinderintensivstation k\u00f6nnen Eltern bei ihrem Kind im Zimmer \u00fcbernachten\u201c, sagt Annette Seifert, Sprecherin des Klinikums Stuttgart. \u201eDie 24-st\u00fcndige Anwesenheit ist ein Gewinn f\u00fcr Eltern, Kinder und das Personal.\u201c<\/p>\n<p> Langer Klinik-Aufenthalt kann traumatisch sein <\/p>\n<p>Ein Krankenhausaufenthalt, ob geplant oder als Notfall, setzt Eltern und Kinder unter Stress. Vor allem f\u00fcr sehr kleine Kinder kann es auch sehr belastend oder sogar traumatisch sein, wenn sie allein in der Klinik bleiben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>\u201eWenn die Eltern immer mit dabei sind, k\u00f6nnen k\u00f6rperliche, kognitive und psychische Symptome, wie zum Beispiel \u00c4ngste, Depressionen oder posttraumatische Belastungsst\u00f6rungen bei langen Aufenthalten bei den Kindern und den Eltern verringert werden\u201c, sagt Carina Hirth, die pflegerische Stationsleiterin der Kinderintensivstation. Die Gefahr eines Post-Intensive-Care-Syndrom (PICS) oder des PICS-Family \u2013 die m\u00f6gliche Langzeitfolgen einer Behandlung auf der Intensivstation bezeichnet \u2013 k\u00f6nne aus ihrer Erfahrung deutlich verringert werden. Dazu gebe es auf der Station Appartements f\u00fcr die Eltern, aber es sei auch m\u00f6glich, dass sie bei den Kindern im Zimmer schlafen k\u00f6nnen. F\u00fcr die Eltern gebe es auch Aufenthaltsr\u00e4ume und eine Teek\u00fcche, einen R\u00fcckzugsraum, ebenso wie Seelsorger und Psychologen. \u201eWir wollen auch bald ein Tagebuch-Projekt einf\u00fchren\u201c, sagt Hirth. Es helfe nachweislich, sich in der Situation die Dinge von der Seele zu schreiben.<\/p>\n<p>Constanze Br\u00e4uning (39) ist an jenem Donnerstagvormittag nur noch auf Besuch im Olg\u00e4le. Vor einigen Jahren, kurz vor der Coronapandemie, war sie allerdings mit ihrem Sohn auch mehrere Wochen Dauergast in der Klinik. \u201eUnser Familienleben haben wir ins Olg\u00e4le verlegt\u201c, sagt die Mutter von drei Kindern.<\/p>\n<p>Ihr Sohn Lukas kam im September 2018, kurz vor seinem vierten Geburtstag aufgrund einer Gehirnentz\u00fcndung ins Krankenhaus. \u201eUnd da sind wir quasi gekommen, um zu bleiben\u201c, sagt Breuning. Ein Nebeneffekt seiner chronischen Krankheit waren permanente epileptische Anf\u00e4lle. Zeitweise hatte Lukas alle zwei bis drei Minuten einen neuen Anfall, manchmal bis zu 100 am Tag.<\/p>\n<p>Breuning war kurz davor zum zweiten Mal Mutter geworden. \u201eUnser mittleres Kind ist hier aufgewachsen\u201c, sagt sie. Es hat lange gedauert, bis die Medikamente bei Lukas so eingestellt waren, dass die Anf\u00e4lle nicht mehr auftraten. Mit einem zu stillenden Neugeborenen und einem schwer kranken Kind hatte Br\u00e4uning kaum Kapazit\u00e4ten f\u00fcr etwas anderes. Daher sei sie dankbar, dass alle sie im Klinikum so unterst\u00fctzt h\u00e4tten: Die Pfleger, die Erzieherinnen und die Sozialarbeiterin, die ihr alle Antr\u00e4ge unterschriftenreif ausgearbeitet hatte. \u201eDas hat mir viel abgenommen\u201c, sagt sie. \u201eEs wurde alles gemacht, dass wir unseren Alltag einigerma\u00dfen leben konnten.\u201c<\/p>\n<p> Fr\u00fcher waren Kinder wochenlang allein im Krankenhaus <\/p>\n<p>Chantal Pajda, stellvertretende Stationsleiterin auf der Neurop\u00e4diatrie, findet, dass sich die Situation insgesamt immens verbessert hat zu fr\u00fcheren Zeiten, als Kinder oft wochenlang allein im Krankenhaus bleiben mussten. \u201eHeute k\u00f6nnen wir sie viel besser begleiten.\u201c Viele Angebote f\u00fcr die Eltern w\u00fcrden \u00fcber die kliniknahen Stiftungen und F\u00f6rderkreise finanziert. Die Olg\u00e4le-Stiftung hat in den letzten Jahren rund 38 Millionen Euro f\u00fcr familienfreundliche Angebote gespendet, wie eine Bibliothek oder die Clowns f\u00fcr die Kinder.<\/p>\n<p>F\u00fcr Kinder bis neun Jahre finanzieren die Krankenkassen den Aufenthalt der Eltern. Wenn es eine medizinische Indikation gibt, d\u00fcrfen die Eltern auch bei \u00e4lteren Kindern dabei sein, sagt Pajda. F\u00fcr die Kinder, aber auch f\u00fcr die Eltern sei dies ein wichtiges Angebot. \u201eEs ist auch f\u00fcr die Eltern eine gro\u00dfe Herausforderung, wenn sie nicht st\u00e4ndig bei ihrem kranken Kind sein k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr Ann-Kathrin K\u00fcck und ihren Mann w\u00e4re es gar nicht anders m\u00f6glich gewesen. Ihr Kind allein ein paar hundert Kilometer von zu Hause allein im Krankenhaus lassen? Oder den Mann und die gro\u00dfe Tochter \u00fcber Wochen nicht sehen? Undenkbar f\u00fcr die Familie.<\/p>\n<p>Und f\u00fcr Fiete ist es auch wichtig, dass er sein Schwesterchen um sich hat. Wenn er in den OP muss, begleitet sie ihn immer bis zur Schleuse \u2013 und wartet dann mit ihren Eltern bis er wieder zur\u00fcckkommt, erz\u00e4hlt die Mutter.<\/p>\n<p> Psychische Folgen nach Klinikaufenthalt oft untersch\u00e4tzt <\/p>\n<p class=\"infobox\"><strong>Studie <\/strong><br \/>Eine im <a href=\"https:\/\/www.nationwidechildrens.org\/newsroom\/news-releases\/2018\/05\/children-hospitalized-for-injury-have-increased-mental-health-needs\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Journal of Pediatrics <\/a>im Jahr 2018 ver\u00f6ffentlichte amerikanische Studie zeigt: Verletzen sich Kinder, sodass sie im Krankenhaus behandelt werden m\u00fcssen, bedeutet dies Stress f\u00fcr die ganze Familie. Die Studie des Nationwide Children\u2019s Hospital in Columbus, Ohio, untersuchte die seelische Verfassung und das Verhalten von Kindern, nachdem sie wegen einer Verletzung im Krankenhaus versorgt werden mussten. Von den Kinder von null bis 18 Jahren, die von Juni 2005 bis Mai 2015 wegen eines Unfalls ins Krankenhaus eingeliefert wurden,und wegen einer Verletzung betreut wurden, stiegen die Diagnosen von psychischen Problemen um durchschnittlich 63 Prozent. Auch die Medikamentenverordnungen zur Behandlung von psychischen Erkrankungen nahmen bei diesen jungen Patienten um 155 Prozent zu.<\/p>\n<p class=\"infobox\"><strong>Fazit<\/strong><br \/>Es sei zu erwarten, dass Kinder, die wegen einer Verletzung ins Krankenhaus m\u00fcssen, ein gewisses Ma\u00df an Stress und Unbehagen versp\u00fcren, erkl\u00e4rte Julie Leonard, die stellvertretende Direktorin des Zentrums f\u00fcr Kindertraumaforschung und Hauptautorin der Studie. Die erhobenen Krankendaten zeigten aber, dass bei Kindern nach ihrer Heimkehr oft sogar ernste psychische Probleme auftreten. Daher m\u00fcssten Gesundheitsdienstleister besser auf die die psychische <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Gesundheit\" title=\"Gesundheit\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gesundheit<\/a> achten und Kinder mit einem hohem Risiko schneller identifizieren und sie an Experten weiterleiten \u2013 bevor sie nach Hause geschickt werden. (nay)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"W\u00e4re es nach anderen \u00c4rzten in einer anderen Klinik gegangen, dann w\u00e4re ihr Baby heute nicht auf der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":547504,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[1634,3364,29,30,141,3382,3263,73143,1441],"class_list":{"0":"post-547503","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-baden-wuerttemberg","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-gesundheit","13":"tag-klinikum-stuttgart","14":"tag-krankenhaus","15":"tag-medizinische-versorgung","16":"tag-stuttgart"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115485377005225756","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/547503","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=547503"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/547503\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/547504"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=547503"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=547503"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=547503"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}