{"id":547804,"date":"2025-11-03T13:37:18","date_gmt":"2025-11-03T13:37:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/547804\/"},"modified":"2025-11-03T13:37:18","modified_gmt":"2025-11-03T13:37:18","slug":"30-produktionen-und-viel-mehr-perspektiven-so-war-das-spielart-festival-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/547804\/","title":{"rendered":"30 Produktionen und viel mehr Perspektiven: So war das &#8222;Spielart&#8220;-Festival &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Zum Gl\u00fcck ist <a href=\"https:\/\/sz-magazin.sueddeutsche.de\/leben-und-gesellschaft\/stefanie-sargnagel-interview-93308\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stefanie Sargnagel<\/a> mit dabei. Dank der stets superlustigen, sich wohltuend nicht wichtig nehmenden Autorin aus \u00d6sterreich kriegt \u201eDie gro\u00dfe Klassenrevue\u201c dann doch noch einen Zug ins Brillante. Das \u201eSpielart\u201c-Festival besetzt das Schauspielhaus der Kammerspiele, es ist bumsvoll, Christiane R\u00f6singers Revue, die vor gut zwei Jahren am HAU Hebbel am Ufer herauskam, hat viele Fans. Das ist durchaus nachvollziehbar, man steht auf der richtigen Seite, es tut nicht weh, alles ist flott. Aber lustig? Na ja, lachen tun hier schon viele.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die Revue geh\u00f6rt zum Schlussspurt des \u201eSpielart\u201c-Festivals in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcnchen<\/a>, sie steht fast am Ende der 16 Tage Performance, Tanz, Musik, auch Diskurs, der 30 internationalen Produktionen an 15 Spielorten. 30 Jahre nach seiner ersten Ausgabe ist \u201eSpielart\u201c dabei l\u00e4ngst auch in die gro\u00dfen Theaterh\u00e4user der Stadt gezogen, von deren Kunst man sich anfangs abgrenzen wollte. Doch Stadttheater hat sich ver\u00e4ndert\u00a0\u2013 und Produktionen wie \u201eDie gro\u00dfe Klassenrevue\u201c geh\u00f6ren nun zum Programm, gezeigt im Schauspielhaus der Kammerspiele.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/spielart-festival-muenchen-theater-li.3327194\" aria-label=\"Artikelverlinkung:\" data-track-szde=\"{&quot;event&quot;:&quot;teaser_clicked&quot;,&quot;teaser_clicked&quot;:{&quot;article_title&quot;:&quot;die_welt_an_der_angel&quot;,&quot;doctype&quot;:&quot;&quot;,&quot;label&quot;:&quot;szplus&quot;,&quot;main_topic&quot;:&quot;theater&quot;,&quot;object_id&quot;:&quot;li.3327194&quot;,&quot;pcat&quot;:&quot;paid&quot;,&quot;section&quot;:&quot;kultur&quot;,&quot;teaser_type&quot;:&quot;article_teaser_top&quot;}}\" data-manual=\"teaser-url\" data-tb-link=\"\" aria-labelledby=\"teaser-httpswwwsueddeutschedekulturspielart-festival-muenchen-theater-li3327194\" class=\"css-14tg8sh\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/c4d59da8-b050-4d5e-a6ef-ea5cb7aa3edb.jpg\"   alt=\"\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/><\/p>\n<p>Theaterfestival \u201eSpielart\u201c<\/p>\n<p>:Die Welt an der Angel<\/p>\n<p class=\"css-a6ecqs\" data-manual=\"teaser-text\" data-tb-description=\"\" data-schema-org-speakable=\"true\">Indigene Rituale, heilige K\u00fche und ein dicker Wal: Das \u201eSpielart\u201c-Festival in M\u00fcnchen zeigt Theater aus dem globalen S\u00fcden \u2013 und es macht Hoffnung auf eine bessere Zukunft.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Dabei geht es um Klassismus, um die Armen und die Reichen, um die, die erben, und die, die nichts haben. Die einen wollen gar nicht reich sein (echt?), haben Angst vor einer Festanstellung, die anderen sollen am besten alles hergeben. Klassenbewusstsein von oben, von unten, viele tolle Coversongs, eine muntere Band, sechs, sieben Darstellende, von denen zwei, drei auch singen k\u00f6nnen. Aber keine echte Wut, kaum echte Not, keine echte Anarchie, viel Plingplang, Zwanzigerjahre-Brecht-Anleihen, familien- und fr\u00fcchteteetaugliches Kabarett mit ein paar Splittern guter Geschichten, alles gereimt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Und dann kommt Sargnagel. Erst als ein giftgr\u00fcner Stoffballen, sie ist der Neid, dann als Erbscham-Therapeutin. Sie berichtet von den Vorteilen, als Arbeiterkind aufgewachsen zu sein. Den ganzen Tag fernsehen, kulinarisch robuster ausger\u00fcstet als die Linsenschlammesser in der Schule, kam ihr einer bl\u00f6d, hie\u00df es: \u201eDu kannst mir den Arsch aussaugen.\u201c Die Therapie: Offenheit, Verzicht, Aufarbeitung (etwa von auf Arisierung beruhenden Familienverm\u00f6gen).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/c760d6f3-5658-4984-b66c-e98f2e28762e.jpg\"   alt=\"Carlos Cruz besch\u00e4ftigte sich in \u201eVeta Negra\u201c mit der Ausbeutung Indigener in Mexiko.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Carlos Cruz besch\u00e4ftigte sich in \u201eVeta Negra\u201c mit der Ausbeutung Indigener in Mexiko. (Foto: Mara Arteaga)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Aber getroffen f\u00fchlt man sich nie, inspiriert auch nicht. Das ist bei Carlos Cruz anders. Seine Performance \u201eVeta Negra\u201c, eingeladen aus Pachuca, geh\u00f6rt zum \u201eBird on Peripheries\u201c-Programm des Festivals, eigens kuratiert, mentoriert, dem Nachwuchs gewidmet. Cruz zeigt, irgendwie passend zu Allerheiligen, einen dunklen Rausch, einen (Selbst-)Befreiungsakt, voller Tode und der Erinnerung daran. Es geht um die Ausbeutung Indigener in Mexiko, die Kolonialherren wollten das Silber, die, die gezwungen wurden, es abzubauen, kamen qualvoll ums Leben. Ihnen widmet Cruz eine Messe aus Tanz, verst\u00f6render Livemusik, ein Erinnerungsritual voller Schmerzen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Den K\u00f6rper, seine Zuschreibungen und M\u00f6glichkeiten der Befreiungen stellen die beiden Nachwuchs-Performerinnen St\u00e9phanie Mwamba aus der Demokratischen Republik Kongo und Zantara von der Elfenbeink\u00fcste ebenfalls \u00fcber den Tanz ins Zentrum. Mwamba geht es um die weiblichen K\u00f6rper als ein \u201eunterdr\u00fccktes Territorium\u201c im Osten ihres Landes. Und tats\u00e4chlich, ihr K\u00f6rper wird \u00fcber eine knappe halbe Stunde zu einer Kampfzone von \u00e4u\u00dferer Gewalt, innerer Zerrissenheit und Empowerment.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Zantara hingegen ist auf das Ich zur\u00fcckgeworfen. Ihre Augen sind verbunden, ihre Extremit\u00e4ten scheinen ein Eigenleben zu entwickeln, die Grenzen der von Publikum umringten B\u00fchne zu kennen. Doch sie gliedern sich wieder ein, kehren zu den (Bewegungs-) Codes zur\u00fcck, die Zuschreibungen sehr viel leichter erlauben. Kolonialgeschichte ist l\u00e4ngst nicht mehr das dominierende Thema dieser, wie auch der \u00fcbrigen Produktionen vom afrikanischen Kontinent bei \u201eSpielart\u201c. Es sind spannende Neudeutungen der eigenen Geschichte(n), ohne Europa beachten zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/0cf06f00-cf09-4770-b915-38548533dfbd.jpg\"   alt=\"Bei \u201eDies ist keine Botschaft (Made in Taiwan)\u201c von Stefan Kaegi stehen keine Schauspieler, sondern drei \u201eExperten des Alltags\u201c auf der B\u00fchne.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Bei \u201eDies ist keine Botschaft (Made in Taiwan)\u201c von Stefan Kaegi stehen keine Schauspieler, sondern drei \u201eExperten des Alltags\u201c auf der B\u00fchne. (Foto: Claudia Ndebele)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Viel mehr um postkoloniale Macht und Ohnmacht geht es in \u201eThis Plot Is Not For Sale\u201c der \u201eM\u00fcnchner Theatertexter*innen\u201c und Gisemba Ursula aus Nairobi. Die schr\u00e4ge Performance mit Hang zum Absurden schert sich weniger um politische Korrektheit, als darum, eine solche Korrektheit als eine oft nur scheinbar echte und tiefe Haltung zu entlarven.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Doch die starken, politischen Pole gibt es bei \u201eSpielart\u201c selbstverst\u00e4ndlich. Stefan Kaegi\u00a0 von Rimini Protokoll hat mit \u201eDies ist keine Botschaft (Made in Taiwan)\u201c die Scheinwerfer auf <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Taiwan\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Taiwan<\/a> gerichtet und von dort aus auf die Welt. Und zwar zwei Abende in der Muffathalle. Keine Schauspieler, sondern drei \u201eExperten des Alltags\u201c stehen auf der B\u00fchne: David Chienkuo Wu, ein ehemaliger Botschafter, Chiayo Kuo, Gr\u00fcnderin einer NGO, und Debby Szu-Ya Wang, Erbin einer Bubble-Tea-Dynastie. Es geht um die Folgen, die die Ein-China-Politik f\u00fcr Taiwan hat, die etwa keine offizielle Anerkennung in vielen L\u00e4ndern bedeutet.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/muenchen-spielart-festival-dambudzdo-three-times-left-is-right-li.3324161\" aria-label=\"Artikelverlinkung:\" data-track-szde=\"{&quot;event&quot;:&quot;teaser_clicked&quot;,&quot;teaser_clicked&quot;:{&quot;article_title&quot;:&quot;theaterabende_die_provozieren_und_verbinden&quot;,&quot;doctype&quot;:&quot;&quot;,&quot;label&quot;:&quot;&quot;,&quot;main_topic&quot;:&quot;kultur_in_muenchen&quot;,&quot;object_id&quot;:&quot;li.3324161&quot;,&quot;pcat&quot;:&quot;metered&quot;,&quot;section&quot;:&quot;muenchen&quot;,&quot;teaser_type&quot;:&quot;article_teaser_top&quot;}}\" data-manual=\"teaser-url\" data-tb-link=\"\" aria-labelledby=\"teaser-httpswwwsueddeutschedemuenchenmuenchen-spielart-festival-dambudzdo-three-times-left-is-right-li3324161\" class=\"css-14tg8sh\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/08e42e81-3493-454c-beb8-491c0c664d5d.jpg\"   alt=\"\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/><\/p>\n<p>Spielart-Festival in M\u00fcnchen<\/p>\n<p>:Theaterabende, die provozieren und verbinden<\/p>\n<p class=\"css-a6ecqs\" data-manual=\"teaser-text\" data-tb-description=\"\" data-schema-org-speakable=\"true\">Politische Performance aus den Niederlanden, Musik und Tanz aus Ruanda: Das Spielart-Festival f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Theaterformen verbindet in herrlicher Dichte unterschiedlichste Themen und \u00c4sthetiken.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u201eDies ist keine Botschaft\u201c ist ein Abend, der einerseits den Regeln des Dokumentartheaters folgt und unfassbar viel Material und Informationen auf das Publikum einwirken l\u00e4sst. Andererseits findet es eine sehr theaterpraktische und witzige Umsetzung: Eine Botschaft soll nun eben in der Muffathalle er\u00f6ffnet werden. Welche Folgen hat das wirtschaftlich f\u00fcr Deutschland? Tragen das alle mit? Und wie \u00fcberhaupt soll die Fahne ausschauen, welche Hymne wird gespielt, ist es die Vertretung von Taiwan oder die der Republik China?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die drei auf der B\u00fchne sind sich in vielem nicht einig und suchen doch gemeinsam ein Ziel. Diplomatie live auf der B\u00fchne, so friedlich wie man sie sich oft w\u00fcnschte. Die Performance weitet den Blick, nach Taiwan und wieder zur\u00fcck. So wie \u201eSpielart\u201c insgesamt den Horizont wieder ein St\u00fcck verschoben hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zum Gl\u00fcck ist Stefanie Sargnagel mit dabei. 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