{"id":548341,"date":"2025-11-03T18:37:40","date_gmt":"2025-11-03T18:37:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/548341\/"},"modified":"2025-11-03T18:37:40","modified_gmt":"2025-11-03T18:37:40","slug":"britische-wirtschaft-zwischen-zoellen-inflation-und-brexit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/548341\/","title":{"rendered":"Britische Wirtschaft: Zwischen Z\u00f6llen, Inflation und Brexit"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/inflation-england-100.jpg\" alt=\"Preisschilder an Verkaufsst\u00e4ndern f\u00fcr Bekleidung in Brighton, England.\" title=\"Preisschilder an Verkaufsst\u00e4ndern f\u00fcr Bekleidung in Brighton, England. | picture alliance \/ Photononstop\"\/><\/p>\n<p>                    <strong>analyse<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 17.09.2025 17:42 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>US-Pr\u00e4sident Trump hat f\u00fcr seinen Besuch in Gro\u00dfbritannien als &#8222;Gastgeschenk&#8220; Milliardeninvestitionen von US-Konzernen im Gep\u00e4ck. Die kann das K\u00f6nigreich gebrauchen &#8211; denn die Wirtschaft lahmt seit einiger Zeit.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/antonia-mannweiler-104.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Antonia Mannweiler\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/antonia-mannweiler-103.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der bildm\u00e4chtige Empfang f\u00fcr US-Pr\u00e4sident Donald Trump auf Schloss Windsor hat offensichtlich auch einen \u00f6konomischen Hintergrund. Mit einem gro\u00dfen Aufgebot will Gro\u00dfbritannien seinem wichtigsten Handelspartner schmeicheln. Die britische Wirtschaft scheint darauf angewiesen zu sein &#8211; denn sie steckt schon seit einiger Zeit in Schwierigkeiten.<\/p>\n<p>    Wie steht es um die britische Wirtschaft?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die offiziellen Daten der vergangenen Woche zeichnen ein sich eintr\u00fcbendes Bild der britischen Wirtschaft. Im Juli kam das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zum Erliegen, w\u00e4hrend es im Juni noch ein Plus von 0,4 Prozent gegeben hatte. Dabei hatte die Labour-Partei des britischen Premierministers Keir Starmer im Wahlkampf mit einem j\u00e4hrlichen Wachstum von 2,5 Prozent geworben. Und auch der Arbeitsmarkt zeigt Probleme &#8211; so liegt die Arbeitslosenquote mit 4,7 Prozent auf dem h\u00f6chsten Stand seit vier Jahren.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die britische Finanzministerin Rachel Reeves hatte vergangene Woche erkl\u00e4rt, die Regierung m\u00fcsse sich darauf konzentrieren, die Zentralbank bei der Senkung der Inflation zu unterst\u00fctzen und zugleich das Wirtschaftswachstum vor der Verabschiedung des Haushalts Ende November anzukurbeln.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Wirtschaft soll dabei mit verschiedenen Ma\u00dfnahmen wieder zum Laufen gebracht werden. Zwar werden die genauen Steuer- und Ausgabenpl\u00e4ne erst beim Haushaltsentwurf bekannt. Es wird jedoch erwartet, dass die Steuern erh\u00f6ht werden, um das Haushaltsloch zu stopfen. Das National Institute of Economic and Social Research (NIESR), ein Thinktank, hatte das im August auf knapp 50 Milliarden Pfund beziffert &#8211; was Reeves jedoch zur\u00fcckwies.<\/p>\n<p>    Das &#8222;Produktivit\u00e4tsr\u00e4tsel&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das schwache Wachstum deutet sich bereits seit der Finanzkrise an. So sank das durchschnittliche Wirtschaftswachstum laut dem Statistikamt ONS von rund drei Prozent in den Jahren 1993 bis 2007 auf nur noch 1,5 Prozent zwischen 2009 und 2023.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Viele \u00d6konomen f\u00fchren diese Entwicklung auch auf die geringe Produktivit\u00e4t zur\u00fcck. So schrieb Aadya Bahl in einem Blog-Beitrag f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/blogs.lse.ac.uk\/politicsandpolicy\/britain-is-falling-behind-the-us-and-productivity-is-largely-to-blame\/\" title=\"LSE-Beitrag zur britischen Produktivit\u00e4t\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">London School of Economics<\/a>, dass die Arbeitsproduktivit\u00e4t in Gro\u00dfbritannien nach der Finanzkrise st\u00e4rker zur\u00fcckging als in den USA, Deutschland oder Frankreich &#8211; ein Ph\u00e4nomen, das immer wieder als &#8222;Produktivit\u00e4tsr\u00e4tsel&#8220; bezeichnet wurde. Hauptgr\u00fcnde seien schwache Investitionen, etwa in Anlagen oder in Forschung und Entwicklung.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Hinzu kommen gro\u00dfe regionale Unterschiede: Schon 2019 lag die Produktivit\u00e4t Londons rund 50 Prozent \u00fcber dem britischen Durchschnitt. W\u00fcrde man die Hauptstadt aus den Berechnungen herausnehmen, fiele der nationale Lebensstandard um 14 Prozent. Damit l\u00e4ge das Vereinigte K\u00f6nigreich hinter Mississippi, dem schw\u00e4chsten US-Bundesstaat.<\/p>\n<p>    Zollverhandlungen und Investitionen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Insofern d\u00fcrften viele Briten den Besuch des US-Pr\u00e4sidenten, in dessen Rahmen mehrere amerikanische Techriesen Milliardeninvestitionen angek\u00fcndigt haben, als Erfolg werten. In den kommenden Jahren wollen Unternehmen wie Microsoft oder Google insgesamt rund 42 Milliarden Dollar in die britische KI-Infrastruktur investieren.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die USA sind der wichtigste Handelspartner des Vereinigten K\u00f6nigreichs &#8211; 22,5 Prozent der Exporte gehen dorthin. Das Handelsvolumen zwischen beiden L\u00e4ndern lag im vergangenen Jahr bei rund 370 Milliarden Euro.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Umso bedeutender sind auch die laufenden Verhandlungen \u00fcber Importz\u00f6lle, die Trump im April f\u00fcr zahlreiche L\u00e4nder angek\u00fcndigt hatte. Auf britische Waren gilt derzeit ein Grundzoll von 10 Prozent, Stahlexporte werden mit 25 Prozent belegt. Die Hoffnungen auf eine Senkung dieser Abgaben schwinden allerdings.<\/p>\n<p>    Inflationssorgen lassen nicht nach<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sorge bereitet auch die weiterhin hohe Teuerung: Gro\u00dfbritannien verzeichnet unter den Industrienationen die h\u00f6chste Inflation. Die Verbraucherpreise erh\u00f6hten sich im August um durchschnittlich 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistikamt in London heute mitteilte. Die Rate verharrte damit wie erwartet auf dem Niveau des Vormonats. Zum Vergleich: In den USA liegt sie bei 2,9 Prozent, im Euroraum bei 2,0 Prozent.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die neuen Zahlen verst\u00e4rken die Erwartung, dass die britische Zentralbank den Leitzins vorerst nicht weiter absenkt. Die Bank of England, die ihre Leitzinsentscheidung morgen verk\u00fcndet, geht davon aus, dass die Inflation im September mit vier Prozent ihren H\u00f6chststand erreichen wird &#8211; das Doppelte des Zwei-Prozent-Ziels der Zentralbank.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Notenbanker stehen dabei vor einem Dilemma: Denn obwohl sich der britische Arbeitsmarkt abgeschw\u00e4cht hat, \u00fcbt er weiterhin Preisdruck nach oben aus. Das Lohnwachstum verlangsamte sich zwar, bleibt aber mit 4,8 Prozent bei den Grundgeh\u00e4ltern zu hoch f\u00fcr die Notenbank.<\/p>\n<p>    Folgen des Brexits<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Viele f\u00fchren das schwache Wachstum der vergangenen Jahre aber auch auf den Brexit zur\u00fcck. Seit dem EU-Austritt Gro\u00dfbritanniens Ende Januar 2020 und dem endg\u00fcltigen Verlassen von Zollunion und Binnenmarkt im Jahr 2021 belasten neue B\u00fcrokratie und Handelshemmnisse die Wirtschaft &#8211; trotz eines sp\u00e4t vereinbarten Freihandelsabkommens.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Die negativen Auswirkungen des Handelsabkommens haben sich im Laufe der Zeit verst\u00e4rkt, wobei 2023 einen st\u00e4rkeren Handelsr\u00fcckgang aufweist als die Jahre zuvor&#8220;, hie\u00df es in einem <a href=\"https:\/\/www.aston.ac.uk\/research\/bss\/research-centres\/business-prosperity\/unbound\" title=\"Aston University Brexit-Bericht\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Bericht der Aston University in Birmingham<\/a> von 2024. Vor allem kleinere britische Exporteure h\u00e4tten den Handel mit der EU aufgegeben.\u00a0Auch die Ausfuhren waren davon betroffen: Zwischen 2021 und 2023 &#8211; den Jahren unmittelbar nach dem britischen Austritt aus der EU-Zollunion und dem Binnenmarkt &#8211; sank der Wert der britischen Warenexporte in die EU um 27 Prozent, der Wert der Importe um 32 Prozent.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der lahmende Handel hat f\u00fcr die Briten auch im Alltag Folgen &#8211; vieles ist schlicht teurer. Ein Beispiel: Vor Weihnachten berichtete der &#8222;Guardian&#8220; \u00fcber inzwischen n\u00f6tige zus\u00e4tzliche Bescheinigungen f\u00fcr die Einfuhr von Weihnachtsb\u00e4umen. Ein niederl\u00e4ndischer H\u00e4ndler sprach vom Rechnungsposten &#8222;Brexit-Kosten&#8220;. Das sp\u00fcren viele Verbraucher im Vereinigten K\u00f6nigreich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"analyse Stand: 17.09.2025 17:42 Uhr US-Pr\u00e4sident Trump hat f\u00fcr seinen Besuch in Gro\u00dfbritannien als &#8222;Gastgeschenk&#8220; Milliardeninvestitionen von US-Konzernen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":548342,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3976],"tags":[331,332,551,13,871,9951,14,15,12,26441,3992,3993,3994,3995,3996,3997],"class_list":{"0":"post-548341","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-vereinigtes-koenigreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-grossbritannien","11":"tag-headlines","12":"tag-inflation","13":"tag-investitionen","14":"tag-nachrichten","15":"tag-news","16":"tag-schlagzeilen","17":"tag-teuerung","18":"tag-uk","19":"tag-united-kingdom","20":"tag-united-kingdom-of-great-britain-and-northern-ireland","21":"tag-vereinigtes-koenigreich","22":"tag-vereinigtes-koenigreich-grossbritannien-und-nordirland","23":"tag-vereinigtes-koenigreich-von-grossbritannien-und-nordirland"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115487221223169624","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/548341","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=548341"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/548341\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/548342"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=548341"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=548341"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=548341"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}