{"id":548983,"date":"2025-11-04T00:34:15","date_gmt":"2025-11-04T00:34:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/548983\/"},"modified":"2025-11-04T00:34:15","modified_gmt":"2025-11-04T00:34:15","slug":"jazzfestival-esslingen-fulminante-hommage-an-eberhard-weber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/548983\/","title":{"rendered":"Jazzfestival Esslingen: Fulminante Hommage an Eberhard Weber"},"content":{"rendered":"<p>Im Abschlusskonzert des Jazzfestivals Esslingen erwiesen Larry Grenadier und das Janke Quartett dem einstigen Weltklasse-Bassisten Eberhard Weber ihre Reverenz.<\/p>\n<p>Das Abschlusskonzert des Jazzfestivals <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Esslingen\" title=\"Esslingen\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Esslingen<\/a> im Kulturzentrum Dieselstra\u00dfe wurde zur beeindruckenden Hommage an Eberhard Weber, einen der herausragenden Bassisten in der Historie des Jazz. Seit der ersten Auflage im Jahr 2015 fungiert Weber, der in Esslingen aufgewachsen ist, als Schirmherr des inzwischen weit \u00fcber die Grenzen Esslingens hinaus bekannten Festivals.<\/p>\n<p>In diesem Jahr ist der in S\u00fcdfrankreich lebende Weber 85 Jahre alt geworden. Er hat, bis ihm 2007 ein Schlaganfall das Instrument aus der Hand nahm, das Bassspiel in eine neue Dimension gef\u00fchrt. Mit einem selbst gebauten f\u00fcnfsaitigen Elektro-Kontrabass dr\u00fcckte er mit seinem melodisch-orchestralen Spiel, das gepr\u00e4gt war von singenden T\u00f6nen und langgezogenen Linien, dem Jazzbass seinen unverwechselbaren Stempel auf. Gesundheitsbedingt konnte Eberhard Weber nicht anwesend sein, doch Festival-Chef Maximilian Merkle verlas ein humoriges Gru\u00dfwort des Bass-Altmeisters, in dem er Worte des Dankes ausdr\u00fcckte.<\/p>\n<p>Es ist Merkle hoch anzurechnen, dass er f\u00fcr den ersten Set von \u201eEin Abend f\u00fcr Eberhard Weber\u201c \u2013 neben dem im zweiten Konzertteil spielenden Janke Quartett \u2013 mit dem aus San Francisco stammenden Larry Grenadier einen der besten Jazzbassisten unserer Tage in die Dieselstra\u00dfe eingeladen hat. \u00c4hnlich wie Weber hat der US-Musiker das Bassspiel revolutioniert, jedoch auf eine v\u00f6llig andere Art. <\/p>\n<p>Grenadier steht f\u00fcr eine v\u00f6llig neue Trio-Kultur, in der sich der Bass vom Fundamentinstrument zu einem rhythmisch, melodisch und harmonisch gleichberechtigten Partner emanzipiert. Sein Markenzeichen sind kontrapunktisch geflochtene Linien und rhythmische Verzahnungen mit Schlagzeug und Klavier.<\/p>\n<p>Doch auch als Solist steht Larry Grenadier seinen Mann. Es ist sicherlich kein leichtes Unterfangen, allein mit dem Kontrabass auf der B\u00fchne zu stehen und das Publikum 50 Minuten lang zu fesseln. Besteht da nicht die Gefahr der Eint\u00f6nigkeit und Langeweile? Nicht wenn ein Meister wie Grenadier das Instrument in seinen H\u00e4nden hat. Was er an technischer Meisterschaft, musikalischer Intuition und klanglichen Nuancen \u00fcber die B\u00fchnenrampe brachte, faszinierte das fachkundige Publikum vom ersten bis zum letzten Ton.<\/p>\n<p>Larry Grenadiers unglaubliche Musikalit\u00e4t  <\/p>\n<p>Neben St\u00fccken von John Coltrane und einer Bach-Adaption spielte Grenadier aus seinem vor einigen Jahren produzierten Soloalbum \u201eThe Gleaners\u201c Nummern wie \u201eOceanic\u201c oder \u201eLovelair\u201c. Doch eigentlich spielten Titel keine Rolle: Was allein z\u00e4hlte, war die unglaubliche Musikalit\u00e4t Grenadiers, der sein gewaltiges Instrument in mannigfachen Facetten zum Leuchten brachte.<\/p>\n<p>Wenn er sich mit energiegeladenem Drive an die schnellen Titel machte, meinte man, angesichts der rhythmischen Stringenz im Hintergrund ein Schlagzeug mitlaufen zu h\u00f6ren. Und wenn er dann mit hauchzartem Flageolett zarte T\u00f6ne aus seinem Instrument zauberte, entf\u00fchrte er die H\u00f6rer in eine v\u00f6llig andere Klangwelt. So standen subtile Partien neben wilden Saitenritten, brillanten Pizzicatost\u00fcrmen und vertrackten polyrhythmischen Akzentverschiebungen. Kurz: Es war eine spektakul\u00e4re Performance, die den H\u00f6rer ein ums andere Mal zum Staunen brachte.<\/p>\n<p> Komposition \u201eEberhard\u201c als begeisternder Schlusspunkt <\/p>\n<p>Hochkar\u00e4tiges pr\u00e4sentierte nach der Pause auch das Janke Quartett, eine Formation, die eigens f\u00fcr den Abend zusammengestellt worden war. Zwar kannten sich Trygve Seim (Saxophon), Kristjan Randalu (Klavier), Petros Klampanis (Bass) und der Schlagzeuger Bodek Janke bereits aus anderen Besetzungen, in diesem Line-up war es jedoch eine Premiere.<\/p>\n<p>Trotzdem harmonierte das Quartett bestens. Der gut austarierte Sound war homogen, die Wechsel gelangen nahtlos, und die Reaktion der Akteure aufeinander war musterg\u00fcltig. Trygve Seim entlockte dem Sopran- und Tenorsaxophon ber\u00fcckend weiche T\u00f6ne, der Pianist sorgte mit seinem klassisch gepr\u00e4gten Anschlag f\u00fcr Belcanto auf den Tasten und klar strukturiertes Laufwerk, und wenn Petros Klampanis aus der Rolle des reinen Fundamentgebers heraustrat und zum Solo ansetzte, \u00fcbernahm sein Bass eine tragende Rolle. Den st\u00e4rksten Eindruck hinterlie\u00df jedoch Bodek Janke. Zwar kann er auch ordentlich L\u00e4rm machen, doch was er \u00fcberdies an subtilen T\u00f6nen und Klangfarben aus seinem Schlagzeug-Sortiment herauskitzelte, war allererste Sahne.<\/p>\n<p>Das Quartett spielte sich in einen wahren Klangrausch hinein, und als es auf die Zielgerade ging, setzte die einst von Lyle Mays geschriebene Komposition \u201eEberhard\u201c den Schlusspunkt unter einen begeisternden Konzertabend, an dem sicherlich auch Eberhard Weber seine Freude gehabt h\u00e4tte.<\/p>\n<p> Das Jazzfestival Esslingen \u2013 eine Bilanz <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Veranstaltungen<\/strong><br \/>Sieben Konzerte, von denen f\u00fcnf vom Team um Festival-Chef Maximilian Merkle organisiert wurden, boten einen Streifzug durch die Vielfalt der Jazzmusik. Bei den Veranstaltungen in der Stadtkirche und der W\u00fcrttembergischen Landesb\u00fchne standen Duos international bekannter Jazzgr\u00f6\u00dfen im Zentrum, erg\u00e4nzt von Trioauftritten, einem vokalen Event und der Festivalband. Jeweils ein Konzert wurde vom Jazzkeller Esslingen und dem Kulturzentrum Dieselstra\u00dfe gestaltet.<\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>K\u00fcnstler<\/strong><br \/>Die Namen der Mitwirkenden lesen sich wie das Who is Who der Jazzmusik. Einen fulminanten Auftritt legte der Trompeter Till Br\u00f6nner im Duo mit dem Bassisten Dieter Ilg in St. Dionys hin. Dort begeisterten auch die Ausnahmepianisten Michael Wollny und Joachim K\u00fchn mit ihren perfekt abgestimmten Improvisationen. Das Duo Jakob Manz &amp; Johanna Summer zog das Publikum ebenso in Bann wie die Vokalistin Kandace Springs. Und schlie\u00dflich sorgten der Solobassist Larry Grenadier und das Janke Quartett f\u00fcr das klangvolle Finale.<\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Fazit<\/strong><br \/>Nach dem Abschlusskonzert zeigte sich Festival-Chef Maximilian Merkle vollauf zufrieden: \u201eMein Fazit des diesj\u00e4hrigen Festivals ist \u00fcberaus positiv. Wir haben sehr abwechslungsreiche Konzerte erlebt. Die interessante Programmmischung kam beim Publikum bestens an: Alle Konzerte waren sehr gut besucht, einzelne Veranstaltungen sogar ausgebucht. Es ist toll, wie offen das Publikum f\u00fcr die verschiedenen Stilrichtungen war\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im Abschlusskonzert des Jazzfestivals Esslingen erwiesen Larry Grenadier und das Janke Quartett dem einstigen Weltklasse-Bassisten Eberhard Weber ihre&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":548984,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[1634,3364,29,130044,3439,30,133489,133488,133490,1441],"class_list":{"0":"post-548983","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-baden-wuerttemberg","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-eberhard-weber","12":"tag-esslingen","13":"tag-germany","14":"tag-janke-quartett","15":"tag-jazzfestival-esslingen","16":"tag-larry-grenadier","17":"tag-stuttgart"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115488624804334900","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/548983","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=548983"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/548983\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/548984"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=548983"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=548983"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=548983"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}