{"id":549414,"date":"2025-11-04T04:43:14","date_gmt":"2025-11-04T04:43:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/549414\/"},"modified":"2025-11-04T04:43:14","modified_gmt":"2025-11-04T04:43:14","slug":"ein-reich-bebildertes-buch-ueber-doelitz-torhaus-und-zinnfiguren-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/549414\/","title":{"rendered":"Ein reich bebildertes Buch \u00fcber D\u00f6litz, Torhaus und Zinnfiguren \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt sie noch, die Orte in Leipzig, die als authentische Zeugen der V\u00f6lkerschlacht zu besichtigen sind. Es sind nicht mehr viele. Und meist liegen sie ein wenig verschwiegen im Abseits. So wie das Torhaus des ehemaligen Schlosses in D\u00f6litz, das im Oktober 1813 Mittelpunkt heftiger Gefechte war. Das Schloss ist verschwunden, erlitt im Zweiten Weltkrieg schwere Bombensch\u00e4den und wurde danach abgerissen. Aber das Torhaus steht noch und ist heute ein Ort, an dem man ein St\u00fcck V\u00f6lkerschlacht besichtigen kann.<\/p>\n<p>Ein nicht ganz unwichtiges. Denn die Gefechte, die hier zwischen dem 16. und dem 18. Oktober 1813 tobten, waren ein entscheidender Teil der V\u00f6lkerschlacht. Hier trafen die \u00d6sterreicher auf die Polen und Franzosen. Und Schloss und Br\u00fccke \u00fcber die M\u00fchlplei\u00dfe waren deshalb so heftig umk\u00e4mpft, weil sich hier entschied, ob die \u00d6sterreicher den Zugang zur befestigten Stra\u00dfe nach Leipzig bekommen w\u00fcrden, der heutigen Bornaischen Stra\u00dfe.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/591c5870fdf64550b370d459ff24fcf1.gif\" alt=\"\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/buecher\/2025\/11\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/buecher\/2025\/11\/1\"\/><\/p>\n<p>Da gibt es so einiges zu erz\u00e4hlen, nicht nur \u00fcber die Gefechte in D\u00f6litz, um Schloss und M\u00fchle. Was in diesem wieder reich bebilderten Band einer ausf\u00fchrlich erz\u00e4hlt, der sich auskennt mit der Materie der Napoleonischen Kriege: Reinhard M\u00fcnch. Allein das Thema f\u00fcr ein ganzes Buch \u2013 auch f\u00fcr all jene, denen gar nicht bewusst ist, wie intensiv die Gefechte im Leipziger S\u00fcden waren und warum sich hier auch lange Napoleons Truppen konzentrierten. Auch deshalb, weil die Br\u00fccken \u00fcber die M\u00fchlplei\u00dfe eine entscheidende Rolle spielten.<\/p>\n<p>Franzosen, Polen, \u00d6sterreicher<\/p>\n<p>In D\u00f6litz selbst waren es die polnischen Truppen, die hier \u00fcber Tage standhielten und auch versuchten, die \u00d6sterreicher wieder aus dem Schloss D\u00f6litz zu vertreiben. Hier zeichnete sich auch ihr General J\u00f3sef Poniatowski wieder aus, den Napoleon f\u00fcr seine Leistungen zum Feldmarschall ernannte, auch wenn sein Aufenthalt in Leipzig am Ende tragisch endete. Logisch, dass Reinhard M\u00fcnch auch die Geschichte Poniatowskis und seiner Verehrung in Leipzig erz\u00e4hlt, genauso wie die Rolle der polnischen Truppenverb\u00e4nde in der V\u00f6lkerschlacht.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich zeigt er ausf\u00fchrlich, warum Napoleon in D\u00f6litz, L\u00f6\u00dfnig, Probstheida und Connewitz so verbissen k\u00e4mpfen lie\u00df. Denn hier ging es nicht um den Sieg, hier ging es um die Deckung des R\u00fcckzugs seiner Armee aus Leipzig. Da wurden dann einstmals unscheinbare D\u00f6rfer auf einmal zu Schaupl\u00e4tzen heftiger Gefechte, von wechselnden Eroberungen und letztlich dramatischen Verw\u00fcstungen.<\/p>\n<p>Ein unscheinbares Dorf<\/p>\n<p>Was dann ein Thema f\u00fcr Thomas Nabert ist, der die Geschichte von D\u00f6litz bis ins Jahr 1813 erz\u00e4hlt, die Spuren des damaligen Dorfkerns lokalisiert und zumindest ein paar Geb\u00e4ude noch nennen kann, die damals schon standen. Karten erg\u00e4nzen die Schilderung, die dann in die Folgen der Gefechte von 1813 m\u00fcndet. Denn s\u00e4mtliche Geb\u00e4ude in D\u00f6litz waren gepl\u00fcndert, das Holz von T\u00fcren und Dielen herausgerissen.<\/p>\n<p>Man vergisst es ja so leicht: Die V\u00f6lkerschlacht fiel in eine richtig nasse, kalte Herbstzeit, auch die M\u00fchlplei\u00dfe war angeschwollen. Durch das aufgeweichte Gel\u00e4nde des Auwaldes war \u00fcberhaupt kein Vorankommen. Deswegen war jeder m\u00f6gliche \u00dcbergang mit Br\u00fccke heftig umk\u00e4mpft.<\/p>\n<p>Das Erstaunliche ist trotzdem, wie viel sich von der damaligen Dorfstruktur im heutigen D\u00f6litz erhalten hat. Auch Wiederaufbau und der nachfolgenden Entwicklung des Dorfes hin zu einem von Industriearbeitern bewohnten Leipziger Vorort erz\u00e4hlt Nabert, streift am Rand die Rolle des Schachtes D\u00f6litz, l\u00e4sst aber auch nicht das Ende des Rittergutes weg und damit letztlich den Totalverlust des kleinen, aber imposanten Schlosses mit dem durchaus typischen Gutsensemble.<\/p>\n<p>Dass das Schloss letztlich verloren ging, hat schlicht mit den fehlenden Ressourcen in der fr\u00fchen DDR-Zeit zu tun. Eindrucksvolle Fotos im Buch zeigen, was f\u00fcr ein Kleinod es war, das ja letztlich sogar der Stadt Leipzig geh\u00f6rte. Und dass das Torhaus erhalten blieb, verdankt die Stadt schlichtweg der engagierten Arbeit der Zinnfigurenfreunde aus der Fachgruppe \u201eStadtgeschichte\u201c des Kulturbundes, die das Geb\u00e4ude bezogen, nachdem die Umsiedler, die hier nach dem Krieg ein Obdach gefunden hatten, ausgezogen waren.<\/p>\n<p>Erhardt Stra\u00dfburg erz\u00e4hlt hier mit Zuarbeit des j\u00fcngst verstorbenen Bernd Baumbach die ganze Geschichte der Zinnfigurenfreunde im Torhaus \u2013 mit ersten Ausstellungen, immer neuen Reparaturarbeiten in Eigeninitiative, wechselnden Tr\u00e4gern, Schlie\u00dfzeiten und Neuanf\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Die Welt der Zinnfiguren<\/p>\n<p>Wer heute das <a href=\"http:\/\/www.torhaus-doelitz.eu\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Zinnfigurenmuseum im Torhaus D\u00f6litz<\/a> besucht, taucht regelrecht ein in die Welt der Dioramen, in denen die Zinnfigurenfreunde mit tausenden original bemalten Figuren nicht nur wesentliche Szenen der V\u00f6lkerschlacht und in einem Gro\u00dfdiorama auch das Schlachtfeld vom 18. Oktober 1813 zeigen, sondern auch bekannte historische Szenen aus anderen Zeiten und Weltgegenden. Man sieht regelrecht, mit welcher Freude am Detail hier Begeisterte \u00fcber Jahrzehnte Geschichte zum Leben erweckt haben \u2013 und gleichzeitig Generationen junger Menschen f\u00fcr Zinnfiguren begeistert haben.<\/p>\n<p>L\u00e4ngst ist das Torhaus auch beliebter Schauplatz im Umfeld der j\u00e4hrlichen Feierlichkeiten zur V\u00f6lkerschlacht, zum Lichterfest im agra-Park und zum Wave-Gotic-Treffen. Und da es nun einmal vor allem um die Erinnerung an die V\u00f6lkerschlacht geht, listet Reinhard M\u00fcnch auch alle heute noch auffindbaren Denkm\u00e4ler und Erinnerungstafeln im Stadtbild auf, die an die Ereignisse im Oktober 1813 im Leipziger S\u00fcden erinnern.<\/p>\n<p>F\u00fcr alle Geschichtsbegeisterten, die sich f\u00fcr die V\u00f6lkerschlacht und einen ihrer markanten Ereignisorte interessieren, ist das Buch nat\u00fcrlich eine echte Einladung \u2013 auch eine Augenweide, angereichert mit gro\u00dfformatigen Diorama-Aufnahmen, die einem das Gef\u00fchl geben, man w\u00fcrde den Kampfszenen der V\u00f6lkerschlacht aus der Vogelperspektive tats\u00e4chlich zuschauen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich l\u00e4dt das Buch ein, sich einfach mal in die Stra\u00dfenbahn zu setzen und das Torhaus als originalen Schauplatz der V\u00f6lkerschlacht zu besuchen. Ein Ausflug, der sich besonders lohnt, wenn man auch gleich noch die \u00d6ffnungszeiten des Zinnfigurenmuseums nutzt.<\/p>\n<p><strong>Reinhard M\u00fcnch, Thomas Nabert, Erhardt Stra\u00dfburg, Bernd Baumbach <a href=\"https:\/\/www.lehmanns.de\/isbn\/9783949586125@liz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">\u201eD\u00f6litz in der V\u00f6lkerschlachtzeit\u201c<\/a><\/strong>, Pro Leipzig, Leipzig 2025, 24 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es gibt sie noch, die Orte in Leipzig, die als authentische Zeugen der V\u00f6lkerschlacht zu besichtigen sind. 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