{"id":550603,"date":"2025-11-04T15:48:20","date_gmt":"2025-11-04T15:48:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/550603\/"},"modified":"2025-11-04T15:48:20","modified_gmt":"2025-11-04T15:48:20","slug":"volksbuehne-berlin-constanza-macras-und-tschueueues","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/550603\/","title":{"rendered":"Volksb\u00fchne Berlin \u2013 Constanza Macras: Und tsch\u00fc\u00fc\u00fcs"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img313566\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/313566.jpeg\" alt=\"Dit is Berlin. Jedenfalls sieht es, aus der Ferne betrachtet, ganz so aus.\"\/><\/p>\n<p>Dit is Berlin. Jedenfalls sieht es, aus der Ferne betrachtet, ganz so aus.<\/p>\n<p>Foto: Thomas Aurin<\/p>\n<p>Ein wenig liest sich der schn\u00f6de Titel \u2013 \u00bbGoodbye Berlin\u00ab \u2013 von Constanza Macras\u2019 j\u00fcngstem Tanzabend wie eine trotzige Ansage nach den Verlautbarungen, denen zufolge sie k\u00fcnftig unter der Leitung von Matthias Lilienthal nicht mehr an der Berliner Volksb\u00fchne arbeiten soll. Eigentlich kein ungew\u00f6hnlicher Vorgang, dass Regisseure und Choreografinnen mit der k\u00fcnstlerischen Leitung unter Umst\u00e4nden wechseln. Macras\u2019 Klage, man nehme ihr das Berliner Publikum weg, war dennoch kaum zu \u00fcberh\u00f6ren. Dabei ist die aus Argentinien stammende K\u00fcnstlerin, m\u00f6chte man meinen, bestens im Gesch\u00e4ft. Neben den gro\u00dfen Produktionen mit ihrer Tanzkompanie Dorky Park entwickelt sie auch Choreografien f\u00fcr Hollywood, etwa f\u00fcr den Starregisseur Giorgos Lanthimos.<\/p>\n<p>Vordergr\u00fcndig bezieht sich der Titel aber nat\u00fcrlich auf Christopher Isherwoods schillernden Roman \u00bbLeb wohl, Berlin\u00ab \u2013 im englischen Original \u00bbGoodbye to Berlin\u00ab \u2013, der mit der Musicaladaption und mehr noch mit deren Verfilmung unter dem Namen \u00bbCabaret\u00ab weltber\u00fchmt wurde. Das autobiografisch gepr\u00e4gte Buch zeigt die Kulturmetropole in den fr\u00fchen 30er Jahren mit all ihrer Vitalit\u00e4t und ihrem Hedonismus, die im schwer begreifbaren Kontrast zum Vormarsch der Faschisten stehen.<\/p>\n<p>Macras vertanzt nun das irre Leben in den Weimarer Jahren. Nicht ohne Bilder von der Berliner Clubkultur 2025 dazuzustellen. Pailletten damals, Harness heute. Dass die wilden Zwanziger (und ihre Ausl\u00e4ufer in den anbrechenden drei\u00dfiger Jahren) eine endlos scheinende Projektionsfl\u00e4che sind, ist weit bekannt. Aber auch die Gegenwart zwischen BDSM-Partys und chemischen Drogen aller Art stellt sich wohl nur f\u00fcr einen denkbar kleinen Kreis von Expats zwischen 20 und 30 mit entsprechendem Familienverm\u00f6gen tats\u00e4chlich so dar wie hier gezeigt. (Auch wenn ein mehrfach heruntergefahrener Spiegel, in dem das Publikum sich selbst erkennen kann, einen glauben machen soll, das B\u00fchnengeschehen h\u00e4tte etwas mit einem selbst zu tun.)<\/p>\n<p>nd.DieWoche \u2013 unser w\u00f6chentlicher Newsletter<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/313567.jpeg\" alt=\"\" title=\"\" width=\"170\"\/><\/p>\n<p>Mit unserem w\u00f6chentlichen Newsletter <strong>nd.DieWoche<\/strong> schauen Sie auf die wichtigsten Themen der Woche und lesen die <strong>Highlights<\/strong> unserer Samstagsausgabe bereits am Freitag. <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/newsletter\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hier das kostenlose Abo holen<\/a>.<\/p>\n<p>Die endlose Aneinanderreihung von Szenen von gestern und heute in dieser Nummernrevue hat etwas merkw\u00fcrdig Didaktisches an sich. Schlie\u00dflich kommt die Inszenierung aber doch zu ihrem entscheidenden Moment: Nicht allein in ihrem Hedonismus gleichen sich die Zeiten, nein, auch was danach kam, wird sich erneut ereignen. Das rauschhafte Leben vor gut 90 Jahren war die Folie zum Aufstieg der Nazis. Und die Gegenwart kommt nicht minder queer und bunt und lustbetont daher, w\u00e4hrend die AfD einen Erfolg nach dem anderen einf\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Eine These also hat dieser Tanzabend immerhin, die \u00fcber zweieinhalb Stunden ausgebreitet wird, allerdings eine von frappierender Banalit\u00e4t. Die st\u00e4ndige Gleichsetzung der Weimarer Republik mit der, zugegeben etwas besch\u00e4digten, Demokratie der Jetztzeit verfolgt einen tinitusgleich auf Schritt und Tritt. Was das vermeintlich schrille Leben in Berlin von damals und das von jetzt damit zu tun haben, bleibt allerdings unklar. Dass diese Stadt wieder in Tr\u00fcmmern liegen wird, das wird dem Publikum zumindest mit dem inszenatorischen Holzhammer mittels Bildprojektion vorgef\u00fchrt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-ppi-ndarticlecommet\">N\u00e4chste Vorstellungen: 6., 29.11. und 13.12.<br \/>&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.volksbuehne.berlin\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.volksbuehne.berlin<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Dit is Berlin. Jedenfalls sieht es, aus der Ferne betrachtet, ganz so aus. 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