{"id":551412,"date":"2025-11-04T23:10:33","date_gmt":"2025-11-04T23:10:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/551412\/"},"modified":"2025-11-04T23:10:33","modified_gmt":"2025-11-04T23:10:33","slug":"zwangsarbeit-in-halle-oeffentlichkeit-soll-licht-ins-dunkel-bringen-haller-kreisblatt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/551412\/","title":{"rendered":"Zwangsarbeit in Halle: \u00d6ffentlichkeit soll Licht ins Dunkel bringen | Haller Kreisblatt"},"content":{"rendered":"<p id=\"absatz1\" class=\"em_text\">Halle. Als Katja Kosubek vor zwei Jahren in den Keller unterhalb des B\u00fcrgerb\u00fcros hinabstieg und ein bisschen in den Schr\u00e4nken dort st\u00f6berte, fand sie etwas, von dessen Existenz wohl kaum noch jemand wusste. Sie entdeckte mehrere Tausend Meldekarteien &#8211; alle mit einem roten \u201eAusl\u00e4nder\u201c-Stempel versehen. \u201eIm B\u00fcrgerb\u00fcro waren alle total \u00fcberrascht, und auch im Rathaus hat keiner mehr davon gewusst\u201c, erinnert sich die Leiterin des Museums Haller Zeitr\u00e4ume.<\/p>\n<p id=\"absatz2\" class=\"em_text\">Bei dem Fund handelt es sich um die Meldekartei von Menschen, die vor und w\u00e4hrend der NS-Zeit Zwangsarbeit in Halle verrichten mussten. \u201eEs sind 3.930 Karten\u201c, sagt Silke Wilming. Gemeinsam mit Rita L\u00fcbcke hilft sie Kosubek nun, die vielen Karteikarten zu \u00fcbersetzen &#8211; schlie\u00dflich sind die alle in S\u00fctterlin geschrieben. Bei einigen st\u00f6\u00dft das Dreiergespann an ihre Grenzen. Schnell seien allerdings die wiederkehrenden Nationalit\u00e4ten aufgefallen: \u201eIn vielen F\u00e4llen kamen die Menschen aus Polen, Russland oder der Ukraine\u201c, sagt Kosubek.<\/p>\n<p id=\"absatz4\" class=\"em_text\">\u201eBei einigen Karteikarten k\u00f6nnen wir Fotos zuordnen, es gibt aber wesentlich weniger Bilder als Karten, und nicht auf jeder ist eine Bildnummer\u201c, erkl\u00e4rt Kosubek. \u201eDie Bilder wurden unter Verschluss im Stadtarchiv gelagert.\u201c Im Nachlass des damaligen Haller B\u00fcrgermeisters seien zudem weitere Fotos von Zwangsarbeitern gefunden worden, berichtet die Historikerin.<\/p>\n<p>Zwangsarbeiter wurden in Halle f\u00fcr den R\u00fcstungsbau eingesetzt<\/p>\n<p class=\"em_text\">Die Arbeitskr\u00e4fte seien vor allem im R\u00fcstungsbau eingesetzt worden, so Kosubek. In K\u00fcnsebeck bei der Firma D\u00fcrkopp sollten sie demnach Flakgesch\u00fctze, also Flugabwehrkanonen bauen. D\u00fcrkopp habe sein Werk seinerzeit von Bielefeld nach K\u00fcnsebeck verlegt, in der Hoffnung, auf diese Weise Bombenangriffen zu entgehen. \u201eEs wurden auch Arbeitskr\u00e4fte gebraucht, um das neue Werk zu errichten\u201c, f\u00fcgt Kosubek hinzu. \u201e\u00dcber 1.000 Zwangsarbeiter\u201c seien w\u00e4hrend dieser Eins\u00e4tze in einem Waldlager in K\u00fcnsebeck untergekommen.<\/p>\n<p id=\"absatz6\"><b class=\"bold\">Mehr zum Museum HallerZeitr\u00e4ume:<\/b> <a href=\"https:\/\/www.haller-kreisblatt.de\/lokal\/halle\/24064457_450-Exponate-Museum-in-Halle-bekommt-erstmals-begehbare-Ausstellungsraeume.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">450 Exponate: Museum in Halle kann erstmals ausstellen <\/a><\/p>\n<p id=\"absatz7\" class=\"em_text\">Den drei Frauen im Haller Stadtarchiv ist die gro\u00dfe Bedeutung von Kosubeks Fund bewusst. \u201eEs ist total spannend. Hinter jeder dieser Karten steckt ein Schicksal, eine Geschichte\u201c, sagt L\u00fcbcke. Viele dieser Lebensgeschichten k\u00f6nnten als Stoff f\u00fcr einen Film herhalten.<\/p>\n<p id=\"absatz8\" class=\"em_text\">Damit der kostbare Fund keinesfalls verloren geht, arbeitet das Haller Stadtarchiv nun mit den Arolsen Archives zusammen. Einer Institution aus Hessen, die sich der Dokumentation von NS-Opfern und deren Schicksalen widmet. Den heutigen Namen tr\u00e4gt das Archiv- und Forschungszentrum erst seit 2019. Hervorgegangen ist es aus dem 1948 gegr\u00fcndeten Internationalen Suchdienst (ITS), der es sich seinerzeit zur Aufgabe gemacht hatte, Kriegsverschollene wiederzufinden.<\/p>\n<p>Forschungszentrum hilft bei Aufarbeitung der Zwangsarbeit in Halle<\/p>\n<p id=\"absatz9\" class=\"em_text\">Mithilfe der Arolsen Archives seien die entdeckten Karteien mittlerweile digitalisiert worden, berichtet Katja Kosubek. Im Rahmen des Projektes \u201eeverynamecounts\u201c, das von den Arolsen Archives vorangetrieben wird, sollen die digitalisierten Karteien nun online ver\u00f6ffentlicht und damit der Allgemeinheit zug\u00e4nglich gemacht werden. \u00dcber die Website der Arolsen Archives werden dann alle Zugriff auf die Karteien bekommen und sich somit an der \u00dcbersetzung beteiligen k\u00f6nnen. \u201eLinks wird die gescannte Kartei zu sehen sein und rechts eine Maske, in die die \u00fcbersetzen Namen und die anderen Daten eingetragen werden k\u00f6nnen\u201c, erkl\u00e4rt Silke Wilming. \u201eDas kann ein sch\u00f6nes Alt-Jung-Projekt sein\u201c, findet die ehrenamtliche Helferin. Denn viele \u00c4ltere k\u00f6nnten zwar S\u00fctterlin lesen, h\u00e4tten aber Schwierigkeiten mit Computern.<\/p>\n<p><a class=\"article-detail-image use-fancybox\" href=\"https:\/\/www.haller-kreisblatt.de\/_em_daten\/_cache\/image\/1xYzYrSWNjTTViMkxtODVXakRxbm5iQVR0Y05FbHE5dXhmUnBJY2dZZGtDbjZPRVNHK0Z2SnRoTGdBN3Y3LzQrSXlYVGFRQzhlWTljd1plLythTzN3UHE2SnpOdi94Q3FtWWV4ZVdDWVFsVFk9\/251103-1605-654477149.jpg\" rel=\"article-detail-image-overlay noopener\" title=\"Silke Wilming appelliert an Jung und Alt, gemeinsam an dem Projekt &quot;everynamecounts&quot; mitzuwirken. - \u00a9 Tobias Barrelmeyer\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" itemprop=\"image\" class=\"media-object img-responsive\" width=\"500\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/251103-1605-654477149.jpg\" alt=\"Silke Wilming appelliert an Jung und Alt, gemeinsam an dem Projekt &quot;everynamecounts&quot; mitzuwirken. - \u00a9 Tobias Barrelmeyer\"\/><br \/>\n<\/a><\/p>\n<p>Silke Wilming appelliert an Jung und Alt, gemeinsam an dem Projekt &#8222;everynamecounts&#8220; mitzuwirken.<br \/>\n(\u00a9 Tobias Barrelmeyer)<\/p>\n<p id=\"absatz10\" class=\"em_text\">Bevor die Karteien am Sonntag, den 9. November, ver\u00f6ffentlicht werden, findet am Freitag (7. November) eine entsprechende Infoveranstaltung in der Haller Remise statt. \u201eTimo Nahler von den Arolsen Archives wird zu Gast sein und \u00fcber die Zwangsarbeit zur NS-Zeit im Allgemeinen erz\u00e4hlen\u201c, k\u00fcndigt Kosubek an. Sie selbst werde etwas zur damaligen Lage in Halle pr\u00e4sentieren. \u201eDie beiden Vortr\u00e4ge werden jeweils etwa eine halbe Stunde dauern\u201c, sch\u00e4tzt sie. \u201eUm 20 Uhr geht es los.\u201c Veranstaltungsort ist die Remise.<\/p>\n<p id=\"absatz11\" class=\"em_text\">Selbstverst\u00e4ndlich, betont Kosubek, sei die Teilnahme an der Veranstaltung keine Voraussetzung, um sich sp\u00e4ter an der \u00dcbersetzung der Karteien zu beteiligen. Wer als Haller mithelfen wolle, m\u00fcsse sich aber m\u00f6glicherweise beeilen, schlie\u00dflich stehe es Leuten auf der ganzen Welt frei, mitzumachen.<\/p>\n<p id=\"absatz12\"><b class=\"bold\">Aktuelle Nachrichten bekommen Sie t\u00e4glich \u00fcber den<\/b> <a href=\"https:\/\/web.whatsapp.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">WhatsApp-Kanal des HK<\/a> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Halle. Als Katja Kosubek vor zwei Jahren in den Keller unterhalb des B\u00fcrgerb\u00fcros hinabstieg und ein bisschen in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":551413,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1841],"tags":[11731,133958,1605,102818,102815,3364,29,15738,30,52699,49959,16351,16383,22595,16896,133955,734,19081,34715,16897,1209,3917,133956,307,133957,317,20472],"class_list":{"0":"post-551412","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-bielefeld","8":"tag-brgerbro","9":"tag-arolsen","10":"tag-bielefeld","11":"tag-cnt_aufmacher","12":"tag-drkopp","13":"tag-de","14":"tag-deutschland","15":"tag-erinnerungskultur","16":"tag-germany","17":"tag-knsebeck","18":"tag-katja-kosubek","19":"tag-label_mach-mich-schlau","20":"tag-label_print-platziert","21":"tag-label_sperrfrist","22":"tag-label_xl-160","23":"tag-meldekartei","24":"tag-meta_artikelklasse_nachricht","25":"tag-meta_copyrights_hk","26":"tag-meta_themen_geschichte","27":"tag-meta_userneeds_erklaeremir","28":"tag-nordrhein-westfalen","29":"tag-polen","30":"tag-rita-lbcke","31":"tag-russland","32":"tag-silke-wilming","33":"tag-ukraine","34":"tag-zwangsarbeit"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":"Validation failed: Text character limit of 500 exceeded"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/551412","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=551412"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/551412\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/551413"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=551412"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=551412"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=551412"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}