{"id":551488,"date":"2025-11-04T23:52:13","date_gmt":"2025-11-04T23:52:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/551488\/"},"modified":"2025-11-04T23:52:13","modified_gmt":"2025-11-04T23:52:13","slug":"die-fluesterschwestern-von-muenchen-bowie-auf-deutsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/551488\/","title":{"rendered":"Die Fl\u00fcsterschwestern von M\u00fcnchen: Bowie auf Deutsch"},"content":{"rendered":"<p>Die beiden K\u00fcnstlerschwestern Anina und Anouschka Doinet lieben nichts mehr als die k\u00fcnstlerische Arbeit von David Bowie, dessen zeitlose Musik in ihren Augen der Soundtrack vieler unterschiedlicher Leben war und ist. So kam ihnen vor einigen Jahren, als sie gerade mit dem GOP-Variet\u00e9-Theater auf Tour waren, die Idee, die Werke ihres Vorbilds in deutscher Sprache darzubringen und sie nutzten l\u00e4ngere Autofahrten, um einige seiner Songs werktreu zu \u00fcbersetzen.<\/p>\n<p>Entstehung des Projekts \u201eBowie Deutsch\u201c<\/p>\n<p>Im Lauf der Monate entstand ein ungew\u00f6hnliches und feinsinniges Projekt samt tollen Choreografinnen, Toningenieuren, Videok\u00fcnstlern und Lichtzauberern, die eine umfangreiche Show voller Licht, Schatten, geheimnisvollen Filmeinspielern und originellen B\u00fchneneinf\u00e4llen ersonnen, sowohl f\u00fcr gro\u00dfe H\u00e4user, aber genauso geeignet f\u00fcr kleinere B\u00fchnen.<\/p>\n<p>F\u00fcr \u201eAbsolute Laien\u201c (\u201eAbsolute Beginners\u201c) wurde mit Drohnen und Stadttauben \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/muenchen\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">M\u00fcnchen<\/a> geflogen. Diese Aufnahmen waren alles andere als einfach, weil nicht alle Tauben so solidarisch waren, wie gew\u00fcnscht. Anina: \u201eAls das umfangreiche Kamerateam bereitstand und wir die Schwabinger Tauben mit etwas Futter anlocken wollten, signalisierten die graugefiederten Tiere uns: Nee, da stimmt doch irgendwas nicht.\u201c<\/p>\n<p>Anouschka: \u201eSie sa\u00dfen quasi wie die Tauben auf der Stange in der N\u00e4he und trauten sich nicht zu uns r\u00fcber. Wir mussten den Dreh also verlegen.\u201c Der zweite Drehtag fand am Hauptbahnhof statt. Anouschka: \u201eDort waren die Tauben wesentlich kooperativer.\u201c<\/p>\n<p>In einer sensiblen Entwicklungsphase sind Ratschl\u00e4ge von au\u00dfen nicht immer hilfreich. Nun stellte sich aber die Frage: D\u00fcrfen wir das \u00fcberhaupt? David Bowie, der Urheber, war bereits verstorben \u2013 was also tun? Eine umfassende Recherche ergab, dass Bowies Sohn Duncan einen ber\u00fchmten Patenonkel hat, n\u00e4mlich keinen Geringeren als das Monty-Python-Gr\u00fcndungsmitglied <a href=\"https:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/person\/eric-idle\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Eric Idle<\/a>, mit dem eine gute Bekannte von Anouschka befreundet ist. Der Kontakt wurde hergestellt und wenige Tage sp\u00e4ter kam die offizielle Erlaubnis von Duncan pers\u00f6nlich! \u201eBowie Deutsch\u201c wurde wie gew\u00fcnscht realisiert und erfreut sich gro\u00dfer Beliebtheit. Der Meister selbst h\u00e4tte dieses Projekt gewiss geliebt.<\/p>\n<p>Kreative Kindheit und erste B\u00fchnenmomente<\/p>\n<p>Anina und Anouschka sind beide in der M\u00fcnchner Taxisklinik geboren, einer ihrer Gro\u00dfv\u00e4ter war Franzose, eine Gro\u00dfmutter Engl\u00e4nderin, die anderen Gro\u00dfeltern kamen aus Biberach an der Ri\u00df. Ihre Mutter war Journalistin, der Vater, der von allen Menschen \u201eRupp\u201c genannt wird, ist ein vielseitiger Dichter, der philosophisch-herzlich-lustige Lyrik verfasst, unter anderem \u00fcber den von ihm geschaffenen \u201eGruselgraus\u201c.<\/p>\n<p>Die Eltern gaben stets R\u00fcckhalt und lie\u00dfen ihre beiden T\u00f6chter alles ausprobieren. So war auch sprachlich-kulturell immer einiges los. Was zur Folge hatte, dass die zwei Schwestern niemals in irgendwelchen Ortskategorien \u00fcber Menschen, Konfessionen oder Nationalit\u00e4ten nachdachten und bis heute \u00e4u\u00dferst weltoffen die Kunstwelt bereichern.<\/p>\n<p>Sie lieben M\u00fcnchen, m\u00f6gen aber immer den Ort am liebsten, an dem sie gerade arbeiten. Manchmal nehmen sie sogar den jeweiligen Dialekt an, sei es in Wien, Hannover oder Baden-W\u00fcrttemberg. Beide besuchten das K\u00e4the Kollwitz-Gymnasium in Neuhausen, hatten schon sehr fr\u00fch Musikunterricht mit einer sehr vielseitigen Lehrerin, die sagte: \u201eWenn ihr keine Lust mehr auf Klavier habt, probiert doch mal Fl\u00f6te. Wenn euch das keinen Spa\u00df mehr macht, dann singt.\u201c<\/p>\n<p>Sie hatten bereits in der Grundschule kleine, h\u00fcbsche Mini-Auff\u00fchrungen. Besonders Aninas Klasse zeichnete sich durch ausgesprochene Kreativit\u00e4t aus. Sie gewannen sogar, als sie in der f\u00fcnften Klasse waren, eine siebent\u00e4gige Reise an die C\u00f4te d\u2019Azur.<\/p>\n<p>Von der Zenetti-B\u00fchne zur Rocky\u2019s Crazy Horror Show<\/p>\n<p>Zur gleichen Zeit performte Anouschka Broadway-musical-artige Shows auf der seinerzeit aktiven \u201eZenetti-B\u00fchne\u201c, die in etwa so gro\u00df war wie ein Esstisch. Die f\u00fcnf Jahre j\u00fcngere Anina hat sich das alles immer angeschaut und rasch bemerkt, dass die Kunst auch etwas f\u00fcr sie sein k\u00f6nnte. Langsam, aber stetig wuchs sie hinein.<\/p>\n<p>Im Bel Etage \u00fcber dem Drugstore am Wedekindplatz nahe der <a href=\"https:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/thema\/muenchner-freiheit\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">M\u00fcnchner Freiheit<\/a> geschah es dann, wie in manchem guten Hollywood-Film, dass die j\u00fcngere Schwester zun\u00e4chst hinter den Kulissen mithalf, und pl\u00f6tzlich auf der B\u00fchne stand, weil jemand ausfiel. 1991 entstand Rocky\u2019s Crazy Horror Show mit Sandrina Sedona, Bob Eberl, Eva Windisch, Manni Gruber und zahlreichen weiteren kunterbunten M\u00fcnchner Kulturschaffenden; insgesamt waren zehn Leute beteiligt, die bis heute eng verbunden sind.<\/p>\n<p>So gibt es mit vielen der einstigen Truppenmitglieder gerade eine Neuauflage der Show in bairischer Mundart, quasi ein Rockkonzert-Spektakel als Parodie auf die Rocky Horror Picture Show in den Gem\u00e4uern der oberpf\u00e4lzischen Burgruine Runding, mit Helmut A. Binser als Erz\u00e4hler und den beiden Doinet-Madames wie einst als Janet und Columbia, allerdings diesmal mit den Rollennamen Resal und Vroni.<\/p>\n<p>Der bairische Brad tr\u00e4gt \u00fcbrigens den Namen Toni. Also hei\u00dfen die beiden Hauptfiguren Toni und Vroni. Die Laufbahn der Doinet-Schwestern entwickelte sich ganz nat\u00fcrlich weiter, stets standen die Sch\u00f6pferkraft und der Spa\u00df im Vordergrund, auch bei todernsten Themen. Nach diversen Engagements entstanden Eigenproduktionen, und dank der schon damals wunderbaren Vernetzung fanden sich stets Wunsch-Mitstreiterinnen und Mitstreiter.<\/p>\n<p>Kontinuierlich entwickelten sie sich weiter, machten Gesangs-, Schauspiel- und Tanzausbildungen, unter anderem an der Bayerischen Theaterakademie, wirkten an diversen Staats- und Stadttheatern, teils auch als Solistinnen, und \u00fcbernahmen jahrelang die k\u00fcnstlerische Leitung des legend\u00e4ren M\u00fcnchner Restaurants Nektar, wo die G\u00e4ste im Stil r\u00f6mischer Dekadenz auf bequemen Polstern liegend kulinarische K\u00f6stlichkeiten und extravagante Kunst genie\u00dfen konnten.<\/p>\n<p>Das B\u00fchnenst\u00fcck \u201eSchwesternterz\u201c<\/p>\n<p>Eines Tages schlug ein Freund vor, doch mal ein St\u00fcck \u00fcber das Schwesternsein zu realisieren, was ihnen zun\u00e4chst zu banal und naheliegend vorkam, da ihr Fokus tendenziell auf abseitigen Motiven lag. Doch sie setzten sich damit auseinander und freundeten sich immer mehr mit der Thematik an. Eines Tages entstand das heitere B\u00fchnenst\u00fcck \u201eSchwesternterz\u201c, das beim Publikum keineswegs traditionell, sondern vielmehr rebellisch und subversiv r\u00fcberkam.<\/p>\n<p>Gleichzeitig sprudelten die Projekteinf\u00e4lle so zahlreich, dass sie sich einen \u201eIdeenstopp\u201c auferlegten. Doch diese Phase hielt nicht lange an: Bei der Feierlichkeit einer Freundin der Eltern anl\u00e4sslich eines runden Geburtstags mussten Anina und Anouschka mit lauter Achtj\u00e4hrigen am Kindertisch Platz nehmen. Dort sa\u00dfen sie schlie\u00dflich schon immer, wozu sollte man das \u00e4ndern? Dass sie beide schon l\u00e4ngst erwachsen waren, st\u00f6rte niemanden.<\/p>\n<p>Die zwei Frauen alberten gut gelaunt mit den Kindern herum, zeigten ihnen, wie man mit Helium aus Luftballons die Stimme heller machen kann und veranstalteten allerlei Unfug. Als eines der Kinder vorschlug, etwas Gemeinsames zu singen, kam, um die anderen G\u00e4ste nicht zu st\u00f6ren, die Idee auf, einer Person leise parallel ein Lied in die Geh\u00f6rg\u00e4nge zu singen.<\/p>\n<p>Sie setzten also eines der Kinder auf einen Stuhl und sangen ihm, eine von links, eine von rechts, \u201eRocking Back Inside My Heart\u201c aus Twin Peaks in die Ohren. Rasch keimte auch bei den restlichen Partybesuchern der Wunsch, befl\u00fcstert zu werden. So entstand der Stereo-Fl\u00fcstergesang, der bis heute auf Events jeder Art von den beiden Doinet-Schwestern in hinrei\u00dfenden Outfits wie gepunkteten Kleidchen, Klarsichtfolien-Knister-Anz\u00fcgen, Pailletten-Spiegel-Discogew\u00e4ndern oder Schneefl\u00f6ckchen-Kost\u00fcmen praktiziert wird. Es ist ein durchaus bezauberndes Gef\u00fchl, auf einer Gala ein kleines, pers\u00f6nliches Lied zu empfangen, das nur im eigenen Kopf erklingt, w\u00e4hrend rundherum alles weitergeht. Der Stuhl, auf dem die besungene Person sitzt, ist die B\u00fchne, der Song ein Miniatur-Showprogramm.<\/p>\n<p>Davon inspiriert stie\u00dfen die sch\u00f6pferischen Fl\u00fcsterschwestern auf diverse invasive Theatergruppen, genie\u00dfen es bis heute, Tiefe, Vielfalt und dramaturgische Verschiedenartigkeit zu transportieren. Sie lieben es, die Differenz zwischen Publikum und K\u00fcnstlern aufzuheben, es g\u00e4ren zahlreiche wunderbare Projekte in den beiden Akteurinnen. Die M\u00fcnchner Kulturwelt wird gewiss noch oft von ihnen beschenkt, denn beide sind sowohl eine Einheit als auch jede f\u00fcr sich ein eigenst\u00e4ndiges invasives Theaterst\u00fcck.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die beiden K\u00fcnstlerschwestern Anina und Anouschka Doinet lieben nichts mehr als die k\u00fcnstlerische Arbeit von David Bowie, dessen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":551489,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[133966,772,29,30,80,1268],"class_list":{"0":"post-551488","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-anina-und-anouschka-doinet","9":"tag-bayern","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-kultur","13":"tag-muenchen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115494122231464426","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/551488","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=551488"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/551488\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/551489"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=551488"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=551488"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=551488"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}