{"id":55271,"date":"2025-04-23T17:22:08","date_gmt":"2025-04-23T17:22:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/55271\/"},"modified":"2025-04-23T17:22:08","modified_gmt":"2025-04-23T17:22:08","slug":"ki-in-der-literatur-umstritten-wer-schreibt-morgen-unsere-buecher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/55271\/","title":{"rendered":"KI in der Literatur umstritten: Wer schreibt morgen unsere B\u00fccher?"},"content":{"rendered":"<p><strong>KI-Programme k\u00f6nnen den Schreibprozess unterst\u00fctzen. Doch Autoren und Experten warnen: Wenn Maschinen Kinderb\u00fccher und Romane schreiben, steht die Kreativit\u00e4t auf dem Spiel.<\/strong><\/p>\n<p>Sie schreiben Geschichten, spinnen Handlungsstr\u00e4nge und beenden Kapitel, bevor der Kaffee kalt wird: K\u00fcnstliche Intelligenzen (KI) sind l\u00e4ngst keine Zukunftsmusik mehr &#8211; auch nicht in der gro\u00dfen B\u00fccherwelt. Was fr\u00fcher der einsame Kampf am Schreibtisch war, wird heute zunehmend zum Mensch-Maschine-Projekt.<\/p>\n<p>Ein paar Zeilen reichen schon aus, um die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigte Schreibblockade zu l\u00f6sen, eine Kindergeschichte zu basteln oder einen Thriller-Plot in einem Rutsch zu entwerfen. Doch was auf den ersten Blick nach einem praktischen Helfer klingt, sorgt in der Literaturszene f\u00fcr Stirnrunzeln &#8211; und Widerstand. <\/p>\n<p>Was passiert mit der Kreativit\u00e4t, wenn KI-Programme wie ChatGPT oder Claude statt Personen schreiben? Kann eine KI wirklich verstehen, was Kinder bewegt oder ein Buch unvergesslich macht? Experten und Autorinnen bezweifeln das &#8211; und warnen vor einem kulturellen Kurzschluss in der Literatur.<\/p>\n<p>&#8222;Kinderb\u00fccher, zumindest die mit einem literarischen Anspruch, folgen keinem Schema. Sie leben von der \u00dcberraschung, vom Witz, von der W\u00e4rme&#8220;, sagt Kinderbuchautorin Margit Auer der Deutschen Presse-Agentur. Dass &#8222;Geschichten mit Seele&#8220; in Zukunft ein Computer ausspucken soll, sieht sie kritisch: &#8222;Klar, KI kann eine nette Geschichte schreiben. Aber diese Geschichte wird austauschbar sein.&#8220;<\/p>\n<p>Kreativit\u00e4t l\u00e4sst sich nicht berechnen<\/p>\n<p>Neben Auer haben sich in den vergangenen Jahren mehrere Autorinnen und Autoren kritisch \u00fcber K\u00fcnstliche Intelligenz ge\u00e4u\u00dfert. F\u00fcr &#8222;Tintenherz&#8220;-Autorin Cornelia Funke ist es alarmierend, dass immer mehr Verlage KI f\u00fcr die Buchgestaltung verwenden. In einem ihrer Instagram-Beitr\u00e4ge spricht sie von einem &#8222;Verrat&#8220; an all dem, was B\u00fccher bewirken sollen und k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Junge Illustratorinnen und Illustratoren versuchten &#8222;durch die Kunst ihrer H\u00e4nde einen Lebensunterhalt zu verdienen. Bei all dem Gezeter \u00fcber K\u00fcnstliche Intelligenz und ihre Gefahren wird sie nun selbst in Bereichen eingesetzt, die menschliche Kreativit\u00e4t und Ausdruckskraft feiern sollen?&#8220;, schreibt sie in ihrem Post. Sie hofft auf ein klares &#8222;Nein!&#8220; seitens der Autoren und Verleger. Diese sollen sich nicht um den Spa\u00df bringen, &#8222;B\u00fccher mit Menschen zu machen.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Es w\u00fcrde massiv gegen meine Autorinnenehre versto\u00dfen, wenn ich mir von KI helfen lassen w\u00fcrde. Kinderb\u00fccher sind dann gelungen, wenn sie das Herz ihrer Leserinnen und Leser erreichen&#8220;, betont Auer. F\u00fcr die Autorin der bekannten &#8222;Die Schule der magischen Tiere&#8220;-Reihe sollen Leserinnen und Leser mit der Hauptfigur mitf\u00fchlen &#8211; und vor allem &#8222;mitbibbern&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Sie m\u00fcssen ihr die Daumen dr\u00fccken, dass sie irgendwie aus dem Schlamassel herausfindet, in das ich sie als Autorin gest\u00fcrzt habe.&#8220; Bei Schreibblockaden sollte eine KI nicht die erste L\u00f6sung sein. &#8222;Es fehlt die Ruhe, die Konzentration, zu viel prasselt auf einen ein. Man muss in sich ruhen, um schreiben zu k\u00f6nnen.&#8220; Anstatt direkt die KI zu befragen, bevorzuge sie lieber einen Spaziergang in der Natur.<\/p>\n<p>Die Frage des Urheberrechts<\/p>\n<p>Nach deutschem Urheberrecht sind ausschlie\u00dflich pers\u00f6nliche geistige Sch\u00f6pfungen von Menschen als Werke gesch\u00fctzt. Daher k\u00f6nnen Inhalte, die vollst\u00e4ndig von K\u00fcnstlicher Intelligenz generiert wurden, nicht urheberrechtlich gesch\u00fctzt sein. Das Bundesministerium der Justiz (BMJ) betont, dass rein KI-basierten Inhalten die erforderliche menschliche Kreativit\u00e4t fehle.<\/p>\n<p>Doch nicht nur Autorinnen und Autoren sind besorgt. Auch aus der Wissenschaft kommt Kritik &#8211; etwa, wenn es um die Frage geht, ob KI \u00fcberhaupt kreativ sein kann. Dass Maschinen heute Inhalte aus dem Netz \u00fcbernehmen und in \u00e4hnlicher Form wieder ausgeben k\u00f6nnen, sei keine \u00dcberraschung mehr, erkl\u00e4rt Nikola Ro\u00dfbach, Literaturwissenschaftlerin an der Universit\u00e4t Kassel. Bei literaturwissenschaftlichen Texten, die sie manchmal von Studierenden erhalte, sei das Ergebnis wenig originell. &#8222;Im besten Falle kommt erwartbares, formal gut gemachtes, smart klingendes und gedanklich weitgehend hohles Mittelma\u00df heraus.&#8220;<\/p>\n<p>Literatur braucht das Unerwartbare<\/p>\n<p>F\u00fcr die Literatur gelte diese Erwartbarkeit bei KI genauso. &#8222;Wenn ich 999 Goethe-Texte einspeise und es kommt ein tausendster stark nach Goethe klingender Text heraus &#8211; das haut einen jetzt nicht wirklich um, oder?&#8220;<\/p>\n<p>Gehe es um Autorschaft und Originalit\u00e4t, m\u00fcsse man allerdings erw\u00e4hnen, dass diese Vorstellungen eine Erfindung der Neuzeit und fr\u00fchere Texttraditionen ohne solche Postulate ausgekommen seien. &#8222;Da waren die Texte zwar nicht maschinengemacht, aber sie wurden zum Beispiel m\u00fcndlich weitergegeben, ohne eine fixierbare Autorperson und auch ohne einen Innovationsanspruch im modernen Sinn&#8220;, sagt Ro\u00dfbach.<\/p>\n<p>Auch auf der Frankfurter Buchmesse 2024 war KI ein zentrales Thema. Es brauche klare Regeln, betonte damals die Vorsteherin des B\u00f6rsenvereins des Deutschen Buchhandels, Karin Schmidt-Friderichs. KI k\u00f6nne zwar unterst\u00fctzen, Prozesse vereinfachen und kreative Impulse geben, doch die F\u00e4higkeiten dieser Systeme basieren auf dem &#8222;gr\u00f6\u00dften Datenklau der Geschichte.&#8220;<\/p>\n<p>Wenn der Funke \u00fcberspringen soll<\/p>\n<p>Gerade im Kinder- und Jugendbuchbereich ist die Beziehung zwischen Autoren, Text und Lesenden oft besonders emotional aufgeladen. &#8222;Ich denke, in der Kinder- und Jugendliteratur ist es \u00e4hnlich wie in der Kunst allgemein&#8220;, erkl\u00e4rt Literaturwissenschaftlerin Ro\u00dfbach. Auch hier gebe es die eher &#8222;anspruchslose Massenware&#8220;, die dennoch ihr Publikum erfreuen und unterhalten k\u00f6nne. Dort sei KI-Einsatz gut denkbar.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite werde es weiterhin die anspruchsvollere, tiefere Literatur geben, die an eine unverwechselbare Stimme gekn\u00fcpft sei. &#8222;Und diese Stimme ist dadurch unverwechselbar, dass sie nicht das Erwartbare liefert. Ein neues Buch einer Kinderbuchautorin sieht eben nicht genauso aus wie das vorige&#8220;, sagt Ro\u00dfbach. KI-Sprachmodelle k\u00f6nnen nur die Wahrscheinlichkeit des jeweils n\u00e4chsten Wortes berechnen, Menschen dagegen ein vollkommen unwahrscheinliches Wort setzen.<\/p>\n<p>Ob KI zum Werkzeug f\u00fcr Kreative wird oder zur Konkurrenz &#8211; das bleibt eine offene Frage. Klar ist nur: B\u00fccher, die ber\u00fchren oder Emotionen ausl\u00f6sen, entstehen nicht allein durch Algorithmen. Romane und Kinderb\u00fccher haben mehrere Erz\u00e4hlebenen. Die Action-Ebene oder die Abenteuergeschichte, die k\u00f6nne vielleicht eine KI schreiben, sagt Auer. &#8222;Aber die zwischenmenschliche Ebene, die immer mitschwingen muss, die kriegt doch keine KI hin. Hat eine KI Humor? Ich habe es noch nicht ausprobiert, bezweifle es aber.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"KI-Programme k\u00f6nnen den Schreibprozess unterst\u00fctzen. 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