{"id":553462,"date":"2025-11-05T18:28:18","date_gmt":"2025-11-05T18:28:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/553462\/"},"modified":"2025-11-05T18:28:18","modified_gmt":"2025-11-05T18:28:18","slug":"china-und-usa-kein-sieger-kein-verlierer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/553462\/","title":{"rendered":"China und USA: Kein Sieger, kein Verlierer"},"content":{"rendered":"<p>Das Gipfeltreffen zwischen <a href=\"https:\/\/www.die-tagespost.de\/person\/xi-jinping\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Xi Jinping<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.die-tagespost.de\/person\/donald-trump\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Donald Trump<\/a> fand am 30. Oktober statt, doch wissen wir bis heute nicht, was dort besprochen wurde. US-Pr\u00e4sident Trump verk\u00fcndete noch auf dem R\u00fcckflug nach Washington, das Gespr\u00e4ch sei sehr gut verlaufen und man habe in allen wesentlichen Fragen eine Einigung erzielt. Dabei sprach er \u00fcber den gesenkten Zollaufschlag f\u00fcr Fentanyl-Vorprodukte und \u00fcber Xis Zusage, den illegalen Export von Fentanyl in die USA zu unterbinden. China habe seine Exportkontrollma\u00dfnahmen f\u00fcr Seltene Erden um ein Jahr ausgesetzt. Dar\u00fcber hinaus habe Xi zugesagt, vermehrt Soja sowie \u00d6l und Gas aus den USA zu importieren. In der X-Nachricht des Wei\u00dfen Hauses wird nicht erw\u00e4hnt, dass Trump in der Air Force One auch ein ausf\u00fchrliches Gespr\u00e4ch \u00fcber die Situation in der Ukraine erw\u00e4hnt hat. Man habe sich, so Trump, darauf geeinigt, gemeinsam darauf hinzuarbeiten, den Krieg m\u00f6glichst schnell zu beenden. Hatte Trump vor Beginn des Gespr\u00e4chs auf Fragen der Reporter geantwortet, er hielte die Unterzeichnung des Handelsabkommens f\u00fcr m\u00f6glich, war davon am Ende der Begegnung zwischen den beiden Pr\u00e4sidenten keine Rede mehr. Sofort ging die mediale Diskussion los, wer gewonnen und wer verloren habe. Die China-Kritiker erkl\u00e4rten die USA zum Sieger, die USA-Kritiker China.<\/p>\n<p>Was dabei \u00fcbersehen wurde und was der Grund daf\u00fcr ist, dass wir nicht wirklich wissen, was besprochen wurde, ist die Tatsache, dass die chinesische Seite bisher \u00fcber das Gespr\u00e4ch nichts verlautbaren lie\u00df und nur die Eingangsworte von Xi Jinping ver\u00f6ffentlichte, die mit dem, was nach Trumps Aussagen Gegenstand des hundertmin\u00fctigen Gespr\u00e4chs war, nichts zu tun haben. Der Sprecher des chinesischen Au\u00dfenministeriums verwies als Antwort auf die Frage nach der Lockerung oder Verschiebung der Exportkontrollma\u00dfnahmen f\u00fcr Seltene Erden auf das zust\u00e4ndige Handelsministerium, das k\u00fcrzlich verlautbarte, jeglichen Export von Seltenen Erden zu nichtzivilen Zwecken zu unterbinden.<\/p>\n<p>Folgt man den Worten Xis, so ging es ihm nicht um Handelsfragen, sondern um das sino-amerikanische Verh\u00e4ltnis. Die beiden L\u00e4nder sollten sich gegenseitig bei der Verwirklichung ihrer Pl\u00e4ne unterst\u00fctzen und ein partnerschaftliches Verh\u00e4ltnis zueinander entwickeln. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit solle zum gegenseitigen Nutzen erfolgen und nicht als Konfliktpotenzial eingesetzt werden. Trump habe, so ein Bericht der \u201eGlobal Times\u201c, positiv auf Xi Jinpings Ausf\u00fchrungen geantwortet und seinen gro\u00dfen Respekt f\u00fcr China zum Ausdruck gebracht. Das wiederum veranlasste Xi dazu, die gemeinsame Verantwortung der USA und Chinas f\u00fcr das Wohlergehen beider L\u00e4nder und der Welt hervorzuheben. Was Trump als Inhalt seiner Gespr\u00e4che mit Xi ausgab, wurde vier Stunden nach Ende des Gipfeltreffens als Ergebnis der Handelsgespr\u00e4che in Kuala Lumpur von der chinesischen Seite best\u00e4tigt. Ohne dass es hier zu einer Einigung gekommen w\u00e4re, h\u00e4tte das Gipfeltreffen gar nicht stattgefunden, so die chinesische Presse. Die von Trump erw\u00e4hnten Einigungen waren also schon vor dem Treffen der Staatsoberh\u00e4upter erzielt worden.<\/p>\n<p>China geht es um Gleichrangigkeit<\/p>\n<p>Offenbar hatten die Pr\u00e4sidenten \u00fcber den Zweck ihres Treffens grundlegend unterschiedliche Auffassungen. Trump ging es um einen weiteren \u201eDeal\u201c; Xi wollte sich auf die Niederung derartiger Gespr\u00e4che gar nicht erst einlassen. Daf\u00fcr waren andere zust\u00e4ndig. Er wollte Trump das Eingest\u00e4ndnis abringen, wonach die USA mit China eng zusammenarbeiten und in dieser Zusammenarbeit die Gleichrangigkeit der beiden gr\u00f6\u00dften Weltwirtschaftsm\u00e4chte anerkennen m\u00fcssen. Im Vorfeld des Gipfels und als Trumpf f\u00fcr die Handelsgespr\u00e4che hatte man die Daumenschrauben in Sachen Seltene Erden angezogen.<\/p>\n<p>Die Exportkontrollen sollten aller Welt zeigen, dass mit China nicht zu spa\u00dfen ist. Selbst wenn Trump \u00fcberall versucht, Vertr\u00e4ge \u00fcber den Abbau und die Raffinierung von Seltenen Erden abzuschlie\u00dfen, wei\u00df er doch genau, dass China \u00fcber seine Patente den Verarbeitungsprozess von seltenen Erden dominiert und Australien, das schon seit Langem im eigenen Land Seltene Erden abbaut, ebenso wie die USA die Weiterverarbeitung ihrer Seltenen Erden in China vornehmen l\u00e4sst. Japan, das seit Beginn des Konflikts \u00fcber die Senkaku-Inseln im Jahr 2010 versucht, in dieser Frage Selbstst\u00e4ndigkeit zu erlangen, hat seine Abh\u00e4ngigkeit bisher nur von 90 auf 60 Prozent senken k\u00f6nnen. Wenn die Volksrepublik China wahrmacht, was in ihrer zitierten Bekanntmachung steht, k\u00f6nnen F35-Flugzeuge nicht mehr gebaut werden. Auch w\u00e4re der Transfer von Technik und Wissen zur Weiterverarbeitung von Seltenen Erden weitgehend unm\u00f6glich. China versucht, die Entwicklung der Selbstst\u00e4ndigkeit im Umgang mit den Seltenen Erden hinauszuz\u00f6gern. Dies gilt, wie die angedrohten Exportkontrollen, nicht nur f\u00fcr die USA, sondern f\u00fcr die ganze Welt, einschlie\u00dflich Russlands. Die Karten waren f\u00fcr China offenbar gut gelegt. F\u00fcr jede Ma\u00dfnahme der einen Seite wurde eine entsprechende Ma\u00dfnahme der anderen Seite vereinbart. Die Handelsgespr\u00e4che haben damit einen Punkt erreicht, der die Hoffnung auf eine baldige Unterzeichnung best\u00e4rkt.<\/p>\n<p>\u201eTaiwan ist Taiwan!\u201c<\/p>\n<p>Das Gipfeltreffen und die beiderseitige Bekundung von Respekt und Anerkennung steht in der Kontinuit\u00e4t vermehrter Entspannungsversuche beider Seiten. Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte schon im Mai in seiner Rede auf dem Shangri-La-Forum in Singapur betont, man wolle keinen Krieg und anerkenne die Legitimit\u00e4t des Regimes in der Volksrepublik. China hat seinerseits immer wieder Signale nach Washington gesendet, vor allem um zu verhindern, dass Washington sich ganz auf die Normalisierung der Beziehungen zu Russland konzentriert und damit China isolieren k\u00f6nnte. Auch hat sich China zwar in seiner Reaktion auf die Zollandrohung aus Washington nicht in die Knie zwingen lassen, doch l\u00e4uft die chinesische Wirtschaft nicht rund. Selbst wenn immer wieder Erfolge im Hochtechnologiesektor verk\u00fcndet werden, darf man sich nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass der zuletzt rapide zur\u00fcckgehende Export in die USA viele Privatbetriebe in China in den Ruin treibt.<\/p>\n<p>Doch gibt es immer noch Streitpunkte zwischen den beiden Weltm\u00e4chten, die auf dem Gipfeltreffen offenbar keine L\u00f6sung gefunden haben. So wurde diskutiert, ob China nicht haupts\u00e4chlich darauf dringen m\u00fcsse, dass Trump den Unabh\u00e4ngigkeitsbestrebungen auf Taiwan eine Abfuhr erteilt. Dieses Ziel hat die Volksrepublik China nicht erreicht. Im Gegenteil, Trump wartete mit einer ungew\u00f6hnlichen neuen Formulierung auf: \u201eTaiwan ist Taiwan!\u201c China hatte in Erwartung der Nichterf\u00fcllung seiner W\u00fcnsche deshalb schon betont, die Taiwan-Frage sei eine innenpolitische Angelegenheit und deshalb nicht Gegenstand der Gespr\u00e4che mit den USA. Jeder, der die Taiwan-Frage genau beobachtet, wei\u00df, dass hier ein taktischer R\u00fcckzug vollzogen wurde.<\/p>\n<p>Trump h\u00e4tte gerne durchgesetzt, dass China seine Importe von \u00d6l und Gas aus Russland einstellt. Davon war in der Nachbearbeitung des Gipfeltreffens nicht mehr die Rede. Statt China dazu zu verpflichten, Druck auf Russland auszu\u00fcben, sprach Trump jetzt von gemeinsamen Bem\u00fchungen um die Beendigung des Krieges \u2013 eine \u00c4u\u00dferung, die im Widerspruch zu seinen Versuchen seit Beginn der zweiten Amtszeit steht, China aus den Gespr\u00e4chen \u00fcber die Ukraine herauszuhalten. Auch wenn China seit Anfang 2025 nach au\u00dfen hin keine Verlautbarungen \u00fcber die <a href=\"https:\/\/www.die-tagespost.de\/schlagwort\/ukraine-krise\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ukraine-Krise<\/a> mehr get\u00e4tigt hat, ist das Land doch nach wie vor daran interessiert, hier eine Rolle spielen zu k\u00f6nnen, weil die chinesische F\u00fchrung nur so meint, verhindern zu k\u00f6nnen, dass China selbst ins Visier ger\u00e4t, sobald der Krieg beendet ist.<\/p>\n<p>Russland ist und bleibt der Elefant im Raum<\/p>\n<p>Trump sieht die Welt als von drei Gro\u00dfm\u00e4chten beherrscht. Sein Ziel ist es, die Vorherrschaft \u00fcber die Welt zu bewahren, indem er zeigt, dass die USA in der Lage sind, die Handlungsoptionen der beiden Rivalen, China und Russland, einzuschr\u00e4nken. Zun\u00e4chst hat er die Strategie verfolgt, durch eine Normalisierung der Beziehungen zu Russland China zu schw\u00e4chen. Doch aus dem Keil, den er zwischen China und Russland treiben wollte, ist nichts geworden. So bleibt ihm nichts anderes \u00fcbrig, als immer dann, wenn Russland seinen W\u00fcnschen nicht folgt, die chinesische Karte zu spielen, und andersherum. Was weltweit als Strategielosigkeit des US-Pr\u00e4sidenten wahrgenommen wird, ist bis zu einem gewissen Grad die logische Konsequenz der Verfolgung seines obersten Ziels: Make America great again.<\/p>\n<p>China hat das durchschaut und glaubt auch daran, dass die Welt von China, Russland und den USA bestimmt wird. Es m\u00f6chte dabei Gleichrangigkeit mit den USA erlangen und Russland an seiner Seite sehen, damit es mehr Verhandlungsmacht gegen\u00fcber den USA gewinnt. Keinesfalls darf aus chinesischer Sicht Russland zu den USA \u00fcberlaufen und seine Beziehungen zu China zur\u00fcckfahren. Nur mit Russland im R\u00fccken kann China n\u00e4mlich die USA davon abhalten, sich in eine eventuelle milit\u00e4rische Auseinandersetzung \u00fcber Taiwan einzumischen. Russland ist deshalb \u201eder Elefant im Raum\u201c. \u00d6ffentlich wird nicht \u00fcber Russland gesprochen, und doch steht das Verh\u00e4ltnis zu Russland sowohl f\u00fcr die USA als auch f\u00fcr China stets im Hintergrund.<\/p>\n<p>Keine der drei selbsternannten Weltm\u00e4chte sieht Europa als Vierten im Bunde. Die Zeiten, da die USA an einer engen Zusammenarbeit mit Europa interessiert waren, scheinen zu Ende zu gehen. Und auch China sucht nach anderen Optionen, nachdem die wiederholten Ann\u00e4herungsversuche seit Beginn der zweiten Pr\u00e4sidentschaft Trumps nicht gefruchtet haben. Dass Russland eine M\u00f6glichkeit der Zusammenarbeit sieht, ist zumindest unter den augenblicklichen Bedingungen undenkbar. Daran l\u00e4sst sich erkennen, dass wirtschaftliche St\u00e4rke, werteorientierte Politik und kulturelle Ausstrahlung nicht die objektiven Kriterien sind, nach denen Weltm\u00e4chte bestimmen, wer eine Weltmacht ist. Sie ringen sich vielmehr die gegenseitige Anerkennung als Weltmacht ab und verweigern anderen den Zutritt.<\/p>\n<p>Auf dem Gipfeltreffen von Trump und Xi in Busan ging es nicht um einen \u201eDeal\u201c \u00fcber Exportkontrollen und Z\u00f6lle, sondern darum, inwieweit die USA China als Weltmacht anerkennen. China ist bereit, f\u00fcr die Anerkennung einiges an W\u00fcnschen ad acta zu legen. Die USA wissen, dass sie ihre Rolle als Welthegemon ausgespielt haben, wenn sie China als gleichrangig anerkennen. Das versuchen sie immer noch zu verhindern, auch wenn Donald Trump verbal einer solchen Anerkennung schon wieder ein St\u00fcck n\u00e4hergekommen ist. In diesem Sinne hat das Gipfeltreffen keinen Sieger und keinen Verlierer.<\/p>\n<p>Die Autorin ist China-Expertin. Sie war Universit\u00e4tsprofessorin f\u00fcr Sinologie in Heidelberg und Wien.<\/p>\n<p>Die Printausgabe der Tagespost vervollst\u00e4ndigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergr\u00fcnden und Analysen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das Gipfeltreffen zwischen Xi Jinping und Donald Trump fand am 30. 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