{"id":553624,"date":"2025-11-05T19:55:12","date_gmt":"2025-11-05T19:55:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/553624\/"},"modified":"2025-11-05T19:55:12","modified_gmt":"2025-11-05T19:55:12","slug":"fluechtlinge-so-viele-ukrainer-wollen-fuer-immer-in-deutschland-bleiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/553624\/","title":{"rendered":"Fl\u00fcchtlinge: So viele Ukrainer wollen \u201ef\u00fcr immer\u201c in Deutschland bleiben"},"content":{"rendered":"<p>Wie blicken Ukraine-Fl\u00fcchtlinge auf ihr Leben in der Bundesrepublik? Eine Studie beleuchtet, wie Erwachsene und Minderj\u00e4hrige etwa ihre Bleibeperspektive sowie ihre Integration bewerten. Beim Spracherwerb stellen die Forscher eine Auff\u00e4lligkeit fest.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Deutschland ist f\u00fcr viele Ukrainer kein Zwischenstopp mehr, sondern der Ort f\u00fcr einen Neuanfang: Fast sechs von zehn Fl\u00fcchtlingen aus dem osteurop\u00e4ischen Land wollen l\u00e4ngerfristig hier leben, wie eine <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.bib.bund.de\/Publikation\/2025\/pdf\/Schutzsuchende-aus-der-Ukraine-in-Deutschland.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=2\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.bib.bund.de\/Publikation\/2025\/pdf\/Schutzsuchende-aus-der-Ukraine-in-Deutschland.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=2&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Studie des Bundesinstituts f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsforschung<\/a> (BiB) zeigt. Demnach planen 59 Prozent aller Befragten f\u00fcr immer oder f\u00fcr mehrere Jahre in Deutschland zu leben. <\/p>\n<p>Vor allem die Erwachsenen haben sich auf ein Leben hierzulande eingestellt. 49 Prozent von ihnen wollen \u201ef\u00fcr immer\u201c bleiben. Unter Kindern und Jugendlichen sind es 34 Prozent. Ob sie ihre Zukunft in Deutschland sehen, h\u00e4ngt den Forschern zufolge auch davon ab, wie gut sie Deutsch sprechen und ob sie hier enge Freunde gefunden haben. Geringer ist die Bleibeabsicht, wenn Kinder neben dem deutschen Schulunterricht weiterhin an ukrainischem Onlineunterricht teilnehmen.<\/p>\n<p>Die Sprachkenntnisse ukrainischer Kinder und Jugendlicher haben sich den Ergebnissen zufolge in den vergangenen drei Jahren deutlich verbessert. W\u00e4hrend 2022 noch 92 Prozent ihre Deutschkenntnisse als \u201egar nicht\u201c oder \u201eeher schlecht\u201c bezeichneten, sind es inzwischen nur noch 13 Prozent. Fast die H\u00e4lfte (48 Prozent) h\u00e4lt ihre Sprachkenntnisse mittlerweile f\u00fcr gut bis sehr gut.<\/p>\n<p>Auch Erwachsene machen demnach Fortschritte, wenn auch langsamer. 2022 gaben 89 Prozent von ihnen an, kaum Deutsch-Kenntnisse zu haben. Heute sind es 59 Prozent. Acht Prozent bezeichneten ihre Kenntnisse als \u201egut bis sehr gut\u201c. Katharina Spie\u00df, Direktorin des BiB, betont: \u201eWir wissen, dass Sprache f\u00fcr Teilhabe an der Gesellschaft absolut essenziell ist.\u201c <\/p>\n<p>Bemerkenswert ist dem BiB zufolge, dass die Sprachkompetenz der Eltern eng mit der ihrer Kinder verkn\u00fcpft ist. Wenn ukrainische M\u00fctter und V\u00e4ter wenig Deutsch sprechen, fielen auch die Sprachkenntnisse der Kinder schlechter aus. Das sei bei Ukrainern anders als bei anderen Migrantengruppen, in denen Kinder oft schneller Deutsch lernten, um ihre Eltern im Alltag zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Das Schulzugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl der befragten Kinder und Jugendlichen f\u00e4llt unterdurchschnittlich aus. Lediglich 63 Prozent der ukrainischen Kinder in Deutschland gaben an, sich in ihrer Schule zugeh\u00f6rig zu f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Zum Vergleich: In Deutschland liegt dieser Wert der Pisa-Studie 2022 zufolge insgesamt bei 76 Prozent, in der Ukraine bei 84 Prozent. Syrische und afghanische Kinder h\u00e4tten in Deutschland schon nach kurzer Zeit ein st\u00e4rkeres Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl entwickelt, betonen die Forscher der aktuellen Erhebung. Dieses Gef\u00fchl sei entscheidend f\u00fcr das Wohlbefinden und f\u00fcr erfolgreiches Lernen.<\/p>\n<p>Zahl der Erwerbst\u00e4tigen steigt<\/p>\n<p>Aus den Ergebnissen der Studie geht au\u00dferdem hervor, dass die Erwerbst\u00e4tigenquote der 20- bis 50-j\u00e4hrigen Ukrainer im ersten Befragungszeitraum im Herbst 2022 bei 18 Prozent lag. Bis zum Fr\u00fchsommer 2025 ist die Quote den Studienautoren zufolge auf 53 Prozent angestiegen.<\/p>\n<p>Vor allem im vergangenen Jahr sei der Anstieg besonders ausgepr\u00e4gt gewesen. Lag die Quote zwischen M\u00e4rz und April 2024 noch bei 32 Prozent, war sie im November bereits auf 46 Prozent gestiegen. \u201eDamit verl\u00e4uft die <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article68ac4ffbaf05a85a3b98e9c6\/Fluechtlinge-68-Prozent-in-Beschaeftigung-Die-Fragezeichen-hinter-der-Wir-schaffen-das-Studie.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article68ac4ffbaf05a85a3b98e9c6\/Fluechtlinge-68-Prozent-in-Beschaeftigung-Die-Fragezeichen-hinter-der-Wir-schaffen-das-Studie.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Arbeitsmarktintegration<\/a> der ukrainischen Schutzsuchenden bisher deutlich schneller als f\u00fcr Schutzsuchende aus anderen Herkunftsregionen\u201c, urteilen die Forscher. 27 Prozent der Befragten waren im Befragungszeitraum im Sommer 2025 arbeitslos.<\/p>\n<p>Aus den Daten zeigt sich auch, dass die in Deutschland Schutz suchenden Ukrainer im Vergleich zur Gesamtbev\u00f6lkerung<b> <\/b>in der Ukraine durchschnittlich j\u00fcnger und besser ausgebildet sind. 60 Prozent haben demnach einen terti\u00e4ren Bildungsabschluss, also eine h\u00f6here berufliche oder akademische Qualifikation, zum Beispiel einen <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/plus256401266\/Studium-Der-Nutzwert-eines-Universitaetsabschlusses-liegt-heute-praktisch-bei-null.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/plus256401266\/Studium-Der-Nutzwert-eines-Universitaetsabschlusses-liegt-heute-praktisch-bei-null.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Universit\u00e4tsabschluss,<\/a> einen Meister- oder Fachwirtabschluss. Auff\u00e4llig ist jedoch: Je sp\u00e4ter die Menschen nach Deutschland kamen, desto niedriger fiel das Qualifikationsniveau aus.<\/p>\n<p>Lag der Anteil der ukrainischen Staatsb\u00fcrger mit terti\u00e4rem Bildungsabschluss, die zwischen Februar und M\u00e4rz 2022 einreisten, bei 62 Prozent, sank er bei jenen, die nach Januar 2023 ins Land kamen, um acht Prozentpunkte. Das best\u00e4tige bisherige Forschungsergebnisse, schreiben die Autoren. Fr\u00fch Gefl\u00fcchtete seien tendenziell besser ausgebildet, wohlhabender und risikobereiter. Die Forscher warnen: \u201eDamit einhergeht die Vermutung, dass es durch die weitere Aufnahme von Schutzsuchenden zu steigenden Herausforderungen kommt.\u201c <\/p>\n<p>Die Flucht hat offenbar viele Familienbeziehungen ver\u00e4ndert. 24 Prozent der ukrainischen Frauen kamen zwischen Februar und Juni 2022 gemeinsam mit ihrem Partner nach Deutschland. 31 Prozent gaben an, dass ihr Partner in der Ukraine oder einem anderen Land geblieben sei. 45 Prozent waren demnach alleinstehend.<\/p>\n<p>Von den Frauen, die damals keinen Partner hatten, leben heute 22 Prozent in einer Beziehung.<b> <\/b>Zudem haben sich viele von ihrem Partner getrennt, der in der Ukraine blieb \u2013 die Trennungsquote liegt bei 29 Prozent. Die Flucht vor dem Krieg habe als Trennungskatalysator fungiert, sagt Kerstin Ruckdeschel, wissenschaftliche Mitarbeiterin am BiB. \u201eEhen waren dabei stabiler \u00fcber die r\u00e4umliche Trennung hinweg. Trennungen waren wahrscheinlicher, wenn die Partner noch nicht verheiratet waren.\u201c<\/p>\n<p>Frauen, die langfristig in Deutschland bleiben wollen, trennen sich laut Erhebung h\u00e4ufiger von ihrem Partner im Heimatland. Jede zweite Frau, die mit ihrem Partner gefl\u00fcchtet war, m\u00f6chte dauerhaft bleiben; bei Frauen mit Partner im Ausland sind es nur 27 Prozent.<\/p>\n<p>Insgesamt leben in Deutschland derzeit rund 1,2 Millionen Ukrainer \u2013 mehr als in jedem anderen Land in Europa. Damit geh\u00f6ren sie nach Angaben des Statistischen Bundesamts zufolge innerhalb Deutschlands mittlerweile zur gr\u00f6\u00dften Gruppe Schutzsuchender und zur zweitgr\u00f6\u00dften Gruppe an Menschen mit ausl\u00e4ndischer Staatsangeh\u00f6rigkeit. 43 Prozent der Ukrainer in Deutschland sind j\u00fcnger als 30 Jahre, zehn Prozent sind \u00e4lter als 65 Jahre. Damit sind sie deutlich j\u00fcnger als die deutsche Bev\u00f6lkerung. Der Anteil der \u00fcber 65-J\u00e4hrigen liegt hierzulande bei 25 Prozent, der der jungen Menschen unter 30 Jahren bei 29 Prozent. <\/p>\n<p>Der Gesundheitszustand der Ukrainer liegt der Studie zufolge auf einem \u00e4hnlichen Niveau wie in Deutschland insgesamt. Auf einer Skala von eins (sehr schlecht) bis f\u00fcnf (sehr gut) gaben die Befragten im Schnitt 3,5 Punkte an, was fast identisch mit dem deutschen Durchschnitt von 3,6 ist. F\u00fcr die Studie wurden den Autoren zufolge 40.000 Interviews zwischen 2022 und 2025 gef\u00fchrt. <\/p>\n<p><b>Politikredakteur <\/b><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/nicolas-walter\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/nicolas-walter\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><b>Nicolas Walter <\/b><\/a><b>berichtet f\u00fcr WELT \u00fcber gesellschaftspolitische Entwicklungen im In- und Ausland.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wie blicken Ukraine-Fl\u00fcchtlinge auf ihr Leben in der Bundesrepublik? 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