{"id":554531,"date":"2025-11-06T04:37:33","date_gmt":"2025-11-06T04:37:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/554531\/"},"modified":"2025-11-06T04:37:33","modified_gmt":"2025-11-06T04:37:33","slug":"lebensmittelinflation-wenn-essen-zum-luxus-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/554531\/","title":{"rendered":"Lebensmittelinflation: Wenn Essen zum Luxus wird"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/supermarkt-kuehlregal-102.jpg\" alt=\"Eine Kundin steht in einem Supermarkt vor dem K\u00fchlregeal.\" title=\"Eine Kundin steht in einem Supermarkt vor dem K\u00fchlregeal. | picture alliance\/dpa\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 05.11.2025 12:44 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Teures Brot, Obst oder Gem\u00fcse ist f\u00fcr immer mehr Menschen ein gro\u00dfes Problem. Aus Verzweiflung greifen viele zu dem, was andere wegwerfen. Eine EZB-Studie zeigt das Ausma\u00df der Lebensmittelinflation. <\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/christof-doerr-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Christof D\u00f6rr \" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/doerr-102.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das Team vom Verein Foodsharing in Kassel rettet Lebensmittel, die sonst auf dem M\u00fcll gelandet w\u00e4ren. Sie gelten in Superm\u00e4rkten als unverk\u00e4uflich oder haben ihr Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht. Kiloweise Gem\u00fcse, Obst und Backwaren kommen so jeden Tag zusammen und werden kostenlos verteilt. Die Nachfrage wird immer gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch der Mittelschicht f\u00e4llt es immer schwerer, sich ausreichend Nahrung leisten zu k\u00f6nnen, sagt Brigitte Utes. Sie habe es gerade erst erlebt, als sie einen der vereinseigenen Schr\u00e4nke bef\u00fcllen wollte. &#8222;Das war gar nicht m\u00f6glich, weil so viele Menschen schon auf mich gewartet haben.&#8220; Immer wenn sie die n\u00e4chste Box aus dem Auto holen wollte, sei der Schrank sofort wieder leer gewesen. &#8222;Alles, was ich einger\u00e4umt habe, ist sofort wieder rausgenommen worden.&#8220;<\/p>\n<p>    Auf dem Tisch statt im M\u00fcll<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ihre Kollegin Gabriela Regenbogen unterst\u00fctzt den Verein seit 2018 im Kasseler Stadtteil Kirchditmold. Hier hat sich die Klientel deutlich ge\u00e4ndert. &#8222;Auch die Mittelschicht knappst und ist froh, wenn sie irgendwo Geld sparen kann.&#8220; Der Stadtteil ist eigentlich einer der wohlhabenderen Kassels. Doch so pauschal gelte das l\u00e4ngst nicht mehr. Und: &#8222;Die Scham ist weniger geworden.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Gabriela Regenbogen sagt, dass die Foodsharer versuchen das aufzufangen, was das System nicht mehr schafft. &#8222;Hier h\u00f6re ich ganz h\u00e4ufig: Was f\u00fcr ein Gl\u00fcck, dass es sie gibt! Ach wie toll, dass h\u00e4tte ich mir sonst nicht leisten k\u00f6nnen.&#8220; Biobrot, Weintrauben, generell Produkte, die im Supermarkt etwas teurer sind, f\u00fchren zu r\u00fchrenden Geschichten bei denen, die sie abholen.<\/p>\n<p>    Wenn Lebensmittel wehtun<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das Problem der steigenden Lebensmittelpreise ist mittlerweile so massiv, dass es sogar die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) in Frankfurt besch\u00e4ftigt. Eigentlich ist man hier mit der Entwicklung der Gesamtinflation sehr zufrieden. Die setzt sich aus vier Bereichen zusammen: Energie, Dienstleistungen und Konsumg\u00fcter und eben Lebensmittel.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das Niveau der Preise f\u00fcr drei Bereiche sei gut, nur die Lebensmittel tanzten aus der Reihe, sagt Christiane Nickel. Sie ist die stellvertretende Generaldirektorin Volkswirtschaft bei der EZB. &#8222;Momentan liegt die Steigerungsrate der Lebensmittelpreise bei rund drei Prozent, w\u00e4hrend der gesamte Rest so bei zwei Prozent oder sogar darunter ist.&#8220; Christiane Nickel und ihr Team wollten ganz genau wissen, warum das so ist und so haben eine Studie in Auftrag gegeben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><a href=\"https:\/\/www.ecb.europa.eu\/press\/blog\/date\/2025\/html\/ecb.blog20250925~7fd65a388a.en.html\" title=\"EZB-Studie\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Diese tr\u00e4gt den Titel: &#8222;Wenn Lebensmittel wehtun&#8220;.<\/a> Lebensmittel seien eine Produktgruppe, mit der die Menschen tagt\u00e4glich zu tun haben, &#8222;weil sie halt essen m\u00fcssen&#8220;, sagt Nickel. Dadurch seien Verbraucher t\u00e4glich mit den Preisen konfrontiert und im Endeffekt auch belastet. Jeder wisse genau, was sein Kaffee koste. Jede Ver\u00e4nderung ist so direkt sp\u00fcrbar.<\/p>\n<p>    Preisanstieg um bis zu 60 Prozent<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr ihre Studie haben die Autoren Nahrungsmittelpreise seit Ende 2019, also seit der Zeit vor der Pandemie, miteinander verglichen. F\u00fcr die Zentralb\u00e4nker ist es wichtig zu wissen, woher es kommt, dass auf der einen Seite das Gesamtinflationsziel von zwei Prozent fast erreicht sei, auf der anderen Seite aber, das Gef\u00fchl der Menschen bei ihrem Wocheneinkauf ein anderes sei. Und dieses Gef\u00fchl kann die Studie der EZB nun mit Zahlen untermauern.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Es liegt tats\u00e4chlich an den Lebensmittelpreisen, die im Moment das Lebensgef\u00fchl befeuern, dass einfach alles teuer geworden ist&#8220;, sagt Christiane Nickel von der EZB. Die Fleischpreise f\u00fcr Rind, Gefl\u00fcgel und Schwein haben seit 2019 um mehr als 30 Prozent zugelegt. Die Milchpreise sind um rund 40 Prozent gestiegen. Die Butterpreise sogar um 50 Prozent. Spitzenreiter sind Kakao und Schokolade mit rund 60 Prozent Preisanstieg.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Was die Lebensmittel im Moment so teuer macht, sind vor allem zwei Faktoren. Zum einen die gestiegenen Energiepreise. Viele Lebensmittel werden sehr energieintensiv hergestellt und das hat dann eine direkte Auswirkung auf die Preise&#8220;, erkl\u00e4rt Nickel die Ergebnisse der Studie.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Aber auch der Klimawandel ist ein wichtiger Faktor. Die Erdtemperatur steigt und das bedeutet, dass man gr\u00f6\u00dfere Gebiete hat, die zum Beispiel D\u00fcrren ausgesetzt sind.&#8220; Dieser Faktor habe vor allem bei den enormen Preissteigerungen von Kakao und Kaffee eine entscheidende Rolle gespielt, weil ganze Ernten ausgefallen sind.<\/p>\n<p>    Ein Schrecken ohne Ende &#8211; oder nicht?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die EZB-Studie hat den gesamten Euroraum untersucht und festgestellt: Der Anstieg der Lebensmittelpreise variiert stark. Spitzenreiter ist Estland mit 57 Prozent. Deutschland liegt mit 37 Prozent im oberen Mittelfeld. Zypern hat mit 20 Prozent die geringste Lebensmittelinflation erlebt. Christiane Nickel glaubt aber nicht, dass sich die Preisspirale in dem Bereich auch weiterhin immer rasanter nach oben drehen wird.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Der Lebensmittelinflation per se zu entgehen ist nat\u00fcrlich schwierig, weil man essen muss. Diese ganz starken Preissteigerungsraten, die wir nach der Pandemie hatten, die sehen wir momentan aber nicht.&#8220; Und in die Zukunft geblickt sehen die Studienmacher der EZB, dass die Inflationserwartungen auch stark bei diesen zwei Prozent geankert sind. &#8222;Wir erwarten nicht, dass die Inflation in Zukunft stark von diesem Ziel abweicht&#8220;, sagt Nickel.<\/p>\n<p>    Helfen, weil das System versagt<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Eine Erkenntnis aus der Studie der Europ\u00e4ischen Zentralbank bekommen die Lebensmittelretter in Kassel tagt\u00e4glich zu sp\u00fcren. Geringverdiener sind von den Preissteigerungen deutlich mehr betroffen als Menschen mit h\u00f6heren Einkommen. Der Grund: Bei Haushalten mit geringem Einkommen ist der prozentuale Anteil, der f\u00fcr Grundbed\u00fcrfnisse wie Lebensmittel ausgegeben wird, wesentlich h\u00f6her als bei wohlhabenderen Haushalten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Bei ihnen machen Lebensmittel oft mehr als 20 Prozent des Gesamtbudgets aus. Steigen die Lebensmittelpreise, schrumpft das verf\u00fcgbare Budget f\u00fcr andere Ausgaben oder R\u00fccklagen st\u00e4rker. &#8222;Fr\u00fcher lag der Fokus beim Foodsharing auf dem Umweltaspekt. Wir wollten Lebensmittel vor der M\u00fclltonne retten&#8220;, erkl\u00e4rt Gabriela Regenbogen. Das langfristige Ziel war es, die Verschwendung von genie\u00dfbaren Lebensmitteln zu beenden. &#8222;Das Ziel ist nat\u00fcrlich geblieben, aber es ist etwas in den Hintergrund getreten.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der neue Fokus: versuchen das aufzufangen, was das System immer weniger schafft. Alle Menschen mit ausreichend Lebensmitteln zu versorgen. &#8222;Lebensmittelinflation&#8220; klingt abstrakt nach Wirtschaft, aber sie ist im K\u00fchlschrank, der immer leerer wird, ganz real zu sp\u00fcren. W\u00e4hrend die EZB auf langfristige Entspannung hofft, suchen viele nach Alternativen. Und immer mehr greifen mittlerweile zu dem, was andere wegwerfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 05.11.2025 12:44 Uhr Teures Brot, Obst oder Gem\u00fcse ist f\u00fcr immer mehr Menschen ein gro\u00dfes Problem. 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