{"id":554794,"date":"2025-11-06T07:04:15","date_gmt":"2025-11-06T07:04:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/554794\/"},"modified":"2025-11-06T07:04:15","modified_gmt":"2025-11-06T07:04:15","slug":"emissionen-reduzieren-eu-beschliesst-klimaziel-2040-mit-schlupfloechern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/554794\/","title":{"rendered":"Emissionen reduzieren: EU beschlie\u00dft Klimaziel 2040 \u2013 mit Schlupfl\u00f6chern"},"content":{"rendered":"<p>06.11.2025 \u2013 Nur wenige Tage vor der COP30 in Bel\u00e9m haben sich die EU-Umweltminister:innen am Dienstagabend auf ein Klimaziel geeinigt. Bis 2035 soll der Treibhausgasaussto\u00df EU-weit um 66,25 &#8211; 72,5 Prozent im Vergleich zu 1990 sinken, bis 2040 um 90 Prozent. F\u00fcr bis zu f\u00fcnf Prozent der Reduktion d\u00fcrfen internationale CO2-Zertifikate genutzt werden. Weiterhin wird der Emissionshandel f\u00fcr Geb\u00e4ude und Verkehr um ein Jahr auf 2028 verschoben und weitere Abschw\u00e4chungen des Ziels bei Schwierigkeiten in den kommenden Jahren bleiben ausdr\u00fccklich m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Der nun beschlossene Kompromiss legt zwar auf dem Papier mit der Reduktion um 90 Prozent zumindest das Minimum dessen fest, was der EU-Klimabeirat gefordert hat. Mit den beschlossenen Schlupfl\u00f6chern und offensichtlichen weiteren Verz\u00f6gerung von Ma\u00dfnahmen d\u00fcrfte es jedoch kaum umsetzbar sein. Klima- und Umweltschutzorganisationen sehen in dem Beschluss einen verw\u00e4sserten Minimalkompromiss und zeigten sich entt\u00e4uscht.<\/p>\n<p>\u201eDie EU f\u00e4hrt mit einem schwachen Klimaziel nach Bel\u00e9m und ignoriert die Warnung der Wissenschaft. Mit ihrem kurz vor knapp beschlossenen 2035-Klimaziel bleibt die EU deutlich zur\u00fcck hinter den Empfehlungen ihres eigenen Klimabeirats\u201c, kritisiert Sarah Zitterbarth, Greenpeace-Expertin f\u00fcr internationale Klimapolitik. \u201eIhr ebenfalls beschlossenes CO2-Ziel f\u00fcr 2040 von minus 90 Prozent kann die EU so kaum erreichen. Dazu m\u00fcssten die Emissionen im Jahr 2035 schon um mindestens 77 Prozent zur\u00fcckgehen. F\u00fcr die Glaubw\u00fcrdigkeit der EU ist das fatal. Noch herber wird der R\u00fcckschlag dadurch, dass einige Mitgliedstaaten durchgesetzt haben, Klimaschutz \u00fcber noch mehr fragw\u00fcrdige CO2-Zertifikate auszulagern, statt die Emissionen in Europa mit dem n\u00f6tigen Tempo zu senken.\u201c<\/p>\n<p>Emissionsreduzierung wird teilweise ausgelagert<\/p>\n<p>Besonders Frankreich, Italien und Polen hatten Druck ausge\u00fcbt, um das bereits geplante Schlupfloch von drei Prozent internationaler Emissionsgutschriften weiter auf 5 Prozent auszuweiten. Tats\u00e4chlich m\u00fcssen Emissionen in Europa also nur um 85 Prozent bis 2040 sinken. Die weiteren f\u00fcnf Prozent d\u00fcrfen \u00fcber von der EU finanzierte Klimaprojekte in L\u00e4nder au\u00dferhalb der EU ausgelagert werden. Dabei handelt es sich um Investitionen um die 100 Milliarden Euro \u2013 Geld, das entsprechend f\u00fcr Klimaschutz innerhalb der EU fehlen wird. Dies schw\u00e4cht langfristig die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der EU-Wirtschaft, da die Investitionen in eine gr\u00fcne Transformation ins Ausland verlagert werden. Auch Qualit\u00e4tskriterien f\u00fcr diese internationalen Gutschriften, wie sie im deutschen Koalitionsvertrag gefordert waren, sind noch nicht vereinbart. Zudem sollen potenziell noch zus\u00e4tzliche internationale Zertifikate zum Erreichen ihrer Ziele zugelassen werden, falls einzelne Staaten bei \u00dcberpr\u00fcfungen ihre Ziele nicht erreichen. Das Klimaziel der EU wird so verw\u00e4ssert und verliert an Glaubw\u00fcrdigkeit.<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcrs Klima ist das eine Verhandlungsniederlage, auch wenn sich Umweltminister Carsten Schneider mit Verve f\u00fcr ein besseres Ergebnis eingesetzt hat. Geschw\u00e4cht war Schneiders Verhandlungsposition durch das uneinheitliche Bild der Bundesregierung im Vorfeld. Energieministerin Katherina Reiche hat den Einsatz f\u00fcr ein glaubw\u00fcrdiges 2035-Ziel abgebremst\u201c, kritisiert Christoph Bals, Politik-Vorstand von Germanwatch.<\/p>\n<p>Auch Michael Bloss, Gr\u00fcnen\/EFA-Schattenberichterstatter im mitberatenden Industrieausschuss, kritisiert die Emissionszertifikate, die unklare Position Deutschlands und die Verz\u00f6gerungstaktik der EVP. Die Blockadehaltung des deutschen Bundeskanzlers und das Hickhack mit dem SPD-gef\u00fchrten Umweltministerium h\u00e4tten im Vorfeld unn\u00f6tig Unsicherheit \u00fcber die deutsche Position gestiftet.<\/p>\n<p>Ein Plan wie ein Schweizer K\u00e4se<\/p>\n<p>\u201eWenn das Gesetz so beschlossen w\u00fcrde, droht uns ein Schweizer K\u00e4se bei der Klima-Architektur\u201c, warnt Charly Heberer, Referent f\u00fcr EU-Klimapolitik bei Germanwatch. Besonders problematisch findet er die anvisierte Verschiebung des neuen Emissionshandels um ein Jahr sowie die m\u00f6gliche Abschw\u00e4chung des gerade beschlossenen Ziels bei k\u00fcnftigen \u00dcberpr\u00fcfungen. Die Mitgliedstaaten wollten insbesondere eine Klausel aufnehmen, dass die Ziele f\u00fcr nat\u00fcrliche Kohlenstoffsenken nicht erreicht werden m\u00fcssten. \u201eDabei haben sie es selbst in der Hand, beim Schutz von W\u00e4ldern, Mooren und Gr\u00fcnland nachzubessern\u201c, so Heberer. Er fordert das Europ\u00e4ische Parlament auf, die riesigen Schlupfl\u00f6cher in den anstehenden Verhandlungen zu schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Noch hat die EU die Chance, ihr Klimaziel w\u00e4hrend der COP30 endg\u00fcltig zu beschlie\u00dfen \u2013 m\u00f6glichst mit weniger Schlupfl\u00f6chern. Die finale Plenarabstimmung zu den EU-Klimazielen ist f\u00fcr Donnerstag, 13. November, geplant. \u201eEin ambitioniertes EU-Klimaziel schafft Stabilit\u00e4t, Vertrauen und Planungssicherheit f\u00fcr dringend notwendige Investitionen\u201c, betont Bloss. Die Einigung am Dienstag folgte auf lange Verhandlungen und verpasste Fristen. Bereits Anfang des Jahres, sp\u00e4testens jedoch im September h\u00e4tte die EU ihre <a href=\"https:\/\/www.energiezukunft.eu\/politik\/verschaerfte-klimaziele-zu-wenig-zu-spaet\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">aktualisierten NDCs<\/a> dem Pariser Klimaabkommen nach bei der UN einreichen sollen. Ohne ambitionierte Emissionsreduktion bleiben die Pariser Klimaziele unerreichbar. Der Emissions Gap Report hat erst k\u00fcrzlich gezeigt, dass die Welt derzeit auf eine Erw\u00e4rmung von 2,8 Grad bis 2100 zusteuert. jb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"06.11.2025 \u2013 Nur wenige Tage vor der COP30 in Bel\u00e9m haben sich die EU-Umweltminister:innen am Dienstagabend auf ein&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":554795,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,58688,548,663,158,3934,3935,13,3960,14,15,12],"class_list":{"0":"post-554794","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-co2-emissionen","11":"tag-eu","12":"tag-europa","13":"tag-europaeische-union","14":"tag-europe","15":"tag-european-union","16":"tag-headlines","17":"tag-klimaziele","18":"tag-nachrichten","19":"tag-news","20":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115501483168323084","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/554794","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=554794"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/554794\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/554795"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=554794"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=554794"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=554794"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}