{"id":555189,"date":"2025-11-06T10:47:17","date_gmt":"2025-11-06T10:47:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/555189\/"},"modified":"2025-11-06T10:47:17","modified_gmt":"2025-11-06T10:47:17","slug":"klimakonferenz-in-brasilien-vielleicht-ist-dies-der-richtige-moment","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/555189\/","title":{"rendered":"Klimakonferenz in Brasilien: &#8222;Vielleicht ist dies der richtige Moment&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/marina-silva-102.jpg\" alt=\"Marina Silva\" title=\"Marina Silva | dpa\"\/><\/p>\n<p>                    <strong>interview<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 06.11.2025 09:25 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Der Klimawandel ist mittlerweile die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung f\u00fcr den Regenwald. Brasiliens Umweltministerin Silva erkl\u00e4rt bei tagesschau.de, warum Bel\u00e9m der richtige Ort f\u00fcr die Konferenz ist. Heute treffen die ersten Regierungschefs ein.<\/strong>\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>tagesschau.de: <\/strong>Frau Silva, Sie stammen aus Acre, einem Bundesstaat im westlichen Amazonasgebiet. Inwieweit ist der Schutz dieser Region f\u00fcr Sie ein pers\u00f6nliches Anliegen?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>Marina Silva: <\/strong>Ich habe dort mit meiner Familie gelebt, bis ich 16 war. Der Wald war unsere Lebensgrundlage und Identit\u00e4t. Er versorgte uns mit Nahrung und Arbeit. Mein Vater hat Kautschuk geerntet, meine Mutter betrieb nachhaltige Landwirtschaft, meine Gro\u00dfmutter war Hebamme, als es dort noch keinen Arzt gab. Und ich hatte einen Onkel, der in die Geheimnisse des Waldes eingeweiht war.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Angesichts der schieren Gr\u00f6\u00dfe des Amazonas k\u00f6nnen wir durch diesen Ort verstehen, wie klein wir sind. Doch obwohl der Amazonas riesig ist und wir klein, sind wir leider in der Lage, ihn schwer zu sch\u00e4digen. Seit ich Teil des \u00f6ffentlichen Lebens und der politischen Sph\u00e4re bin &#8211; ich habe nicht in der Politik angefangen, sondern in den sozialen Bewegungen &#8211; ist einer der Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr mein politisches Handeln der Schutz der W\u00e4lder. Ich sage W\u00e4lder, weil wir im Fall Brasiliens nicht nur \u00fcber das Amazonasgebiet sprechen, sondern auch \u00fcber die Mata Atlantica, den Cerrado, den Caatinga, das Pantanal und das Biom der Pampa.<\/p>\n<p>Marina Silva<\/p>\n<p>        Brasiliens Umweltministerin Marina Silva wurde 1958 in Rio Branco geboren, einer Stadt in Acre, dem westlichsten Bundesstaat des Landes. Im Alter von sechs Jahren musste sie in den Kautschukw\u00e4ldern arbeiten, um ihre Familie finanziell zu unterst\u00fctzen. Im Alter von 16 Jahren brachte Silva sich selbst Lesen und Schreiben bei, zehn Jahrr sp\u00e4ter schloss sie ein Studium als Historikerin ab. In den Achtzigerjahren engagierte sie sich aktiv f\u00fcr den Umweltschutz und gegen die Milit\u00e4rdiktatur. Mit 36 Jahren wurde sie zur j\u00fcngsten Senatorin in der Geschichte des Landes gew\u00e4hlt. Marina Silva war bereits in der ersten Regierung von Pr\u00e4sident Lula da Silva ab 2003 Umweltministerin. 2009 verlie\u00df Marina Silva die Regierung Lulas im Streit um den Schutz des Amazonas und trat aus der gemeinsamen sozialistischen Arbeiterpartei aus. 2023 ernannte er sie dennoch erneut zur Umweltministerin.<\/p>\n<p>    &#8222;Gro\u00dfe Herausforderung&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>tagesschau.de: <\/strong>Brasilien ist das einzige Land, das zugesichert hat, von 2030 an keine Waldfl\u00e4chen mehr zu roden. Wie wollen Sie dieses Ziel erreichen?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>Silva: <\/strong>Um illegale Aktivit\u00e4ten zu bek\u00e4mpfen, verbessern wir die \u00dcberwachung. Au\u00dferdem unterstu\u0308tzen wir nachhaltige, produktive Aktivit\u00e4ten, weil man die Entwaldung nicht nur durch Kontrolle zur\u00fcckdr\u00e4ngen kann. Zum Beispiel durch Tourismus und die Schaffung einer Bioindustrie, mit der lokale Gemeinschaften gest\u00e4rkt werden sollen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wir haben die Entscheidung getroffen, dass 50 Millionen Hektar Wald nicht mehr umgewandelt werden du\u0308rfen. Sie werden als Naturschutzgebiete, nationale W\u00e4lder, Gebiete mit nachhaltiger Waldbewirtschaftung oder fu\u0308r indigene Gemeinschaften ausgewiesen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Fu\u0308r all diese Aktivit\u00e4ten gibt es neue Vorgaben und wirtschaftliche Anreize. Zusammen soll mit diesen Ma\u00dfnahmen bis 2030 die Abholzung auf Null reduziert werden. Mir ist bewusst, dass das eine Herausforderung ist. Sie ist sehr gro\u00df, aber ich bin sehr froh dar\u00fcber, dass ich mich ihr stellen kann.<\/p>\n<p>    &#8222;Klimakrise geht in ihre Tragweite \u00fcber alle Wahlk\u00e4mpfe hinaus&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>tagesschau.de: <\/strong>Im kommenden Jahr finden in Brasilien Bundeswahlen statt. Was sorgt Sie aktuell mehr, die Klimakrise oder der Ausgang der Wahlen?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>Silva: <\/strong>Ich glaube, dass man das eine nicht gegen das andere ausspielen kann. Die Klimakrise ist ein Problem von einer Tragweite, die \u00fcber alle Wahlkampagnen und saisonalen Ereignisse hinausgeht. Deshalb arbeiten wir immer mit strukturellen Ma\u00dfnahmen, damit sie die amtierenden Regierungen \u00fcberdauern.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch wenn Bolsonaro vier Jahre lang vieles aufgehalten hat, haben wir durch unsere Gesetzgebung bereits die Freisetzung von 450 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid verhindert. Ohne die vier Jahre Unterbrechung durch Bolsonaro h\u00e4tten wir die Entwaldungsrate aber bereits auf null gesenkt. Sie war bei 27.000 Quadratkilometer im Jahr 2004 und sank auf 4.000 Quadratkilometer im Jahr 2012.<\/p>\n<p>    Brasilien versteigert Erd\u00f6lf\u00f6rderrechte<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>tagesschau.de: <\/strong>Im Juni hat die brasilianische Bundesagentur f\u00fcr Erd\u00f6l- und Erdgasf\u00f6rderung die Rechte f\u00fcr 172 neue F\u00f6rdergebiete versteigert. Viele davon befinden sich im Amazonasdelta. Wie passt das zu dem Ziel der Vereinten Nationen, die Erderw\u00e4rmung auf 1,5 Grad zu reduzieren, zu dem sich auch Brasilien verpflichtet hat?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>Silva: <\/strong>Brasilien hat einen Energiemix, der sauberer ist als in vielen anderen L\u00e4ndern. 46 Prozent unseres Energiemix ist sauber, 90 Prozent unseres Strommix ist sauber.\u200a Brasilien hat sich der &#8222;Mission 1,5 Grad&#8220; verschrieben. Auf der Klimakonferenz COP28 in Dubai wurde vor zwei Jahren eine Klimafinanzierung von 1,3 Billionen US-Dollar beschlossen, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Leider haben sich einige L\u00e4nder nicht daran gehalten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Vor allem die Industriel\u00e4nder investieren weiterhin rund vier bis sechs Billionen Dollar in fossile Aktivit\u00e4ten. Brasilien investiert seit Jahrzehnten in Biokraftstoffe. Wir haben mittlerweile den Ethanolanteil in unserem Benzin auf 30 Prozent erh\u00f6ht, Diesel mischen wir nun 15 Prozent Biokraftstoffe bei. Wir produzieren au\u00dferordentlich viel Wind- und Solarstrom und betreiben viele Wasserkraftwerke. Die Produktion von gr\u00fcnem Wasserstoff haben wir ebenso erh\u00f6ht. Wir wollen nicht nur unseren Energiemix bereinigen, sondern auch dazu beitragen, den Energiemix der Erde sauberer zu machen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dubai hat gezeigt, dass dieser Umbau in den entwickelten \u00d6l-F\u00f6rder- und -Verbraucherl\u00e4ndern schneller vorangeht. Die Entwicklungsl\u00e4nder, die historisch weniger Emissionen verursacht haben und deren Armut bek\u00e4mpft werden muss, folgen dahinter. Die Untersuchungen am \u00c4quator sollen zeigen, ob dort Erd\u00f6l vorhanden ist und, falls ja, in welcher Qualit\u00e4t. Nat\u00fcrlich ist es wichtig, erneuerbare Energien auszubauen, und ich hoffe, dass die Welt dies vorantreibt. Dennoch wollen wir pr\u00fcfen lassen, wie umweltvertr\u00e4glich Bohrungen in den Sedimentschichten der Amazonasm\u00fcndung sind.<\/p>\n<p>    &#8222;Die COP30 ist bereits anders als andere Klimakonferenzen&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>tagesschau.de: <\/strong>Von gro\u00dfen UN-Konferenzen bleiben am Ende oftmals nur Absichtserkl\u00e4rungen. Wird das diesmal anders sein?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>Silva: <\/strong>Ich denke, es ist bereits anders. Die COP30 findet in einem Land statt, mit einer gro\u00dfen Tradition von sozialer Teilhabe. Auch bei G20-Gipfeln oder Treffen der BRICS-Staaten unter brasilianischer F\u00fchrung war das so. Auch bei der UN-Klimakonferenz wird es eine Reihe offener Diskussionsrunden geben zu den Themen der COP.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wir haben den Kreis der V\u00f6lker, der von unserer Ministerin f\u00fcr indigene V\u00f6lker, S\u00f4nia Guajajara, geleitet wird. Es gibt einen Kreis ehemaliger Finanzminister, der damit beauftragt wurde, sich um die Sicherung der notwendigen 1,3 Billionen Dollar zu k\u00fcmmern, au\u00dferdem eine Runde ehemaliger COP-Pr\u00e4sidenten, die \u00fcberlegen sollen, wie das Regelwerk der UN-Klimakonferenz in Bezug auf ethische Fragen verbessert werden kann.<\/p>\n<p>    Reaktion auf Kritik an COP30 in Bel\u00e9m<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>tagesschau.de: <\/strong>Die Entscheidung, die UN-Klimakonferenz in Bel\u00e9m auszurichten, wurde vielfach kritisiert. Die Stadt sei nicht vorbereitet auf so ein Gro\u00dfereignis, und besonders nachhaltig sei dies ebenfalls nicht. Ist dies der angemessene Ort f\u00fcr eine COP?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><strong>Silva: <\/strong>Seit Jahrzehnten h\u00f6re ich, wie sich Menschen auf der ganzen Welt um den Amazonas sorgen. Vielleicht ist dies der richtige Moment, um zu erm\u00f6glichen, dass sich aus dem Diskurs eine Praxis ergibt. Wenn wir nicht aufh\u00f6ren, Kohle, \u00d6l und Gas zu verbrennen, werden unsere W\u00e4lder verschwinden. Wir hatten uns dazu entschieden, die COP im Amazonasgebiet auszurichten, weil es dort noch m\u00f6glich ist, etwas zu bewirken, weil wir hier das Potenzial der Zukunft sehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Leider haben wir bereits 20 Prozent der Amazonasw\u00e4lder verloren. Im vergangenen Jahr wurde erstmals mehr Fl\u00e4che durch Br\u00e4nde zerst\u00f6rt, die auf den Klimawandel zur\u00fcckzuf\u00fchren waren, als durch Kahlschlag. Tropische W\u00e4lder verlieren Wasser, trocknen aus, gehen in Flammen auf oder werden zerst\u00f6rt. Die Verantwortung, das zu verhindern, kann nicht von einem einzigen Land getragen werden, auch wenn sich der Amazonas gr\u00f6\u00dftenteils hier befindet. Der Klimawandel wird von uns allen verursacht. Eine Klimakonferenz im Amazonas ist auch ein Zeichen der Solidarit\u00e4t mit den vielen V\u00f6lkern, die dort leben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das Interview f\u00fchrten Oliver Noffke und Azad\u00ea Pe\u015fmen, RBB<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"interview Stand: 06.11.2025 09:25 Uhr Der Klimawandel ist mittlerweile die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung f\u00fcr den Regenwald. 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