{"id":555534,"date":"2025-11-06T13:55:13","date_gmt":"2025-11-06T13:55:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/555534\/"},"modified":"2025-11-06T13:55:13","modified_gmt":"2025-11-06T13:55:13","slug":"frankreich-herrscht-an-der-bar-der-nationalversammlung-bald-ein-alkoholverbot-panorama","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/555534\/","title":{"rendered":"Frankreich: Herrscht an der Bar der Nationalversammlung bald ein Alkoholverbot? &#8211; Panorama"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Im Pariser Palais Bourbon, dem h\u00fcbschen Palast des franz\u00f6sischen Parlaments an der Seine, gibt es einen Ort, der schon immer umschwirrt war von wilden Geschichten und Mutma\u00dfungen. Das mag auch daran liegen, dass die Parlamentsreporter da nicht reind\u00fcrfen. In aller Regel befl\u00fcgelt das die Fantasie.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">La buvette, die Bar der Nationalversammlung, 1904 eingerichtet, ist den Herrschaften Abgeordneten, den Ministern und Beratern vorenthalten, dem politischen Personal der Republik also. Wenn die Debatten in der Aula ausufern, auch mal ausfransen bis tief in die Nacht, soll es vorkommen, dass die buvette ins beschwingte Genre kippt. \u201eAber das ist ein Tabu\u201c, <a href=\"https:\/\/www.lemonde.fr\/m-le-mag\/article\/2019\/08\/02\/boire-et-deboires-a-la-buvette-de-l-assemblee-nationale_5495936_4500055.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">schreibt <\/a><a href=\"https:\/\/www.lemonde.fr\/m-le-mag\/article\/2019\/08\/02\/boire-et-deboires-a-la-buvette-de-l-assemblee-nationale_5495936_4500055.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Le Monde<\/a>. W\u00e4hrend der bewegten, oftmals n\u00e4chtlichen Diskussionen \u00fcber die Rentenreform vor zwei Jahren soll die Bar zuweilen keinen Pfefferminzlik\u00f6r mehr vorr\u00e4tig gehabt haben, keinen \u201eGet 27\u201c.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Nun, vielleicht sind diese Geschichten schon bald vorbei. Der gr\u00fcne Abgeordnete Emmanuel Duplessy aus dem Loiret hat eine quasi revolution\u00e4re Idee f\u00fcr die Bar, die er in seinem umfassenden Bericht \u00fcber alle Betriebskosten des Parlaments erl\u00e4utert. Ziel ist es, die Ausgaben zu k\u00fcrzen, m\u00f6glichst in allen Bereichen, da <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Frankreich\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Frankreich<\/a> ja ein dramatisches Problem mit seinem Staatsdefizit hat. Die Staatsschulden sind so hoch wie noch nie in der Geschichte. Bei der laufenden Budgetdebatte wird deshalb alles gescannt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">In seinem 49-seitigen Rapport voller Fu\u00dfnoten und Zahlentabellen, schreibt Duplessy also unter anderem, dass es in Zeiten, da von allen B\u00fcrgern Opfer verlangt w\u00fcrden, nicht sein k\u00f6nne, dass die Abgeordneten ihr Glas Wein in der buvette dem Staat verrechnen \u2013 also dem Steuerzahler. Je nach Label und Jahrgang zwischen f\u00fcnf und acht Euro pro Glas. So ist das n\u00e4mlich bisher: Der Konsum in der Bar steht auf der Liste jener Dinge, die die Parlamentarier abrechnen k\u00f6nnen als dem Dienst dienliche Aktivit\u00e4ten, Teil ihrer Mandatsaus\u00fcbung. Auch die alkoholischen Getr\u00e4nke.<\/p>\n<p>Bei der Arbeit trinkt man nicht, findet der Gr\u00fcne<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Duplessy umschreibt es vornehm: \u201eDas wirft zumindest Fragen auf.\u201c Er findet, wer im Parlament <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Alkohol\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Alkohol<\/a> konsumiere, m\u00f6ge daf\u00fcr gef\u00e4lligst selbst bezahlen. Aber dann geht er gleich etwas weiter und fordert, den Ausschank von Alkohol in der buvette ganz abzuschaffen. Schlie\u00dflich sei das Parlament ein Arbeitsort, und an einem Ort der Arbeit werde nicht getrunken, schon gar nicht w\u00e4hrend der Arbeitszeit.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Das klingt alles sehr vern\u00fcnftig. Bei den Milliardenl\u00f6chern im Staatshaushalt fiele die Ma\u00dfnahme zwar finanziell nicht sehr stark ins Gewicht: ein Sparpotenzial von etwa 100 000 Euro im Jahr, viel mehr w\u00e4re es nicht. Symbolisch aber wiegt der Vorschlag schwer. Er sticht heraus aus der eher dr\u00f6gen, vor allem fiskalischen Materie, die im Parlament verhandelt wird. Pl\u00f6tzlich spricht alles von der buvette, sie wird persifliert von Satirikern und Kommentatoren.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Aber wie gro\u00df ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass Duplessy damit durchkommt? Eher nicht so gro\u00df, auch das zeigt die Diskussion.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Vor allem rechte Abgeordnete finden, der gr\u00fcne Kollege untersch\u00e4tze, wie sehr ein bisschen Wein die Gespr\u00e4che \u00f6le, wie sehr er manchmal sogar politische Deals \u00fcber die Parteigrenzen hinweg bef\u00f6rdere. Andere sagen, der Keller der\u00a0buvette sei ja auch ein Schaufenster f\u00fcr Weine aus allen Regionen des Landes, ein Grund zum Stolz. Wenn man den Alkoholausschank verb\u00f6te, st\u00fcrbe auch ein bisschen franz\u00f6sische \u201eArt de vivre\u201c, Lebensart. Oder nur ein Klischee davon? Sant\u00e9!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im Pariser Palais Bourbon, dem h\u00fcbschen Palast des franz\u00f6sischen Parlaments an der Seine, gibt es einen Ort, der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":555535,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3974],"tags":[331,332,6789,147,548,663,3934,3980,156,13,2235,14,15,1974,12,18328,149],"class_list":{"0":"post-555534","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-frankreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-alkohol","11":"tag-ausland","12":"tag-eu","13":"tag-europa","14":"tag-europe","15":"tag-france","16":"tag-frankreich","17":"tag-headlines","18":"tag-kurioses","19":"tag-nachrichten","20":"tag-news","21":"tag-panorama","22":"tag-schlagzeilen","23":"tag-sucht-und-drogen","24":"tag-sueddeutsche-zeitung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115503099121119975","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/555534","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=555534"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/555534\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/555535"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=555534"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=555534"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=555534"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}