{"id":555592,"date":"2025-11-06T14:27:15","date_gmt":"2025-11-06T14:27:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/555592\/"},"modified":"2025-11-06T14:27:15","modified_gmt":"2025-11-06T14:27:15","slug":"teodor-currentzis-dirigiert-in-muenchen-das-utopia-orchestra-eine-kritik-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/555592\/","title":{"rendered":"Teodor Currentzis dirigiert in M\u00fcnchen das Utopia Orchestra &#8211; eine Kritik &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Bei Richard Wagner, befand schon dessen Komponistenkollege Gioachino Rossini, gebe es reizende Momente, aber schreckliche Viertelstunden. Warum also nicht die Momente rauspicken und die Viertelstunden einfach weglassen, sogar den ganzen Gesang? Der Dirigent (und ebenfalls Komponist) Lorin Maazel hat das 1987 getan: den mindestens 14-st\u00fcndigen \u201eRing des Nibelungen\u201c zusammengeschnitten zu einer Art Orchestersymphonie von etwa siebzig Minuten \u2013 Teodor Currentzis hat sie f\u00fcr seine laufende Tournee mit dem Utopia Orchestra gew\u00e4hlt, zu erleben in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcnchen<\/a> auf Station in der Isarphilharmonie.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u201eDer Ring ohne Worte\u201c ist eine Programmwahl, die bei dem Griechen mit russischem Zweitpass erstaunt und zugleich auch nicht: Currentzis hat bislang unter Wagners n\u00e4chtef\u00fcllenden Musikdramen nur das \u201eRheingold\u201c dirigiert, den knapperen Vorabend des \u201eRings\u201c, vor zehn Jahren bei der Ruhrtriennale. Dabei scheinen Wagners \u00dcberw\u00e4ltigungs\u00e4sthetik und Verzauberungstricks wie geschaffen f\u00fcr den Dirigenten mit der genialen oder auch nur genialischen Aura.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Im Unterschied zwischen beidem bewegt sich eine der Debatten um Currentzis. Die andere geht um sein Engagement bei den MusicAeterna-Ensembles in St. Petersburg, die er vor zwei Jahrzehnten gegr\u00fcndet hat und die von russischen Sponsoren finanziert werden. Gef\u00fchrt wird die Debatte soeben wieder in \u00d6sterreich: Der dortige Kulturminister Andreas Babler (SP\u00d6) m\u00f6chte Currentzis das Ehrenzeichen f\u00fcr Wissenschaft und Kunst verleihen, w\u00e4hrend Kritiker darauf verweisen, dass dieser sich noch immer nicht zum Ukraine-Krieg ge\u00e4u\u00dfert habe. Momentan liegt die Angelegenheit beim \u00f6sterreichischen Bundespr\u00e4sidenten.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Begehrt bleiben Auftritte von Currentzis in jedem Fall, beim Publikum, das vor der ausverkauften Isarphilharmonie nach Karten sucht, ebenso bei vielen exzellenten und neugierigen Musikern, die unbedingt mit ihm arbeiten wollen. Man sieht es schon an den Gesichtern auf der B\u00fchne: alles scharf geschnittene Typen, m\u00e4nnlich wie weiblich, viele jung, andere erfahren, aber definitiv keine Kunstbeamten im Utopia Orchestra.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Seit 2022 stellt es Currentzis je nach Projekt neu f\u00fcr Auftritte in Westeuropa zusammen, finanziert von der \u00f6sterreichischen Kunst-und-Kultur-DM-Privatstiftung des verstorbenen Milliard\u00e4rs Dietrich Mateschitz. Am Montag hat die Tournee in der Berliner Philharmonie begonnen, demn\u00e4chst will Currentzis auch noch ein eigenes Plattenlabel an den Start bringen.<\/p>\n<p>In den Posen ist Currentzis zur\u00fcckhaltender als fr\u00fcher<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Dabei tritt er selbst in der Isarphilharmonie erst mal gar nicht vors Orchester. Sondern Giuseppe Mengoli, m\u00fcndlich angek\u00fcndigt als \u00dcberraschungs-Event zur F\u00f6rderung des Nachwuchses. Er darf \u201eArena for Orchestra\u201c des finnischen Komponisten Magnus Lindberg leiten, einen viertelst\u00fcndigen, oft rasenden Rei\u00dfer aus dem Jahr 1995. Ein unbeschriebenes Blatt ist der junge Italiener sp\u00e4testens seit dem Gewinn des Mahler-Dirigierwettbewerbs 2023 in Bamberg nicht mehr. Als Vor-Band bekommt er nun die ganz gro\u00dfe Arena, bevor er im weiteren Abend bescheiden unter den Violinen mitspielt: sechs Harfen, zehn Kontrab\u00e4sse, fast alles schon da, was Wagner braucht und verschlingt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">F\u00fcr den \u201eRing ohne Worte\u201c wird es trotzdem noch ein bisschen mehr, besonders bei den acht Schlagzeugern: Becken, Tamtam, Ambosse, der riesige Hammer des Gottes Donner. Dann geht es Schlag auf Schlag, vom Grund des Rheins \u00fcber Nibelheims Schluchten in den Walk\u00fcrenritt, vom Drachent\u00f6ten \u00fcber Siegfrieds Trauermarsch flugs in den Weltenbrand. Currentzis dirigiert ohne Stab mit blo\u00dfen H\u00e4nden, gro\u00df, aber effizient in der Zeichengebung, definitiv ernster geworden, zur\u00fcckhaltender in den Posen als fr\u00fcher, aber fraglos charismatisch. Das Utopia Orchestra spielt zum Niederknien, ein Solo besser als das andere, als Gruppe ein Hochpr\u00e4zisionsapparat wie ein Porsche, der blitzschnell von null auf hundert beschleunigt. Was Currentzis denn auch immer wieder tut.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Ein Dialog auf Augenh\u00f6he also zwischen zwei umstrittenen und geliebten Genies, Wagner und Currentzis? Dar\u00fcber l\u00e4sst sich wenig sagen nach dem Abend, was am St\u00fcck liegt. Maazel w\u00e4hlte f\u00fcr seine (Re-)Komposition nicht nur die reizenden Momente, sondern vor allem auch die lauten. Ein Dezibelsturm rast durch die akustisch eher zart besaitete Isarphilharmonie, bevor der Applaus die W\u00e4nde ein weiteres Mal zum Wackeln bringt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Aber einen formalen Bogen bietet die Ausschnittsammlung nicht oder formt Currentzis nicht. Er dirigiert Wagner auf der H\u00f6he der Zeit, scharf phrasiert, rhetorisch empfunden, klanglich gestaffelt. Aber wie er mit den epischen L\u00e4ngen der Musikdramen umginge, die langen B\u00f6gen \u00fcber die schrecklichen Viertelstunden spannte, muss einstweilen noch offen bleiben. Bayreuth, wie w\u00e4r\u2019s? Maximale Aufmerksamkeit w\u00e4re jedenfalls gesichert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bei Richard Wagner, befand schon dessen Komponistenkollege Gioachino Rossini, gebe es reizende Momente, aber schreckliche Viertelstunden. 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