{"id":556383,"date":"2025-11-06T21:45:19","date_gmt":"2025-11-06T21:45:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/556383\/"},"modified":"2025-11-06T21:45:19","modified_gmt":"2025-11-06T21:45:19","slug":"kultur-in-russland-volkserziehung-im-zeichen-des-z","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/556383\/","title":{"rendered":"Kultur in Russland: Volkserziehung im Zeichen des &#8222;Z&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/russland-z-100.jpg\" alt=\"An einem Geb\u00e4ude in der russischen Stadt Jaroslawl h\u00e4ngt ein gro\u00dfes Plakat mit der Aufschrift &quot;Z&quot;.\" title=\"An einem Geb\u00e4ude in der russischen Stadt Jaroslawl h\u00e4ngt ein gro\u00dfes Plakat mit der Aufschrift &quot;Z&quot;. | REUTERS\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 06.11.2025 20:50 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Ein Liebesdrama rund um die &#8222;milit\u00e4rische Spezialoperation&#8220;, knuffige Panzer f\u00fcr die kleinen Zuschauer: In Russland flankiert und rechtfertigt die Kultur den Krieg. Es ist auch ein Angriff auf die eigene Gesellschaft.<\/strong>\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Im vierten Kriegsjahr musste auch die zw\u00f6lf Meter hohe Skulptur &#8222;Big Clay #4&#8220; des Schweizer K\u00fcnstlers Urs Fischer im Moskauer Stadtzentrum weichen. Der unf\u00f6rmig aufget\u00fcrmte Stahl erinnerte zu sehr an einen gigantischen Exkrementhaufen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In der Hauptstadt einer kulturell und milit\u00e4risch \u00fcberlegenen Nation, so die staatlich verordnete Selbstwahrnehmung, ist daf\u00fcr kein Platz mehr. Jetzt ragt am Ufer der Moskwa eine riesige rote Gartenschaufel auf, ein Werk von Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen &#8211; ganz im Zeitgeist der Mobilisierung von oben.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Die zw\u00f6lf Meter hohe Skulptur &#8222;Big Clay #4&#8220; musste weichen &#8211; und wurde durch eine Schaufel ersetzt.\n                    <\/p>\n<p>    Stalin als F\u00fchrer und Feldherr bejubelt<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Im Moskauer Siegespark sind Tonnen von Bronze aufgestellt, in Form einer zerfledderten Briefecke. Darin in Schreibschrift graviert die Nachrichten von Soldaten: &#8222;Mama, verzeih&#8216; mir, ich bin an die Front gegangen, um die Faschisten zu schlagen.&#8220; Oder: &#8222;Meine Liebe, ich komme auf jeden Fall zur\u00fcck.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Zweite Weltkrieg, bisher vor allem heroisch aufgeladen, wird nun mit pers\u00f6nlichen Schicksalen unterf\u00fcttert &#8211; dahinter steckt der Versuch, die Emotionen von damals f\u00fcr heute zu aktivieren. Gleiches soll die Nachbildung eines historischen Reliefs an der Metrostation Taganskaja leisten: Stalin, umringt von jubelnden Frauen, Kindern und starken M\u00e4nnern. Der Titel: &#8222;Dankbarkeit des Volkes gegen\u00fcber dem F\u00fchrer und Feldherrn&#8220;<\/p>\n<p>    Affektheischende patriotische Songs<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Im Russischen Geistlichen Theater l\u00e4uft das St\u00fcck &#8222;F\u00fcr unsere Freunde&#8220;, gemeint sind die Soldaten der &#8222;milit\u00e4rischen Spezialoperation&#8220;, wie der Kreml den Krieg gegen die Ukraine nennt. Das Thema: Die unersch\u00fctterliche russische Opferbereitschaft, das Setting: vergangenheitsselig. Chorisches Sprechen wechselt ab mit affektheischenden patriotischen Songs.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">W\u00e4hrend der Krieg auf der B\u00fchne heroisch verkl\u00e4rt wird, f\u00e4llt es dem Film zu, ihn zu rechtfertigen. &#8222;20\/22&#8220; hei\u00dft die erste Spielfilmserie \u00fcber die &#8222;milit\u00e4rische Spezialoperation&#8220;, im Fr\u00fchjahr 2023 in Mariupol gedreht. Regisseur ist der 40-j\u00e4hrige Andrej Simonow, bisher eher bekannt durch leidenschaftliche Dramen wie &#8222;Mehr als Liebe&#8220; oder &#8222;Kuss \u00fcber dem Abgrund&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Eine Liebesgeschichte bildet auch den Kern von &#8222;20\/22&#8220;: Danila und Alisa studieren in Moskau Journalistik, sie sind ein Paar. Danila ist f\u00fcr den Krieg, er kommt aus Sewastopol auf der Krim und kennt sich aus mit der vermeintlich faschistischen Lage im Nachbarland. Alisa ist Kriegsgegnerin und protestiert sogar mit anderen Studenten. Der Film l\u00e4sst dieses Gr\u00fcppchen &#8211; in Wahrheit waren es Tausende, die gegen den Krieg protestierten &#8211; ziemlich erb\u00e4rmlich aussehen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Danila schlie\u00dft sich dem Sturmbataillon Somali im Donbass an, Alisa wird ihn im brennenden Mariupol suchen und wandelt sich angesichts der vermeintlichen Brutalit\u00e4t der ukrainischen K\u00e4mpfer zur Bef\u00fcrworterin des Krieges. Sie habe &#8222;alles gesehen und alles verstanden&#8220;, kann sie gerade noch ihren heldenhaft sterbenden Geliebten beruhigen. Die pl\u00f6tzliche Einsicht vormaliger Kriegsgegner ist auch in den Filmen &#8222;Der Zeuge&#8220; oder &#8222;Der Passagier&#8220; ein Leitmotiv.<\/p>\n<p>    Knuffige Panzer f\u00fcr die Kleinen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Um sich f\u00fcr eine Zukunft ohne \u00dcberzeugungsarbeit zu r\u00fcsten, setzt die russische Z-Kultur auf milit\u00e4rische Fr\u00fcherziehung, etwa mit dem Zeichentrickfilm &#8222;Der kleine T-34&#8220; &#8211; ein s\u00fc\u00dfer, knuffiger Panzer, der durchs Land und durch die Zeiten rollt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der T-34 ist ein sowjetischer Kampfpanzer aus dem Zweiten Weltkrieg. Zum Gedenken an den Sieg hob man ihn vielerorts auf Sockel. Doch die Zeiten \u00e4nderten sich und eines Tages wollten ihn vermummte Rowdys, so suggeriert der Film, wieder vom Podest rei\u00dfen. Der kleine Panzer wehrt sich mit der einzigen Kanone, die er hat &#8211; der Schriftzug darauf: &#8222;F\u00fcr die Heimat&#8220;\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der kurze Film schlie\u00dft mit einem Satz des russischen Generalissimus und Strategen Alexander Suworow aus dem 18. Jahrhundert: &#8222;Wenn Du mit einer Pistole auf die Vergangenheit schie\u00dft, schie\u00dft die Zukunft auf Dich aus Kanonen.&#8220; Das zielt auf die Ukraine, schlie\u00dflich waren im Nachbarland zahlreiche sowjetische Denkm\u00e4ler abgetragen worden. In Russland indes werden selbst Statuen von Iwan der Schreckliche wieder aufgestellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 06.11.2025 20:50 Uhr Ein Liebesdrama rund um die &#8222;milit\u00e4rische Spezialoperation&#8220;, knuffige Panzer f\u00fcr die kleinen Zuschauer: In&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":556384,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[13,80,14,15,12689,307,12,10,8,9,11,63],"class_list":{"0":"post-556383","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-headlines","9":"tag-kultur","10":"tag-nachrichten","11":"tag-news","12":"tag-propaganda","13":"tag-russland","14":"tag-schlagzeilen","15":"tag-top-news","16":"tag-top-meldungen","17":"tag-topmeldungen","18":"tag-topnews","19":"tag-zensur"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115504947176557442","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/556383","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=556383"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/556383\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/556384"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=556383"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=556383"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=556383"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}