{"id":556968,"date":"2025-11-07T03:22:10","date_gmt":"2025-11-07T03:22:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/556968\/"},"modified":"2025-11-07T03:22:10","modified_gmt":"2025-11-07T03:22:10","slug":"halle-wuk-theater-erinnert-mit-performance-an-vergessenen-dichter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/556968\/","title":{"rendered":"Halle: WUK Theater erinnert mit Performance an vergessenen Dichter"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li>Mit einer <a href=\"#Im\">Performance<\/a> erinnert das WUK Theater Quartier an das vergessene Multitalent Franz Richard Behrens.<\/li>\n<li>Der Dichter und Sport-Reporter schrieb 1921 auch das <a href=\"#Stummfilm\">Drehbuch<\/a> zu dem Stummfilm-Kinohit &#8222;Hamlet&#8220; mit Asta Nielsen. <\/li>\n<li>Behrens war Soldat im Ersten Weltkrieg und entwickelte nach einer kommunistischen Phase <a href=\"#Von\">antisemitische Tendenzen<\/a>.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"text\">\n<a name=\"Im\">Im<\/a> WUK-Theaterquartier in Halle ist die freie Szene der Stadt zu Hause. Dort soll jetzt gefeiert werden: Der 130. Geburtstag eines Mannes, der viele Talente hatte und in seiner gro\u00dfen Zeit, den wilden 1920er-Jahren, kurz auch mal am ganz gro\u00dfen Rad der Filmgeschichte mitgedreht hat. Das wei\u00df heute keiner mehr und auch sein Name ist so gut wie vergessen: Franz Richard Behrens.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDoch das muss nicht so bleiben, haben sich drei K\u00fcnstler vom Theater Aggregate gedacht und sich auf eine literarisch-musikalische Entdeckungstour begeben. Im Reisegep\u00e4ck von Silvio Beck, dem Regisseur und Erfinder dieser intermedialen Theaterperformance, die sie ihrem Publikum bieten, steckten dabei vier B\u00fccher. So viele B\u00e4nde umfasst die postum erschienene Werkausgabe des Dichters Franz Richard Behrens.\n<\/p>\n<p><strong>Expressionistischer Dichter und Artillerist im Ersten Weltkrieg<\/strong><\/p>\n<p class=\"text\">\nFranz Richard Behrens wurde 1895 in Brachwitz bei <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/ausflug-tipps\/halle-sehenswuerdigkeiten-tipps-110.html\" title=\"Halle: 12 beeindruckende Sehensw\u00fcrdigkeiten f\u00fcr einen Ausflug\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Halle<\/a> geboren und war weitaus mehr als &#8222;nur&#8220; ein expressionistischer Dichter. Zun\u00e4chst \u00fcberlebte er als Soldat den Ersten Weltkrieg bei der Flak und an den verschiedensten Fronten in Ost und West und beschrieb ihn in seinen Gedichten mit wilden Worten. Womit auch schon der Titel der Performance erkl\u00e4rt w\u00e4re: &#8222;Expressionist \/ Artillerist&#8220;. Doch auf dem Ank\u00fcndigungsplakat steht auch noch &#8222;oder meine beste Freundin Hamlet&#8220; zu lesen. Wie erkl\u00e4rt sich dieser Untertitel?\n<\/p>\n<p><a name=\"Stummfilm\"><strong>Stummfilm<\/strong><\/a><strong>-Star Asta Nielsen als Hamlet <\/strong><\/p>\n<p class=\"text\">\nIn deren Rolle, der Prinzessin Hamlet, schl\u00fcpft die Frau, die den Abend darstellerisch fast im Alleingang bew\u00e4ltigt. Astrid Kohlhoff, die hier nicht nur expressionistische Lyrik rezitiert, sondern auch f\u00fcr die Lebenswege erkl\u00e4renden Texte sorgt, sehr gekonnt Saxofon spielt und ihr Talent als Stummfilm-Aktrice unter Beweis stellen darf. Denn Drehb\u00fccher f\u00fcr dieses Medium hat Franz Richard Behrens auch geschrieben. Damals in den wilden 1920er-Jahren, als er im babylonischen Berlin als K\u00fcnstler-Bohemian lebte und in den Filmstudios von Babelsberg seine Br\u00f6tchen verdiente. Und wahrscheinlich nicht nur die, denn er hatte so richtig hei\u00dfe Eisen im Feuer. Asta Nielsen als Prinz Hamlet ist sein Werk. Nicht nur ein Welterfolg auf der Leinwand, sondern auch so etwas wie ein fr\u00fches feministisches Statement. Womit auch die Schwester Hamlet erkl\u00e4rt w\u00e4re.\n<\/p>\n<p><strong>Vom Kommunisten zum antisemitischen Reporter <\/strong><\/p>\n<p class=\"text\">\n<a name=\"Von\">Von<\/a> Prinz Hamlet zu K\u00f6nig Fu\u00dfball, das ist f\u00fcr Franz Richard Behrens nur ein kurzer Sprung. Lange Zeit seines Lebens hat der Wortk\u00fcnstler auch als Sportreporter bevorzugt auf Fu\u00dfballpl\u00e4tzen gearbeitet. In der Nazizeit auch f\u00fcr den Kicker. Unter seinem Pseudonym Peter Mohr schrieb er dort aber nicht nur Spielberichte, sondern ab 1939 auch eine Kolumne. Die trug den Titel &#8222;Hier spricht die Reichshauptstadt&#8220;, und der Dichter lobte unter seinem Pseudonym darin nicht nur den Sportpalast-Auftritt von <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ns-zeit\/politik-gesellschaft\/deutsche-wochenschau-propaganda-nationalsozialisten-102.html\" title=\"Die &quot;Deutsche Wochenschau&quot; - Propaganda-Instrument der Nationalsozialisten\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Goebbels<\/a> als &#8222;gro\u00dfe Rede&#8220; sondern hetzte auch schon mal \u00fcber &#8222;den Machtdurst der Juden&#8220;.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nGut zehn Jahre zuvor war er noch in kommunistischen Kreisen und f\u00fcr den Spartakusbund aktiv. Regisseur Silvio Beck gibt zu Protokoll: &#8222;Man kann sagen, er ist aus purem \u00dcberlebenstrieb zum Opportunisten geworden, leider.&#8220; Immerhin lie\u00df ihn das auch den Zweiten Weltkrieg \u00fcberleben. Nach diesem schrieb er als Peter Mohr als Zeitungsjournalist weiter seine Kolumnen f\u00fcr eine Westberliner Zeitung. Lebte aber im Osten der Stadt. Bis ihn <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ddr\/mauer-grenze\/bau-der-berliner-mauer-grenze-mauerbau-honecker-100.html\" title=\"13. August 1961: Der Bau der Berliner Mauer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1961 die Mauer<\/a> einen Strich durch diese Rechnung machte. Verarmt und fast erblindet ist er 1977 dann im Prenzlauer Berg gestorben.\n<\/p>\n<p><strong>Ein Leben voll Dichtung und Wahrheit<\/strong><\/p>\n<p class=\"text\">\nAuf dem <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/theater\/leipzig-halle-theater-november-tipps-112.html\" title=\"Halle und Leipzig: 6 besondere St\u00fccke im Theater im November\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Theater<\/a> ist dieser Lebensweg nun als ein performter Hybrid aus Dichtung und Wahrheit und mit viel Musik zu erleben. Mit allerlei, was Tasten hat und sich perkussiv bearbeiten l\u00e4sst, rollt Alexander Ernst den Soundteppich des Abends aus und ist als Live-Performer auch noch mit Akkordeon, Posaune und E-Gitarre unterwegs. Da er offenbar auch gerne singt, erlebt dabei auch der eine oder andere expressionistische Popsong seine Urauff\u00fchrung. H\u00e4tte dem umtriebigen Franz Richard Behrens wahrscheinlich gut gefallen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mit einer Performance erinnert das WUK Theater Quartier an das vergessene Multitalent Franz Richard Behrens. 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