{"id":557177,"date":"2025-11-07T05:26:20","date_gmt":"2025-11-07T05:26:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/557177\/"},"modified":"2025-11-07T05:26:20","modified_gmt":"2025-11-07T05:26:20","slug":"kaiserliches-u-boot-vom-meeresgrund-in-museen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/557177\/","title":{"rendered":"Kaiserliches U-Boot: vom Meeresgrund in Museen"},"content":{"rendered":"<p>Mehr als 100 Jahre lang lag das U-Boot U16 am Meeresgrund der Nordsee, viele Meter unber\u00fchrt in der Tiefe. Das Wrack geriet in Vergessenheit &#8211; bis es als Gefahr f\u00fcr die Schifffahrt galt und in einer Hauruckaktion geborgen wurde. Experten haben es in seine Einzelteile zerlegt. Einige davon sind nun unter anderem in Museen in Sachsen und Sachsen-Anhalt zu sehen &#8211; weit weg vom Meer.<\/p>\n<p>Gro\u00dfe Teile, darunter der mittlere Rumpfteil mit Turm, werden ab Ostern im Harz pr\u00e4sentiert: im Fahrzeug- und Technikmuseum Benneckenstein am Brocken. Das Milit\u00e4rhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden m\u00f6chte in seiner neuen Dauerausstellung Teile des Waffensystems ausstellen. Es erh\u00e4lt unter anderem die beiden vorderen Torpedorohre.<\/p>\n<p>Mario T\u00e4nzer, Leiter des Museums zu Fu\u00dfe des Brockens, sagt laut Mitteilung: \u00abGebaut 1911, gesunken 1919, gehoben 2015. Weltweit einmalig \u2013 ein St\u00fcck deutsches Kulturerbe. Ab 2026 k\u00f6nnen Besucher in meinem Museum<br \/>einen Anblick erleben, der sonst nur Wracktauchern verg\u00f6nnt ist.\u00bb. Das Museum hat Erfahrung mit der Organisation von Schwertransporten und verf\u00fcgt<br \/>\u00fcber den notwendigen Platz zur Ausstellung gro\u00dfer Exponate.<\/p>\n<p>Wrack zerbricht &#8211; Streit um Bergung<\/p>\n<p>Normalerweise verrotten Wracks am Meeresgrund. \u00abSolche U-Boote werden eigentlich nicht geborgen\u00bb, erl\u00e4utert Henning Ha\u00dfmann vom Nieders\u00e4chsischen Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege bei einer Pressekonferenz in Cuxhaven. Zu gro\u00df sei die Gefahr, dass beim Bergen etwas schiefgeht und das Denkmal zerst\u00f6rt wird.<\/p>\n<p>Doch in diesem Fall entschied die Generaldirektion Wasserstra\u00dfen und Schifffahrt, das U-Boot mit einem Schiffskran aus der Tiefe zu holen. Wasser drohte das Wrack zu untersp\u00fclen, ein Teil h\u00e4tte sich laut der Beh\u00f6rde heben und die Fahrrinne behindern k\u00f6nnen. Die Experten bargen das U-Boot &#8211; ohne Absprache mit der zust\u00e4ndigen Bundesanstalt f\u00fcr Immobilienaufgaben oder Arch\u00e4ologen.\u00a0<\/p>\n<p>Bei der Bergung zerfiel das Unterwasser-Boot in zwei Teile, Wissenschaftler zeigten sich fassungslos. Landesarch\u00e4ologe Ha\u00dfmann sagt: \u00abWir h\u00e4tten uns gew\u00fcnscht, dass wir schon bei der Bergung beteiligt worden w\u00e4ren. Die Kollegen haben aber vor allen Dingen die Sicherheit gesehen.\u00bb<\/p>\n<p>\u00abMetall weich wie Kartoffelchips\u00bb<\/p>\n<p>Nach ersten Pl\u00e4nen sollte das Wrack komplett verschrottet werden. Auch dagegen regte sich Widerstand. Experten untersuchten schlie\u00dflich die beiden Wrackteile &#8211; also das, was noch davon \u00fcbrig war. \u00abDas war im Grunde genommen eine Art arch\u00e4ologische Rettungsgrabung\u00bb, berichtet der Landesarch\u00e4ologe.\u00a0<\/p>\n<p>Das Wrack war laut den Forschern nur noch eine H\u00fclle, randvoll gef\u00fcllt mit stark kontaminiertem Sediment. Das Material hatte sich weitgehend zersetzt, wie Ha\u00dfmann schildert. Teilweise sei das Metall \u00abweich wie Kartoffelchips\u00bb gewesen.<\/p>\n<p>Die Experten scannten das U-Boot mit Lasern und nahmen Proben von Kabeln, Batterien und Stahl. Sie stellten fest, dass wichtige Teile wie eine Bordschraube oder ein Motor fehlten. \u00abMan konnte deutlich sehen, dass Teile auch abges\u00e4gt worden sind\u00bb, sagt Mike Belasus, Experte f\u00fcr Nautik und Arch\u00e4ologie.\u00a0<\/p>\n<p>Wohin mit dem kaiserlichen U-Boot?<\/p>\n<p>Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Besatzung das U-Boot gezielt demoliert hatte. Es wurde 1911 f\u00fcr die Kaiserliche Marine in Kiel gebaut und war einige Jahre als Schulungsschiff im Einsatz. Nach Ende des Ersten Weltkriegs mussten die Deutschen das 57 Meter lange Boot eigentlich den Briten als Reparationsleistung \u00fcberlassen. Die Alliierten interessierten sich damals f\u00fcr die Technik und Bauweise, aber auch f\u00fcr das massive Metall.\u00a0<\/p>\n<p>Ein Schlepper sollte das U-Boot 1919 Richtung Gro\u00dfbritannien bringen. Doch schon vor der Insel Scharh\u00f6rn in der Helgol\u00e4nder Bucht sank es &#8211; und blieb dort bis zur Bergung diesen Sp\u00e4tsommer liegen.<\/p>\n<p>Wohin also nun mit dem Wrack? \u00abWir haben uns ein bisschen hinter den T\u00fcren gestritten\u00bb, r\u00e4umt Ha\u00dfmann ein. Bei dem Zustand sei schnell klar gewesen, dass sich das U-Boot nicht als begehbares Museum eignet. Die Beh\u00f6rden und Forscher h\u00e4tten lange diskutiert, sagt der Landesarch\u00e4ologe. \u00abWollen wir wirklich der Zerlegung zustimmen? Ist es jetzt ein bewegliches Denkmal oder nicht?\u00bb<\/p>\n<p>Verschiedene Museen stellen Wrackteile aus<\/p>\n<p>Mehrere Museen zeigten schlie\u00dflich Interesse an dem Wrack. Nach Aussagen der Experten w\u00e4re es jedoch zu teuer gewesen, das gesamte Boot zu konservieren und auszustellen. Etwa ein Viertel des Wracks soll nun in Museen ausgestellt werden, andere Teile werden erforscht oder gleich verschrottet.<\/p>\n<p>Das Deutsche Luftschiff- und Marinefliegermuseum \u00abAeronauticum\u00bb in Nordholz bei Cuxhaven \u00fcbernimmt unter anderem ein gro\u00dfes Segment aus der Oberseite des Achterschiffs, das Stadtmuseum in Hagen (NRW) zwei dort produzierte riesige Batterien und das Cuxhavener Wrack- und Fischereimuseum \u00abWindst\u00e4rke 10\u00bb unter anderem die Ankerkette.<\/p>\n<p>Weitere kleinere Teile sollen im Deutschen Marinemuseum in Wilhelmshaven, im Internationalen Maritimen Museum in Hamburg und im Hamburger Museum f\u00fcr Arch\u00e4ologie gezeigt werden.<\/p>\n<p>Wie geht es weiter?<\/p>\n<p>Mit der \u00dcbernahme verpflichten sich die Museen, die Relikte zu erhalten und diese f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit und f\u00fcr Forschungen zug\u00e4nglich zu machen. Wissenschaftler der Universit\u00e4t Magdeburg und der Technischen Universit\u00e4t Clausthal m\u00f6chten beispielsweise das verwendete Metall analysieren. \u00abDas war eine geheime Wissenschaft\u00bb, erkl\u00e4rt Ha\u00dfmann. Die Marine habe ihre Innovationen damals bewusst nicht dokumentiert.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Forscher beginne die Arbeit jetzt erst so richtig. Alle Daten und Proben m\u00fcssten ausgewertet und analysiert werden. \u00abDas wird sicher noch Jahre in Anspruch nehmen und per se interdisziplin\u00e4r zu f\u00fchren sein, mit Metallurgen, mit Historikern, mit Schiffsexperten und Arch\u00e4ologen.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mehr als 100 Jahre lang lag das U-Boot U16 am Meeresgrund der Nordsee, viele Meter unber\u00fchrt in der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":557178,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1835],"tags":[118454,2704,3364,29,2386,30,2989,692,9375,2147,1411,1209,859,860,5226,1971],"class_list":{"0":"post-557177","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-dresden","8":"tag-archologie","9":"tag-ausstellungen","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-dresden","13":"tag-germany","14":"tag-geschichte","15":"tag-hamburg","16":"tag-militr","17":"tag-museen","18":"tag-niedersachsen","19":"tag-nordrhein-westfalen","20":"tag-sachsen","21":"tag-sachsen-anhalt","22":"tag-schifffahrt","23":"tag-schleswig-holstein"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115506759908510651","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/557177","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=557177"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/557177\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/557178"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=557177"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=557177"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=557177"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}