{"id":560017,"date":"2025-11-08T09:03:15","date_gmt":"2025-11-08T09:03:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/560017\/"},"modified":"2025-11-08T09:03:15","modified_gmt":"2025-11-08T09:03:15","slug":"deutschland-trikot-ich-moechte-nicht-an-die-wm-1994-erinnert-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/560017\/","title":{"rendered":"Deutschland-Trikot: Ich m\u00f6chte nicht an die WM 1994 erinnert werden"},"content":{"rendered":"<p>Der DFB und Adidas haben das Trikot der deutschen Nationalmannschaft f\u00fcr die kommende WM vorgestellt. Beim Design klingeln die 90er-Jahre Sturm. Das Ganze weckt bei unserem Autor Erinnerungen an einen traumatischen Sonntag in Berlin.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Wir wollen hier nicht \u00fcber Geschmack streiten. Das neue Trikot der Fu\u00dfball-Nationalmannschaft ist da, manche werden es wundersch\u00f6n, andere ganz f\u00fcrchterlich finden, ganz so wie alle zwei Jahre, wenn vor den gro\u00dfen Turnieren das neue Outfit unserer Fu\u00dfballer auf den Markt geworfen wird. Stets garniert von hochtrabendem PR-Sprech, der vor der Ver\u00f6ffentlichung durch 17 Abteilungen gelaufen ist und dem deutschen Fan das kostspielige St\u00fcck Stoff schmackhaft machen soll. <\/p>\n<p>In diesem Fall dichteten sie beim DFB und Adidas \u00fcber das neue Trikot (bitte halten Sie durch): \u201eDas Heimjersey ist eine Hommage an die gr\u00f6\u00dften Erfolge und legend\u00e4rsten Trikots Deutschlands bei Fu\u00dfball-Weltmeisterschaften. Das neue Heimtrikot erscheint in traditionellem Wei\u00df mit einem Rautenmuster in Schwarz, Rot und Gold, das von den ikonischen Designs der Weltmeister-Trikots inspiriert ist. Die Zickzack-Optik ist an das Modell aus dem Jahr 1994 angelehnt, als die USA das Turnier zum letzten Mal ausrichteten. In Kombination mit einer schwarzen Hose und wei\u00dfen Stutzen, die das Rautenmuster erneut aufgreifen, entsteht ein zeitgem\u00e4\u00dfer Look, der die Wurzeln und das klassische Erscheinungsbild der deutschen Fu\u00dfballnationalmannschaft w\u00fcrdigt.\u201c<\/p>\n<p>Angelehnt an die WM 1994 also. Das war nat\u00fcrlich ein Turnier mit Erinnerungswert. Diego Maradonas legend\u00e4re Karriere endete unr\u00fchmlich in einem Dopingfall, der Russe Oleg Salenko erzielte f\u00fcnf Tore in einem Spiel, und der bezopfte Italiener Roberto Baggio sorgte mit seinem Fehlversuch im ersten Final-Elfmeterschie\u00dfen der WM-Geschichte f\u00fcr gro\u00dfes Drama. <\/p>\n<p>Fu\u00dfball-WM bedeutete: Deutschland im Finale<\/p>\n<p>Aber aus deutscher Sicht? Da gab es vor allem Stefan Effenberg, der sich mit einem ausgestrecktem Mittelfinger ein fr\u00fches R\u00fcckflugticket buchte und zumindest ein bisschen deutsche Sprachgeschichte schrieb \u2013 zwei Jahre sp\u00e4ter wurde der Begriff Stinkefinger in den Duden aufgenommen. <\/p>\n<p>Und dann war da der 10. Juli, an dem bei mir eine Welt zusammenbrach.<\/p>\n<p>1975 geboren, hatte ich zuvor bewusst drei Weltmeisterschaften erlebt. 1982, das Drama gegen die Italiener um Paolo Rossi auf dem Sofa in der Ferienwohnung in der Holsteinischen Schweiz dicht am Geist von Malente. 1986 gegen Maradona und Burruchaga, wieder auf einem Sofa,  wenige Kilometer entfernt, meine Eltern hatten nun ein Ferienhaus. Und dann 1990 der Triumph von Rom mit der ganzen Klasse in der Schule w\u00e4hrend einer gemeinsamen \u00dcbernachtung. Kurzum: Fu\u00dfball-WM bedeutete f\u00fcr mich, dass Deutschland im Finale steht.<\/p>\n<p>Dann kam jener Sonntag 1994. Keine Eltern mehr, keine Schulklasse, die Kumpels. 14.00 Uhr Treffen, erst zwei Stunden selber kicken, dann zu Christopher. Grill anschmei\u00dfen, Vorberichte, jetzt auch erstmals Final-Bierchen. 18.00 Uhr deutscher Zeit Anpfiff in New York, gegen Bulgarien, das noch nie so weit gekommen war. Was soll da bittesch\u00f6n schiefgehen?  <\/p>\n<p>Das wird schon &#8230;<\/p>\n<p>Das Spiel ist m\u00e4\u00dfig, aber Matth\u00e4us trifft nach der Pause per Elfmeter, alles im Soll. Ehe binnen drei Minuten passiert, was eigentlich unm\u00f6glich ist. Erst gleicht Stoichkov aus, denn h\u00e4lt Letchkov die legend\u00e4re Haarinsel auf seiner Halbglatze in eine Flanke und k\u00f6pft die Bulgaren in F\u00fchrung. Gut zehn Minuten sind da noch zu spielen. Ich wei\u00df noch genau, wie keiner der zehn jungen M\u00e4nner im Raum in Panik verfiel. Das wird schon, wird es ja immer. <\/p>\n<p>Wurde es nicht. Abpfiff, Deutschland raus im WM-Viertelfinale. Gegen einen Underdog. Wir waren alle wie bet\u00e4ubt, die Gesetze des Universums waren au\u00dfer Kraft gesetzt. Wenn eine Bierflasche in diesem Moment an die Decke geschwebt w\u00e4re, es h\u00e4tte wohl keinen gewundert. Fast wortlos verabschiedeten wir uns, jeder zog von dannen. Das Erlebte schlug uns noch tagelang aufs Gem\u00fct. <\/p>\n<p>Damals konnte nat\u00fcrlich niemand ahnen, dass heutzutage ein erreichtes Viertelfinale nach zuletzt zwei Vorrunden-Debakeln schon ein Erfolg w\u00e4re. Und dennoch: Ich m\u00f6chte an diese WM von 1994 nicht erinnert werden.<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/sven-flohr\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/sven-flohr\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><b>Sven Flohr<\/b><\/a><b> ist Ressortleiter der WELT-Sportredaktion und hat den Fakt, dass Bulgarien seit 1998 an keiner Fu\u00dfball-WM mehr teilgenommen hat, in diesem Text erst ganz am Ende unterbekommen. <\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der DFB und Adidas haben das Trikot der deutschen Nationalmannschaft f\u00fcr die kommende WM vorgestellt. 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