{"id":560588,"date":"2025-11-08T14:21:12","date_gmt":"2025-11-08T14:21:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/560588\/"},"modified":"2025-11-08T14:21:12","modified_gmt":"2025-11-08T14:21:12","slug":"crack-kokain-fentanyl-berlin-drogenpolitik-ideologiefrei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/560588\/","title":{"rendered":"Crack, Kokain, Fentanyl \u2013 Berlin: Drogenpolitik \u2013 ideologiefrei"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img313804\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/313804.jpeg\" alt=\"Drogenkonsumraum \u00bbBirkenstube\u00ab in Berlin-Moabit\"\/><\/p>\n<p>Drogenkonsumraum \u00bbBirkenstube\u00ab in Berlin-Moabit<\/p>\n<p>Foto: dpa\/Bernd von Jutrczenka<\/p>\n<p>p { margin-bottom: 0.25cm; line-height: 115%; background: transparent }Konflikte um den G\u00f6rlitzer-Park, verst\u00e4rkte Kontrollen an den U-Bahnh\u00f6fen, <a data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1194801.suchthilfe-der-konsum-kann-helfen-das-leben-auf-der-strasse-auszuhalten.html\" data-type=\"link\" href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1194801.suchthilfe-der-konsum-kann-helfen-das-leben-auf-der-strasse-auszuhalten.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Drogenbesteck in Hausfluren<\/a> \u2013 die st\u00e4dtische <a data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1182545.rauschgifttote-immer-mehr-berliner-sterben-an-drogen.html\" data-type=\"link\" href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1182545.rauschgifttote-immer-mehr-berliner-sterben-an-drogen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Drogenkrise spitzt sich zu<\/a>. 2024 erreichte die Zahl der Drogentoten in Berlin einen neuen H\u00f6chststand. 294\u2005Menschen starben am Konsum illegaler Drogen.<\/p>\n<p>Kaum etwas ist so anr\u00fcchig wie die Abh\u00e4ngigkeit von chemischen Drogen. Angesichts dessen auf einen pragmatischen und <a data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1192818.suchthilfe-drogen-todesfaelle-in-berlin-das-schlimmste-verhindern.html\" data-type=\"link\" href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1192818.suchthilfe-drogen-todesfaelle-in-berlin-das-schlimmste-verhindern.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">menschenw\u00fcrdigen Umgang<\/a> mit Sucht und Drogenkonsum zu pochen, erfordert einen klaren moralischen Kompass und Standfestigkeit. Vertreterinnen aus Suchthilfe und Verwaltung, die am Mittwoch bei einer Podiumsdiskussion der Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin \u00fcber eine ad\u00e4quate Drogenpolitik sprachen, wirkten kampferprobt durch jahrelange Auseinandersetzungen um einen evidenzbasierten Ansatz. Entsprechend deutlich stemmen sie sich nun dagegen, dass im Zuge der drohenden Haushaltsk\u00fcrzungen die Uhr wieder zur\u00fcckgedreht wird.<\/p>\n<p>\u00bbMan tut immer so, als k\u00f6nne man das Problem unsichtbar machen\u00ab, kritisierte Heike Drees vom Parit\u00e4tischen Wohlfahrtsverband. Zwar habe es in den vergangenen Jahren gro\u00dfe Fortschritte in der Drogen- und Suchtpolitik gegeben, was sich insbesondere am Ausbau niedrigschwelliger Angebote wie der Drogenkonsumr\u00e4ume zeige. Auch habe man in Berlin inzwischen ein gut aufgestelltes, differenziertes Hilfsangebot.<\/p>\n<p>Im Kontakt mit der politischen Ebene seien die Tr\u00e4ger der Suchthilfe jedoch nach wie vor mit Vorurteilen konfrontiert, die ein pragmatisches Vorgehen verhindern. Eine starke Moralisierung des Drogenkonsums und die Schuldzuweisung an S\u00fcchtige verleiteten immer wieder dazu, mit dem Einsatz der Polizei die repressive Vorgehensweise zu w\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Neben Strafverfolgung, Pr\u00e4vention und Ausstiegshilfen ist allerdings inzwischen auch die Schadensreduzierung als eine von vier S\u00e4ulen der Drogenpolitik etabliert. Gemeint ist damit die Stabilisierung der gesundheitlichen und sozialen Situation von Suchtkranken, etwa durch Angebote zum Spritzentausch. Astrid Leicht von Fixpunkt e.\u2009V. meint: \u00bbJetzt m\u00fcssen wir daran arbeiten, dass die Schadensreduzierung eine S\u00e4ule der Drogenpolitik bleibt.\u00ab Ihr Verein arbeitet insbesondere im Bereich der Infektionsvorbeugung im Kontext von Drogenkonsum.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>&#13;<\/p>\n<p>\u00bbEs geht darum, Leben zu retten. Wieso brauchen wir f\u00fcr vieles so lange?\u00ab<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\nNina Pritszens\u2003Vista GmbH<\/p><\/blockquote>\n<p>Einstimmigkeit unter den Podiumsteilnehmerinnen bestand auch in der Einsch\u00e4tzung, dass sich die Suchthilfe unn\u00f6tigerweise ma\u00dfgeblich mit den Folgen der Kriminalisierung von Drogenkonsumenten durch die Gesetzgebung befassen muss. Trotz aller M\u00e4ngel sei das Cannabisgesetz deshalb ein wichtiger Schritt gewesen. \u00bbDie Zahl der Delikte ist um ein Drittel zur\u00fcckgegangen. Das ist positiv\u00ab, bekr\u00e4ftigt Nina Pritszens vom Verbund f\u00fcr integrative soziale und therapeutische Arbeit, kurz Vista gGmbH. Pritszens ist sich sicher: Geboten w\u00e4re es, legale Zug\u00e4nge auch zu weiteren Drogen zu erm\u00f6glichen. Die Stadt Z\u00fcrich toleriere etwa inzwischen den Mikrohandel in Drogenkonsumr\u00e4umen.<\/p>\n<p>Tr\u00e4ger wie der Parit\u00e4tische Wohlfahrtsverband Berlin fordern daher die Entwicklung eines Landeskonzepts zu Sucht und Drogen, in dem auch Entkriminalisierung eine Rolle spielen soll. Allerdings fehlt es in Berlin bislang an einem Rahmen, um solche langfristigen Perspektiven zu entwickeln.<\/p>\n<p>\u00bbIch m\u00f6chte ein Forum, in dem auch Zielkonflikte wie der um die Entkriminalisierung auf den Tisch gebracht werden k\u00f6nnen\u00ab, forderte die Landessuchtbeauftragte Heide Mutter. Mit dem Lenkungsgremium des Berliner Sicherheitsgipfels gebe es zwar einen Ansatzpunkt f\u00fcr die Entwicklung eines solchen Forums. Die Zukunft des Gremiums sei aber ungewiss, ebenso wie die im Zusammenhang damit bereitgestellten Mittel.<\/p>\n<p>Der Sicherheitsgipfel war 2023 vom Regierenden B\u00fcrgermeister Kai Wegner (CDU) anl\u00e4sslich einer mutma\u00dflichen Gruppenvergewaltigung im G\u00f6rlitzer Park einberufen worden, um die Sicherheitslage in der Stadt zu verbessern. Dazu hatte man einen ressort\u00fcbergreifenden, gesamtst\u00e4dtischen Ansatz gew\u00e4hlt: Senat und Bezirke, Innen- und Justizverwaltung, Pr\u00e4ventions- und Polizeiarbeit sollten an einem Strang ziehen. Mit insgesamt 28,5\u2005Millionen Euro sollten im Verlauf der darauffolgenden zwei Jahre verschiedenste Ma\u00dfnahmen umgesetzt werden, darunter auch soziale und gesundheitspolitische Vorhaben. Die Tr\u00e4ger der Drogen- und Suchthilfe konnten ihr Angebot in diesem Kontext enorm erweitern.<\/p>\n<p>Im aktuellen Haushaltsentwurf f\u00fcr 2026\/27 sind diese Gelder nun komplett gestrichen. Drees betonte: \u00bbHier wird die Zivilgesellschaft angegriffen. Die freien Tr\u00e4ger halten das soziale Berlin am Laufen und damit auch unsere Demokratie.\u00ab<\/p>\n<p>An Ideen f\u00fcr eine bessere Drogenpolitik mangelt es derweil nicht. \u00bbDie Umsetzung ist das Problem\u00ab, so Pritszens. Sie machte noch einmal deutlich: \u00bbEs geht darum, Leben zu retten. Wieso brauchen wir f\u00fcr vieles so lange?\u00ab Die Stadt Hamburg habe etwa w\u00e4hrend der Corona-Pandemie den Zugang zu Substitution \u2013 also den Konsum von legalen Ersatzdrogen \u2013 in Drogenkonsumr\u00e4umen erm\u00f6glicht. In Berlin werde dieses Thema seit Jahren bearbeitet, bislang ohne Ergebnis.<\/p>\n<p>Auch in Sachen Naloxon, das bei Opioid-\u00dcberdosen in Form eines Nasensprays als Gegenmittel verabreicht werden kann, habe die Verwaltung viel zu langsam agiert. Bis Ende September war das Medikament noch verschreibungspflichtig. \u00bbBerlin hat gerettet, dass synthetische Opioide bislang kaum in der Stadt angekommen sind\u00ab, so Pritszens. Man m\u00fcsse sich allerdings darauf vorbereiten, bald st\u00e4rker mit den Substanzen konfrontiert zu sein. Insbesondere der Gebrauch von Fentanyl ist f\u00fcr zahlreiche Tode verantwortlich: Vergangenes Jahr starben in den USA trotz sinkender Zahlen immer noch 48\u2009000 Menschen an einer \u00dcberdosis.<\/p>\n<p>Der angespannte Wohnungsmarkt, wegfallende Nischen im Stadtraum und eine h\u00f6here Verf\u00fcgbarkeit von Kokain und Crack f\u00fchren aktuell zu einer zunehmenden Sichtbarkeit von Sucht und Verelendung im \u00f6ffentlichen Raum. Immer wieder kommt es deshalb zu Spannungen mit Anwohner*innen. N\u00f6tig w\u00e4re angesichts dessen eine gute Kiezarbeit, meint Drees.<\/p>\n<p>Die j\u00fcngste Streichung der F\u00f6rdermittel f\u00fcr die \u00bbFegeflotte\u00ab des Drogennotdienstes weist allerdings in eine g\u00e4nzlich andere Richtung. Im Rahmen des Projekts reinigen ehemalige Suchterkrankte den Kiez um die Kurzf\u00fcrstenstra\u00dfe von Kleinstm\u00fcll wie Spritzen und Kondomen. Der Senat hat die Gelder im Oktober zum kommenden Jahr gestrichen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Drogenkonsumraum \u00bbBirkenstube\u00ab in Berlin-Moabit Foto: dpa\/Bernd von Jutrczenka p { margin-bottom: 0.25cm; line-height: 115%; background: transparent }Konflikte um&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":560589,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[1941,1939,296,1937,29,433,30,1940,1938],"class_list":{"0":"post-560588","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-aktuelle-nachrichten-aus-berlin","9":"tag-aktuelle-news-aus-berlin","10":"tag-berlin","11":"tag-berlin-news","12":"tag-deutschland","13":"tag-drogen","14":"tag-germany","15":"tag-nachrichten-aus-berlin","16":"tag-news-aus-berlin"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115514526627514057","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/560588","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=560588"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/560588\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/560589"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=560588"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=560588"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=560588"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}