{"id":562094,"date":"2025-11-09T05:07:20","date_gmt":"2025-11-09T05:07:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/562094\/"},"modified":"2025-11-09T05:07:20","modified_gmt":"2025-11-09T05:07:20","slug":"gerhard-heining-aus-spenge-kaempft-fuer-erhalt-des-plattdeutschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/562094\/","title":{"rendered":"Gerhard Heining aus Spenge k\u00e4mpft f\u00fcr Erhalt des Plattdeutschen"},"content":{"rendered":"<p class=\"\">\n                    \u201eNa denn laut us man up Platt wietermaken\u201c, sagt Gerhard Heining, als er h\u00f6rt, dass sein Gegeb\u00fcber ebenfalls Niederdeutsch spricht. Der 88-J\u00e4hrige stammt aus Bard\u00fcttingdorf, einem Ortsteil von Spenge mit 1200 Seelen, der gerade einmal drei Kilometer vom Meller Stadtteil Neuenkirchen entfernt liegt.\n            <\/p>\n<p class=\"\"><a href=\"https:\/\/www.noz.de\/lokales\/melle\/artikel\/warum-zwei-junge-meller-beim-plattdeutschen-theater-mitspielen-47928506\" class=\"link underline-blue\" title=\"\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\">Nur was f\u00fcr Oma und Opa? Darum spielen zwei junge Meller plattdeutsches Theater<\/a><\/p>\n<p class=\"\">\n                    Gerhard Heining, der auch Gerd genannt wird, ist Westfale und spricht Plattdeutsch seit seinem zehnten Lebensjahr. Er besuchte das Gymnasium, entschied sich dann aber f\u00fcr die Landwirtschaft auf dem zehn Hektar gro\u00dfen elterlichen Hof. \u201eAls ich erkannte, dass die Gr\u00f6\u00dfe des Hofs keine Zukunft hatte, machte ich noch eine Begabtensonderpr\u00fcfung und studierte Lehramt.\u201c 30 Jahre war er \u201eSchoulmester\u201c und k\u00fcmmerte sich auch um die niederdeutsche Sprache. Er ist au\u00dferdem als \u00dcbersetzer von hochdeutschen Texten ins Plattdeutsche t\u00e4tig, zum Beispiel \u00fcbersetzt er kirchliche Texte und Losungen (Verse aus der Bibel) ins Ravenberger Platt.\n            <\/p>\n<p>            Worum es in \u201eDubbelkobb met oinen Fr\u00fcomden\u201c geht<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Heining hat zudem den Heimatkrimi \u201eDoppelkopf mit einem Fremden\u201c von Hans Meyer zu D\u00fctttingdorf ins Plattdeutsche \u00fcbersetzt. Dabei ist eine neue Variante mit dem Titel \u201eDubbelkobb met oinen Fr\u00fcomden\u201c entstanden. Damit auch unge\u00fcbte Plattdeutsch-Leser den Inhalt verstehen, hat er die von ihm verfasste plattdeutsche Fassung in seinem Buch mit Fu\u00dfnoten versehen.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Der Heimatroman von Heinz Meyer zu D\u00fcttingdorf, der jetzt bei Berlin lebt und sich gut im l\u00e4ndlichen Raum auskennt, ist teils wahr, teils erfunden. Die \u00dcbersetzung war laut Heining anspruchsvoll:\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    \u201eDe Lu\u00fce ku\u00fcrt nich van en, owwer joider kinnt suine Geschichte: Fritz, de j\u00fcngeste Suohne un Iarbe van denn gr\u00e4oden Moiggerhoff, es os Kuind in oinen M\u00fcohlenduike vodrunken. Was da man bl\u00f6ots oin Ungl\u00fccke? Wat es doamoals passiert? Os oin jungen Forscher vos\u00f6cht dat riut to kruigen, schint de W\u00e4oherhoid ant Lecht to kuomen. Owwer witt dat de Lu\u00fce in Duarpe?\u201c\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Das ist Ravensberger Plattdeutsch und bedeutet: \u201eDie Leute sprechen nicht von einem, aber jeder kennt seine Geschichte. Fritz, der j\u00fcngere Sohn und Erbe von dem gro\u00dfen Meierhof, ist als Kind in einem M\u00fchlenteich ertrunken. War das nur ein Ungl\u00fcck? Was ist damals passiert? Als ein junger Forscher versucht, das herauszubekommen, scheint die Wahrheit ans Licht zu kommen. Aber wissen das die Leute im Dorf?\u201c\n            <\/p>\n<p>            Warum Gerhard Heining das Buch unbedingt \u00fcbersetzen wollte<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Was war Gerhard Heinings Ansporn, dieses Buch, das auch als H\u00f6rbuch bei Spotify und YouTube zu h\u00f6ren ist, ins Ravensberger Platt zu \u00fcbersetzen? In dem Buch gibt es drei Sprachebenen, wie Heining erkl\u00e4rt. Die Bauern und ihre K\u00f6tter sprechen um 1930 untereinander Plattdeutsch. \u201eMit ihren Kindern sprechen sie jedoch Hochdeutsch, da es feiner klang.\u201c Und dann gibt es noch Missingsch, eine Mischform aus Hochdeutsch und plattdeutscher Grammatik. \u201eDas Ganze fand ich sehr interessant\u201c, so Heining.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Dem fr\u00fcheren Lehrer ging es nicht nur um die erfundene Dorfgeschichte und den mysteri\u00f6sen Tod des Meierhof-Erben. Der Hauptgrund war, den regionalen plattdeutschen Dialekt des Ravensberger Platt in einem Dokument festzuhalten.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Heining achtete nicht nur auf die Vokabeln und die Aussprache. Er hatte auch die plattdeutsche Grammatik im Blick, denn f\u00fcr Platt gibt es keine festgelegten Rechtschreibregeln. \u201eIn unserem Dorf spricht au\u00dfer mir nur noch ein 95-J\u00e4hriger Ravensberger Platt\u201c, bedauert der ehemalige Lehrer. Er erg\u00e4nzt, dass der hiesige Heimatverein jetzt aber mit der VHS Kurse mit Achim Schr\u00f6der aus Kirchlengern anbietet.\n            <\/p>\n<p>            Warum Plattdeutsch so besonders ist<\/p>\n<p class=\"\">\n                    \u201ePlattdeutsch ist eine eigene Sprache, ein Kulturgut mit verschiedenen regionalen Dialekten.\u201c Die Schwierigkeit liegt laut Heining in den Diphthongen, die im Hochdeutschen nicht so h\u00e4ufig verwendet werden.\u201c Der Diphthong, auch Zwielaut oder Zweilaut genannt, ist ein Doppellaut aus zwei aufeinanderfolgenden, unterschiedlichen Vokalen.\n            <\/p>\n<p class=\"\"><a href=\"https:\/\/www.noz.de\/lokales\/melle\/artikel\/maria-brunsmann-schluss-mit-plattdeutschem-theater-in-gesmold-46009041\" class=\"link underline-blue\" title=\"\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\">Maria Brunsmann hat plattdeutsches Theater in Gesmold gepr\u00e4gt<\/a><\/p>\n<p class=\"\">\n                    Das bedeutet, dass die beiden Vokale beim Sprechen verbunden und eben nicht voneinander getrennt gesprochen werden. Im Deutschen sind diese Kombinationen \u00fcblich: au, ei, ai, eu, \u00e4u und ui. Die Diphthonge ei\/ai sowie eu\/\u00e4u klingen gleich. Ein Sprach-Beispiel ist Feuer\/Fu\u00fcer oder Feier\/Fuier. Die Verwendung, H\u00e4ufigkeit, Aussprache und Schreibweise der Diphthonge ist regional unterschiedlich.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Auch wird im Ravenberger Platt das G als Ch am Wortanfang gesprochen. Das ist ein besonderer Rachenlaut, den es auch im Niederl\u00e4ndischen gibt. Menschen, die Plattdeutsch beherrschen, verstehen die regionalen Unterschiede weitgehend.\n            <\/p>\n<p>            Wieso nur noch wenige Menschen Plattdeutsch sprechen<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Aber warum verlor das Niederdeutsche an Bedeutung? Es war einst eine beliebte Sprache, wie Heining wei\u00df. Sp\u00e4ter galt es als verp\u00f6nt, obwohl Plattdeutsch seine Bl\u00fctezeit als gesprochene und geschriebene Sprache zu Zeiten der Hanse hatte. Niederdeutsch war somit immerhin die \u201eWeltsprache\u201c des hanseatischen Wirtschaftsraumes.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    \u201eDer Verfall der plattdeutschen Sprache setzte ein, als Staat und Kirche es verboten, Plattdeutsch zu sprechen. Pastoren wurden sogar strafversetzt, falls sie die Anweisungen nicht befolgten\u201c, erl\u00e4utert Heining das drastische Verschwinden dieser alten germanischen Sprache. Die Sprache hat eher Verbindungen zum Niederl\u00e4ndischen und Englischen als zum modernen Hochdeutsch.\n            <\/p>\n<p>            Gerhard Heining hat eine Hoffnung f\u00fcrs Plattdeutsche<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Plattdeutsch wurde Ende des 20. Jahrhunderts in die Europ\u00e4ische Charta der Regional- und Minderheitensprache aufgenommen. Der Grund daf\u00fcr ist der erhebliche Anteil von W\u00f6rtern, die es im Hochdeutschen nicht gibt. Au\u00dferdem ist die Grammatik deutlich anders: Dativ und Akkusativ sind nicht getrennt, sondern zu einem Objektfall vereint. Es gibt nur zwei Artikel \u2013 de, dat \u2013 und meistens keinen Genitiv (mit Ausnahmen wie Meiers Fittken).\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    \u201eDie Wiederbelebung des Plattdeutschen hat in Schulen und Kinderg\u00e4rten nicht den gew\u00fcnschten Erfolg gebracht, da es einfach nicht praktiziert wird\u201c, bedauert Heining. Er hofft aber, dass durch Plattdeutschlesen ein gr\u00f6\u00dferes Sprachverst\u00e4ndnis erlangt werden kann, wenn nicht durch eigenes Sprechen, dann wenigstens durch Verstehen.\n            <\/p>\n<p>                Weitere Artikel aus Ostwestfalen            gr\u00f6\u00dfer alsGr\u00f6\u00dfer als Zeichengr\u00f6\u00dfer alsGr\u00f6\u00dfer als Zeichen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eNa denn laut us man up Platt wietermaken\u201c, sagt Gerhard Heining, als er h\u00f6rt, dass sein Gegeb\u00fcber ebenfalls&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":562095,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1841],"tags":[296,1605,1797,3364,29,30,135792,135791,135793,1209,55150,1300,17284,26,1506,76546],"class_list":{"0":"post-562094","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-bielefeld","8":"tag-berlin","9":"tag-bielefeld","10":"tag-buch","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-germany","14":"tag-hans-meyer","15":"tag-heinz-meyer","16":"tag-kirchlengern","17":"tag-nordrhein-westfalen","18":"tag-spenge","19":"tag-sprache","20":"tag-tradition","21":"tag-un","22":"tag-youtube","23":"tag-zsm_ostwestfalen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115518009855072786","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/562094","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=562094"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/562094\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/562095"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=562094"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=562094"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=562094"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}