{"id":56223,"date":"2025-04-24T02:00:15","date_gmt":"2025-04-24T02:00:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/56223\/"},"modified":"2025-04-24T02:00:15","modified_gmt":"2025-04-24T02:00:15","slug":"istanbul-in-angst-sorge-vor-weiteren-beben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/56223\/","title":{"rendered":"Istanbul in Angst &#8211; Sorge vor weiteren Beben"},"content":{"rendered":"<p>Istanbul (dpa) &#8211; 13 Sekunden reichen, um Millionen Menschen in Panik zu versetzen. 13 Sekunden, die sich f\u00fcr viele Bewohner Istanbuls wie eine Ewigkeit anf\u00fchlen, weil gewaltige Kr\u00e4fte die gesamte Stadt ersch\u00fcttern. Die meisten Bewohner eilen auf die Stra\u00dfen, manche springen in Angst aus den Fenstern &#8211; 151 Menschen verletzten sich laut den Beh\u00f6rden dadurch. Bei dem Beben der St\u00e4rke 6,2 ist die Stadt noch glimpflich davongekommen, es gibt laut Innenministerium keine Toten. Was aber, wenn ein noch st\u00e4rkeres Beben folgt, wie Experten bef\u00fcrchten?<\/p>\n<p>Ruhig bleiben &#8211; oder fl\u00fcchten?<\/p>\n<p>Bis zum Mittwochabend hielten mehr als 120 teils starke Nachbeben die Menschen in Angst und Schrecken. Die Parks und Freifl\u00e4chen der Stadt f\u00fcllten sich, Familien mit ihren Kindern und Gro\u00dfeltern, mit Haustieren in Transportboxen, manche auch mit Notfalltaschen, die etwa eine Decke, Wasser und eine Trillerpfeife enthalten, falls man versch\u00fcttet wird. Auf den Stra\u00dfen bildeten sich lange Staus jener, die die Stadt verlie\u00dfen, um im Umland zur \u00fcbernachten &#8211; zur Not im Auto.\u00a0<\/p>\n<p>Denn das ist die gro\u00dfe Frage: Wohin? Einfach zur\u00fcck nach Hause? \u00abDas Geb\u00e4ude ist sicher, macht euch keine Sorgen\u00bb, ruft ein Teeh\u00e4ndler in der Altstadt. Auch Touristen shoppen auf der bekannten Einkaufsstra\u00dfe Istiklal, als sei es ein Tag wie jeder andere. W\u00e4hrend manche Passanten cool bleiben, k\u00f6nnen andere sich nicht beruhigen, sie weinen und zittern.<\/p>\n<p>Angst vor dem gro\u00dfen Beben<\/p>\n<p>Es k\u00f6nne nicht ausgeschlossen werden, dass ein weiteres starkes Beben folge, sagt der Geologe Okan T\u00fcys\u00fcz dem Sender NTV. Das Hauptbeben werde noch kommen, schreibt Erdbebenforscher Naci G\u00f6r\u00fcr auf der Plattform X. Im Marmarameer verl\u00e4uft eine tektonische Plattengrenze. Die aktuellen Ersch\u00fctterungen erh\u00f6hten die Spannungen dort zus\u00e4tzlich, so G\u00f6r\u00fcr. Wann das gro\u00dfe Beben die Megametropole trifft, ist ungewiss. Aber dass es kommt, ist laut Experten sicher.<\/p>\n<p>Kritik am Katastrophenschutz<\/p>\n<p>Trotzdem gilt die Stadt als schlecht vorbereitet. Schon bald wird Kritik in sozialen Netzwerken laut: Istanbul sei total verbaut, selbst Freifl\u00e4chen, die eigentlich f\u00fcr solche Notf\u00e4lle gedacht sind, seien nicht zug\u00e4nglich, manche sogar mit Z\u00e4unen abgeriegelt, hei\u00dft es in den Posts.\u00a0<\/p>\n<p>Die oppositionsnahe Nachrichtenagentur Anka berichtet, die Polizei habe Menschen verjagt, die im zentralen Gezi-Park Zelte aufschlagen wollten, um nicht zur\u00fcck in ihre Wohnungen zu m\u00fcssen.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abEs gibt einfach keine Garantie f\u00fcr die Sicherheit der Infrastruktur\u00bb, sagt eine junge Deutsche, die in der Metropole am Bosporus arbeitet, der dpa. \u00abDie Stadt ist einfach nicht auf Erdbeben vorbereitet, weder hinsichtlich der Bausubstanz noch was die Sicherheitsma\u00dfnahmen betrifft.\u00bb Eine Warn-SMS beispielsweise h\u00e4tten viele nicht erhalten, obwohl es ein solches System gibt.<\/p>\n<p>Entsprechend besorgt sind die Bewohner Istanbuls. Manche eilten zu Krankenh\u00e4usern, um ihre kranken Angeh\u00f6rigen von dort abzuholen und in Sicherheit zu bringen &#8211; samt Krankenbett und Tropf, wie Bilder des Staatssenders TRT zeigten. Andere lassen sich kaum irritieren: Auf einem Video der Nachrichtenagentur DHA ist eine Tier\u00e4rztin zu sehen, die eine Katze im Kofferraum eines Autos operiert, weil sie zuvor w\u00e4hrend des Eingriffs vom Beben \u00fcberrascht worden war.<\/p>\n<p>Infrastruktur bislang intakt<\/p>\n<p>Laut dem Istanbuler Gouverneursamt gab es keine eingest\u00fcrzten Wohnh\u00e4user; lediglich ein leerstehendes Haus im Bezirk Fatih soll eingest\u00fcrzt sein. Verkehrsminister Abdulkadir Uralo\u011flu schreibt auf der Plattform X, es seien bei einer ersten Bestandsaufnahme keine Sch\u00e4den an Stra\u00dfen, Flugh\u00e4fen, Z\u00fcgen und U-Bahnen festgestellt worden. St\u00e4dtebauminister Murat Kurum sprach am Abend von zw\u00f6lf vorsorglich evakuierten Geb\u00e4uden. Die t\u00fcrkische Fluggesellschaft\u00a0Turkish Airlines teilte mit,\u00a0die Preise f\u00fcr alle Inlandsfl\u00fcge w\u00fcrden auf maximal 1750\u00a0T\u00fcrkische Lira (rund 40 Euro)\u00a0begrenzt. Auch k\u00f6nnten, wenn n\u00f6tig, weitere Fl\u00fcge eingesetzt werden &#8211; f\u00fcr jene, die die Stadt so schnell wie m\u00f6glich verlassen wollen.<\/p>\n<p>Experten warnen vor m\u00f6glichem weiteren Beben<\/p>\n<p>Beim deutschen Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Geoforschung (GFZ) in Potsdam beobachtet man die Vorg\u00e4nge ebenfalls sehr genau. \u00abZum jetzigen Zeitpunkt gibt es zwei Szenarien: Entweder ist die unmittelbare Region nun vorerst entspannt und die Seismizit\u00e4t klingt langsam ab, oder die durch das Beben erzeugten Spannungsumlagerungen erh\u00f6hen die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr ein gr\u00f6\u00dferes Erdbeben in der Region\u00bb, hie\u00df es in einer GFZ-Mitteilung.<\/p>\n<p>Experten gehen davon aus, dass ein Beben rund um die St\u00e4rke 7 in Istanbul l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig ist. Laut t\u00fcrkischem St\u00e4dtebauminister Murat Kurum gelten 1,5 Millionen Wohnungen und Gewerbeeinheiten als bei einem Erdbeben gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>Imamoglu: Kann an diesem schweren Tag nicht bei euch sein<\/p>\n<p>Der t\u00fcrkische Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdogan sicherte den B\u00fcrgern am Mittag zu, der Katastrophendienst Afad, das Gesundheitsministerium und alle weiteren staatlichen Institutionen seien in voller Alarmbereitschaft. \u00abWir beobachten die Situation genau\u00bb, schrieb er auf der Plattform X mit.<\/p>\n<p>Auch der inhaftierte t\u00fcrkische Oppositionsf\u00fchrer und abgesetzte B\u00fcrgermeister Istanbuls, Ekrem Imamoglu, meldete sich auf X zu Wort. An die Istanbuler gerichtet \u00e4u\u00dferte er seine Trauer dar\u00fcber, \u00aban diesem schweren Tag nicht bei euch sein zu k\u00f6nnen\u00bb. Er appellierte an Einheit, Zusammenhalt und Solidarit\u00e4t im Kampf gegen die Naturkatastrophe.<\/p>\n<p>Immer wieder katastrophale Erdbeben<\/p>\n<p>Die T\u00fcrkei hat leidvolle Erfahrungen mit Erdbeben. Anfang 2023 kamen bei zwei verheerenden Beben der St\u00e4rke 7,7 und 7,6 in der S\u00fcdostt\u00fcrkei und dem Norden Syriens Zehntausende Menschen ums Leben, allein in der T\u00fcrkei gab es 53.000 Opfer. Das letzte starke Beben nahe Istanbul gab es im Jahr 1999 &#8211; damals starben mehr als 18.000 Menschen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Istanbul (dpa) &#8211; 13 Sekunden reichen, um Millionen Menschen in Panik zu versetzen. 13 Sekunden, die sich f\u00fcr&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":56224,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1840],"tags":[25492,3364,29,22,30,7335,1209,4418],"class_list":{"0":"post-56223","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wuppertal","8":"tag-trkei","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-erdbeben","12":"tag-germany","13":"tag-katastrophe","14":"tag-nordrhein-westfalen","15":"tag-wuppertal"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114390474670830558","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/56223","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=56223"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/56223\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/56224"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=56223"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=56223"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=56223"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}