{"id":562671,"date":"2025-11-09T10:55:12","date_gmt":"2025-11-09T10:55:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/562671\/"},"modified":"2025-11-09T10:55:12","modified_gmt":"2025-11-09T10:55:12","slug":"massaker-in-darfur-jetzt-haben-die-usa-die-wichtigste-lehre-aus-dem-krieg-im-sudan-gezogen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/562671\/","title":{"rendered":"Massaker in Darfur: Jetzt haben die USA die wichtigste Lehre aus dem Krieg im Sudan gezogen"},"content":{"rendered":"<p>Die Massaker in Darfur und das weltweite Entsetzen dar\u00fcber haben den Sudan-Krieg zur\u00fcck auf die Weltb\u00fchne geholt. Trumps Sonderberater bringt Bewegung in den Konflikt, die Miliz RSF stimmt einem Waffenstillstand zu. Auch, weil Washington den entscheidenden Hebel erkannt hat.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Der Mann, der f\u00fcr das Wei\u00dfe Haus so ziemlich alle gro\u00dfen Konflikte in Afrika l\u00f6sen soll, hat beste Verbindungen zu US-Pr\u00e4sident Donald Trump. Massad Boulos, libanesisch-amerikanischer Gesch\u00e4ftsmann, ist Schwiegervater von Trumps Tochter Tiffany, was im Machtgef\u00fcge der aktuellen Administration bekanntlich bisweilen ein wichtigerer Faktor ist als diplomatische Erfahrung. Hinzu kommen die exzellenten Verbindungen des 54-J\u00e4hrigen in die Vereinigten Arabischen Emirate, die zuletzt mehr Investitionen in Afrika t\u00e4tigten als China.<\/p>\n<p>Seit Anfang des Jahres ist Boulos Sonderberater f\u00fcr Afrika und Nahost. Und unter ihm ist Bewegung in die Vermittlung im gravierendsten Konflikt des Kontinents gekommen: den Krieg im Sudan. Zumindest, so sagen f\u00fchrende Sudan-Experten wie Alex de Waal vom amerikanischen Forschungsinstitut World Peace Foundation, mehr als unter Trumps Vorg\u00e4nger Joe Biden. Der hatte die Vermittlung vorrangig der einmal mehr erfolglosen Afrikanischen Union und Regionalverb\u00e4nden \u00fcberlassen.<\/p>\n<p>Boulos und US-Au\u00dfenminister Marco Rubio ber\u00fccksichtigten endlich konsequent die wichtigste Lehre aus diesem Krieg: Ohne die Golfstaaten gibt es keinen Hebel. Die UN sehen es als weitgehend belegt an, dass die Vereinigten Arabischen Emirate  die Miliz RSF finanzieren, trotz entsprechender Dementis. <\/p>\n<p>\u00c4gypten unterst\u00fctzt derweil den Kriegsgegner der RSF, die sudanesische Armee. Die Mitglieder der sogenannten Quad-Initiative \u2013 die USA, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien und \u00c4gypten \u2013 trafen sich in den vergangenen Wochen entsprechend zu z\u00e4hen Verhandlungen in Washington.<\/p>\n<p>Der anschlie\u00dfend pr\u00e4sentierte gemeinsame Fahrplan sah eine dreimonatige humanit\u00e4re Waffenruhe vor, gefolgt von einem dauerhaften Waffenstillstand und einem \u00dcbergang zu einer zivilen Regierung. Anstelle einer Antwort der Konfliktparteien gab es einige der schlimmsten Kriegsverbrechen seit Beginn der K\u00e4mpfe im April 2023. <\/p>\n<p>Ende Oktober <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article68ffe97e59e2e0975070da03\/sudan-rsf-miliz-erobert-letzte-grossstadt-in-region-darfur-berichte-ueber-graeueltaten.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article68ffe97e59e2e0975070da03\/sudan-rsf-miliz-erobert-letzte-grossstadt-in-region-darfur-berichte-ueber-graeueltaten.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eroberte die RSF al-Faschir<\/a>, die letzte Gro\u00dfstadt unter Armeekontrolle in der Region Darfur. Die Miliz beherrscht damit ein Gebiet im Westen, dessen Fl\u00e4che gr\u00f6\u00dfer ist als Deutschland. Der Sudan ist mittelfristig de facto geteilt.<\/p>\n<p>An einem einzigen Tag wurden in al-Faschir \u00fcber 1000 Menschen von der RSF get\u00f6tet. Die Videos massenhafter Erschie\u00dfungen von Unbewaffneten l\u00f6sten weltweit Entsetzen aus. Vielleicht das erste Mal in diesem Krieg, der sich im Schatten von Gaza und der Ukraine l\u00e4ngst zur gr\u00f6\u00dften humanit\u00e4ren Krise der Welt entwickelt hat. <\/p>\n<p>Insgesamt sind bereits bis zu 150.000 Menschen in diesem Krieg gestorben, vor dem 13 Millionen fliehen mussten und in dessen Folge knapp die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung auf internationale Hilfe angewiesen ist.<\/p>\n<p>Am Donnerstag <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/newsticker\/dpa_nt\/infoline_nt\/politik_ausland_nt\/article690cc4feb035f3184cc845fc\/miliz-im-sudan-stimmt-humanitaerer-waffenruhe-zu.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/newsticker\/dpa_nt\/infoline_nt\/politik_ausland_nt\/article690cc4feb035f3184cc845fc\/miliz-im-sudan-stimmt-humanitaerer-waffenruhe-zu.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">stimmte die Miliz dann \u00fcberraschend dem humanit\u00e4ren Waffenstillstand zu<\/a>. \u201eAls Reaktion auf die W\u00fcnsche des sudanesischen Volkes stimmen die Rapid Support Forces dem von den Quad-L\u00e4ndern vorgeschlagenen humanit\u00e4ren Waffenstillstand zu, um die katastrophalen humanit\u00e4ren Folgen des Krieges anzugehen und den dringenden Zugang f\u00fcr Hilfe zu erm\u00f6glichen\u201c, teilte die RSF mit. Die Miliz bedankte sich ausdr\u00fccklich bei den \u201eQuad-Staaten, angef\u00fchrt von den Vereinigten Staaten von Amerika\u201c.<\/p>\n<p>Eine Reaktion von der sudanesischen Armee steht indes noch aus. Sie hat wiederholt die Entwaffnung der RSF zu einer Bedingung f\u00fcr einen Waffenstillstand erkl\u00e4rt. Nur wenige Stunden vor der Verlautbarung der Miliz hatte Armeechef Abdel Fattah al-Burhan im Staatsfernsehen Rache f\u00fcr al-Faschir angek\u00fcndigt: \u201eBald werden wir diejenigen r\u00e4chen, die get\u00f6tet und misshandelt wurden, in allen Regionen, die von den Rebellen angegriffen wurden.\u201c<\/p>\n<p>Trumps Sonderberater Boulos lie\u00df sich nach dem <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article690ca86f4b8e9e8a831706e0\/sudan-us-forscher-entdecken-auf-satellitenbildern-meterlange-graeben-hinweise-auf-kriegsverbrechen.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article690ca86f4b8e9e8a831706e0\/sudan-us-forscher-entdecken-auf-satellitenbildern-meterlange-graeben-hinweise-auf-kriegsverbrechen.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Massaker von al-Faschir<\/a> mit den Worten zitieren, beide Seiten h\u00e4tten \u201eprinzipiell\u201c dem humanit\u00e4ren Waffenstillstand zugestimmt, der Fokus liege nun auf \u201ekleinen Details\u201c. Die entscheidende Frage ist jetzt, inwieweit die USA bereit sind, ihren Einfluss auf die internationalen Unterst\u00fctzer der Kriegsgegner auszuspielen \u2013 und damit wichtige Beziehungen zu riskieren. <\/p>\n<p>Emirate haben Zugang zu Rohstoffen in Darfur<\/p>\n<p>Sowohl \u00c4gypten als auch die Vereinigten Arabischen Emirate sind wichtige milit\u00e4rische Verb\u00fcndete Washingtons im Nahen Osten, beziehen US-Waffen in Milliardenwert. In den Emiraten sind zudem Tausende amerikanische Soldaten stationiert.<\/p>\n<p>Mit der Eroberung von al-Faschir durch die Miliz RSF haben die Emirate Zugang zu den Rohstoffen der Region Darfur \u2013 und ein Druckmittel bei Allianzen der Armee mit dem Iran, der sich zuletzt mit Drohnenlieferungen Einfluss im Sudan erkauft hat. Teheran hat die Gener\u00e4le einem Bericht des \u201eWall Street Journal\u201c zufolge im vergangenen Jahr um den Bau einer iranischen Marinebasis am Roten Meer gebeten, an einer der wichtigsten Handelsrouten der Welt.<\/p>\n<p>Bislang blieb das ohne Erfolg. F\u00fcr den Westen und auch Saudi-Arabien w\u00e4re eine solche Genehmigung ein rotes Tuch. Schon vor dem Krieg gewannen Teile der alten islamistischen Netzwerke um den 2019 gest\u00fcrzten Diktator Omar al Baschir wieder Einfluss innerhalb der Armee. <\/p>\n<p>Genau deren dauerhafte Entmachtung fordert der Quad-Fahrplan \u2013 ein Punkt, der im Offizierskorps als Angriff auf ihre Machtstrukturen gilt. Dass zuletzt auch Katar und die T\u00fcrkei vermehrt zu ihren Unterst\u00fctzern z\u00e4hlten, vereinfacht die Lage nicht.<\/p>\n<p>So ist ein schmaler humanit\u00e4rer Korridor vorerst wohl das einzige einigerma\u00dfen realistische Ziel. Im ersten Kriegsjahr gab es sechs derartige Vereinbarungen, die sich, wenn \u00fcberhaupt, als m\u00e4\u00dfig erfolgreich erwiesen. Aber es ist immerhin die Aussicht auf einen Korridor zur Versorgung der Hungernden. Einen solchen gab es zuletzt vor 15 Monaten.<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/christian-putsch\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/christian-putsch\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><b>Christian Putsch<\/b><\/a><b> ist Afrika-Korrespondent. Er hat im Auftrag von WELT seit dem Jahr 2009 aus \u00fcber 30 L\u00e4ndern dieses geopolitisch zunehmend bedeutenden Kontinents berichtet. <\/b> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Massaker in Darfur und das weltweite Entsetzen dar\u00fcber haben den Sudan-Krieg zur\u00fcck auf die Weltb\u00fchne geholt. 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