{"id":562902,"date":"2025-11-09T13:12:12","date_gmt":"2025-11-09T13:12:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/562902\/"},"modified":"2025-11-09T13:12:12","modified_gmt":"2025-11-09T13:12:12","slug":"roman-lets-talk-about-feelings-beginnt-ab-40-die-freudlosere-lebenshaelfte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/562902\/","title":{"rendered":"Roman: &#8222;Let\u2019s talk about feelings&#8220;: Beginnt ab 40 die &#8222;freudlosere Lebensh\u00e4lfte&#8220;?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im Roman &#8222;Let&#8217;s talk about feelings&#8220; ist die Welt absolut in Ordnung. Trotzdem fragt sich der Szene-Berliner Marian mit Anfang 40: Geht es mit seinem Leben von nun an bergab? Antworten gibt es in Japan, Wolfsburg und im eigenen Laden. <\/strong><\/p>\n<p>Als vor f\u00fcnf Jahren &#8222;Allegro Pastell&#8220; erschien, ein Roman, der sich selbst als &#8222;Germany&#8217;s next Lovestory&#8220; bewarb, konnte man sich leicht irritieren lassen. Vielleicht fand man die GNTM-Referenz zu Recht bescheuert, vielleicht war man aber selbst auch ein wenig bescheuert, weil man das ernst nahm. <\/p>\n<p>Nun ist &#8222;Allegro Pastell&#8220; eine Lovestory, verortet in Deutschland, in einem Milieu aus Lifestyle-Gro\u00dfst\u00e4dtern um die 30 mit B\u00fcrgertumshintergrund, finanziell sorglos und besch\u00e4ftigt mit Selbstbespa\u00dfung und Selbstverwirklichung. Das Protagonistenpaar tritt durchweg durchtherapiert auf und besitzt Vermeidungsstrategien f\u00fcr Gef\u00fchlsausschl\u00e4ge nach oben wie unten. Im Herzen apolitische Linksliberale mit meistens okayem Gem\u00fctszustand.<\/p>\n<p>Ihre Decathlon-Shoppingtouren, die wohldosierten Ketamin-Kicks in Neuk\u00f6llner Szenekneipen und ihren n\u00fcchtern-reflektierten Emotionsumgang mochte man belanglos finden oder nervig oder deprimierend. Oder man hielt den Autor Leif Randt f\u00fcr einen genialen, in seinem Sound unnachahmlichen Portr\u00e4tisten einer sich selbst karikierenden Szene. <\/p>\n<p>Autor mit Attit\u00fcde<\/p>\n<p>Hinzu kam, dass Randt einige Eigenschaften seiner &#8222;Allegro-Pastell&#8220;-Hauptcharaktere selbst mitbrachte: Alter (Mitte 30), Wohnort (Berlin und Maintal), Attit\u00fcde (cooler Look). Das machte ihn sympathisch selbstironisch und seine Literatur glaubhaft \u00fcberspitzt. Jetzt ist sein n\u00e4chstes Werk erschienen, &#8222;Let&#8217;s talk about feelings&#8220;. Eine Art geistiger Nachfolger von &#8222;Allegro Pastell&#8220; und selbsternannter &#8222;Coming of Middle Age&#8220;-Roman.<\/p>\n<p>Wie inzwischen auch Randt ist der Protagonist Anfang 40. Er hei\u00dft Marian, f\u00fchrt eine Boutique in Berlin-Sch\u00f6neberg und verstreut im Anfangskapitel die Asche seiner prominenten Mutter \u00fcber dem Wannsee. Ihr Tod und sein Eintreten in die vermeintlich &#8222;freudlosere Lebensh\u00e4lfte&#8220; sorgen bei Marian zun\u00e4chst f\u00fcr Anfl\u00fcge von Beschwerlichkeit. Partys werden h\u00e4ufiger ausgelassen oder zumindest n\u00fcchtern bestritten und das Kind der Ex-Freundin l\u00e4sst Was-w\u00e4re-wenn-Gedanken aufkommen. <\/p>\n<p>Die Leserinnen und Leser begleiten den nachdenklichen Hedonismus eines privilegierten Singles, der gen\u00fcgend Zeit und Mittel hat, um viel \u00fcber Mode zu sinnieren und viel unterwegs zu sein: Halbspontane Trips nach Japan und sehr spontane ins Goethe-Institut von Delhi, selbst genehmigte Auszeiten im v\u00e4terlichen Ferienhaus auf Teneriffa und Volkswagen-Technopartys in Wolfsburg. Das alles spielt in einem friedlichen Paralleluniversum, in dem es keinen Rechtsruck und keine AfD gibt, stattdessen eine progressive Kanzlerin, auf die sich anscheinend fast alle einigen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p> DJ-Schwester und TV-Vater<\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen pflegt Marian sein famili\u00e4res und freundschaftliches Nahfeld, bestehend aus typischen Bubble-Vertretern, darunter die international erfolgreiche DJ-Schwester, der neue beste Werber-Kumpel und der Vater, ein Ex-Tagesthemen-Sprecher, den er unbedingt h\u00e4ufiger anrufen will. Und nach einem verkorksten Drogenabsturz-Date bahnt sich am Ende echt so etwas wie Liebe an und damit die Erkenntnis, dass das mit der &#8222;freudloseren H\u00e4lfte&#8220; gar nicht unbedingt ausgemacht ist. <\/p>\n<p>Die Parallelen zu &#8222;Allegro Pastell&#8220; sind offensichtlich: Was in &#8222;Let&#8217;s talk about feelings&#8220; gemacht und gedacht wird, ist selten bedeutungsschwer, aber h\u00e4ufig klug beobachtet und fast immer unterhaltsam. Es sind B\u00fccher, zu denen sich die Leserinnen und Leser verhalten m\u00fcssen: Wenn man Randt nicht alles abkauft oder gar Spannung erwartet, sondern sich auf seine Ironie einl\u00e4sst, werden aus Stereotypen nachvollziehbare Charaktere und wird aus ihrer Gef\u00fchlsd\u00e4mpfung eine mitschwingende Traurigkeit.<\/p>\n<p>Randts Stil ist immer noch unverwechselbar. Er schreibt wie einer, der genau wei\u00df, was er tut, und das \u00fcberaus routiniert. Wer &#8222;Allegro Pastell&#8220; gelesen hat, vermisst in &#8222;Let&#8217;s talk about feelings&#8220; mitunter die Frische, den Mut. Das f\u00fchrt dazu, dass die vermeintliche Belanglosigkeit schon mal nah am tats\u00e4chlich Belanglosen balanciert. Was nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uscht, dass &#8222;Let&#8217;s talks about feelings&#8220; ein gro\u00dfartiger Roman ist \u00fcber das &#8222;Coming of Middle Age&#8220; einer Person, die man selbst nicht sein will, h\u00f6chstens irgendwie ein bisschen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im Roman &#8222;Let&#8217;s talk about feelings&#8220; ist die Welt absolut in Ordnung. 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