{"id":563446,"date":"2025-11-09T18:23:17","date_gmt":"2025-11-09T18:23:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/563446\/"},"modified":"2025-11-09T18:23:17","modified_gmt":"2025-11-09T18:23:17","slug":"merz-checkt-nicht-was-junge-menschen-in-leipzig-bewegt-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/563446\/","title":{"rendered":"\u00bbMerz checkt nicht, was junge Menschen in Leipzig bewegt\u00ab \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Anne Will sitzt schon vor der verabredeten Uhrzeit im Zoom-Raum. L\u00e4nger als geplant nimmt sich die 59-J\u00e4hrige Zeit, um mit dem kreuzer \u00fcber Kritik an der westdeutschen Berichterstattung \u00fcber den Osten zu sprechen. Nach \u00fcber 30 Jahren Fernsehen und Berliner Hauptstadtjournalismus widmet sich Will inzwischen einem neuen Projekt: ihrem Podcast. Am 12. November kommt sie f\u00fcr eine Live-Aufnahme von \u00bbPolitik mit Anne Will\u00ab in den Kupfersaal.\u200b<\/p>\n<p><strong>Wer wird denn in Leipzig neben Ihnen <\/strong><strong>auf der B\u00fchne sitzen?<\/strong><\/p>\n<p>Die ehemalige Gr\u00fcnen-Vorsitzende Ricarda Lang und Cornelius Pollmer, der in Leipzig die Redaktion von Zeit im Osten leitet.<\/p>\n<p><strong><br \/>Ich h\u00e4tte eher mit einem oder einer Ost<\/strong><strong>deutschen aus der Politik gerechnet.<\/strong><\/p>\n<p>Ja, das war eine \u00dcberlegung. Aber diese \u00dcberbetonung von Ost und West finde ich nach so vielen Jahren falsch. Nat\u00fcrlich machen sich Pr\u00e4gungen nach wie vor bemerkbar. Aber die Interessen lassen sich nicht zwingend trennen zwischen Ost und West.<\/p>\n<p><strong><br \/>Das ist ja aber auch eine Frage der Repr\u00e4<\/strong><strong>sentation. Gerade das Mediensystem ist doch noch sehr westdeutsch gepr\u00e4gt.<\/strong><\/p>\n<p>Das stimmt. Ich habe mehrfach Anne H\u00e4hnig im Podcast gehabt, die in Leipzig lebt und lange die Redaktion von Zeit im Osten leitete. Auch ein Gro\u00dfteil meines Teams lebt in Leipzig. Deshalb war die Stadt f\u00fcr den Auftritt auch eine bewusste Wahl. Es hilft im Verst\u00e4ndnis vieler Themen total, dass wir ost- und westsozialisierte Menschen im Team haben. <\/p>\n<p><strong><br \/>Ihre TV-Talkshow hatte im Osten eine deutlich geringere Quote als im Westen. Wie ist das bei Ihrem Podcast? <\/strong><\/p>\n<p>Den Unterschied bemerken wir jetzt beim Podcast nicht so klar. Im Verh\u00e4ltnis werden Podcasts durchaus gesamtdeutscher geh\u00f6rt als lineares Fernsehen geguckt wird. Das zeigt, dass junge Menschen einfach wendiger sind und auch l\u00e4ssiger.<\/p>\n<p><strong><br \/>Bereiten Sie sich eigentlich unterschiedlich auf das Publikum in unterschied\u00adlichen St\u00e4dten vor?<\/strong><\/p>\n<p>Wir fragen uns bei der Auswahl unserer G\u00e4ste schon: Was w\u00fcrde die Menschen in <br \/>Leipzig mutma\u00dflich interessieren? Ich habe jetzt aber schon ganz viel Post bekommen von H\u00f6rerinnen und H\u00f6rern, die gefragt haben: Immer die gro\u00dfen St\u00e4dte, was <br \/>soll das? Kommt doch auch mal in die Provinz. Das muss der n\u00e4chste Schritt sein.<\/p>\n<p><strong><br \/>Denken Sie, Sie k\u00f6nnten problemlos <\/strong><strong>Ihren Podcast in Wurzen oder in Mei\u00dfen aufnehmen?<\/strong><\/p>\n<p>Das wei\u00df ich nicht. Was w\u00fcrden Sie denn sagen?<\/p>\n<p><strong><br \/>Mutma\u00dflich w\u00fcrden Sie als Gesicht des <\/strong><strong>Berliner Hauptstadtjournalismus noch <\/strong><strong>mal auf gr\u00f6\u00dfere Skepsis sto\u00dfen als die <\/strong><strong>Lokalpresse.<\/strong><\/p>\n<p>Das k\u00f6nnte ich mir auch vorstellen, aber es w\u00e4re spannend, das auszuprobieren. Durch <br \/>meine Arbeit habe ich sicherlich ein Label, mit mir muss man es nicht zwingend gut meinen. <\/p>\n<p><strong><br \/>Muss man denn zwingend \u00fcber Rechts<\/strong><strong>extremismus und die AfD reden, wenn man hier einen Podcast aufnimmt?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, finde ich nicht. Aus der Fragestellung h\u00f6re ich auch eine Art S\u00e4ttigung heraus, eine Spur Langeweile. Ich f\u00e4nde es toll, einen Zugang zu finden, der genau anders geht. So dass man die Erwartungen entgegenb\u00fcrstet, ohne ein Thema vermeiden zu wollen.<\/p>\n<p><strong><br \/>Die Frage ber\u00fchrt nat\u00fcrlich auch die <\/strong><strong>Kritik an westdeutschen Medien, auf den <br \/><\/strong><strong>Osten werde nur geblickt, wenn es <\/strong><strong>brennt. Zu den Landtagswahlen letztes <\/strong><strong>Jahr haben Sie gleich mehrere Episoden <\/strong><strong>aufgenommen.<\/strong><\/p>\n<p>Im Vorfeld einer Landtagswahl muss man ja nicht zwingend davon ausgehen, dass <br \/>es brennt. Sondern, dass Menschen aufgefordert sind, ihre politische Haltung auszudr\u00fccken. Die bundespolitische Bedeutung dieser Entscheidung finde ich total wichtig. Ich kann nicht erkennen, dass wir an dem vorbeischauen w\u00fcrden, was f\u00fcr den Osten sonst noch wichtig ist. Daf\u00fcr b\u00fcrgen auch die vielen ostdeutsch sozialisierten Menschen in meinem Team, die einen Zugang haben, der mir vielleicht verstellt ist. <\/p>\n<p><strong><br \/>Also bestimmt die Krise nicht die Bericht<\/strong><strong>erstattung \u00fcber den Osten?<\/strong><\/p>\n<p>Ich finde es schwierig, das auf eine Formel zu bringen. Wir haben versucht, mindestens genauso oft auf die Dinge zu schauen, die in Leipzig oder Dresden besser funktionieren als in der verschnarchten westdeutschen, saturierten Welt. <\/p>\n<p><strong><br \/>Haben Sie daf\u00fcr ein Beispiel? <\/strong><\/p>\n<p>Es gibt eine begr\u00fcndete Skepsis bei Menschen, die in Ostdeutschland sozialisiert worden sind, gegen\u00fcber dem, was aus westdeutsch gepr\u00e4gten Gro\u00dfparteien wie der CDU, der SPD oder den Gr\u00fcnen verlautbart wird. Wir haben einen Kanzler, der im Sauerland sozialisiert ist und total gepr\u00e4gt ist von der westdeutschen Nachkriegswelt und diesem konservativ-katholischen CDU-Milieu. Der checkt ganz vieles gar nicht, was junge Menschen bewegt, die in Leipzig leben, die mindestens mal \u00fcber ihre Eltern oder Gro\u00dfeltern mitbekommen haben, was ein Systemwechsel bedeutet. Dieses Unverst\u00e4ndnis pr\u00e4gt dann seine Politik, und da finde ich es sehr gut, wenn das nicht einfach so hingenommen wird. Da sind Menschen in Ostdeutschland ein feiner Seismograf.<\/p>\n<p><strong><br \/>Das klingt aber nun auch etwas nach Ostdeutscht\u00fcmelei. Diese Skepsis f\u00fchrt im Osten ja auch dazu, dass viele AfD w\u00e4hlen. <\/strong><\/p>\n<p>Jetzt h\u00e4ngen wir in den Untiefen der Versuchsanordnung. Sie haben mich gefragt, ob ich auf ostdeutsche Besonderheiten schaue, wenn ich nach Leipzig komme. Ich w\u00e4re 35 Jahre nach der Wiedervereinigung gern schon weiter. Aber ich m\u00f6chte trotzdem nicht den Fehler machen, dass ich nicht checke, dass einige Dinge doch unterschiedlich gesehen werden und eben auch vorbildlich sein k\u00f6nnen. Diesen Kreis aufzul\u00f6sen, finde ich total schwierig. Vielleicht hat aber ja am 12. November jemand eine gute Idee, wie es geht. W\u00fcsste ich gerne.<\/p>\n<p>&gt; \u00bbPolitik mit Anne Will \u2013 Live Podcast\u00ab: 12.11., 20 Uhr, Kupfersaal<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Anne Will sitzt schon vor der verabredeten Uhrzeit im Zoom-Raum. 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