{"id":563650,"date":"2025-11-09T20:19:12","date_gmt":"2025-11-09T20:19:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/563650\/"},"modified":"2025-11-09T20:19:12","modified_gmt":"2025-11-09T20:19:12","slug":"halle-rechte-buchmesse-mit-viel-protest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/563650\/","title":{"rendered":"Halle: Rechte Buchmesse mit viel Protest"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\nDie Buchmesse &#8222;Seitenwechsel&#8220; hat nach Sch\u00e4tzungen von MDR-Reportern am Samstag und Sonntag mehrere Tausend Menschen auf die Messe in Halle gezogen. Die Messehalle war an beiden Tagen voll, bei einzelnen Veranstaltungen mussten Teile des Publikums wegen \u00dcberf\u00fcllung auf dem Boden sitzen. Die Stimmung auf der Messe war an beiden Tagen friedlich.\n<\/p>\n<p>\nKeine freie Berichterstattung m\u00f6glich<br \/>\nDie Veranstalter von &#8222;Seitenwechsel&#8220; gew\u00e4hrten nur ausgew\u00e4hlten Journalisten Zugang zu der Veranstaltung. Einzelne MDR-Reporter durften auf das Gel\u00e4nde. Aber auch f\u00fcr sie galt das allgemeine Verbot zu filmen, zu fotografieren oder Tonaufnahmen zu machen. <\/p>\n<p>Offenbar wurden allerdings auch Ausnahmen gemacht. Der AfD-nahe Youtube-Kanal &#8222;Utopia TV Deutschland&#8220; streamte an beiden Tagen mehrere Stunden von der &#8222;Seitenwechsel&#8220;-Buchmesse. Auch der langj\u00e4hrige Funktion\u00e4r der Partei Die Heimat, fr\u00fcher NPD, Sebastian Schmidtke streamte von dort. Ebenso der rechtsextreme Sender Auf1, der vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Auch das Publikum konnte oft ungehindert Aufnahmen machen.\n<\/p>\n<p><a name=\"Rechte\">Rechte<\/a> Buchmesse mit extremistischen Akteuren<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Veranstaltung &#8222;Seitenwechsel&#8220; gilt als umstritten, weil neben konservativen und rechten Ausstellern auch Akteure der rechtsextremen Szene anwesend waren. Darunter befanden sich der Verlag Antaios, der seit 2024 vom Verfassungsschutz als &#8222;gesichert rechtsextrem&#8220; eingestuft wird, und der Jungeuropa Verlag des Aktivisten der Neuen Rechten Philip Stein.\u00a0Aufgrund des Ausstellerverzeichnisses wurde die Veranstaltung in der \u00d6ffentlichkeit als &#8222;rechte Buchmesse&#8220; wahrgenommen. Bekannte oder etablierte Publikumsverlage hatten nach Angaben der Veranstalter abgesagt.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nNeben zentralen Verlagen der Neuen Rechten und dem rechtsextremen Compact-Magazin waren auch zahlreiche Verlage f\u00fcr Milit\u00e4rgeschichte und Militaria vertreten. Laut MDR-Reportern vertrieben sie Publikationen, welche die Schuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg und deutsche Kriegsverbrechen relativierten und verharmlosten. Au\u00dferdem h\u00e4tten mehrere Aussteller verschw\u00f6rungsmythologische Inhalte angeboten oder den Klimawandel geleugnet.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nNeben den rechtsextremen Akteuren traten bei &#8222;Seitenwechsel&#8220; auch bekannte konservative Autoren wie Matthias Matussek, Hans-Georg Maa\u00dfen oder Uwe Tellkamp auf. Die ehemalige s\u00e4chsische Landeschefin von B\u00fcndnis90\/Die Gr\u00fcnen, Antje Hermenau, pr\u00e4sentierte bei &#8222;Seitenwechsel&#8220; ihren Essayband &#8222;Das gro\u00dfe Egal&#8220;. Sie sagte MDR KULTUR im Vorfeld: &#8222;Ich habe kein Problem damit, auf dieser Messe zu sein. Wie manche Leute manche Verlage einstufen, ist oft sehr subjektiv. Ich werde mich mit den Leuten unterhalten, die ich gerne treffen m\u00f6chte, und das sind auch relativ viele. Es sind n\u00e4mlich Rechte meistens, nur einfache Konservative.&#8220;\n<\/p>\n<p>Kubitschek: Buchmesse ist ein &#8222;Dammbruch&#8220;<\/p>\n<p class=\"text\">\nAntaios-Verleger und Publizist G\u00f6tz Kubitschek, der bei mehreren laut Verfassungsschutz als &#8222;gesichert rechtsextrem&#8220; eingestuften Organisationen aktiv ist, bezeichnete &#8222;Seitenwechsel&#8220; bei einem seiner Auftritte auf der Messe als &#8222;Dammbruch&#8220;. Die Besucher seien &#8222;der lesende Teil des Aufbruchs in eine bessere Zukunft f\u00fcr unsere Nation&#8220;. Ihm gefalle die Atmosph\u00e4re der Buchmesse, sie erinnere ihn an die 68er-Bewegung.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAuch andere geladene Autoren und Publizisten zeigten sich erfreut \u00fcber das gro\u00dfe Publikumsinteresse. Einige sprachen von einer &#8222;Zeitenwende&#8220; und einem &#8222;Befreiungsschlag&#8220;. Das Publikum selbst wirkte laut MDR-Reportern sehr zufrieden mit den Themen und der Stimmung auf der Messe. So gab es zum Beispiel immer wieder Applaus, wenn vom &#8222;widerst\u00e4ndigen&#8220; oder &#8222;unbeugsamen&#8220; Osten die Rede war.\n<\/p>\n<p>&#8222;Rechtsextreme f\u00fchlten sich sicher&#8220;<\/p>\n<p class=\"text\">\nDer freie Reporter Thomas Datt, der immer wieder \u00fcber rechte Veranstaltungen und rechtsextreme Netzwerke berichtet, war f\u00fcr MDR KULTUR vor Ort. Er erz\u00e4hlte von mehreren rechtsextremen Akteuren, die auf der &#8222;Seitenwechsel&#8220;-B\u00fcchermesse aufgetreten sind.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDarunter war die Partei &#8222;Freie Sachsen&#8220;, die vom s\u00e4chsischen Verfassungsschutz\u00a0als &#8222;rechtsextreme Gruppierung mit\u00a0verfassungsfeindlichen\u00a0Bestrebungen&#8220; eingestuft wird. Au\u00dferdem habe der rechtsextreme Anwalt Dubravko Mandic, der auch eine Kanzlei in Leipzig unterh\u00e4lt, einen eigenen Stand gehabt, an dem unter anderem eine Checkliste f\u00fcr Verhalten bei Hausdurchsuchungen verteilt worden sei. Daneben sichtete Datt Akteure der &#8222;Identit\u00e4ren Bewegung&#8220; und der ehemaligen AfD-Jugendorganisation &#8222;Junge Alternative&#8220; sowie AfD-Politiker.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Rechtsextreme f\u00fchlten sich sicher. F\u00fcr sie war es wie ein Heimspiel.<\/p>\n<p>Thomas Datt, MDR-Reporter<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nSzenetypische Kleidung war laut Datt eher die Ausnahme. Den Einsch\u00e4tzungen des Journalisten zufolge besuchten auff\u00e4llig viele Frauen die Veranstaltung, mehr als bei herk\u00f6mmlichen Szenetreffs oder Demonstrationen. Datts Fazit: &#8222;Rechtsextreme f\u00fchlten sich sicher. F\u00fcr sie war es wie ein Heimspiel \u2013 nur, dass das Publikum nicht mehr nur aus ihren Kameraden bestand, sondern auch aus mittelalten, konservativen Ehepaaren.&#8220;\n<\/p>\n<p>&#8222;Seitenwechsel&#8220;-Organisatorin sieht sich im &#8222;Endkampf&#8220;<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Seitenwechsel&#8220; wurde von der Dresdner Buchh\u00e4ndlerin und Verlegerin Susanne Dagen veranstaltet. Dagen, die als kulturpolitische Sprecherin der AfD-Fraktion im Dresdner Stadtrat sitzt, hatte die Veranstaltung als &#8222;geistige Notwehr&#8220; bezeichnet, da aus ihrer Sicht vor allem die gro\u00dfen Buchmessen in Frankfurt und Leipzig in den vergangenen Jahren &#8222;politisch immer enger&#8220; geworden seien. Schon diese Ank\u00fcndigung brachte gro\u00dfe <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen-anhalt\/halle\/halle\/buchmesse-seitenwechsel-protest-demos-wir-festival-kultur-news-102.html\" title=\"Halle: Buchmesse mit rechtsextremen Verlagen trifft auf Proteste und Demos\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mediale Aufmerksamkeit<\/a> mit sich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Buchmesse &#8222;Seitenwechsel&#8220; hat nach Sch\u00e4tzungen von MDR-Reportern am Samstag und Sonntag mehrere Tausend Menschen auf die Messe&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":563651,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1860],"tags":[186,62686,70,3364,29,548,663,3934,30,136031,4062,17332,46707,13,66,88428,81,14,21120,15,4330,770,6211,17331,860,12,17191,136030,134945],"class_list":{"0":"post-563650","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-halle-saale","8":"tag-afd","9":"tag-alexander-vogt","10":"tag-buchmesse","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-eu","14":"tag-europa","15":"tag-europe","16":"tag-germany","17":"tag-goetz-kubitscheck","18":"tag-halle","19":"tag-halle-saale","20":"tag-hans-georg-maassen","21":"tag-headlines","22":"tag-kulturnachrichten","23":"tag-martina-hefter","24":"tag-mdr","25":"tag-nachrichten","26":"tag-neue-rechte","27":"tag-news","28":"tag-protest","29":"tag-rechtsextremismus","30":"tag-regionalportal","31":"tag-saale","32":"tag-sachsen-anhalt","33":"tag-schlagzeilen","34":"tag-seitenwechsel","35":"tag-uwe-tellkamp","36":"tag-wir-festival"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115521595879748864","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/563650","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=563650"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/563650\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/563651"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=563650"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=563650"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=563650"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}