{"id":564085,"date":"2025-11-10T00:25:18","date_gmt":"2025-11-10T00:25:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/564085\/"},"modified":"2025-11-10T00:25:18","modified_gmt":"2025-11-10T00:25:18","slug":"kulturkampf-in-halle-ttt-titel-thesen-temperamente-ard","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/564085\/","title":{"rendered":"Kulturkampf in Halle &#8211; ttt \u2013 titel, thesen, temperamente &#8211; ARD"},"content":{"rendered":"<p><strong>SENDETERMIN<\/strong> So., 09.11.25 | 23:35 Uhr | Das Erste<\/p>\n<p class=\"einleitung small\">&#8222;Seitenwechsel&#8220; und Gegenprotest in der Stadt an der Saale<\/p>\n<p class=\"text small\">Schw\u00e4rme von Kr\u00e4hen fallen in Deutschland im Herbst ein. Seit alters gelten sie als Ungl\u00fccksboten oder V\u00f6gel der Weisheit. In Halle an der Saale kreisen sie im Osten der Stadt \u00fcber dem Messegel\u00e4nde. Hier fand am Wochenende die B\u00fcchermesse &#8222;Seitenwechsel&#8220; statt, die eine Alternative sein will zu den Branchentreffen in Frankfurt und Leipzig.<\/p>\n<p>Susanne Dagen initiiert rechte Buchmesse: &#8222;Endkampf&#8220;<\/p>\n<p class=\"text small\">Initiatorin ist die Buchh\u00e4ndlerin Susanne Dagen aus Dresden, die zu ihren Motiven vorab auf einem Youtube-Kanal erkl\u00e4rte, dass die Buchmessen in Leipzig und Frankfurt am Main sp\u00e4testens seit 2017 nicht mehr so gewesen seien, &#8222;wie ich sie mir gew\u00fcnscht h\u00e4tte&#8220;. Sie seien mittlerweile &#8222;von einer Art geistigen \u00d6dnis befallen&#8220;.<\/p>\n<p>2017 kam es zu Tumulten auf der Frankfurter Buchmesse. Gerichtet waren die Proteste gegen die Pr\u00e4senz von Verlagen und Autoren, die der Verfassungsschutz als &#8222;gesichert rechtsextrem&#8220; einstuft, auch gegen Veranstaltungen des Antaios Verlages und seines Verlegers G\u00f6tz Kubitschek. In der Folgezeit waren Verlage der neurechten Szene hier unerw\u00fcnscht und abwesend.<\/p>\n<p class=\"text small\">Eine eigene Messe soll das jetzt \u00e4ndern. 300 Publikumsverlage, auch linke, will Dagen angeschrieben und eingeladen haben. Kein einziger von ihnen ist gekommen. F\u00fcr Dagen ein weiterer Beleg, auf dem rechten Weg zu sein:<\/p>\n<p>&#8222;Wir d\u00fcrfen nicht davon ausgehen, dass der politische Gegner jetzt aufgibt. Ich glaube, dass wir jetzt in einer Situation sind, dass selbst diejenigen, die in ihren einsamen Stunden erkennen, dass sie auf dem falschen Dampfer sind, dass sie nach au\u00dfen hin immer noch entschlossen sich zeigen \u2013 das ist der Endkampf.&#8220;<\/p>\n<p>Y\u00fccel: &#8222;Die suchen keine B\u00fchne, sondern bleiben lieber unter sich&#8220;<\/p>\n<p class=\"text small\">Martialische Worte f\u00fcr eine Veranstaltung, die als harmonisches, familienfreundliches Lesefest beworben wird. Bei der wohl gr\u00f6\u00dften rechten Publikumsmesse in der Geschichte des Landes ist der Besucherandrang gro\u00df. Das Polizeiaufgebot auch. Kleiner Showdown mit Hunderten von Gegendemonstranten, die fordern, die Messe zu verbieten und Nazis keine B\u00fchne zu bieten.<\/p>\n<p class=\"text small\">Dazu sagt Deniz Y\u00fccel, Sprecher PEN Berlin: &#8222;Diese Redewendung von &#8218;keine B\u00fchne geben&#8216;, die ist vollkommen an der Zeit vorbei.&#8220; Sie habe in den Neunzigern, in den Nullerjahren funktioniert, &#8222;als wir es mit einer NPD und paar Kameradschaften zu tun hatten, also wo die Gewaltbereitschaft sehr viel h\u00f6her war&#8220;:<\/p>\n<p>&#8222;Aber heute haben die l\u00e4ngst ihre eigenen B\u00fchnen. Die suchen gar nicht mehr die allgemeine B\u00fchne, die meiden sie, weil sie auch die Auseinandersetzung meiden. Die bleiben lieber unter sich.&#8220;<\/p>\n<p>ttt-Kamerateam in Messehalle nicht zugelassen<\/p>\n<p class=\"text small\">In der Messehalle ist die Presse nicht zugelassen, es herrscht Handy-Verbot. Ausnahmsweise bekommt &#8222;ttt&#8220; vom Veranstalter ein spezielles Filmteam gestellt, das jede einzelne von uns gew\u00fcnschte Aufnahme genehmigen muss und am Ende katastrophale Bild- und Tonqualit\u00e4t liefert \u2013 wie die Ausschnitte aus den Interviews mit Cora Stephan und Roland Tichy zeigen.<\/p>\n<p class=\"text small\">Absicht oder Unverm\u00f6gen? Nach unserer Beschwerde hat die Messe \u2013 Zitat: &#8222;die politische Verantwortung&#8220; \u2013 daf\u00fcr \u00fcbernommen. Bekannte Akteure sind angereist, um ein b\u00fcrgerliches Publikum f\u00fcr die Messe zu interessieren. <\/p>\n<p>Konservative Publizisten wie Roland Tichy, Matthias Matussek oder der Schriftsteller Uwe Tellkamp paradieren unbek\u00fcmmert neben den schwer ertr\u00e4glichen Publikationen des Compact-Magazins, dem fremdenfeindlichen Stuss des Gerhard Hess Verlags oder dem in G\u00f6tz Kubitscheks Antaios Verlag erschienenen Pl\u00e4doyer f\u00fcr mehr Rassenhygiene: &#8222;Remigration. Ein Vorschlag&#8220; des Rechtsextremen Martin Sellner.<\/p>\n<p class=\"text small\">Alles eine Frage von individuellen Pr\u00e4ferenzen, glaubt die ehemalige Chefin der s\u00e4chsischen Gr\u00fcnen, Antje Hermenau. &#8222;Ich habe kein Problem damit, auf dieser Messe zu sein. Wie manche Leute manche Verlage einstufen, ist oft sehr subjektiv. Ich werde mich mit den Leuten unterhalten, die ich gerne treffen m\u00f6chte. Und das sind auch relativ viele. Es sind n\u00e4mlich Rechte meistens nur einfache Konservative.<\/p>\n<p>Wir-Festival als Gegenentwurf<\/p>\n<p class=\"text small\">Halle im Herbst 2025: Nicht jeder ist begeistert von der Idee eines Seitenwechsels. Ein breites Aktionsb\u00fcndnis von B\u00fcrgern hat sich formiert, das Image der Stadt steht auf dem Spiel. <\/p>\n<p>Seit Wochen l\u00e4uft ein Gegen-Event, das WIR-Festival, am 21. September auf dem Markt er\u00f6ffnet, offen f\u00fcr jeden, der mitmachen will. Es gibt Schaufensteraktionen, es gibt Lesungen, Konzerte und Podiumsdiskussionen.<\/p>\n<p class=\"text small\">Theresa Donner, Buchh\u00e4ndlerin und Sprecherin vom WIR-Festival erkl\u00e4rt im &#8222;ttt&#8220;-Gespr\u00e4ch, man habe den medialen und \u00f6ffentlichen Raum nicht unbesetzt lassen, sondern aufkl\u00e4ren wollen, &#8222;also dass wir die Menschen dazu bringen, sich zu interessieren und ihnen auch zu sagen, was dort stattfindet. Dass es keine normale Buchmesse ist, wer die Akteure sind, was da dahinter steht.&#8220;<\/p>\n<p>\u00dcber 30.000 Menschen haben eine Petition unterzeichnet, die die Absage der Buchmesse &#8222;Seitenwechsel&#8220; forderte, weil sie Hass und Intoleranz f\u00f6rdere.<\/p>\n<p class=\"text small\">Die Macher des WIR-Festivals wollten kein Verbot, sie wollen einfach das attraktivere Angebot sein. Kulturkampf in Halle: ein Wettbewerb der Ideen, der Literatur und der sozialen Teilhabe. <\/p>\n<p>Eine Parallelgesellschaft der anderen Art. So liest Buchpreistr\u00e4gerin Martina Hefter, die Halle kennt und hier arbeitet, aus ihrem Buch &#8222;Hey guten Morgen, wie geht es dir?&#8220; \u2013 Wie geht es ihr?<\/p>\n<p class=\"text small\">&#8222;Das WIR-Festival ist ja keine Protestveranstaltung, sonst w\u00e4ren wir ja mit Trillerpfeifen hier und mit Transparenten. Das ist ein Zusammenschluss von mehreren, ganz vielf\u00e4ltigen Aktionen, die zeigen, wie sich Hallenser B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger eine lebenswerte Gesellschaft vorstellen. Das ist eine Art Gegenentwurf, w\u00fcrde ich sagen, zu den Vorstellungen, die mit dieser rechten und rechtsextremen Buchmesse transportiert werden.&#8220;<\/p>\n<p>Eine Stadt, zwei literarische Events, die sich die Existenzberechtigung streitig machen. Normale Ausdifferenzierung im Sortiment der Ideologien? Oder Vorstufe eines geistigen B\u00fcrgerkriegs, den das rechte Lager hier eskalieren lassen will?<\/p>\n<p>Mit Rechten reden?<\/p>\n<p class=\"text small\">Deniz Y\u00fccel, Sprecher PEN Berlin, meint mit Blick auf die Veranstalter und Teilnehmer der rechten Buchmesse: &#8222;Die wollen diese Spaltung der \u00d6ffentlichkeit. Das kommt denen gelegen. Aber die wird ja auch schon von der anderen Seite genauso betrieben.&#8220; F\u00fcr ihn sind Ausgrenzung und Selbstabgrenzung zwei Seiten einer Medaille.<\/p>\n<p class=\"text small\">&#8222;Und wer davon profitiert, da muss man sich nur die Entwicklung der Wahlergebnisse, immer die Gewinn- und Verlustrechnung, anschauen&#8220;, f\u00fcgt Y\u00fccel hinzu. F\u00fcr Halle sei das vielleicht auch eine interessante Situation, zwei Buchmessen auf einmal zu erleben. Um politisch relevant zu werden m\u00fcsste aus seiner Sicht &#8222;irgendeine Form von Interaktion&#8220; stattfinden. &#8222;Aber daf\u00fcr braucht es den Willen der Beteiligten nat\u00fcrlich auf beiden Seiten. Und die extreme Rechte, die braucht das gar nicht mehr.&#8220;<\/p>\n<p>Die Kr\u00e4hen \u00fcber Halle in diesen Herbsttagen sind wom\u00f6glich ein gutes Omen. Die V\u00f6gel haben ein ausgepr\u00e4gtes Wir-Gef\u00fchl, und ihre \u00fcberraschenden Seitenwechsel gehen praktisch nie in nur eine Richtung.<\/p>\n<p class=\"text small\"><strong>Autor TV-Beitrag: Rayk Wieland<\/strong><\/p>\n<p class=\"text small\">\nStand: 09.11.2025 21:36 Uhr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"SENDETERMIN So., 09.11.25 | 23:35 Uhr | Das Erste &#8222;Seitenwechsel&#8220; und Gegenprotest in der Stadt an der Saale&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":564086,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1860],"tags":[3364,29,548,663,3934,30,4062,17332,13,14,15,17331,860,12,55286,51662,55285],"class_list":{"0":"post-564085","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-halle-saale","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-germany","14":"tag-halle","15":"tag-halle-saale","16":"tag-headlines","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-saale","20":"tag-sachsen-anhalt","21":"tag-schlagzeilen","22":"tag-temperamente","23":"tag-thesen","24":"tag-ttt-titel"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115522563779873782","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/564085","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=564085"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/564085\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/564086"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=564085"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=564085"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=564085"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}