{"id":564125,"date":"2025-11-10T00:47:24","date_gmt":"2025-11-10T00:47:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/564125\/"},"modified":"2025-11-10T00:47:24","modified_gmt":"2025-11-10T00:47:24","slug":"staatschefs-des-nahen-ostens-wollen-gaza-im-auftrag-der-usa-und-israels-kontrollieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/564125\/","title":{"rendered":"Staatschefs des Nahen Ostens wollen Gaza im Auftrag der USA und Israels kontrollieren"},"content":{"rendered":"<p>Das obsz\u00f6ne Schauspiel am 13. Oktober in Scharm el-Scheich war ein besonders absto\u00dfendes Kapitel im jahrzehntelangen Verrat der Regime des Nahen Ostens an den Pal\u00e4stinensern.<\/p>\n<p>Mit der Unterzeichnung von Donald Trumps betr\u00fcgerischer \u201eFriedenserkl\u00e4rung\u201c f\u00fcr Gaza haben diese Regimes ihre Zustimmung signalisiert, die Hamas zu entwaffnen und die Pal\u00e4stinenser zu kontrollieren. Derweil beh\u00e4lt Israel seine milit\u00e4rische Kontrolle \u00fcber Gaza bei und setzt seine Bestrebungen fort, die Pal\u00e4stinenser zu vertreiben. Dadurch machen sich die arabischen Herrscher zu direkten Komplizen des israelischen V\u00f6lkermords und der ethnischen S\u00e4uberung des Gazastreifens.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/62a073c6-cfc4-43ab-a5ad-4ccf406b9afa\" style=\"max-height:100%\"\/>Gruppenfoto der internationalen Staats- und Regierungschefs beim Gipfel in Scharm el-Scheich am 13. Oktober 2025  [Photo: Daniel Torok]<\/p>\n<p>Die Unterjochung der Pal\u00e4stinenser ist Voraussetzung f\u00fcr Trumps Pl\u00e4ne zur Errichtung eines imperialistischen Protektorats. Sie dient au\u00dferdem zur Bildung einer anti-iranischen Achse als Vorbereitung f\u00fcr einen potenziellen Krieg zum Regimewechsel in Teheran, mit dem der Einfluss Chinas und Russlands in der Region zur\u00fcckgedr\u00e4ngt werden soll.<\/p>\n<p>Der verr\u00e4terische Kurs der arabischen Regime<\/p>\n<p>Der Verrat der arabischen Regime ist keine \u00dcberraschung. Sie behaupteten zwar jahrzehntelang, die Pal\u00e4stinenser im Namen des arabischen Nationalismus und der arabischen Br\u00fcderlichkeit gegen den zionistischen Staat zu unterst\u00fctzen, doch ihre Armeen \u2013 allen voran die \u00e4gyptische \u2013 hielten die Pal\u00e4stinensische Befreiungsarmee bis zu ihrer Niederlage im Sechstagekrieg 1967 fest unter ihrer Kontrolle.<\/p>\n<p>Yasser Arafat und seine Fatah-Bewegung, die durch bewaffneten Kampf einen pal\u00e4stinensischen Staat errichten wollten, \u00fcbernahmen damals die F\u00fchrung der Pal\u00e4stinensischen Befreiungsorganisation (PLO), einer Dachorganisation mehrerer Gruppierungen mit unterschiedlichen Ideologien. Jeder dieser Gruppierungen hatte eine andere Ideologie und bem\u00fchte sich um die Unterst\u00fctzung verschiedener arabischer Staaten sowie Moskaus oder Pekings. Einen revolution\u00e4ren Appell an die Massen der Arbeiter und Unterdr\u00fcckten in der arabischen Welt wiesen sie damit implizit zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Ein arabisches Regime nach dem anderen \u2013 Jordanien, Syrien und der Libanon \u2013 wandte sich gegen die PLO. \u00c4gypten unterzeichnete 1979 ein Friedensabkommen mit Israel, Jordanien folgte 1994 nach. 1982 hatten alle arabischen Regimes die PLO fallengelassen, die damit der Gewalt des israelischen \u00dcberfalls auf den Libanon zur Unterst\u00fctzung christlich-faschistischer Kr\u00e4fte ausgeliefert war.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/cf8dd63d-8e9e-4643-a4ba-1cfc9a709591\" style=\"max-height:100%\"\/>Dieses Foto wurde im September 1982 nach dem Massaker an pal\u00e4stinensischen Fl\u00fcchtlingen in den Lagern Sabra und Shatila aufgenommen, das christliche Phalangisten und Angeh\u00f6rige der Miliz S\u00fcdlibanesische Armee ver\u00fcbt hatten \u2013 unter der Leitung der libanesischen Streitkr\u00e4fte und hochrangiger Mitglieder des israelischen Kabinetts und Milit\u00e4rs [Photo: Robin Moyer, USA, Black Star for Time. Beirut, Lebanon, 18 September 1982. ]<\/p>\n<p>Tunesien musste gezwungen werden, der PLO Zuflucht zu gew\u00e4hren, nachdem sich alle anderen Regime geweigert hatten. Der ehemalige US-Diplomat Ryan Crocker erkl\u00e4rte letztes Jahr gegen\u00fcber dem Magazin Politico, dass keines der arabischen Regimes bereit gewesen sei, pal\u00e4stinensische Fl\u00fcchtlinge aufzunehmen, weil sie diese seit langem mit \u201eFurcht und Abscheu\u201c betrachteten und diejenigen, die in ihren L\u00e4ndern Zuflucht gefunden hatten, als \u201eBedrohung, als fremde Bev\u00f6lkerungsgruppe\u201c ansahen, \u201edie geschw\u00e4cht oder sogar ausgerottet werden sollte\u201c.<\/p>\n<p>Nach dem Ausbruch der ersten pal\u00e4stinensischen Intifada 1987 unterst\u00fctzten die arabischen Regime 1993 alle den Oslo-Friedensprozess und dessen Aussicht auf einen pal\u00e4stinensischen Kleinstaat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt, der neben Israel existieren sollte. Sie taten jedoch nichts gegen den Ausbau israelischer Siedlungen, die einen solchen Kleinstaat unm\u00f6glich machte.<\/p>\n<p>Als die Hamas, ein Ableger der Moslembruderschaft, bei der pal\u00e4stinensischen Wahl im Januar 2006 einen \u00dcberraschungserfolg gegen die Fatah erzielte, halfen \u00c4gypten und die von der Fatah dominierte Pal\u00e4stinensische Autonomiebeh\u00f6rde im Westjordanland Israel dabei, eine Blockade gegen Gaza zu verh\u00e4ngen. Damit wurde die \u201eZwei-Staaten-L\u00f6sung\u201c zu einer bedeutungslosen Phrase.<\/p>\n<p>In den letzten zwei Jahren hat keines der Regime im Nahen Osten einen Finger ger\u00fchrt, um Israel an seinem v\u00f6lkerm\u00f6rderischen Krieg und der ethnischen S\u00e4uberung des Gazastreifens zu hindern. Die T\u00fcrkei und Jordanien sorgten daf\u00fcr, dass \u00d6llieferungen und andere wichtige G\u00fcter durch ihr Staatsgebiet nach Israel kamen. Die Golfstaaten weigerten sich, einen \u00d6lboykott gegen Israel und seine Unterst\u00fctzer umzusetzen, geschweige denn, dass sie ihre diplomatischen, wirtschaftlichen und milit\u00e4rischen Beziehungen zu Israel abbrachen. Das ging auch weiter, nachdem Israel am 9. September die F\u00fchrung der Hamas in Katar mit Raketen angegriffen hatte. Nur drei Tage zuvor hatten sich die Streitkr\u00e4fte aller drei Staaten an gemeinsamen Milit\u00e4r\u00fcbungen mit den USA beteiligt.<\/p>\n<p>Die arabischen Regime arbeiteten bei jedem Schritt mit der Bande aus Faschisten, Siedlern und religi\u00f6sen Fanatikern des israelischen Ministerpr\u00e4sidenten Benjamin Netanjahu zusammen, die f\u00fcr die j\u00fcdische Vorherrschaft \u201evom Jordan bis zum Mittelmeer\u201c eintraten. Sie vertuschten ihren Verrat mit H\u00e4nderingen, hohlen Appellen an den von den USA dominierten UN-Sicherheitsrat und Forderungen nach einem Waffenstillstand.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mehring-verlag.de\/library\/north-logik-des-zionismus\/00.html\" class=\"db avenir f6 lh-title pa1 br2 tc mw6 mw7-l bg-_black-05 mt3 center\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" class=\"dn db-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/2a8c61b3-1110-43b9-9130-23e87328f0a7\"\/><img decoding=\"async\" class=\"db dn-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/7333c09d-872e-43c9-bdad-3d94170f0c3e\"\/><\/a>Die Unterzeichnungszeremonie in Scharm el-Scheich<\/p>\n<p>Israel und die Hamas, die hoffnungslos ungleichen Akteure in Israels V\u00f6lkermordkrieg und ethnischer S\u00e4uberung, haben das Abkommen von Scharm el-Scheich nicht unterzeichnet und waren nicht einmal anwesend. Netanjahu zog sich in letzter Minute zur\u00fcck, als klar wurde, dass seine Anwesenheit die Veranstaltung zu gef\u00e4hrden drohte. Die Hamas, die aufgefordert wurde, den Deal innerhalb von sechs Tagen zu akzeptieren, da ihr andernfalls \u201edie H\u00f6lle\u201c drohe, war nicht einmal eingeladen.<\/p>\n<p>Stattdessen unterzeichneten der \u00e4gyptische Pr\u00e4sident Abdel Fattah el-Sisi, der katarische Emir Scheich Tamim bin Hamad al Thani und der t\u00fcrkische Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan das Abkommen und \u00fcbten massiven Druck auf die Hamas aus, Trumps Bedingungen zu akzeptieren. Weitere anwesende arabische Regierungschefs waren der jordanische K\u00f6nig Abdullah, der omanische Au\u00dfenminister Sayyid Badr bin Hamad al Busaidi, der Pr\u00e4sident der Pal\u00e4stinensischen Autonomiebeh\u00f6rde Mahmoud Abbas sowie Vertreter aus Bahrain, Kuwait, Algerien, Marokko und Tunesien. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabische Emirate (VAE), die voraussichtlich die Internationale Stabilisierungstruppe finanzieren werden, und Oman schickten nur Vertreter unterer R\u00e4nge, um ihre Unzufriedenheit damit zu signalisieren, dass die Hamas als politische Organisation in Gaza bestehen bleiben darf.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/af7d72f9-b9c0-4a7a-98db-f7136a52a9d9\" style=\"max-height:100%\"\/>Pr\u00e4sident Donald Trump w\u00e4hrend des Gipfels am 13. Oktober 2025 in Sharm El-Sheikh mit dem \u00e4gyptischen Pr\u00e4sidenten Abdel-Fattah al-Sisi [AP Photo\/Evan Vucci]<\/p>\n<p>Staats- und Regierungschefs aus Australien, Brasilien, Kanada, Europa, Indien, Indonesien, Kenia, Neuseeland, S\u00fcdafrika und dem Vereinigten K\u00f6nigreich reisten nach Scharm el-Scheich, um ein Abkommen zu unterzeichnen, das die koloniale Unterwerfung der pal\u00e4stinensischen Massen zementiert und dem anhaltenden V\u00f6lkermord einen Anschein von Legalit\u00e4t verleiht. Vor allem wollten sie \u00f6ffentlich ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr Washington und Tel Aviv in den k\u00fcnftigen Konflikten unter dem Banner des \u201eWiederaufbaus\u201c des Gazastreifens demonstrieren.<\/p>\n<p>Der Waffenstillstand, der als Beginn eines neuen Kapitels in Gaza gepriesen wird, verleiht Israel die Kontrolle \u00fcber 58 Prozent des Gebiets, das hinter der \u201eGelben Linie\u201c im Osten liegt, mittlerweile vollst\u00e4ndig ethnisch ges\u00e4ubert ist und in dem Israel Befestigungen errichtet. Derweil sind mehr als zwei Millionen Pal\u00e4stinenser, von denen die meisten in Zelten mit M\u00fche und Not \u00fcberleben, in den verbliebenen 42 Prozent zusammengedr\u00e4ngt. Dies ist der Beginn der dauerhaften Teilung und Besetzung von Gaza, w\u00e4hrend die t\u00e4glichen Massenmorde und das vors\u00e4tzliche Aushungern der Bev\u00f6lkerung weitergehen.<\/p>\n<p>Die Bedingungen des Waffenstillstandsabkommens<\/p>\n<p>Trumps 20-Punkte-Abkommen enth\u00e4lt viele Merkmale des GREAT-Trust-Projekts, das von der Boston Consulting Group in Zusammenarbeit mit dem Tony Blair Institute entworfen wurde.<\/p>\n<p>Die erste Phase umfasst einen sofortigen und vollst\u00e4ndigen Waffenstillstand, die R\u00fcckgabe von 48 israelischen Geiseln aus dem Gazastreifen, von denen 28 bereits tot sind, die Freilassung von 1.968 pal\u00e4stinensischen Gefangenen aus israelischen Gef\u00e4ngnissen sowie die \u00dcbergabe von 15 pal\u00e4stinensischen Leichen f\u00fcr jede tote israelische Geisel, die von der Hamas \u00fcbergeben wird. Weitere Bestandteile sind der Teilr\u00fcckzug israelischer Truppen und die \u00d6ffnung der Grenze zu Gaza f\u00fcr 600 Lastwagen mit Hilfsg\u00fctern pro Tag, koordiniert von internationalen Organisationen, darunter die Vereinten Nationen und das Internationale Komitee des Roten Halbmonds.<\/p>\n<p>Der Waffenstillstand wird von den Unterzeichnern des Abkommens \u2013 den USA, \u00c4gypten, Katar und der T\u00fcrkei \u2013 \u00fcberwacht, wobei die USA die Durchsetzung garantieren. Seither hat keiner der vier Unterzeichner etwas dagegen unternommen, dass Israel seine t\u00e4glichen Angriffe auf Gaza fortsetzt und Hilfslieferungen zur\u00fcckh\u00e4lt. <\/p>\n<p>In der zweiten Phase sollen die Waffen, Tunnel und die milit\u00e4rische Infrastruktur der Hamas demontiert werden. Der Hamas soll eine Amnestie angeboten werden: Mitglieder, die ihre Entwaffnung verweigern oder eine friedliche Koexistenz mit Israel ablehnen, d\u00fcrfen ins Exil gehen. Das alles soll von einer kommissarischen Internationalen Stabilisierungstruppe (ISF) \u00fcberwacht werden, die aus amerikanischen, arabischen und europ\u00e4ischen Soldaten besteht. Diese soll au\u00dferdem eine pal\u00e4stinensische Polizeitruppe ausbilden, die \u201elangfristige Stabilit\u00e4t und Frieden gew\u00e4hrleisten\u201c soll.<\/p>\n<p>In der dritten Phase des Abkommens soll ein vor\u00fcbergehend eingesetztes Komitee aus Technokraten Gaza regieren, seinen Wiederaufbau organisieren und der pal\u00e4stinensischen Autonomiebeh\u00f6rde irgendwann in der Zukunft, nach dem Abschluss eines noch nicht n\u00e4her spezifizierten \u201eReformprogramms\u201c, die Kontrolle zur\u00fcckgeben. Dieses Komitee, dem auch einige Pal\u00e4stinenser angeh\u00f6ren sollen, w\u00fcrde ein \u201eBoard of Peace\u201c leiten, dem neben Trump als Vorsitzendem auch der ehemalige britische Premierminister und nie angeklagte Kriegsverbrecher Tony Blair und andere internationale Pers\u00f6nlichkeiten angeh\u00f6ren w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Konsolidierung und Ausweitung der Abraham-Abkommen<\/p>\n<p>Die vagen Formulierungen dar\u00fcber, einer reformierten pal\u00e4stinensischen Autonomiebeh\u00f6rde die Kontrolle \u00fcber Gaza zu \u00fcbergeben, sind der notwendige Deckmantel, damit Saudi-Arabien die Abraham-Abkommen unterzeichnen konnte. Der faktische saudische Herrscher Mohammed bin Salman wird am 18. November zu Gast im Wei\u00dfen Haus sein.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mehring-verlag.de\/library\/north-30-jahre-krieg\/00.html\" class=\"no-underline pointer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/19b71883-5de1-401a-8f7f-7226c4b24a37\" style=\"max-height:100%\"\/><\/p>\n<p>David North<\/p>\n<p>30 Jahre Krieg: Amerikas Griff nach der Weltherrschaft 1990\u20132020<\/p>\n<p>Seit dem ersten Golfkrieg 1990\u20131991 f\u00fchren die Vereinigten Staaten ununterbrochen Krieg.\u00a0Gest\u00fctzt auf ein marxistisches Verst\u00e4ndnis der Widerspr\u00fcche des US- und des Weltimperialismus analysiert David North die Milit\u00e4rinterventionen und geopolitischen Krisen der letzten 30 Jahre.<\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Ein wichtiges Element des Plans der USA f\u00fcr einen \u201eNeuen Nahen Osten\u201c, den die Biden-Regierung beim G20-Gipfel in Neu-Delhi 2023 vorgestellt hatte und der von Netanjahu unterst\u00fctzt wurde, ist der Wirtschaftskorridor Indien-Naher Osten-Europa (IEEC). Dabei handelt es sich um einen Verkehrs-, Energie- und Datenkorridor, der S\u00fcdasien, den Persischen Golf und Europa \u00fcber Israel und den nordisraelischen Hafen Haifa verbindet und sich zu einem wichtigen Logistikknotenpunkt entwickeln soll. Der Hafen geh\u00f6rt dem indischen Hafenbetreiber und Logistikunternehmen Adani Ports and SEZ. In einem wiederaufgebauten Gazastreifen w\u00fcrde es eine \u201eSonderwirtschaftszone\u201c mit niedrigen Steuern geben, was gleichbedeutend ist mit niedrigen L\u00f6hnen und ausbeuterischen Arbeitsbedingungen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/0e601baa-b49d-48f3-a6ee-6092f7f155d9\" style=\"max-height:100%\"\/>Der Wirtschaftskorridor Indien-Naher Osten-Europa und seine Verbindungen [Photo by  ecfr.eu \/ <a class=\"black-40 hover-black-60 no-underline\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\/\">CC BY-SA 4.0<\/a>]<\/p>\n<p>Die Abraham-Abkommen wurden in Trumps erster Amtszeit in die Wege geleitet und bereits dazu benutzt, die wirtschaftliche und milit\u00e4rische Zusammenarbeit zwischen den USA, Israel und den \u00d6lscheicht\u00fcmern am Golf auszuweiten. Sie bilden ein Gegengewicht zu Chinas Initiative \u201eNeue Seidenstra\u00dfe\u201c und umgehen den Iran, indem sie Indien und die Golfstaaten an Washington anbinden. Die Abkommen bauen auf Israels zunehmende Integration in die Region durch seine Offshore-\u00d6l- und Gasfelder im \u00f6stlichen Mittelmeer, die teilweise von den Vereinigten Arabischen Emiraten finanziert werden. Israels Leviathan-Feld soll die \u00e4gyptischen LNG-Anlagen in den n\u00e4chsten 15 Jahren mit 130 Milliarden Kubikmetern Gas versorgen. Das ist Teil eines 35-Milliarden-Dollar-Abkommens, das israelisches Gas nach Europa reexportiert und das jordanische Stromnetz versorgt.<\/p>\n<p>Trumps Plan ist ein unverhohlener Ausdruck von Imperialismus: Er schafft eine de facto kommerzielle Einrichtung, deren F\u00fchrung vom US-Pr\u00e4sidenten eingesetzt wird. Er selbst wird den Vorsitz als Herrscher \u00fcber Gaza \u00fcbernehmen, nachdem sein regionaler Kettenhund ihn in Tr\u00fcmmer gelegt hat.<\/p>\n<p>Das Vorhaben erinnert an die britische Ostindien-Kompanie, die Ende des 16. Jahrhunderts von einer Gruppe prominenter Gesch\u00e4ftsleute und H\u00e4ndler in der City of London aus noch heute bekannten Familien ins Leben gerufen wurde. Im Jahr 1600 erhielten sie von K\u00f6nigin Elizabeth I. eine Gr\u00fcndungsurkunde als \u201eThe Governor and Company of Merchants of London Trading into the East Indies\u201c. Ihr Ziel war, die wirtschaftliche Macht der Portugiesen und Niederl\u00e4nder in Asien zu brechen, und sie waren Teil von Englands Bestrebungen, seinen globalen Einfluss auszuweiten sowie die Vorherrschaft seiner Konkurrenten im Seehandel zu brechen. Die Ostindien-Kompanie entwickelte sich zu einer quasi-souver\u00e4nen Macht, die \u00fcber Teile von Indien herrschte.<\/p>\n<p>In dieser Hinsicht ist die Lage des Gazastreifens von Bedeutung: Es liegt am \u00f6stlichen Ende des Mittelmeers, wo drei Kontinente zusammentreffen. Er w\u00fcrde zum milit\u00e4rischen Br\u00fcckenkopf des US-Imperialismus in einer Region werden, die \u00fcber immense Bodensch\u00e4tze verf\u00fcgt, u.a. vor der K\u00fcste des Gazastreifens. Den Pal\u00e4stinensern wird seit langem der Zugang zu den 1999 entdeckten Offshore-Ressourcen Gazas verwehrt, obwohl sie in Gew\u00e4ssern entdeckt wurden, die ihnen nach den Osloer Abkommen zugesprochen wurden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/74e2b85d-b069-4239-82fd-1305d4fbf18a\" style=\"max-height:100%\"\/>Israelische Panzer sind an der K\u00fcstenstra\u00dfe nach Gaza-Stadt stationiert, w\u00e4hrend sich vertriebene Pal\u00e4stinenser nahe Wadi Gaza im mittleren Gazastreifen sammeln. Aufgenommen am 9. Oktober 2025. [AP Photo\/Abdel Kareem Hana)]<\/p>\n<p>Dem Libanon, der seine Seegrenzen zu Israel erst nach Vermittlungen der Biden-Regierung im Jahr 2022 kl\u00e4rte, werden die notwendigen Finanzmittel f\u00fcr eine Erkundung verweigert, solange er nicht die milit\u00e4rische und politische Macht der Hisbollah in seinem Land beendet. Auch Syrien muss erst noch mit der Erkundung in seinen Gew\u00e4ssern beginnen; der ehemalige Dschihadist und heutige \u00dcbergangspr\u00e4sident Ahmad al-Shara&#8217;a wird am 10. November das Wei\u00dfe Haus besuchen. Aufgrund seiner enormen geostrategischen Bedeutung, vor allem gegen\u00fcber von Russland und China, w\u00e4re Gaza ein wichtiger Absatzmarkt und Investitionsstandort.<\/p>\n<p>Die M\u00e4chte des Nahen Ostens f\u00fcrchten, durch ihre Beteiligung an einer derart verbrecherischen imperialistischen Operation von ihrer eigenen Arbeiterklasse verachtet zu werden. Um die Unterdr\u00fcckung der Pal\u00e4stinenser zu legitimieren, forderten sie deshalb ein UN-Mandat, das die Ziele, Befugnisse, Unterordnung und Operationsmethoden der ISF festlegt. Daraufhin legte die Trump-Regierung dem UN-Sicherheitsrat einen entsprechenden Resolutionsentwurf vor. Dieser w\u00fcrde den USA und den anderen Teilnehmerl\u00e4ndern ein zweij\u00e4hriges Mandat verleihen, die Hamas zu entwaffnen, den Gazastreifen zu regieren und f\u00fcr die Sicherheit zust\u00e4ndig zu sein. Zugleich sollten sie \u201ebei Bedarf zus\u00e4tzliche Aufgaben zur Unterst\u00fctzung des Gaza-Abkommens\u201c erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Vor allem wird das Mandat \u201ein enger Absprache und Kooperation mit \u00c4gypten und Israel\u201c ausge\u00fcbt, und seine Organe werden im Aufgabenbereich von Trumps \u201eBoard of Peace\u201c agieren, das die Enklave regieren soll, bis die Pal\u00e4stinensische Autonomiebeh\u00f6rde als regierungsf\u00e4hig gilt.<\/p>\n<p>Die Regelung erinnert an die V\u00f6lkerbundmandate von 1922, die den Kolonialm\u00e4chten Gro\u00dfbritannien und Frankreich die Kontrolle \u00fcber Pal\u00e4stina und Syrien \u00fcbertrugen, wobei die USA und Israel die Rolle der Kolonialm\u00e4chte \u00fcbernehmen. Sollte eine Einigung erzielt werden, w\u00e4re dies das erste Mal, dass arabische Regime eigene Truppen f\u00fcr eine UN-Mission zur Verf\u00fcgung stellen.<\/p>\n<p>Die T\u00fcrkei hat zwar angeboten, unter einem UN-Mandat Truppen zu entsenden. Doch Netanjahu weigert sich, t\u00fcrkische oder katarische Truppen im Gazastreifen zu erlauben. Grund f\u00fcr diese Spannung ist, dass die T\u00fcrkei das Politb\u00fcro der Hamas in der T\u00fcrkei duldet, sie als legitime Widerstandsgruppe einstuft und sich gegen Israels Bestrebungen wehrt, Syrien schwach und gespalten zu halten.<\/p>\n<p>Auch die Entsendung von Sicherheitskr\u00e4ften der Pal\u00e4stinensischen Autonomiebeh\u00f6rde, die von \u00c4gypten und Jordanien ausgebildet wurden, in den Gazastreifen hat Netanjahu \u201evollst\u00e4ndig abgelehnt.\u201c<\/p>\n<p>Diese korrupten Regime, die alle mit eiserner Faust \u00fcber verarmte Massen herrschen, haben einen Teufelspakt geschlossen. Sie beteiligen sich offen an der gewaltsamen Unterdr\u00fcckung der Pal\u00e4stinenser und jedes Widerstands gegen Israel und den US-Imperialismus. Als Gegenleistung sichert ihnen Washington zu, ihre \u201eSicherheit\u201c im Fall eines neuen \u201eArabischen Fr\u00fchlings\u201c oder einer Massenbewegung zu ihrem Sturz zu gew\u00e4hrleisten. Sie unterst\u00fctzen die US-Kriegspl\u00e4ne gegen den Iran, der Oppositionskr\u00e4fte gegen ihre Herrschaft unterst\u00fctzt hat, und reihen sich damit ein in die Kriegsvorbereitungen der USA gegen China.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das obsz\u00f6ne Schauspiel am 13. 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