{"id":564333,"date":"2025-11-10T02:49:13","date_gmt":"2025-11-10T02:49:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/564333\/"},"modified":"2025-11-10T02:49:13","modified_gmt":"2025-11-10T02:49:13","slug":"hamburg-domina-in-der-herbertstrasse-portraet-einer-ueberlebenden-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/564333\/","title":{"rendered":"Hamburg | Domina in der Herbertstra\u00dfe &#8211; Portr\u00e4t einer \u00dcberlebenden"},"content":{"rendered":"<p>Hamburg (dpa) &#8211; \u00abWenn ich aufh\u00f6r`, h\u00f6ren auch die Stiefel mit mir auf\u00bb, sagt Manuela Freitag. Eine Frau jenseits der Lebensmitte, in schwarzes enges Leder geschn\u00fcrt, blickt aus einem freundlichen, in sich ruhenden Gesicht. Freitag ist die dienst\u00e4lteste Domina in der legend\u00e4ren Herbertstra\u00dfe. Das ist die ber\u00fchmteste Rotlicht-Stra\u00dfe der Reeperbahn, die seit den 1930er-Jahren durch zwei Tore abgetrennt ist und die Bereich Frauen, Kinder und Jugendliche nicht betreten d\u00fcrfen. Die dreiteilige Dokureihe \u00abHerbertstra\u00dfe \u2013 Geschichte einer Domina\u00bb stellt sie vor. Sie l\u00e4uft in der Nacht auf Sonntag um 0.30 Uhr im ZDF. Im ZDF-Streamingportal ist sie bereits vorab verf\u00fcgbar.<\/p>\n<p>Regisseur Peter D\u00f6rfler hat das Drehbuch nach Motiven des Bestsellers \u00abHerbertstra\u00dfe\u00bb verfasst, den Manuela Freitag selbst gemeinsam mit Olaf K\u00f6hne und Peter K\u00e4fferlein schrieb.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich im Heim\u00a0<\/p>\n<p>Was man hinter dem freundlichen Gesicht nicht vermutet: Manuela Freitag ist eine \u00dcberlebende, die sich nach einem schwierigen Start ins Leben gegen viele Widrigkeiten behauptet hat. Die Serie beginnt bei ihrer Kindheit. Die Mutter sperrt sie ins Badezimmer, damit sie im Erdgeschoss kellnern kann. Das Wegsperren wird traumatisch f\u00fcr das Kind. Bald steht das Jugendamt vor der T\u00fcr. Manuela kommt ins Heim &#8211; ohne zu wissen, warum.\u00a0<\/p>\n<p>Der Kontakt zu den Eltern ist sporadisch, bald erlischt er ganz. Manuela rebelliert gegen Heimleitung, Wohngruppen, Schul-Alltag, beginnt zu stehlen. Sie w\u00e4chst zu einem M\u00e4dchen heran, dem Bindung und Zugeh\u00f6rigkeit fehlen. Das laut einer Psychologin ein gro\u00dfes Bed\u00fcrfnis nach N\u00e4he hat und gef\u00e4hrdet ist, zum Opfer zu werden. Ein Erzieher nutzt ihre Lage f\u00fcr einen Missbrauch aus. Ein wohlmeinender Vormund rettet sie aus mancher \u00fcblen Situation.\u00a0<\/p>\n<p>Stra\u00dfenstrich in Bremen und brutale Zuh\u00e4lter<\/p>\n<p>Als Teenager entdeckt sie den Stra\u00dfenstrich in ihrer Bremer Heimat und sieht darin einen scheinbaren Ausweg hin zu leicht verdientem Geld und Unabh\u00e4ngigkeit. Bald stellt sie fest, dass ihre richtige Mutter, eine Prostituierte aus Hamburg, sie zur Adoption freigegeben hatte. Doch auch der Versuch einer Kontaktaufnahme mit der Herkunftsfamilie misslingt.<\/p>\n<p>Dokumentarische Szenen, die die Hamburger Reeperbahn in den 1980er- und 1990er-Jahren zeigen, wechseln mit Spielszenen, in denen Schauspielerin Lilja van der Zwaag kraftvoll die Rolle der jungen Manuela Freitag \u00fcbernimmt.\u00a0<\/p>\n<p>Getrieben von der Suche nach Liebe und einem Platz im Leben landet sie \u2013 noch minderj\u00e4hrig &#8211; bei einem ersten Zuh\u00e4lter, ein sp\u00e4terer sperrt sie \u00fcber Nacht in der Wohnung ein und vergewaltigt sie. \u00abDas war ihm egal. Der hatte keine Gef\u00fchle. Das sind die gef\u00e4hrlichsten Menschen\u00bb, sagt Manuela Freitag im R\u00fcckblick.\u00a0<\/p>\n<p>Raus aus dem Teufelskreis, rein in die Ruhe<\/p>\n<p>Sie erkennt bald den Teufelskreis aus Umwerben, ausbleibender Liebe und Gewalt, sobald sie aussteigen will. Halt findet sie zum Beispiel in der Sozialarbeiterin Isabell Tiede, die sich um minderj\u00e4hrige Prostituierte k\u00fcmmert. Manuela Freitag kauft sich irgendwann selbst frei und wird autonom. Sp\u00e4ter \u00fcbersteht sie die Aids-Krise, den Koks-Konsum in der Szene, die wachsende Gewalt, einen Zusammenbruch mit Depressionen.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abDamals habe ich mich wie in einer gro\u00dfen Familie gef\u00fchlt\u00bb, sagt sie. Sp\u00e4ter wird sie Domina in der Herbertstra\u00dfe. Hier geht es um das \u00abUnnahbare\u00bb. Es gibt wenig K\u00f6rperber\u00fchrung. Sie lernt einen jungen Mann kennen, wird Mutter, trennt sich und kommt doch endlich zur Ruhe.<\/p>\n<p>Die Doku gibt Sex-Arbeiterinnen eine W\u00fcrde<\/p>\n<p>Im letzten Teil wird es politischer. Fragen zum gesellschaftlichen Umgang mit Prostitution in Deutschland werden jener in Skandinavien gegen\u00fcbergestellt. Das nordische Modell entkriminalisiert die Sex-Arbeiterinnen. Es hilft jedoch nicht jenen, die aussteigen wollen und kein Netz vorfinden, das sie auff\u00e4ngt, so Julia Staron, Quartiersmanagerin St. Pauli.\u00a0<\/p>\n<p>F\u00fcr Manuela Freitag war es am Ende des Tages immer ein Beruf wie jeder andere auch. Die Dokureihe gibt ihr und allen Sex-Arbeiterinnen eine eindringliche W\u00fcrde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Hamburg (dpa) &#8211; \u00abWenn ich aufh\u00f6r`, h\u00f6ren auch die Stiefel mit mir auf\u00bb, sagt Manuela Freitag. 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