{"id":564463,"date":"2025-11-10T04:03:15","date_gmt":"2025-11-10T04:03:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/564463\/"},"modified":"2025-11-10T04:03:15","modified_gmt":"2025-11-10T04:03:15","slug":"lesart-esslingen-leon-engler-liest-aus-debuet-roman-botanik-des-wahnsinns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/564463\/","title":{"rendered":"Lesart Esslingen: Leon Engler liest aus Deb\u00fct-Roman \u201eBotanik des Wahnsinns\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Autobiografische Z\u00fcge tr\u00e4gt das Romandeb\u00fct von Leon Engler. Bei der Lesart in Esslingen stellte er das Werk vor.<\/p>\n<p>Zarte Kl\u00e4nge einer E-Gitarre f\u00fcllen den Kutschersaal in der Stadtb\u00fccherei <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Esslingen\" title=\"Esslingen\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Esslingen<\/a>. Gebannt lauschen die Zuh\u00f6rer den meditativen Saitenkl\u00e4ngen, die Leon Engler seinem Instrument entlockt. Doch er ist nicht als Musiker engagiert. Im Rahmen der 31. Esslinger Literaturtage \u201eLesart 2025\u201c stellte er seinen Deb\u00fct-Roman \u201eBotanik des Wahnsinns\u201c vor.<\/p>\n<p>An seiner Seite im Kutschersaal der B\u00fccherei sitzt Dominique Caina, die in der Literaturreihe die Lesungen f\u00fcr Erwachsene kuratiert. Zun\u00e4chst begr\u00fc\u00dfte B\u00fcchereileiter Kevin Butler die G\u00e4ste, dann moderierte sie den Abend. Zun\u00e4chst zeigt Caina die Str\u00e4nge auf, die den Aufbau des viel beachteten Erstlingsromans von Leon Engler bestimmen.<\/p>\n<p>Da ist zum einen die Gegenwart des Ich-Erz\u00e4hlers, der Tagebuch schreibt und als Therapeut in der Psychiatrie arbeitet. Dann die R\u00fcckblenden in die Vergangenheit seiner Vorfahren und essayistische Passagen, etwa \u00fcber die Geschichte der Psychiatrie. \u00dcber viele Seiten wird das bewegte Leben des Protagonisten beschrieben. Zwar wird Engler an keiner Stelle namentlich benannt, doch schnell ist klar: Es geht um sein Leben.<\/p>\n<p>Dennoch stellt der Autor klar: \u201eIch habe keine Autobiografie geschrieben, sondern ein Roman, in dem sich Recherche, Realit\u00e4t und Fiktion vermischen.\u201c In \u201eBotanik des Wahnsinns\u201c sp\u00fcrt er der Frage nach, ob der Wahnsinn, wenn er sich seit drei Generationen in einer Familie eingenistet hat, unentrinnbar das Schicksal der Nachkommen ist.<\/p>\n<p>In M\u00fcnchen aufgewachsenen  <\/p>\n<p>Dass in der Familie des in M\u00fcnchen aufgewachsenen Autors nicht alles mit normalen Dingen zugeht, wird schon im ersten Kapitel klar. Die Wohnung seiner alkohols\u00fcchtigen, verwahrlosten Mutter wird zwangsger\u00e4umt, doch die nimmt es leicht: \u201eKein Problem. Es ist sowieso Zeit f\u00fcr einen Ortswechsel\u201c. Komplett ist das Chaos, als durch eine Verwechslung alle pers\u00f6nlichen Dinge der Mutter in der M\u00fcllverbrennungsanlage landen. So ist die Vergangenheit ausgel\u00f6scht.<\/p>\n<p>Bei allem Irrsinn des Lebens taucht in Englers Roman auch Humoriges auf, etwa wenn er von seiner Mathematiklehrerin erz\u00e4hlt, deren Markenzeichen abgeschnittene Krawatten sind. Augenzwinkernd blickt er auf die suizidgef\u00e4hrdete Gro\u00dfmutter, die mit ihren Inkontinenz-Windeln in einer eigenen geistigen Welt lebt.<\/p>\n<p>Seine Angst, den Wahnsinn der Vorfahren geerbt zu haben, treibt den Protagonisten hinaus in die Welt. Doch nach seiner Flucht aus M\u00fcnchen h\u00e4lt er es auch nicht in der Enge einer Wohnung in New York aus, flieht weiter nach Paris. Auch hier treibt ihn die Platzangst in seiner Mini-Wohnung weiter nach Wien, wo er zun\u00e4chst Theaterwissenschaft studiert, sp\u00e4ter in K\u00f6ln Psychologie.<\/p>\n<p> Mit filigranen Gitarrenkl\u00e4ngen endet die Lesung <\/p>\n<p>Weder sein skurriler Kontakt mit einem buchverr\u00fcckten Wohnungsnachbarn in Wien, noch seine Arbeit als Psychologe in einem psychiatrischen Krankenhaus erl\u00f6sen den Protagonisten des Buchs von seinen \u00c4ngsten, doch noch dem Wahnsinn zu verfallen. Ganz im Gegenteil: In der Psychiatrie und beim Studium der B\u00fccher von Sigmund Freud, Friedrich Nietzsche und Ingeborg Bachmann erkennt er, dass seelische Leiden schwer zu heilen sind. So erkennt er: Das Los der Menschen ist, zu scheitern.<\/p>\n<p>Englers Roman bezieht die Spannung aus einem untergr\u00fcndig sp\u00fcrbaren Konflikt mit der Realit\u00e4t. Und dennoch ist dem Autor mit seinem Deb\u00fct, trotz der d\u00fcsteren Ausgangslage, ein heiteres, zutiefst menschliches Buch gegl\u00fcckt. Die Lesung endet, wie sie begonnen hat: Mit filigranen Gitarrenkl\u00e4ngen, in die sich als Zeichen, dass das Leben weitergeht, monotone Herzger\u00e4usche mischen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Autobiografische Z\u00fcge tr\u00e4gt das Romandeb\u00fct von Leon Engler. 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