{"id":564599,"date":"2025-11-10T05:28:13","date_gmt":"2025-11-10T05:28:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/564599\/"},"modified":"2025-11-10T05:28:13","modified_gmt":"2025-11-10T05:28:13","slug":"eine-ansichtskartenflut-fuer-das-staedtchen-im-leipziger-sueden-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/564599\/","title":{"rendered":"Eine Ansichtskartenflut f\u00fcr das St\u00e4dtchen im Leipziger S\u00fcden \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Da werden jetzt schon etliche Zwenkauer mit Lupe \u00fcber diesem dicken Band sitzen und nach ihrem eigenen Wohnhaus suchen. Und dem ihrer Eltern und Gro\u00dfeltern. Jeder neue Postkarten-Band von Pro Leipzig ist eine Zeitreise \u2013 zur\u00fcck in die Jahre um 1900, als Ansichtskarten noch ein beliebtes Kommunikationsmittel waren. Ein sch\u00f6nes buntes \u00dcberraschungsmoment im Briefkasten, manchmal direkt vor den Toren der Stadt abgestempelt, Ergebnis eines gelungenen Sonntagsausflugs in die Leipziger Umgebung. Nun hat auch Zwenkau so ein Prachtexemplar bekommen.<\/p>\n<p>Mit \u00fcber 500 Ansichtskarten, die meisten nat\u00fcrlich aus der Hochzeit der kolorierten Ansichtskarte um 1900. Einer Zeit, als auch die Verleger dieser kunstvoll arrangierten Portr\u00e4ts der Stadt, der Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze noch nicht ahnten, wie sehr ihre Ansichten einen Zeitenwechsel abbilden w\u00fcrden.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/d6020025cc73402b8c695c0ed2155b84.gif\" alt=\"\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/buecher\/2025\/11\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/buecher\/2025\/11\/1\"\/><\/p>\n<p>Auch wenn sich am Horizont schon die dunklen Wolken einer Ver\u00e4nderung abzeichneten, die auch Zwenkau und seine Nachbargemeinden nicht verschonen w\u00fcrde. Der Bergbau w\u00fcrde nicht nur die Entwicklung der Stadt im Leipziger S\u00fcdraum beeinflussen, er w\u00fcrde auch das Umland ver\u00e4ndern und ein beliebtes Leipziger Ausflugsgebiet vom Erdboden verschwinden lassen \u2013 die Harth.<\/p>\n<p>Ein Waldst\u00fcck, das bis zu seiner Komplettrodung ab den 1950er Jahren eines der beliebtesten Frischluftreviere der Leipziger war.<\/p>\n<p>Ein ganzes Kapitel mit Ansichtskarten erz\u00e4hlt vno diesem verschwundenen St\u00fcck Gr\u00fcn mit seinen beliebten Ausflugsgastst\u00e4tten Harthschl\u00f6\u00dfchen und Harth-Caf\u00e9. Waldpartien und die Picknick-Freude der Leipziger fanden dereinst auch ins Bild. Genauso wie das Bahnw\u00e4rterh\u00e4uschen der Eisenbahnstrecke Gaschwitz-Zwenkau-Meuselwitz, die ebenfalls Opfer des Braunkohletagebaus wurde.<\/p>\n<p>Genauso wie die einst reiche und ebenso bei Ausfl\u00fcglern beliebte Elsteraue, in der die Wei\u00dfe Elster um 1900 noch ungehindert m\u00e4anderte, bis sie verlegt und in Beton gepackt wurde, wo Ziegeleien ihren Rohstoff fanden und die Zwenkauer ihr Flussbadevergn\u00fcgen fanden, bis die Kohle- und Chemieindustrie daf\u00fcr sorgten, dass man in der sch\u00e4umenden Br\u00fche nicht mehr baden konnte.<\/p>\n<p>Im Schatten des Bergbaus<\/p>\n<p>Man bekommt eben nicht nur die vielen eindrucksvollen Ansichtskarten zu sehen, sondern \u2013 in l\u00e4ngeren und k\u00fcrzeren Begleittexten \u2013 auch den historischen Hintergrund erl\u00e4utert, der hinter einzelnen Geb\u00e4uden, Stra\u00dfen und eben auch verschwundenen Orten steckt.<\/p>\n<p>Sodass man auch \u2013 ebenso mit Ansichtskarten bebildert \u2013 die Entstehung des neuen Rathauses miterlebt, den Bau der B\u00fcrgerschule und der Walhalla-Lichtspiele. Und da gerade in dieser Zeit kr\u00e4ftig gebaut wurde und Zwenkau zur kleinen Industriestadt heranwuchs, zeigen gerade die Stra\u00dfenportr\u00e4ts auch, wie flott damals ganze Stra\u00dfenzeilen hochgezogen wurden, um die Industriearbeiter, die meist im nahen B\u00f6hlen arbeiteten, unterzubringen.<\/p>\n<p>Aber die Ansichtskarten laden auch zum Entdecken ein \u2013 etwa wenn es die einstige Zwenkauer Dampfbrauerei geht, den verschwiegenen Sattelhof oder den \u201eTausendj\u00e4hrigen Taxusbaum\u201c im Freigel\u00e4nde des Hotels Kronprinz. Und selbst einige pr\u00e4chtige Geb\u00e4ude der S\u00e4chsisch-Th\u00fcringischen Industrie- und Gewerbeausstellung von 1897 fanden \u2013 wie das Restaurant \u201eZur Sommerlust\u201c oder der \u201eRothenburger Erker\u201c- in Zwenkau einen neuen Standort.<\/p>\n<p>Gerade die Zahl der Ausflugsgastst\u00e4tten in Zwenkau zeigt, wie beliebt das St\u00e4dtchen im Leipziger S\u00fcden bei den Leipzigern war, wenn sie sich am Wochenende zum Ausflug entschlossen und mit dem Zug in den lockenden S\u00fcden aufbrachen.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt bilden gerade die von diversen Hotels und Gastst\u00e4tten herausgegebenen Ansichtskarten einen gro\u00dfen Teil dieser Sammlung Zwenkauer Ansichten. Sie zeigen aber \u00fcberwiegend nicht nur die beliebte Gastst\u00e4tte, sondern auch die Sehensw\u00fcrdigkeiten der Stadt.<\/p>\n<p>Mit O-Bus nach Zwenkau<\/p>\n<p>Einer Stadt, die sich in den Folgejahren weiter ver\u00e4nderte. Davon erz\u00e4hlen dann die zumeist fotografischen Ansichtskarten der Zeit nach 1920, auf denen dann \u2013 in Schwarz\/Wei\u00df auch die Errungenschaften der neuen Zeit ins Bild r\u00fcckten \u2013 die ersten Automobile auf den nun auf einmal gepflasterten Stra\u00dfen, die Tankstelle mitten auf dem Pegauer Platz, das 1927 entstandene Familienbad Zwenkau (dem sp\u00e4ter der Braunkohletagebau ebenfalls das Wasser abgrub) und am Ende auch noch die ab 1956 (als Ersatz f\u00fcr die gekappte Eisenbahnlinie) eingerichtete O-Bus-Linie, die Zwenkau mit Leipzig verband.<\/p>\n<p>Wirklich zu Ende ist das Ansichtskarten-Zeitalter nat\u00fcrlich nicht. Bunt gestaltete Karten aus der j\u00fcngeren Teit sind nur in kleiner Auswahl mit ins Buch gerutscht. Denn der Reiz dieser Ansichtskarten-B\u00e4nde besteht ja darin, dass sie ein ganzes St\u00fcck Stadtgeschichte zeigen, das heute schon tiefe Vergangenheit ist. Selbst die Kinder und Erwachsenen, die sich damals stolz dem Fotografen vor ihren H\u00e4usern und Gesch\u00e4ften pr\u00e4sentierten, sind l\u00e4ngst vergessen.<\/p>\n<p>Es sei denn, emsige Familienforscher entdecken in ihnen ihre Ur- und Ur-Ur-Gro\u00dfeltern. Was durchaus m\u00f6glich ist, wenn die H\u00e4user lokalisierbar sind oder gar namhafte Gesch\u00e4fte ins Bild gefunden haben. Jede einelne Stra\u00dfe kann zum Abenteuer f\u00fcr heutige Spurensucher werden \u2013 besonders f\u00fcr all jene, die ihr eigenes Leben mit diesen Orten in Verbindung bringen k\u00f6nnen, sich an Schulbesuche und Wege zum Kaufmann um die Ecke erinnern.<\/p>\n<p>Ver\u00e4nderte Landschaften<\/p>\n<p>Und da Zwenkau seither auch gewachsen ist, kommen auch die heutigen Ortsteile mit ihren eigenen Ansichtskarten-Serien ins Buch \u2013 von Kotzschbar bis Zitzschen, um das kurz zu umfassen. Auch hier werden die heutigen Bewohner der Orte neugierig auf die alten Ansichten schauen, Orte wiedererkennen und Verschwundenes wiederentdecken.<\/p>\n<p>Und so erz\u00e4hlen die bunten Karten eben auch ein St\u00fcck regionale Geschichte, auch wenn sie meist nicht verraten, was die Ver\u00e4nderungen bewirkten und wie sehr die Landschaft sich nach dem gro\u00dfen Zeitalter der bunten Karten noch ver\u00e4nderte.<\/p>\n<p>Aber diese Geschichte wird im Kapitel \u201eZwenkau im Wandel\u201c daf\u00fcr recht ausf\u00fchrlich erz\u00e4hlt, sodass dieser dicke Band auch viele Leipziger neugierig machen d\u00fcrfte auf das St\u00e4dtchen im S\u00fcden, das nach dem \u2013 von B\u00fcrgern erzwungenen \u2013 Ende des Tagebaus auch einen eigenen See vor der Haust\u00fcr liegen hat. Ein See, der auch an die Orte erinnert, die dem Tagebau zum Opfer gefallen sind \u2013 so wie <a href=\"http:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/buecher\/2012\/11\/Eythra-Am-Rande-der-Grossstadt-45110\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Eythra<\/a>.<\/p>\n<p>Aber trotzdem entsteht so eine kleine Verlockung, mit Bus oder Fahrrad trotzdem mal hinzufahren und ein St\u00e4dtchen zu entdecken, das vor 120 Jahren geradezu Synonym f\u00fcr Leipziger Ausflugsfreuden war.<\/p>\n<p><strong>Thomas Kr\u00f6ter, Thomas Nabert,J\u00fcrgen Winter <a href=\"https:\/\/www.lehmanns.de\/isbn\/9783949586156@liz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">\u201eZwenkau und seine Ortsteile auf alten Ansichtskarten\u201c<\/a><\/strong> Pro Leipzig, Leipzig 2025, 29 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Da werden jetzt schon etliche Zwenkauer mit Lupe \u00fcber diesem dicken Band sitzen und nach ihrem eigenen Wohnhaus&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":564600,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[136223,3364,29,30,71,136224,1803,859,136225],"class_list":{"0":"post-564599","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-ansichtskarten","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-leipzig","13":"tag-regionalgeschichte","14":"tag-rezension","15":"tag-sachsen","16":"tag-zwenkau"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115523754755745978","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/564599","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=564599"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/564599\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/564600"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=564599"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=564599"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=564599"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}