{"id":56474,"date":"2025-04-24T04:15:09","date_gmt":"2025-04-24T04:15:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/56474\/"},"modified":"2025-04-24T04:15:09","modified_gmt":"2025-04-24T04:15:09","slug":"roman-der-ewige-tanz-das-aufregende-leben-der-anita-berber-ndr-de-kultur-buch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/56474\/","title":{"rendered":"Roman &#8222;Der ewige Tanz&#8220;: Das aufregende Leben der Anita Berber | NDR.de &#8211; Kultur &#8211; Buch"},"content":{"rendered":"<p>\nStand: 24.04.2025 06:00 Uhr\n<\/p>\n<p class=\"preface\">In Steffen Schroeders neuem Buch steht Anita Berber im Mittelpunkt, die &#8222;Skandalt\u00e4nzerin&#8220; der 1920er-Jahre. Ein schwindelerregend choreografierter Roman, der uns die oft missinterpretierte K\u00fcnstlerin n\u00e4her bringt.<\/p>\n<p class=\"textauthor\">von Katrin Kr\u00e4mer<\/p>\n<p>Die Welt der Variet\u00e9s lernt Anita fr\u00fch kennen. 1914, als Dreizehnj\u00e4hrige, f\u00e4hrt sie in Begleitung ihrer geliebten Gro\u00dfmutter von Dresden nach Berlin, wo sie ihre Mutter Lucie zum ersten Mal auf der B\u00fchne sieht. Die Atmosph\u00e4re, die Musik &#8211; Anita\u00a0sp\u00fcrt, dass sich hier eine neue Welt f\u00fcr sie \u00f6ffnet. Besonders ergreift sie der Auftritt der T\u00e4nzerin Marietta di Regardo.<\/p>\n<p class=\"quote\">\nDer K\u00f6rper bot Ausdrucksm\u00f6glichkeiten, die unendlich waren. Schlie\u00dflich gab es doch so viele Dinge, die man nicht in Worte fassen kann, bei deren Wirkmacht die Stimme versagte. Aber tanzen, dachte sie, tanzen konnte man alles.&#8220;<br \/>\nLeseprobe\n<\/p>\n<p>Schon als kleines Kind hat Anita Ballettunterricht und ist so talentiert, dass Lucie Berber ihre Tochter bald als Konkurrentin wahrnimmt. Das Verh\u00e4ltnis der beiden bleibt bis zu Anitas Tod 1928 angespannt. Der Vater bleibt f\u00fcr Anita unerreichbar.<\/p>\n<p>Anita Berber: Berliner Ikone der 1920er-Jahre<\/p>\n<p>Steffen Schroeder hat sich intensiv mit Anita Berbers Lebensgeschichte besch\u00e4ftigt, ist jeder kleinsten biografischen Spur gefolgt. &#8222;Die Eltern haben sich fr\u00fch getrennt, und der Vater ist eine einzige Leerstelle. Er geht ihr aus dem Weg. Er war ja ein ganz ber\u00fchmter Violinist, hat noch mit Brahms musiziert, war Leiter des Leipziger Gewandhausorchesters. Und das ist eine Episode, die belegt ist, dass sie versucht hat, ihn nach einem Konzert aufgesucht hat, und er nur sagte: ich kenne sie nicht.&#8220;<\/p>\n<p>Als &#8222;Nacktt\u00e4nzerin&#8220;, die sie gar nicht war, weil sie ihre Scham immer bedeckt hielt, wird &#8222;die Berber&#8220; bis heute dargestellt. Was sie war: eine Ikone des Berliner Nachtlebens der 1920er-Jahre, ein M\u00e4nner wie Frauen liebender Stummfilmstar. Schroeder zeigt sie auch als Frau mit \u00c4ngsten und Zweifeln. &#8222;Mich hat immer interessiert, wie der Mensch Anita Berber hinter diesem Mythos war&#8220;, sagt er. &#8222;Es war mir wichtig, nicht so ein Abziehbild einer Femme fatale zu zeichnen, sondern den Menschen dahinter zu entdecken.&#8220;<\/p>\n<p>Und das gelingt Steffen Schroeder. Die Passagen, in denen wir die Berber als Ausnahmek\u00fcnstlerin erleben, die sich ihrem ausschweifenden Leben hingibt, die abh\u00e4ngig von Morphin und Kokain wird, die am Tag eine Flasche Cognac trinkt, die auch mal handgreiflich wird &#8211; und die eine Abtreibung hinter sich bringen muss, erz\u00e4hlt er fast atemlos. &#8222;Mich hat speziell auch das Ausloten von Grenzen interessiert, die Gegens\u00e4tze. Sie hat die Hure getanzt, die Heilige, den Selbstmord, die Schwangerschaft. Und sie hat sich sehr mit Personen am Rande der Gesellschaft besch\u00e4ftigt, mit Prostituierten; ihre Bisexualit\u00e4t war ein gro\u00dfes Thema. In der Kunst sind das immer Bereiche, die mich interessieren.&#8220;<\/p>\n<p>Erinnerungen einer Todgeweihten<\/p>\n<p>Diesen Episoden, in denen wir die rastlose Anita Berber erleben, f\u00fcgt Steffen Schroeder aber eine weitere Ebene hinzu. Hier verlangsamt sich\u00a0das Erz\u00e4hltempo, sodass der D\u00e4mmerzustand, in dem sich Anita Berber befindet, sp\u00fcrbar wird. Die todgeweihte T\u00e4nzerin ist Ende 20, als sie, v\u00f6llig geschw\u00e4cht und mit der Diagnose Tuberkulose, im Berliner Bethanien-Krankenhaus liegt. Steffen Schroeder erlebte in seinem Schreibprozess, den er wie eine &#8222;Reise&#8220; empfunden hat, wie er im Nachwort sagt, auch eine besondere Form der Identifikation mit seiner Figur: &#8222;Diese Tuberkulose (&#8230;) Ich bekam einen Husten, wie ich ihn noch nie erlebt habe und habe gedacht, ich hustete mir die Seele aus dem Leib.&#8220;<\/p>\n<p class=\"quote\">\nSeit ein paar Tagen geh\u00f6rt sie nun zu den Dauerbewohnerinnen der &#8222;Hustenburg&#8220;, wie die Baracke intern genannt wird. Der Gro\u00dfteil der Schwinds\u00fcchtigen wird tags\u00fcber in die Frischluft-Liegehalle gebracht. Nur bei hoffnungslosen F\u00e4llen sparen sich die Diakonissen den Aufwand. Seitdem Anita nun offenbar zu Letzteren z\u00e4hlt, l\u00e4sst sich auch der alte Arzt nicht mehr blicken.<br \/>\nLeseprobe\n<\/p>\n<p>Wie auf einer Drehb\u00fchne ziehen hier die Erinnerungen an ihr vor\u00fcber. Und damit die Menschen, mit denen sie tanzte und lebte, die sie liebte und die sie besitzen wollten. Der Regisseur Fritz Lang, Marlene Dietrich, Leni Riefenstahl, Otto Dix, der sie mit erschreckend verlebten Z\u00fcgen malte. &#8222;Der Ewige Tanz&#8220; ist ein schwindelerregend choreografierter Roman, der uns die oft missinterpretierte Frau und K\u00fcnstlerin Anita Berber n\u00e4her bringt.<\/p>\n<p>Der ewige Tanz <\/p>\n<p>von Steffen \u00a0Schroeder<\/p>\n<dl>\n<dt class=\"dtHidden\">Seitenzahl:<\/dt>\n<dd>304 Seiten<\/dd>\n<dt class=\"dtHidden\">Genre:<\/dt>\n<dd>Roman<\/dd>\n<dt>Verlag:<\/dt>\n<dd>Rowohlt Berlin<\/dd>\n<dt>Bestellnummer:<\/dt>\n<dd>978-3-462-00798-5<\/dd>\n<dt>Preis:<\/dt>\n<dd>24 \u20ac<\/dd>\n<\/dl>\n<p>Dieses Thema im Programm:<\/p>\n<p>NDR Kultur |<br \/>\nNeue B\u00fccher |<br \/>\n24.04.2025 | 12:40 Uhr<\/p>\n<p>Schlagw\u00f6rter zu diesem Artikel<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/buch\/Romane-Buch-Rezensionen-Lesungen-und-Podcasts,romane107.html\" title=\"Inhalte zum Thema &#039;Romane&#039;\" aria-label=\"Inhalte zum Thema &#039;Romane&#039;\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Romane<\/a><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/ndr_printlogo.gif\" alt=\"NDR Logo\" title=\"NDR Logo\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 24.04.2025 06:00 Uhr In Steffen Schroeders neuem Buch steht Anita Berber im Mittelpunkt, die &#8222;Skandalt\u00e4nzerin&#8220; der 1920er-Jahre.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":56475,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[26397,1784,1797,1785,1796,26396,29,214,30,438,439,440,1795,1800,26395,215],"class_list":{"0":"post-56474","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-anita-berber","9":"tag-books","10":"tag-buch","11":"tag-buecher","12":"tag-buchtipps","13":"tag-der-ewige-tanz","14":"tag-deutschland","15":"tag-entertainment","16":"tag-germany","17":"tag-ndr","18":"tag-norddeutscher-rundfunk","19":"tag-norddeutschland","20":"tag-roman","21":"tag-romane","22":"tag-steffen-schroeder","23":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114391005529592960","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/56474","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=56474"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/56474\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/56475"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=56474"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=56474"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=56474"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}