{"id":56546,"date":"2025-04-24T04:54:09","date_gmt":"2025-04-24T04:54:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/56546\/"},"modified":"2025-04-24T04:54:09","modified_gmt":"2025-04-24T04:54:09","slug":"europa-klimaschutz-im-kreuzfeuer-energiezukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/56546\/","title":{"rendered":"Europa: Klimaschutz im Kreuzfeuer &#8211; energiezukunft"},"content":{"rendered":"<p>von Manuel Grisard<\/p>\n<p>24.04.2025 \u2013 Der \u201eideologische Ansatz\u201c des Green Deals m\u00fcsse \u00fcberarbeitet werden, findet Italiens Ministerpr\u00e4sidentin Giorgia Meloni. Ungarns Ministerpr\u00e4sident Viktor Orban fordert eine Klimapolitik mit \u201egesundem Menschenverstand\u201c, mit \u00d6l, Gas und Atomkraft f\u00fcr den \u00dcbergang und Teil der L\u00f6sung. Der neue Bundeskanzler Deutschlands Friedrich Merz bezeichnet Windr\u00e4der als \u201eh\u00e4sslich\u201c und \u201e\u00dcbergangsl\u00f6sung\u201c, bis einmal der Traum von der Kernfusion in Erf\u00fcllung geht. Keiner der genannten stellt den menschengemachten Klimawandel in Frage und trotzdem fordern sie eine Abkehr von progressiver europ\u00e4ischer Klimapolitik.<\/p>\n<p>Die Stimmen werden lauter, insbesondere seit der <a href=\"https:\/\/www.energiezukunft.eu\/politik\/fuer-den-klimaschutz-koennte-es-gefaehrlich-werden\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Europawahl<\/a> im Juni 2024, bei der konservative und rechte Kr\u00e4fte deutlich an Sitzen im EU-Parlament hinzugewannen. Die EVP-Fraktion (EPP) mit CDU und CSU gewann acht Sitze hinzu. Die EKR (ECR) \u2013 die Europ\u00e4ischen Konservativen und Reformer \u2013 kamen auf Plus vier Sitze. Die neu konstituierten und ganz rechten Fraktionen Patrioten f\u00fcr Europa und Europa der souver\u00e4nen Nationen (ESN), der auch die AfD angeh\u00f6rt, kamen nach der Wahl auf 36 Sitze mehr, im Gegensatz zur vorherigen rechten Fraktion Identit\u00e4t und Demokratie. Gr\u00fcne (Greens\/EFA) und Liberale (Renew Europe) dagegen verloren 19 bzw. 22 Sitze. 2019 noch hatten Europas B\u00fcrger, allen voran die Deutschen, die Europawahl zur Klimawahl gemacht.<\/p>\n<p>Im Wahlkreis von Cavazzini, im s\u00e4chsischen Zwickau, lebt der Aktivist und Autor Jakob Springfeld. Er setzt sich in der Stadt und dar\u00fcber hinaus f\u00fcr Klimaschutz und gegen Rechtsradikalismus ein. In seinem neuen Buch \u201eDer Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert \u2013 warum das Erstarken der Rechten eine Bedrohung f\u00fcr uns alle ist\u201c f\u00fchlt er der Demokratie-Krise auf den Zahn.<\/p>\n<p>Wichtigste Arbeitgeber in Zwickau sind der Volkswagen-Konzern und seine Zulieferer-Betriebe. \u201eHier geht der Spruch um: Wenn es VW in Zwickau nicht mehr gibt, ist die Stadt tot\u201c, sagt der 22-J\u00e4hrige Springfeld, dessen Vater im VW-Werk arbeitet. Zwickau ist Teil und abh\u00e4ngig vom globalen Wirtschaftsgef\u00fcge. Springfeld beobachtet eine grunds\u00e4tzliche Abstiegsangst angesichts der Transformation der Industrie, die in den Biographien der Menschen und ihren Erfahrungen in den Nachwendejahren und dem Zusammenbruch der DDR begr\u00fcndet ist.<\/p>\n<p>Seit 2020 werden in Zwickau nur noch Elektroautos produziert. Angesichts der Dominanz g\u00fcnstiger chinesischer Modelle aber, stockt der E-Automarkt von Volkswagen. Auch wenn Industrie und Experten darauf verweisen, dass an der E-Mobilit\u00e4t kein Weg vorbeif\u00fchrt, \u201edas Gef\u00fchl, alles k\u00f6nne wieder wie fr\u00fcher zu Zeiten der Verbrenner-Produktion werden, wird von der AfD, aber auch CDU und FDP ausgenutzt\u201c, so Springfeld.<\/p>\n<p>Diese Abstiegsangst \u00fcbertrage sich auf die jungen Menschen, denen auch noch soziale Angebote fehlen. \u201eDas war zur Zeit der Coronakrise so. Die von Rechtsextremen angemeldeten Montagsdemonstrationen waren oft das einzige Ventil f\u00fcr junge Menschen, sich die Langeweile zu vertreiben. Dort wurden Jugendliche radikalisiert. Das ist aber auch heute so, weil angesichts sparpolitischer Ma\u00dfnahmen soziale Anlaufstellen gestrichen werden\u201c, sagt Springfeld.<\/p>\n<p>Politikwissenschaftler beobachten in Europa in den letzten zehn Jahren eine \u00c4nderung des Wahlverhaltens. W\u00e4hrend Parteien fr\u00fcher gew\u00e4hlt wurden, wenn sie als besonders geeignet galten bestimmte Probleme zu l\u00f6sen, ist heute die Positionierung der Parteien entscheidend. \u201eBezogen auf Klimapolitik w\u00e4hlt man nicht mehr die Partei, die als besonders kompetent gilt, sondern die, die man als besonders nah zu der eigenen Positionierung wahrnimmt\u201c, sagt der Politologe Markus Kollberg von der Humboldt Universit\u00e4t in Berlin, der in mehreren Studien Parteipr\u00e4ferenzen hinsichtlich der Einstellung zum Klimaschutz erforscht hat.<\/p>\n<p>Im November 2023 befragten Kollberg und ein internationales Forscherteam 15.000 Menschen aus Deutschland, Frankreich und Polen. Ein klares Ergebnis: Grunds\u00e4tzlich sind 60 bis 80 Prozent der Menschen f\u00fcr Klimaschutzma\u00dfnahmen. F\u00fcr noch weitergehenden Klimaschutz sind insbesondere Anh\u00e4nger von Parteien links der Mitte. Eine laute Minderheit stellt sich jedoch gegen jeglichen Klimaschutz. \u201eDurch die populistischen Narrative der radikalen Rechte begannen auch die anderen Parteien das Thema Klimaschutz anders zu bearbeiten\u201c, so Kollberg. Aus Angst, Gegenwind zu erfahren, nahmen sich selbst die Gr\u00fcnen im vergangenen <a href=\"https:\/\/www.energiezukunft.eu\/politik\/zwischen-technologieoffenheit-und-fortfuehrung-des-eingeschlagenen-weges\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bundestagswahlkampf<\/a> erst sp\u00e4t wieder dem Thema an.<\/p>\n<p>Noch st\u00e4rker von den Narrativen der Rechten vereinnahmen lie\u00dfen sich konservative Parteien. Die Skepsis von CDU\/CSU-W\u00e4hlern gegen\u00fcber Klimaschutzma\u00dfnahmen w\u00e4chst. Ein Jahr sp\u00e4ter, im November und Dezember 2024, befragte Kollberg im Rahmen einer weiteren Studie 5.500 Menschen in Deutschland. Es zeigte sich: Innerhalb eines Jahres nahm die Unterst\u00fctzung f\u00fcr Klimaschutzma\u00dfnahmen unter Unions-W\u00e4hlern um 10 Prozent ab \u2013 von 47 auf 37 Prozent. W\u00e4hrend bei W\u00e4hlern von Linkspartei, SPD und Gr\u00fcnen die Unterst\u00fctzung f\u00fcr mehr Klimaschutz deutlich \u00fcberwiegt, nimmt diese bei Anh\u00e4ngern von CDU\/CSU, FDP und AfD in der genannten Reihenfolge ab. Kurzfristiger wirtschaftlicher Nutzen wird bei den konservativen und rechten W\u00e4hlern \u00fcber mittel- und langfristig positive Effekte von Klimaschutz gestellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"von Manuel Grisard 24.04.2025 \u2013 Der \u201eideologische Ansatz\u201c des Green Deals m\u00fcsse \u00fcberarbeitet werden, findet Italiens Ministerpr\u00e4sidentin Giorgia&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":56547,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,13,1548,14,15,12],"class_list":{"0":"post-56546","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europaeische-union","13":"tag-europe","14":"tag-european-union","15":"tag-headlines","16":"tag-klimaschutz","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114391158976128805","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/56546","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=56546"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/56546\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/56547"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=56546"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=56546"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=56546"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}