{"id":565954,"date":"2025-11-10T18:45:21","date_gmt":"2025-11-10T18:45:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/565954\/"},"modified":"2025-11-10T18:45:21","modified_gmt":"2025-11-10T18:45:21","slug":"kommentar-zur-ki-blase-sam-altman-mimt-den-oppenheimer-des-21-jahrhunderts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/565954\/","title":{"rendered":"Kommentar zur KI-Blase: Sam Altman mimt den Oppenheimer des 21. Jahrhunderts"},"content":{"rendered":"<p>Weltweit reiben sich \u00d6konomen und Anleger die Augen: OpenAI meldet zweistellige Milliardenverluste pro Quartal, und jeder noch so kleine YouTuber mit Anlegertipps warnt inzwischen vor dem Platzen der KI-Blase. Und doch pumpen Investoren weiter Geld in KI, w\u00e4hrend OpenAI-Chef Sam Altman erkl\u00e4rt, die Betriebskosten <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Altmans-Reaktion-auf-OpenAIs-Milliardenverlust-Es-reicht-10967280.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">interessierten ihn nicht im Geringsten<\/a>. Wie ist diese Diskrepanz zwischen Horrorzahlen und ungebrochener Investitionsfreude zu erkl\u00e4ren?<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Die Strategie des \u201eWachstums, koste es, was es wolle\u201c ist altbekannt: Amazon, Uber, Netflix \u2013 sie alle verbrannten in den ersten Jahren Kapital, um M\u00e4rkte zu erobern. Aber ihre Verluste bewegten sich im einstelligen Milliardenbereich pro Jahr, nicht bei \u00fcber elf Milliarden in einem einzigen Quartal. Und sie hatten Gesch\u00e4ftsmodelle, bei denen Skaleneffekte irgendwann die Kosten dr\u00fcckten.<\/p>\n<p>    <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"Ein Kommentar von Hartmut Gieselmann\" height=\"583\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg xmlns='http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg' width='696px' height='391px' viewBox='0 0 696 391'%3E%3Crect x='0' y='0' width='696' height='391' fill='%23f2f2f2'%3E%3C\/rect%3E%3C\/svg%3E\" style=\"aspect-ratio: 729 \/ 583; object-fit: cover;\" width=\"729\"\/><\/p>\n<p class=\"a-inline-textbox__synopsis\">\n          Redakteur Hartmut Gieselmann, Jahrgang 1971, ist seit 2001 bei c&#8217;t. Er leitet das Ressort Anwendungen, Datenschutz &amp; Internet und bearbeitet unter anderem aktuelle Themen rund um die Bereiche Medizin-IT, Netzpolitik und Datenschutz.\n        <\/p>\n<p>OpenAI dagegen betreibt eine Technologie, deren variable Kosten \u2013 Chips, Strom, Rechenzentren \u2013 mit jeder Generationsstufe steigen. <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Warnungen-vorm-Platzen-der-KI-Blase-nehmen-zu-10749627.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Laut einer Analyse<\/a> der Unternehmensberatung Bain w\u00e4re bis 2030 in der KI-Branche ein globaler Jahresumsatz von zwei Billionen Dollar (sic!) n\u00f6tig, um die ben\u00f6tigte Rechenleistung zu finanzieren. Die L\u00fccke ist so gro\u00df, dass sie mit Abomodellen schlicht nicht zu schlie\u00dfen ist. Sie ist ein klares Signal an alle potenziellen Konkurrenten: Ihr k\u00f6nnt hier nicht mitspielen, ohne euch zu ruinieren.<\/p>\n<p>Trotzdem zieht niemand den Stecker. Warum?<\/p>\n<p>OpenAI geht es nicht darum, blo\u00df ein neuer Player der globalen Plattform\u00f6konomie zu werden. Es geht vielmehr um geopolitische Machtsicherung. Die USA behandeln fortgeschrittene KI inzwischen <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/US-Regierung-will-KI-Rechenzentren-viel-schneller-ans-Stromnetz-anschliessen-10845638.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wie ein nationales Infrastrukturprojekt<\/a>. Es ist f\u00fcr sie das geopolitische Gro\u00dfprojekt des 21. Jahrhunderts, mit dem sie ihre Dominanz sichern wollen.<\/p>\n<p>Palantir-Chef Alexander Karp hat eine solche nationale Gro\u00dfanstrengung in seinem Buch \u201eThe Technological Republic\u201c offen gefordert. Und Trumps Entscheidung, die leistungsf\u00e4higsten Nvidia-Chips <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Trump-Nvidias-leistungsfaehigster-KI-Chip-Blackwell-nur-fuer-die-USA-11005660.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">exklusiv in den USA zu halten<\/a>, zeigt das unverbl\u00fcmt. Das Wei\u00dfe Haus hat im Herbst bereits angek\u00fcndigt, den Ausbau von Rechenzentren als \u201ekritische Infrastruktur\u201c zu priorisieren. Was hier entsteht, \u00e4hnelt eher dem Manhattan-Projekt als dem n\u00e4chsten iPhone aus dem Silicon Valley.<\/p>\n<p>Wie beim Atomprogramm der 40er Jahre entsteht eine technologisch, politisch und finanziell abgeschirmte Gro\u00dfstruktur, die nur unter staatlicher Protektion funktionsf\u00e4hig ist. Es gelten dann andere Regeln: Nvidia, Microsoft, OpenAI und Co. werden gegen ausl\u00e4ndische Konkurrenz abgeschirmt, rechtlich privilegiert und politisch getragen. Die Verluste sind keine betriebswirtschaftlichen Fehlplanungen, sondern Vorleistungen f\u00fcr ein Machtinstrument, das sp\u00e4ter kaum noch einholbar ist. Deshalb verwundert es nicht, dass Altman mit seinen nationalen Ausbaupl\u00e4nen und seiner demonstrativen Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber den gigantischen Kosten auftritt, als st\u00fcnde er an der Spitze eines neuen Manhattan-Projekts.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Wer die technologische Infrastruktur kontrolliert, bestimmt die Standards, Protokolle und Abh\u00e4ngigkeiten der n\u00e4chsten Jahrzehnte. Und die USA haben in ihrer Geschichte mehrfach bewiesen, dass sie zur Absicherung technologischer und wirtschaftlicher Vorherrschaft selbst vor gravierenden Kollateralsch\u00e4den nicht zur\u00fcckschrecken und geopolitische Priorit\u00e4ten \u00fcber \u00f6kologische und gesellschaftliche Folgen stellen. Die absehbaren Sch\u00e4den des KI-Ausbaus f\u00fcr Umwelt und Klima gelten in Washington als verkraftbarer Preis.<\/p>\n<p>Strategische Warnungen vor dem Crash<\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Mark-Zuckerberg-haelt-Platzen-der-KI-Blase-fuer-moeglich-10667274.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">offenen Anspielungen der CEOs wie Mark Zuckerberg<\/a> auf das m\u00f6gliche Platzen der KI-Blase sind in diesem Kontext kein Alarmruf, sondern strategisch platzierte PR. Wer \u00f6ffentlich vor einer \u00dcberbewertung warnt, signalisiert Investoren, dass nur die gr\u00f6\u00dften Player stabil genug sind, um einen Crash zu \u00fcberstehen. Das erschwert kleineren Konkurrenten die Finanzierung und senkt deren \u00dcbernahmepreis, sobald die Kurse in den Keller rauschen.<\/p>\n<p>Angesichts dieses Gigantismus muss Europa einen anderen Weg einschlagen als die USA. Weder Gigawatt-Rechenzentren noch milliardenschwere Chipfabriken sind eine realistische Option; \u00f6kologisch w\u00e4ren sie ein Desaster. Souver\u00e4nit\u00e4t hei\u00dft stattdessen, die Kontrolle \u00fcber Standards, Schnittstellen und Zug\u00e4nge zu behalten: offene Modelle, offene Daten, gemeinsame europ\u00e4ische Compute-Cluster, klare Interoperabilit\u00e4tsvorgaben und eine demokratische Aufsicht \u00fcber die KI-Systeme, die in Wirtschaft und Verwaltung eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Die Schweiz zeigt mit dem Apertus-Programm, <a class=\"heiseplus-lnk\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/hintergrund\/Schweizer-Sprachmodell-Apertus-So-sieht-EU-konforme-transparente-KI-aus-10638501.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dass ein solcher Weg m\u00f6glich ist<\/a>. So k\u00f6nnte sich Europa langfristig vom KI-Tropf der USA abnabeln, ohne den Kontinent in eine zweite Rechenzentrumsw\u00fcste nach dem Vorbild Arizonas zu verwandeln.<\/p>\n<p>(<a class=\"redakteurskuerzel__link\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/hintergrund\/mailto:hag@ct.de\" title=\"Hartmut Gieselmann\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hag<\/a>)<\/p>\n<p>\n      Dieser Link ist leider nicht mehr g\u00fcltig.\n    <\/p>\n<p>Links zu verschenkten Artikeln werden ung\u00fcltig,<br \/>\n      wenn diese \u00e4lter als 7\u00a0Tage sind oder zu oft aufgerufen wurden.\n    <\/p>\n<p><strong>Sie ben\u00f6tigen ein heise+ Paket, um diesen Artikel zu lesen. 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