{"id":566524,"date":"2025-11-11T00:22:25","date_gmt":"2025-11-11T00:22:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/566524\/"},"modified":"2025-11-11T00:22:25","modified_gmt":"2025-11-11T00:22:25","slug":"box-set-power-to-the-people-zu-john-lennon-und-yoko-ono","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/566524\/","title":{"rendered":"Box-Set \u201ePower to the People\u201c zu John Lennon und Yoko Ono"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Rauhe Herzlichkeit und kaum verleugnete Verwundbarkeit: Es ist diese Stimme, dieser \u201ebrassy northern roar, flecked with bluesy moans\u201c \u2013 wie sie der Beatles-Biograph Ian MacDonald schon fr\u00fch und un\u00fcbersetzbar treffend umschrieb \u2013, mit der John Lennon noch heute Menschen in ihrem Innersten ber\u00fchren kann. In seinem sehns\u00fcchtigen, auf sanfte Weise scharfen Ton liegt der tiefere Grund f\u00fcr seine F\u00e4higkeit zur emotionalen Provokation. Er war es, der \u201eHelp\u201c gerufen und es gewagt hat, seine Seele zur Schau zu stellen. Er wagte es auch, zu versagen. Und das erforderte in einer von obligatorischem M\u00e4nnlichkeitswahn impr\u00e4gnierten Popkultur einigen Mut.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Von allen britischen Popstars erinnert Lennon bis heute am st\u00e4rksten an den Archetyp des \u201aangry young man\u2018. Und wahrscheinlich besa\u00df er in Europa die erste ehrliche wei\u00dfe Rock-\u2019n\u2019-Roll-Stimme. All dies ist die eigentliche Basis seiner bis heute ungebrochenen \u201acredibility\u2018, seiner W\u00fcrde und Glaubw\u00fcrdigkeit. Lennons oft widerspr\u00fcchliche Art zu leben wurde ihm zum wichtigsten politischen Statement. Demonstrativ hat er immer wieder versucht, Privates und \u00d6ffentliches, Pers\u00f6nliches und Politisches miteinander zu vers\u00f6hnen. Und doch blieb Lennon ein problembeladener \u201eworking class hero\u201c, der sich im Zeitalter zynischer Superstars dagegen wehrte, zur Massenware degradiert zu werden.<\/p>\n<p>Diffamiert als \u201espalterische Hexe\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Von all diesen Wirren und Triumphen erz\u00e4hlt jetzt die Box \u201ePower To The People\u201c. Nicht nur ist hier die Eindringlichkeit von Lennons Gesangsstimme in ihrer ganzen Kraft und Reinheit zu erleben, das opulente Boxset \u2013 liebevoll zusammengestellt und skrupul\u00f6s gemixt von Sean Ono Lennon \u2013 umfasst mit seinen neun CDs, drei Blu-Rays und einem 200-seitigen Prachtband die politisch radikalste Periode in <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"John Lennon\" data-rtr-id=\"e4dc90b87910fb071624ef00114098c07ebdfa3a\" data-rtr-score=\"1684.0042194092825\" data-rtr-etype=\"person\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/john-lennon\" title=\"John Lennon\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">John Lennons<\/a> und Yoko Onos Leben. Als er am 3. September 1971 mit seiner in England als \u201espalterische Hexe\u201c diffamierten Ehefrau in die Vereinigten Staaten \u00fcbersiedelte, hatte er nichts von seiner unbez\u00e4hmbaren Antriebskraft eingeb\u00fc\u00dft.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Benefizkonzerte f\u00fcr politisch Verfolgte, zornige Talkshow-Auftritte, Solidarit\u00e4tsadressen an linke Organisationen \u2013 dem FBI, das ihn schon l\u00e4nger im Visier hatte, lieferte er jede Menge Anhaltspunkte f\u00fcr ein vermeintlich \u201eunamerikanisches Verhalten\u201c. Der Verhaltensforscher Desmond Morris vermutet zu Recht die Wurzel dieser kreativen Wut in den Traumatisierungen von Lennons Kindheit: \u201eSein verzweifelter Drang, sich selbst zu \u00fcberzeugen, dass er es doch wert war, beachtet zu werden, treib ihn weiter und weiter.\u201c Und so k\u00f6nnen noch sein Parolen-Pop und seine Kampagnen-Kunst Anfang der Siebziger als Kampf um sich selbst verstanden werden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"DSGVO Platzhalter\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/gdpr-layer.webp.webp\" loading=\"lazy\" class=\"absolute w-full\"\/> Externe Inhalte aktivieren <\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Im Zentrum der \u201ePower To The People\u201c-Box stehen die beiden \u201eOne To One\u201c-Konzerte der Plastic Ono Band vom August 1971 im Madison Square Garden, unterst\u00fctzt von der im Greenwich Village angesagten Rockband Elephant\u2019s Memory. Es sollten die beiden einzigen umfassenden Liveshows werden, die Lennon in seiner Zeit nach den <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"The Beatles\" data-rtr-id=\"55cfab6ff7ecad5d55ee7cb1c790083d7b8956f0\" data-rtr-score=\"103.14170182841069\" data-rtr-etype=\"organisation\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/the-beatles\" title=\"The Beatles\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Beatles<\/a> absolvierte \u2013 jetzt zum ersten Mal in voller L\u00e4nge ver\u00f6ffentlicht. Und immer ist es Lennons Mundwerk voller \u201espice and spleen\u201c welches die Liveversionen von \u201eInstant Karma\u201c, einem nervenzerrenden \u201eMother\u201c oder \u201eCold Turkey\u201c befeuert.<\/p>\n<p>\u201eWhat a bad-ass City!<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eNew York City\u201c mit seinem Chuck-Berry-Gitarrenriff und einer Liebeserkl\u00e4rung an die \u201eStatue of Liberty\u201c atmet mitrei\u00dfende Highspeed-Erregung. \u201eWhat a bad-ass-city!\u201c, schreit John. Man sp\u00fcrt geradezu die Angst und Anspannung in seiner Stimme, nicht zuletzt auch in der gellenden Neufassung von \u201eCome Together\u201c. Da findet sich ein grandios \u00fcberdrehtes \u201eHound Dog\u201c mit Lennons Bekenntnis \u201eElvis, I love ya!\u201c in der letzten Strophe. Es ist die perfekte \u00dcberleitung zum Sing-Along von \u201eGive Peace A Chance\u201c mit den Gaststimmen von Melanie, Stevie Wonder oder Phil Spector.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Zwei Monate zuvor hatten John und Yoko ihr bis heute umstrittenes Album \u201eSome Time In New York City\u201c herausgebracht: Ein hochpolitisches Manifest, das, aufgemacht wie eine Zeitungsseite, als eine Art \u201ejournalistisches Tagebuch der Revolte\u201c (Lennon) wirkte. Angefacht von der eklektischen Energie, inspiriert von der gegenkulturellen Szene im Big Apple, mit Nachbarn wie Bob Dylan und Allen Ginsberg, trugen die beiden jetzt demonstrativ Baretts, um sich als militante Revolution\u00e4re zu outen. Musikalisch manifestierte sich ihr Engagement in Solidarit\u00e4tsadressen an inhaftierte Aktivisten wie John Sinclair oder Angela Davis, an den Freiheitskampf der Nordiren oder an die Gefangenen im Attica State Prison.<\/p>\n<p>Aus Rohfassungen zur vollen Gr\u00f6\u00dfe<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Es ist faszinierend nachzuh\u00f6ren, wie sich in einer \u201eEvolution Documentary\u201c die einzelnen Songs langsam aus akustischen Rohfassungen zur vollen Gr\u00f6\u00dfe entwickelten. Mit einer Ausnahme: Leider fehlt das feministische Manifest \u201eWoman is the N***** of the World\u201c, das wohl aus woken Erw\u00e4gungen in der ganzen Box verschwiegen wird. Dabei z\u00e4hlte zum Zeitpunkt der Ver\u00f6ffentlichung gerade dieser konfrontative Song zu den Highlights des Albums. Man h\u00e4tte durchaus die Zeile \u201eWoman is the slave to the slaves\u201c als Titel w\u00e4hlen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Entsch\u00e4digt werden die Fans durch diverse unver\u00f6ffentlichte Livemitschnitte \u2013 von der \u201eJohn Sinclair Freedom Rally\u201c in Ann Arbor \u00fcber ein \u201eAttica State Benefit\u201c aus dem Apollo Theatre in Harlem bis zum Auftritt von John und Yoko in der David Frost Show vom Dezember 1971. Die Rock-\u2019n\u2019-Roll-Session mit Elephant\u2019s Memory dokumentiert dagegen einmal mehr, dass Lennon im Grunde seines Herzens ein aufs\u00e4ssiger Rocker geblieben ist, der f\u00fcr die Beatles-Version von Carl Perkins\u2019 \u201eHoney Don\u2019t\u201c vielleicht die bessere Wahl anstelle des braven Ringo Starr gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Der Charme des Unfertigen<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Es ist die furchtlose Bandbreite dieser Lennon-Box, die den H\u00f6rer gefangen nimmt. Selbst dass weitere dreiunddrei\u00dfig rein akustische Rock-Klassiker solo im unvollkommenen Home-Jam-Verfahren aufgenommen wurden, war kein Hinderungsgrund f\u00fcr ihre Ver\u00f6ffentlichung. Gerade der Charme des Unfertigen macht sie h\u00f6renswert. Nicht zuletzt die giftigen Slide-Kommentare Lennons auf einer National-Resophonic-Gitarre zu vier Folk-Klassikern von Phil Ochs atmen Witz und Wahnsinn.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">An solcher Risikobereitschaft mangelt es dagegen jener \u201eAnthology 4\u201c-Sammlung, die Ende dieses Monats noch ein paar Beatles-Rarit\u00e4ten aus ihrem schier unersch\u00f6pflichen Archiv versammeln soll. Leider wurde hier die wohl letzte Chance vertan, das einzig wirklich aufregende St\u00fcck aus dem Beatles-Fundus, die Klangcollage \u201eCarnival of Light\u201c, den Fans der Fab Four endlich zur \u00e4sthetischen Beurteilung zuzumuten. Einmal mehr scheiterte die Ver\u00f6ffentlichung dieser l\u00e4ngst zum \u201eHeiligen Gral\u201c verkl\u00e4rten Zufallskomposition im Stile von John Cage am Veto von Olivia Harrison, die wie schon ihr verstorbener Ehemann George zuvor den Freundlichkeits-Nimbus der Beatles nicht durch ein solch radikales St\u00fcck Musik besch\u00e4digt sehen wollte.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Yoko Ono h\u00e4tte mit einem solchen Wagnis keinerlei Probleme gehabt. Ihre Schreikaskaden in der ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Jam-Session mit Frank Zappa und den Mothers vom Juni 1971 setzten eine Risikobereitschaft und ein Selbstbewusstsein voraus, das den Beatles-Nachlassverwaltern heute zu w\u00fcnschen w\u00e4re. Da war es in einem weiteren Boxset-Beitrag nur konsequent, dass der Comedian Jerry Lewis eine verr\u00fcckte Reggae-Version von \u201eGive Peace A Chance\u201c durch sein genial-dilettantisches Trompetenspiel bereicherte. Er hatte wohl recht, als er zuvor John &amp; Yoko in seinem \u201eMuscular Dystrophy\u201c-Spendenmarathon vom September 1972 als \u201ezwei der ungew\u00f6hnlichsten Menschen auf der ganzen Welt \u2013 und ich meine dabei nicht nur die Welt des Entertainments\u201c ank\u00fcndigte. Fast m\u00f6chte man der zerstrittenen amerikanischen Nation heute zurufen: \u201eMehr John &amp; Yoko h\u00f6ren!\u201c<\/p>\n<p><strong>John &amp; Yoko \/ Plastic Ono Band: \u201ePower To The People\u201c.<\/strong> (Boxset mit 9 CDs, 3 Blu-Rays, Buch). Mercury Records 06024\/75839668<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Rauhe Herzlichkeit und kaum verleugnete Verwundbarkeit: Es ist diese Stimme, dieser \u201ebrassy northern roar, flecked with bluesy moans\u201c&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":566525,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1772],"tags":[29,214,30,1779,810,215],"class_list":{"0":"post-566524","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-musik","8":"tag-deutschland","9":"tag-entertainment","10":"tag-germany","11":"tag-music","12":"tag-musik","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115528214319453850","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/566524","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=566524"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/566524\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/566525"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=566524"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=566524"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=566524"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}