{"id":567511,"date":"2025-11-11T10:09:26","date_gmt":"2025-11-11T10:09:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/567511\/"},"modified":"2025-11-11T10:09:26","modified_gmt":"2025-11-11T10:09:26","slug":"gesundheit-suizidpraevention-in-berlin-wenn-reden-leben-rettet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/567511\/","title":{"rendered":"Gesundheit \u2013 Suizidpr\u00e4vention in Berlin: Wenn Reden Leben rettet"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img313919\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/313919.jpeg\" alt=\"F\u00fcr suizidale Menschen gibt es zahlreiche Beratungsangebote.\"\/><\/p>\n<p>F\u00fcr suizidale Menschen gibt es zahlreiche Beratungsangebote.<\/p>\n<p>Foto: dpa\/Jens Kalaene<\/p>\n<p>Die jahrelang gepflegte Briefmarkensammlung, Familienerbst\u00fccke, alte Fotoalben \u2013 beginnt jemand, solche pers\u00f6nlichen Gegenst\u00e4nde pl\u00f6tzlich und ohne erkennbaren Grund einfach an andere zu verschenken, sollten seine Angeh\u00f6rige besonders aufmerksam sein, raten Experten. Denn was wie eine nette Geste wirkt, ist in Wirklichkeit ein unheilvolles Omen: Die ungew\u00f6hnlichen Geschenke k\u00f6nnten darauf hinweisen, dass die betroffene Person mit dem Leben abgeschlossen und den Entschluss gefasst hat, Suizid zu begehen.<\/p>\n<p>\u00bbEs gibt mehrere solcher Warnzeichen\u00ab, sagt Markus Geisler, Leiter der Fachstelle Suizidpr\u00e4vention am Montag vor dem Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses. \u00bbPersonen reden dann h\u00e4ufig dar\u00fcber, eine Belastung zu sein oder keine Hoffnung mehr zu haben, oder sie ziehen sich zur\u00fcck.\u00ab Doch h\u00e4ufig k\u00f6nnten Angeh\u00f6rige diese Zeichen nicht erkennen. \u00bbDie Betroffenen haben zwar indirekt \u00fcber Suizidgedanken gesprochen, aber so chiffriert, dass es die Angeh\u00f6rigen nicht wahrnehmen konnten\u00ab, berichtet Geisler aus einer Befragung mit den Hinterbliebenen.<\/p>\n<p>505\u2005Menschen sind im vergangenen Jahr in Berlin durch Suizid gestorben, berichtet die Psychologin Birgit Wagner. \u00bbDas entspricht zwei Flugzeugabst\u00fcrzen.\u00ab Unter jungen Menschen sei Suizid sogar eine der h\u00e4ufigsten Todesursachen. Bundesweit waren es 2024 10\u2009304 Suizide \u2013 ein<a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1186773.suizidpraevention-berlin-ueber-suizid-sprechen-kann-leben-retten.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> leichter Anstieg gegen\u00fcber dem Vorjahr<\/a>, aber nur noch knapp die H\u00e4lfte des Niveaus von 1980. \u00bbSuizidpr\u00e4vention kann etwas bewirken\u00ab, sagt Wagner. Man k\u00f6nne empirisch nachweisen, dass politische Schritte die Suizidrate senken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Muckefuck: morgens, ungefiltert, links<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/313920.jpeg\" alt=\"\" title=\"\" width=\"170\"\/><\/p>\n<p>nd.Muckefuck ist unser Newsletter f\u00fcr Berlin am Morgen. Wir gehen wach durch die Stadt, sind vor Ort bei Entscheidungen zu Stadtpolitik \u2013 aber immer auch bei den Menschen, die diese betreffen. Muckefuck ist eine Kaffeel\u00e4nge Berlin \u2013 ungefiltert und links. Jetzt <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/muckefuck\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">anmelden<\/a> und immer wissen, worum gestritten werden muss.<\/p>\n<p>Fast drei Viertel der Suizide werden von M\u00e4nnern begangen. Sie w\u00e4hlen \u00f6fter erfolgversprechendere Methoden der Selbstt\u00f6tung und treffen die Entscheidung zum Suizid unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. Zudem haben sie im Vergleich zu Frauen ein geringeres Bewusstsein f\u00fcr ihre psychische Gesundheit und sind weniger bereit, \u00fcber ihren Gem\u00fctszustand zu reden. Das d\u00fcrfte den paradox scheinenden Befund erkl\u00e4ren, warum trotz des deutlichen M\u00e4nner\u00fcberhangs bei vollendeten Suiziden <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1193909.welttag-der-suizidpraevention-hilfsangebote-fehlen-oder-werden-nicht-genutzt.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">70\u2005Prozent der Ratsuchenden bei den Beratungsstellen Frauen sind<\/a>.<\/p>\n<p>F\u00fcr Markus Geisler ist der richtige Umgang mit den Warnzeichen ein Schl\u00fcssel, um die Zahl der Suizide zu reduzieren. \u00bbEs bedarf einer besseren Aufkl\u00e4rung f\u00fcr Angeh\u00f6rige, damit sie Ver\u00e4nderungen wahrnehmen k\u00f6nnen\u00ab, sagt er.<\/p>\n<p>Doch dabei sollte es nicht bleiben, fordert Sibylle L\u00f6schber: Auch Fachkr\u00e4fte wie Sozialarbeiter oder Lehrer m\u00fcssten besser dabei unterst\u00fctzt werden, Suizidalit\u00e4t zu erkennen, fordert die Leiterin der Beratungsstelle Neuhland, die sich besonders an junge Suizidgef\u00e4hrdete richtet. \u00bbWir brauchen Lehrkr\u00e4fte, die bereit sind hinzuschauen.\u00ab Die Fachkr\u00e4fte m\u00fcssten nicht nur Warnzeichen erkennen, sondern auch wissen, wie sie mit suizidalen Menschen umgehen und an wen sie sie weiterverweisen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mit Sorge betrachtet L\u00f6schber, dass im Haushaltsentwurf die Mittel f\u00fcr Sozialarbeit an den Schulen drastisch gek\u00fcrzt werden sollen. \u00bbWir brauchen die Aufrechterhaltung der Schulsozialarbeit\u00ab, sagt sie. \u00bbDas sind h\u00e4ufig diejenigen, die als Erstes auf die Jugendlichen zugehen.\u00ab<\/p>\n<p>Auch die Beratungsstellen selbst sind von K\u00fcrzungen im Haushaltsentwurf betroffen. \u00bbWenn die Verst\u00e4rkungsmittel im kommenden Haushalt nicht mehr zur Verf\u00fcgung stehen, werden wir Sachen zur\u00fcckbauen m\u00fcssen\u00ab, sagt Benjamin Oche vom Berliner Krisendienst. In dieser Situation werde man Beratungspersonal abbauen m\u00fcssen. Suizidgef\u00e4hrdete m\u00fcssten dann l\u00e4nger auf Gespr\u00e4che warten. \u00bbF\u00fcr Menschen in akuten Krisen kann das t\u00f6dliche Folgen haben\u00ab, sagt Oche.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>&#13;<\/p>\n<p>\u00bbMenschen mit Suizidgedanken entwickeln einen Tunnelblick.\u00ab<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\nBenjamin Oche\u2003Berliner Krisendienst<\/p><\/blockquote>\n<p>Pr\u00e4vention kann aber auch an einer anderen Stelle ansetzen: Mit Datenabgleichen k\u00f6nne man \u00bbHotspots\u00ab identifizieren, an denen es besonders h\u00e4ufig zu Suiziden komme, bemerkt Markus Geisler von der Fachstelle. Dabei handele es sich etwa um frei zug\u00e4ngliche Hochh\u00e4user oder Gleisanlagen. Daf\u00fcr k\u00f6nnten Daten der Polizei und der Feuerwehr herangezogen werden, anschlie\u00dfend k\u00f6nnten bauliche \u00c4nderungen an diesen Suizid-Hotspots vorgenommen werden.<\/p>\n<p>Doch das Vorhaben hat einen Haken: \u00bbWir wissen nicht, was die Hotspots sind\u00ab, sagt Geisler. Denn bislang w\u00fcrden diese Daten nicht erfasst. Bislang habe es nur erste Gespr\u00e4che mit der Polizei gegeben, um eine solche Datensammlung anzusto\u00dfen. Auch \u00fcber versuchte Suizide l\u00e4gen den Beratungsstellen keine Daten vor.<\/p>\n<p>Ein solches Hotspot-Register ist Teil der Berliner Strategie Suizidpr\u00e4vention, die derzeit ausgearbeitet wird. Aktuell stimmten sich die Experten der Beratungsstellen ab, um der Senatsgesundheitsverwaltung einen Vorschlag vorzulegen, berichtet Geisler. Auch die Abstimmung zwischen Beratungsstellen, Krankenh\u00e4usern und therapeutischen Einrichtungen solle so gest\u00e4rkt werden. Angelegt sei das Konzept auf zehn Jahre.<\/p>\n<p>Sind die Suizidgef\u00e4hrdeten erst einmal in der Beratung angekommen, gibt es durchaus Hoffnung. \u00bbMenschen mit Suizidgedanken entwickeln einen Tunnelblick\u00ab, sagt Benjamin Oche vom Krisendienst. Die Selbstt\u00f6tung erscheine den Betroffenen oft als einzige L\u00f6sung f\u00fcr ihre Probleme. Ein Gespr\u00e4ch helfe oft, neue Perspektiven zu entwickeln. \u00bbViele Menschen, die in unsere Beratung kommen, sagen: \u203aIch will nicht mehr leben.\u2039\u00ab, berichtet Oche. \u00bbAber wenn man mit ihnen redet, findet man schnell heraus, dass eigentlich gemeint ist: \u203aIch will so nicht mehr leben.\u2039\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"F\u00fcr suizidale Menschen gibt es zahlreiche Beratungsangebote. 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