{"id":567601,"date":"2025-11-11T11:07:11","date_gmt":"2025-11-11T11:07:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/567601\/"},"modified":"2025-11-11T11:07:11","modified_gmt":"2025-11-11T11:07:11","slug":"im-verborgenen-schlummern-tausende-unentdeckte-arten-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/567601\/","title":{"rendered":"Im Verborgenen schlummern Tausende unentdeckte Arten in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Unter Wiesen, in W\u00e4ldern und Fl\u00fcssen schlummert unbekanntes Leben. Forscher starten die gr\u00f6\u00dfte Inventur der Biodiversit\u00e4t in Deutschland.<\/p>\n<p>Deutschland kennt seine eigene Natur kaum. Selbst in W\u00e4ldern, B\u00f6den und G\u00e4rten leben unz\u00e4hlige Lebewesen, die bislang niemand beschrieben hat \u2013 von winzigen Pilzen bis zu Insekten, die noch keinen Namen tragen. Wissenschaftler wollen das jetzt \u00e4ndern. Mit der bislang umfassendsten Untersuchung der heimischen Artenvielfalt soll sichtbar werden, was in der Erde, in Fl\u00fcssen und auf Wiesen bislang verborgen blieb.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Die sogenannte Inventur der Biodiversit\u00e4t ist Teil der Initiative \u201eUnbekanntes Deutschland\u201c, die von mehreren Forschungseinrichtungen ins Leben gerufen wurde \u2013 darunter die Senckenberg Gesellschaft f\u00fcr Naturforschung, das Museum f\u00fcr Naturkunde Berlin und die Zoologische Staatssammlung M\u00fcnchen. Grundlage ist die in Nature Communications Biology ver\u00f6ffentlichte Studie. Ziel ist es, die biologische Vielfalt Deutschlands vollst\u00e4ndig zu erfassen, zu verstehen und besser zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Deutschland kennt nur einen Bruchteil seiner Arten<\/p>\n<p>Die Zahlen sind ern\u00fcchternd. Zwar gelten hierzulande rund 48.000 Tierarten, 9.500 Pflanzen und 16.000 Pilze als bekannt. Doch das ist nur ein Bruchteil der tats\u00e4chlichen Vielfalt. \u201eWenn man das Verh\u00e4ltnis von Pilzen zu Pflanzen ber\u00fccksichtigt, wie es in gem\u00e4\u00dfigten Regionen \u00fcblich ist, m\u00fcsste <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/wissen\/praxistipps\/pilzkalender-wann-sie-welche-pilze-sammeln-koennen_id_6837647.html\" rel=\"follow nofollow noopener\" target=\"_self\">Deutschland rund 48.000 Pilzarten beherbergen<\/a>\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Ricarda Lehmitz vom Senckenberg Museum f\u00fcr Naturkunde in G\u00f6rlitz. \u201eEtwa zwei Drittel davon sind vermutlich noch unbeschrieben.\u201c<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Damit steht Deutschland beispielhaft f\u00fcr ein weltweites Problem: Die Menschheit kennt bisher nur einen kleinen Teil des Lebens auf der Erde. Der Rest existiert im Verborgenen \u2013 und geht m\u00f6glicherweise verloren, bevor er \u00fcberhaupt entdeckt wurde.<\/p>\n<p>Forscher wollen wissen, was in Deutschlands B\u00f6den lebt<\/p>\n<p>Die Initiative b\u00fcndelt Wissen aus Museen, Instituten und naturkundlichen Sammlungen, um diese L\u00fccken zu schlie\u00dfen. \u00dcber 147 Millionen Exponate lagern in deutschen Sammlungen \u2013 ein Schatz, der bislang nur zu einem Bruchteil digitalisiert ist. Mit neuen Technologien wollen die Forscher diese Daten sichtbar machen und mit aktuellen Funden verkn\u00fcpfen.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt stehen dabei Tiergruppen und Lebensr\u00e4ume, \u00fcber die bisher kaum etwas bekannt ist:<\/p>\n<ul>\n<li>winzige Bodentiere wie Springschw\u00e4nze, Milben und Fadenw\u00fcrmer<\/li>\n<li>Pilze, Bakterien und Mikroorganismen in B\u00f6den und Gew\u00e4ssern<\/li>\n<li>Insektenarten, die sich \u00e4u\u00dferlich kaum unterscheiden, genetisch aber eigenst\u00e4ndig sind<\/li>\n<\/ul>\n<p>Lehmitz spricht von sogenannten \u201ekryptischen Arten\u201c. Sie sehen gleich aus, sind aber genetisch verschieden \u2013 eine Herausforderung f\u00fcr die klassische Artenbestimmung.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Warum eine Inventur der Biodiversit\u00e4t nicht nur f\u00fcr Deutschland wichtig ist<\/p>\n<p>Die Forscher warnen, dass das Artensterben schneller voranschreitet, als neue Arten \u00fcberhaupt entdeckt werden k\u00f6nnen. Weltweit gehen jedes Jahr zehntausende Arten verloren. Auch in Deutschland sind viele Lebensr\u00e4ume unter Druck. Nach Angaben der Europ\u00e4ischen Umweltagentur befinden sich rund 60 Prozent der heimischen Lebensraumtypen in einem schlechten Erhaltungszustand.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Prof. Klement Tockner, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft, sieht die Initiative daher als dringende Aufgabe: \u201eDie Entdeckung und Beschreibung der bislang unbekannten Vielfalt ist eine enorme, aber notwendige Herausforderung, wenn wir den Verlust biologischer Vielfalt aufhalten wollen.\u201c<\/p>\n<p>Hightech hilft bei der Artensuche<\/p>\n<p>Um das Projekt in absehbarer Zeit umzusetzen, setzen die Wissenschaftler auf neueste Technologien:<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<ul>\n<li>Hochdurchsatz-Sequenzierung erm\u00f6glicht, DNA-Spuren aus Bodenproben oder Insektenfallen zu analysieren.<\/li>\n<li>K\u00fcnstliche Intelligenz hilft, Arten auf Bildern automatisch zu erkennen.<\/li>\n<li>Automatisierte Mikroskope sortieren Proben und erstellen hochaufl\u00f6sende Aufnahmen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Methoden verk\u00fcrzen den Prozess, der fr\u00fcher Jahrzehnte gedauert h\u00e4tte, auf wenige Jahre. Zudem flie\u00dfen historische Daten aus naturkundlichen Sammlungen ein, um Ver\u00e4nderungen im Laufe der Zeit nachvollziehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger werden Teil des Projekts<\/p>\n<p>Ein besonderer Aspekt der Initiative ist die Einbindung von B\u00fcrgerwissenschaftlern. \u00dcber Plattformen wie <a href=\"https:\/\/www.inaturalist.org\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">iNaturalist<\/a> oder <a href=\"https:\/\/floraincognita.de\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Flora Incognita<\/a> k\u00f6nnen Naturinteressierte Fotos und Beobachtungen hochladen, die dann von Expertinnen und Experten \u00fcberpr\u00fcft werden.<\/p>\n<p>Prof. Bernhard Misof vom Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversit\u00e4tswandels erkl\u00e4rt: \u201eDeutschland verf\u00fcgt \u00fcber ein enormes naturkundliches Wissen. Wenn wir moderne Technologien, Fachwissen und die Beteiligung der \u00d6ffentlichkeit kombinieren, k\u00f6nnen wir in kurzer Zeit erstaunlich viel \u00fcber unsere eigene Natur lernen.\u201c<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Solche Kooperationen haben bereits gezeigt, wie effektiv sie sein k\u00f6nnen. In den vergangenen 20 Jahren stieg etwa die Zahl der bekannten S\u00fc\u00dfwasser-Kieselalgen in Deutschland um 46 Prozent \u2013 ein Erfolg intensiver Feldarbeit und verbesserter Analysetechniken.<\/p>\n<p>Wissen, das \u00fcber Deutschland hinaus wirkt<\/p>\n<p>Die Erkenntnisse sollen nicht nur in Deutschland, sondern auch international nutzbar sein. Denn viele Arten machen an Landesgrenzen nicht halt. Ein besseres Verst\u00e4ndnis von Verbreitung und Funktion der Arten kann helfen, Schutzgebiete gezielter zu planen und Landwirtschaft oder Forstwirtschaft nachhaltiger zu gestalten.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Au\u00dferdem k\u00f6nnten Mikroorganismen oder <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/gesundheit\/news\/forscher-testen-gefaehrlichen-grabpilz-als-krebsbekaempfer-mit-erfolg_d96cedcc-c7c8-44fb-a2d1-32d12d08c3f8.html\" rel=\"follow nofollow noopener\" target=\"_self\">Pilze in Zukunft f\u00fcr medizinische Zwecke<\/a>, Biokunststoffe oder neue Materialien genutzt werden. Auch f\u00fcr Klimaschutz und Bodengesundheit sind die entdeckten Arten von Bedeutung \u2013 viele speichern Kohlenstoff oder beeinflussen den N\u00e4hrstoffkreislauf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Unter Wiesen, in W\u00e4ldern und Fl\u00fcssen schlummert unbekanntes Leben. 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