{"id":567892,"date":"2025-11-11T13:57:24","date_gmt":"2025-11-11T13:57:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/567892\/"},"modified":"2025-11-11T13:57:24","modified_gmt":"2025-11-11T13:57:24","slug":"oeltanker-eventin-warten-auf-die-katastrophe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/567892\/","title":{"rendered":"\u00d6ltanker Eventin &#8211; Warten auf die Katastrophe?"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/eventin-124.jpg\" alt=\"Der man\u00f6vrierunf\u00e4hige \u00d6ltanker &quot;Eventin&quot;.\" title=\"Der man\u00f6vrierunf\u00e4hige \u00d6ltanker &quot;Eventin&quot;. | -\/Havariekommando\/dpa\"\/><\/p>\n<p>                    <strong>exklusiv<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 11.11.2025 11:37 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Seit Monaten liegt die Eventin vor R\u00fcgen, der \u00d6ltanker wird Russlands Schattenflotte zugerechnet. Die Sorge w\u00e4chst, dass aus dem Schiff \u00d6l austreten k\u00f6nnte. Doch laut NDR-Recherchen wird die Eventin vorerst nicht in einen Hafen gebracht.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Alexa H\u00f6ber, Henning Str\u00fcber, Martina Rathke, NDR\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Im Januar trieb die Eventin nach einem Maschinenschaden man\u00f6vrierunf\u00e4hig und unbeleuchtet auf der Ostsee auf R\u00fcgen zu. Der \u00d6ltanker wird der sogenannten russischen Schattenflotte zugerechnet und hat nach Angaben von Beh\u00f6rden knapp 100.000 Tonnen \u00d6l geladen. Der deutsche Zoll beschlagnahmte die Eventin. Das Bundesfinanzministerium begr\u00fcndete diese Ma\u00dfnahme gegen\u00fcber dem NDR mit Sanktionsbestimmungen der EU.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Notschlepper zogen die Eventin im Januar an einen Liegeplatz vor Sassnitz, \u00f6stlich der Insel R\u00fcgen. Dort liegt das Schiff bis heute. Doch warum \u00e4ndert sich seit Monaten nichts an der Situation? Carmen Kannengie\u00dfer, Kreistagsabgeordnete der W\u00e4hlergemeinschaft f\u00fcr R\u00fcgen, kritisiert, die Bundesregierung gehe sehr lax mit der Situation um und bringe die Bev\u00f6lkerung in ziemliche \u00c4ngste. Ganz in der N\u00e4he des Liegeplatzes der Eventin liegen der Nationalpark Jasmund und die ber\u00fchmte Kreidek\u00fcste R\u00fcgens.<\/p>\n<p>    Komplizierte Rechtsfragen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der deutsche Zoll nahm wohl an, er k\u00f6nne nach der Beschlagnahmung das Schiff und das geladene \u00d6l schnell verwerten. Doch dagegen wehrte sich der bisherige Eigner des Schiffes, die Laliya Shipping Corp., eine Gesellschaft, die auf den Marschallinseln registriert ist. Sie reichte Klage beim Finanzgericht Mecklenburg-Vorpommern ein.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Laut NDR-Recherche argumentiert sie, der Zoll habe keine rechtliche Grundlage f\u00fcr die Beschlagnahmung der Eventin gehabt, da sich an Bord kein sanktioniertes \u00d6l befinde. Es handele sich bei der Ladung entgegen der Angaben auf dem Frachtbrief nicht um Schwer\u00f6l, das von EU-Sanktionen erfasst sei, sondern um raffiniertes \u00d6l, das nicht unter die EU-Sanktionen falle. Au\u00dferdem sei die Eventin nicht absichtlich, sondern infolge des technischen Defekts in deutsche Hoheitsgew\u00e4sser geraten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es habe daher keine willentliche Einfuhr von russischem \u00d6l ins deutsche K\u00fcstenmeer gegeben. Somit liege auch kein Sanktionsversto\u00df vor. Jedes Schiff k\u00f6nne sich zudem w\u00e4hrend einer Havarie auf das Nothafenrecht berufen. Die komplizierten Rechtsfragen lie\u00dfen sich am Finanzgericht Mecklenburg-Vorpommern nicht kl\u00e4ren. Mittlerweile besch\u00e4ftigt sich der Bundesfinanzhof mit dem Fall. Eine Entscheidung wird es wohl fr\u00fchestens Ende des Jahres geben. &#8222;Bis zur gerichtlichen Entscheidung haben weitere Vollzugsma\u00dfnahmen zu unterbleiben&#8220;, so das Bundesfinanzministerium gegen\u00fcber dem NDR.<\/p>\n<p>    Eigent\u00fcmerfirma klagt auch gegen die EU<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Recherche zeigt jetzt, dass der bisherige Eigent\u00fcmer der Eventin am 25. April noch eine weitere Klage eingereicht hat und von der Anw\u00e4ltin Henrike Koch aus Hamburg vertreten wird. Diese Klage richtet sich gegen den Rat der Europ\u00e4ischen Union. Die EU hatte die Eventin am 24. Februar als Schattentanker gelistet. Daf\u00fcr gebe es keine ausreichenden Belege, so die Begr\u00fcndung f\u00fcr die Klage. Die Hamburger Anw\u00e4ltin beantwortete Fragen zum aktuellen Stand dieses Rechtsstreits auf EU-Ebene nicht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Fall zeigt, wie schwierig es ist, auf diesem Weg die Einhaltung internationaler Umwelt- und Sicherheitsstandards zu gew\u00e4hrleisten. Insbesondere alte \u00d6ltanker wie die 19 Jahre alte Eventin stellen ein erhebliches Risiko f\u00fcr die Meere dar. Sie gelten als Substandard-Schiffe, da sie meist schlecht gewartet sind. Besonders problematisch ist, wenn sie in \u00f6kologisch sensiblen Seegebieten wie der Ostsee unterwegs sind.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nach dem internationalen Seerecht ist Deutschland verpflichtet, Umweltgefahren zu minimieren, die sich durch die Schifffahrt f\u00fcr die Ostsee ergeben. Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation hat weltweit 17 Meeresgebiete als besonders empfindlich definiert. Dazu z\u00e4hlt die UN-Unterorganisation auch die Ostsee.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das Internationale \u00dcbereinkommen zur Verh\u00fctung der Meeresverschmutzung durch Schiffe (MARPOL) erlaubt Staaten, in solchen sensiblen Seegebieten besondere Ma\u00dfnahmen zu deren Schutz zu ergreifen. Darunter fallen auch Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr \u00d6ltanker.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch das Seerechts\u00fcbereinkommen der Vereinten Nationen (UNCLOS) verpflichtet alle Staaten, insbesondere aber K\u00fcstenstaaten, aktiv Ma\u00dfnahmen zum Schutz der Meeresumwelt zu ergreifen.<\/p>\n<p>    Umgang mit Risiko-Schiffen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Genau hier versuchen Julian Pawlak und sein Team anzusetzen. Pawlak ist akademischer Koordinator des interdisziplin\u00e4ren Forschungsschwerpunktes Maritime Sicherheit (iFMS), einer Kooperation mit dem Bundesministerium der Verteidigung (BMVg). In den kommenden Tagen soll ver\u00f6ffentlicht werden, welche M\u00f6glichkeiten internationales Seerecht bietet, den hohen Umweltrisiken durch Substandard-Schiffe zu begegnen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Einer der wenigen, die den \u00d6ltanker Eventin aus n\u00e4chster N\u00e4he gesehen haben, ist der Schiffsingenieur Patrick Gielow. Er hat den technischen Zustand des Tankers \u00fcberpr\u00fcft. Das Ergebnis fiel positiv aus. Die Eventin sei in einem &#8222;wirklich guten technischen Zustand&#8220;. Dennoch, so Gielow, bleibe ein Restrisiko.<\/p>\n<p>    Greenpeace warnt vor Worst-Case-Szenario<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Umweltorganisation Greenpeace warnt vor der Gefahr eines \u00d6laustritts aus der Eventin und gab beim renommierten Helmholtz-Zentrum Hereon Simulationen in Auftrag. Welches \u00d6l die Eventin genau geladen hat, ist bisher nicht \u00f6ffentlich bekannt. Daher wurde mit verschiedenen \u00d6lsorten und jeweils unterschiedlichen Str\u00f6mungs- und Windverh\u00e4ltnissen simuliert.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der &#8222;Worst-Case&#8220;: Bei Wetterlagen vergleichbar der starken Sturmflut im Oktober 2023 vor R\u00fcgen k\u00f6nnte das \u00d6l innerhalb kurzer Zeit die nahegelegene K\u00fcste erreichen, und das bei Bedingungen, unter denen eine fr\u00fchzeitige \u00d6lbek\u00e4mpfung kaum m\u00f6glich w\u00e4re.<br \/>Zur \u00d6lausbreitungs-Simulation des Helmholtz-Zentrums Hereon wollte sich die Generalzolldirektion nicht \u00e4u\u00dfern und verwies auf das laufende Gerichtsverfahren.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Bewertung der Seesicherheit und Gef\u00e4hrdungslage durch die zust\u00e4ndigen Sicherheitsbeh\u00f6rden erfolge aber fortlaufend, wobei insbesondere m\u00f6gliche Wetterentwicklungen stets ber\u00fccksichtigt w\u00fcrden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"exklusiv Stand: 11.11.2025 11:37 Uhr Seit Monaten liegt die Eventin vor R\u00fcgen, der \u00d6ltanker wird Russlands Schattenflotte zugerechnet.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":567893,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[331,332,3364,29,30,13,14,15,2852,307,15048,12],"class_list":{"0":"post-567892","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-headlines","14":"tag-nachrichten","15":"tag-news","16":"tag-ostsee","17":"tag-russland","18":"tag-schattenflotte","19":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115531419521397119","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/567892","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=567892"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/567892\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/567893"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=567892"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=567892"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=567892"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}